Simone Guido

 4.5 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von Tim lebt!.

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Simone GuidoTim lebt!
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Tim lebt!
Tim lebt!
 (14)
Erschienen am 15.06.2015

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Rezension zu "Tim lebt!" von Simone Guido

Lebenswert
strickleserlvor 9 Monaten

Dieses Buch berichtet von einem behinderten Baby, das seine eigene Abtreibung überlebte. Das frühgeborene Baby kam nach der überstandenen Abtreibung in eine Pflegefamilie, die in diesem Buch offen und ehrlich von den besonderen Herausforderungen, aber auch Freuden, der Pflege dieses Kindes erzählt. Sie blicken dabei auf die achtzehn Jahre im Leben dieses Kindes zurück.Wer eine zusammenhängende Erzählung erwartet, wird enttäuscht werden. Das spannende Thema wird eher im Stile einer Reportage aufbereitet. Es wird von einem Tag im Leben der Familie Guido berichtet, der 18. Geburtstag dieses Pflegekinds, Tim. Dabei kommen unterschiedliche Personen zu Wort, die bruchstückhaft aus der Vergangenheit erzählen, und auch ihre Einschätzung der Ereignisse wiedergeben. Die Geschichte von Tim wird also nicht chronologisch erzählt. Das macht das Lesen zum Teil etwas schwierig, aber der Inhalt ist trotzdem so spannend, dass man gespannt weiterliest. Nach und nach wird die Geschichte dieser misslungenen Abtreibung erzählt, und das Wertvolle an diesem Buch sind die Fragen die aufgeworfen werden: Wer definiert welches Leben lebenswert ist? Ab wann beginnt Leben? Wird heute vielleicht leichtfertig dazu geraten ein behindertes Kind abzutreiben, um Folgekosten zu sparen? Dabei werden nicht Vorwürfe gemacht und es geht nicht um Streitereien über unterschiedliche Standpunkte. Dieses Buch stellt einfach Fragen und Erfahrungen in den Raum. Und zwischen diesen Fragen leuchtet immer wieder der schwierige, aber sehr lohnende, Alltag mit einem besonderen Kind durch.Das Ehepaar Guido wurde auch immer wieder kritisiert, da sie als Pflegeeltern Geld für die Pflege dieses Kindes bekommen, aber ich frage mich welche der kritischen Stimmen selbst bereit wären die Opfer auf sich zu nehmen, die die Pflege eines solchen Kindes kostet. Der wichtigste Beitrag dieses Buches ist, meiner Meinung nach, die Feststellung, dass jedes Menschenleben unendlich kostbar ist. Wie der leibliche Sohn der Familie Guido sagt, „Die Tatsache, dass ein Mensch heute nicht existieren darf, weil er behindert ist und nicht den Erwartungen der Gesellschaft entspricht, finde ich widerlich. Alles muss gleich sein, alles muss funktionieren und wenn ein Down-Syndrom-Kind dazwischenkommt, muss es sterben, weil es nicht in das Bild einer Familie passt.“ Diese Familie zeigt vorbildhaft, dass es auch anders geht.

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NessiOttos avatar

Rezension zu "Tim lebt!" von Simone Guido

Tim, das traurig berühmte Oldenburger Baby.
NessiOttovor 2 Jahren

Vielleicht kennen Tim viele aus der Zeitung. Vor 18 Jahren wurde bei Tim noch im Mutterleib das Down Syndrom festgestellt. Daraufhin beschloss die Mutter eine Spätabtreibung. Doch Tim starb nicht, sondern wurde einfach ein paar Stunden liegengelassen, bis sich das " Problem " von selbst erledigen würde. Die nächste Schicht im Krankenhaus könnte dies wohl nicht mit ansehen und " rettete " Tim. Durch die lange Liegezeit ist er leider stark behindert. Er hätte wohl sonst nur ! das Downsyndrom. Warum hat ihn die Mutter nicht einfach geboren und dann zur Adoption freigegeben?? Es gäbe genug Menschen die Tim gewollt hätten. Man wird keine Antwort finden, denn die Mutter ist tot. Meiner Meinung starb sie am gebrochenen Herzen. Auch ich bin Mutter eines gesunden Kindes und kann vermutlich nicht beurteilen, wie es sich mit einem Down Syndrom Kind lebt, aber diese Lösung, die ja wie ich schon erwähnt habe , einen ganzen Rattenschwanz hinter sich zieht, kann ich trotzdem nicht nachvollziehen. Eigentlich habe ich einen Roman erwartet. Es ist aber so, dass in diesem Buch alle Menschen zu Wort kommen, die mit Tim zu tun haben. Geschwister, Ärzte, Pflegerinnen, Nachbarn ect. Auch Ärzte von früher, die anscheinend diese Handhabung mit Spätabtreibungen normal finden. Da braucht man als Leser auch mal starke Nerven. Toll, wie die Neuen Eltern von Tim mit der ganzen Situation umgehen. Wirklich Hut ab !!!Ein schönes trauriges Buch, das mich zum Weinen gebracht hat, mich aber auch wütend gemacht hat, wie ich bereits weiter oben erwähnt habe. Es ist zu empfehlen, sich auf diese Lesereise zu begeben.

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Klusis avatar

Rezension zu "Tim lebt!" von Simone Guido

Tim lebt!
Klusivor 3 Jahren

Tim feiert seinen 18. Geburtstag. Das ist für jeden jungen Menschen etwas ganz Besonderes, für Tim jedoch gleich in mehrfacher Hinsicht, denn Tim hat das Down Syndrom, und er hat seine eigene Abtreibung überlebt!

Dieses berührende Buch gibt Einblick in Tims Leben. Es erzählt, wie es dazu kam, dass er den Eingriff, der ihn für immer von dieser Welt holen sollte, überlebt hat, wenn auch mit vielen körperlichen und geistigen Einschränkungen, die darauf zurückzuführen sind, dass er nach der eingeleiteten Geburt nicht sofort medizinisch versorgt worden ist, sondern erst neun Stunden später, da er ja gar nicht überleben sollte. Es erzählt aber auch die Geschichte einer Liebe, die sich auf den ersten Blick in Tims große blaue Augen in die Herzen der Guidos schlich und seine Pflegeeltern nicht mehr losließ.

Im Buch kommen viele Menschen in Tims Umkreis zu Wort: seine Pflegeeltern und deren leibliche Söhne, Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Ärzte und Pfleger. Alle äußern sich ehrlich,manchmal durchaus auch kritisch, zur gegebenen Situation und zu Tims erstaunlicher Entwicklung, aus ihrer persönlichen Sicht.
Bernhard und Simone Guido haben Tim so vieles gegeben. Sie haben ihm quasi ein neues Leben geschenkt, indem sie ihm all das gaben, was ein kleines Kind braucht: ein Heim, eine Familie, Fürsorge, Liebe und Geborgenheit. Dies war sicher nicht immer leicht, denn Tim braucht mehr von all dem als andere Menschen. Aber trotz aller Probleme und obwohl er schon oft in Lebensgefahr schwebte und viele Operationen über sich ergehen lassen musste, ist er auf seine Weise sehr stark, mit enormer Energie und einem großen Lebenswillen. Auch die Guidos sind willensstark und verfolgen unbeirrt ihren Weg. Sie wissen genau, was sie wollen, und mit der Aufnahme von mittlerweile drei behinderten Pflegekindern haben sie ihren Traum erfüllt und ihre persönlichen Vorstellungen vom Leben umgesetzt. Nur so konnten sie kritischen Stimmen, Vorwürfen und Missbilligung von außen Stand halten.

An Tims Beispiel erfährt man viel über geltende Regelungen in Deutschland, wie in einem solchen Fall verfahren wird, und man muss feststellen, dass die fortschrittliche Medizin zwar körperliche und geistige Schäden heutzutage sehr oft bereits pränatal feststellen kann, aber eben nie das wirkliche Ausmaß. Mit der Diagnose, wie sie auch immer aussehen mag, werden die jungen Eltern oft allein gelassen; es fehlt die so wichtige Betreuung und Beratung. Nicht nur werdende Eltern, auch die Ärzte sind überfordert, wenn die Diagnose auf eine Behinderung des Fötus schließen lässt. Die Umwelt reagiert nicht selten mit Unverständnis und kennt nur eine Lösung: die Abtreibung. Dass diese in vielen Fällen eigentlich keine mehr ist, sondern dass das ungewollte Kind auf natürlichem Weg geboren werden muss, wissen viele nicht, denn dies wäre sicher ein Aspekt, der so manchen rigorosen Befürworter der Abtreibung zum Nachdenken bringen könnte.
Je mehr man in diesem Buch über Tim und seine Familie erfährt, über die Lebensfreude, die der junge Mann empfindet und die Zuneigung, die er nahe stehenden Menschen entgegenbringt, umso stärker frage ich mich, woher wir uns heutzutage das Recht nehmen, über Sein oder Nichtsein eines Ungeborenen zu entscheiden. Wie können wir uns anmaßen, einem Kind das Lebensrecht zu verweigern, nur weil es nicht der Norm entspricht?
Es gibt sicher Fälle, wo es nicht anders geht, wenn so schwere körperliche und geistige Behinderungen beim Kind offensichtlich sind, dass sein künftiges Leben nur ein Dahinvegetieren wäre. Aber die moderne Pränatal-Diagnostik macht es möglich,
eben auch weniger ausgeprägte Behinderungen festzustellen und in absehbarer Zeit wird es kaum noch Kinder mit Downsyndrom geben, da sich die meisten Eltern entschließen, dieses Kind nicht zu bekommen. Wenn man sich einmal näher mit Menschen beschäftigt, die das Downsyndrom haben, stellt man fest, welch ein Verlust es für die Welt wäre, wenn es diese lebensfrohen und warmherzigen Menschen nicht gäbe.

Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, hier geht es nicht nur um das Schicksal eines einzelnen Jungen, sondern um viel mehr, nämlich um existentielle Fragen, um die Würde des Menschen und um das Recht auf Leben. Wo soll die Grenze gezogen werden? Was ist zumutbar, was dagegen untragbar? Ist die Entscheidung, einen Fötus mit Diagnose Down Syndrom abzutreiben, nicht ein inakzeptabler Eingriff in die Schöpfung? Jeder Mensch empfindet dies anders, aber Tims Geschichte zeigt, welche ungeheure Kraft in diesem Jungen steckte, denn allen Erwartungen zum Trotz hörte er nach seiner Geburt einfach nicht auf zu atmen. Trotz beträchtlicher körperlicher Einschränkungen, die eigentlich nicht hätten sein müssen, lebt er, und wie er lebt! Ihm und seiner sympathischen Pflegefamilie gehört meine ganze Hochachtung.
Dies ist ein Buch, das man einfach gelesen haben sollte, denn es liefert jede Menge interessanter Informationen und Fakten, ohne in irgend einer weise zu verurteilen, es gibt viele Denkanstöße, und es bereichert und erweitert den Horizont, indem es eine Lebenssituation zeigt, die von der gesellschaftlichen Norm abweicht und doch auf jeden Fall lebenswert ist.

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Gespräche aus der Community

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Arwen10s avatar


Diese Leserunde findet mit bereits feststehenden Lesern statt. Leser mit eigenem Buch, dürfen sich gerne anschließen.



Simone Guido, Bernhard Guido, Kathrin Schadt Tim lebt !





"Als wir damals an seinem Bettchen standen und er uns mit seinen blauen Augen anschaute, stand unsere Entscheidung eigentlich gleich fest: Wir nehmen ihn auf. Und wir haben es nie bereut. Er hat unser Leben reich gemacht, trotz aller Probleme.

Tim war nicht gewollt, seine Mutter hat ihn in der 25. Schwangerschaftswoche abtreiben lassen, weil er das Down-Syndrom hatte. Aber er wollte nicht sterben. Stundenlang lag er unversorgt im Kreißsaal und wurde schließlich nach einem Schichtwechsel gerettet. Sein Gehirn hat dabei schweren Schaden genommen, außerdem ist er Autist. Als 'Oldenburger Baby' hat er Medizingeschichte geschrieben und wurde zum Symbol einer Debatte um späte Schwangerschaftsabbrüche und ihre rechtlichen und ethischen Konsequenzen.

Aber dieses Buch ist kein Buch gegen Abtreibung – sondern ein Buch für das Leben. Es ist unser Geschenk zu Tims 18. Geburtstag."

Simone und Bernhard Guido

Mit 16-seitigem, farbigem Bildteil.


  Zu den Autoren:



Simone und Bernhard Guido leben mit ihren fünf Kindern - darunter drei Pflegekinder mit Down-Syndrom - in einer norddeutschen Kleinstadt. Ihr gesamtes Honorar für das Buch wird in ein Wohnprojekt für Menschen mit Down Syndrom fließen, das die beiden in ihrem Haus einrichten wollen, damit ihre drei Pflegekinder auch in Zukunft mit ihnen leben können. Für ihr soziales Engagement wurde Ehepaar Guido die Bundesverdienstmedaille verliehen.

Foto: Markus Pletz


LEXIs avatar
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