Bananama

von Simone Hirth 
4,2 Sterne bei22 Bewertungen
Bananama
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Positiv (20):
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Eine eigensinnig erzählte Geschichte, die einen ironischen Blick auf Selbstversorger und Weltverbesserer riskiert.

Kritisch (1):
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Tolles Buch, das durch den Schluss zerstört wird

Alle 22 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Bananama"

Was ist grün und klopft an die Tür? Wer schreit im dunklen Wald von Bananama? Und warum verschließen die Eltern das Haus? Fragen, die sich ein sechsjähriges Mädchen stellt. Sie lebt mit ihren Eltern, selbst ernannten Aussteigern, in einem Haus am Waldrand. Mit Befremden erzählt sie von der Veränderung ihrer Eltern, die jeden Tag merkwürdiger werden. Je wahnhafter sie an ihrer Vision von Bananama festhalten, desto weniger lässt sich die „Welt da draußen“ verleugnen. Eines Morgens liegt ein toter Mann im Gemüsebeet. Die diffuse Angst des Kindes bekommt ein Gesicht. Und in Bananama bleibt nichts, wie es war.
Auf beklemmende Weise geht Simone Hirth den Widersprüchen und Absurditäten unserer Gesellschaft auf den Grund. Dabei kratzt sie mit herrlich ironischem Blick an der Utopie eines sicheren Lebens, bis diese endgültig zerbricht.

"Wenn wir jetzt die Tür immer zusperren müssen, sind wir dann eingesperrt in Bananama, sind wir dann nie wieder frei?"

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218011037
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:192 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:01.02.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine eigensinnig erzählte Geschichte, die einen ironischen Blick auf Selbstversorger und Weltverbesserer riskiert.
    Rezension: Bananama

    "Bananama“ von Simone Hirth hat mich aufgrund des Titels und auch wegen dem schönen Cover angesprochen. Als dann noch der Klappentext so interessant klang, war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. „Bananama“ erzählt von einer Aussteigerfamilie und deren namenlose Tochter, die Ich-Erzählerin, der ihre Eltern immer seltsamer erscheinen. Schreie im Wald, zwei Leichen vorm Haus und tonnenweise im Internet bestelltes Zeug, das nie benutzt wird, aber hauptsache, es ist bio und öko und regional. Zunächst geht unsere Protagonistin noch zur Schule, aber später unterrichtet ihr Vater sie dann daheim. Ob er wirklich geeignet dazu ist, ist fraglich, denn er unterrichtet seine Tochter nicht objektiv, sondern tief subjektiv gefärbt, und so lernt sie über Kapitalismus, Ressourcenknappheit und Biosphärenparks anstatt Mathematik, Geschichte oder Grammatik. Die Kleine wird im Wissen aufgezogen, dass die Eltern ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten möchten, sie gehen zu Tauschmärkten und ziehen ihr eigenes Obst und Gemüse im Garten — allerdings ohne dieses jemals zu ernten oder gar das Fallobst zu essen. Das Obst wird gesammelt, bis es schwarz ist und somit „perfekten Kompost“ abgibt, ein Vorgang, den weder die Protagonistin noch ich verstehen. Die Mutter bestellt asiatische Gewürze, Pasten und Nudeln und kocht asiatisch, anstatt das überreife vorhandene Gemüse zu verarbeiten. Nach und nach rücken mehr Fragen in das Bewusstsein der Protagonistin, das Fertighaus, in dem die Familie wohnt, erscheint ihr zu steril, sie versteht ihre komplette Situation nicht mehr. Und so wird Bananama, wie das Grundstück der Familie genannt wird, ihr immer fremder, die Welt „draußen“ zieht sie immer magischer an und sie sehnt sich nach einfachen „Luxusartikeln“ wie Nutella, Limo oder ein Happy Meal — Dinge, die sie nie gesehen oder gar gekostet hat, die sie aber vom Hörensagen aus der Schule kennt.

    Ich will verstehen, warum ich, wenn ich abends im Bett liege, zittere und gleichzeitig schwitze. Warum es so eng geworden ist in meiner Brust, dass ich nicht mehr richtig einatmen kann. […] Warum ich weinen muss, wenn ich morgens von der Sonne aufwache, die mir ins Gesicht scheint. Und warum Mutter die Tomaten nicht erntet, obwohl sie längst rot sind und süß schmecken.

    Simone Hirth wirft hier einen ironischen Blick auf das Leben, das wir heutzutage alle so feiern — bio, öko, plastikfrei und nur regional — und dabei das Wichtigste aus den Augen verlieren. Die Eltern der Protagonistin sind dafür das beste Beispiel: sie bestellen nahezu alles online, sei es eine tonnenschwere Sonnenuhr aus Kupfer, damit man sich die Batterie der Wanduhr spart und auch näher an der Natur ist; das Messerset mit Griffen aus regional gefälltem Holz, das die Mutter nicht einmal benutzt; biologisch voll abbaubares Plastikgeschirr für die nächste Gartenparty, die niemals stattfinden wird; eine große, schwere Decke aus Schurwolle, die die Mutter „nachstricken“ möchte, wenn sie mal „den Kopf dafür frei hat“; etc. pp. Die Protagonistin hat hier schon einen guten Blick auf das, was unnütz ist und was gegen das erklärte Weltbild der Eltern geht; sie zweifelt, sie stellt Fragen — die jedoch alle vermeintlich nicht gehört werden. Unangenehmerweise erscheint der Lebensstil der Eltern für den Leser nun fast schon heuchlerisch und vor allem aber inkonsequent, das Kind leidet währenddessen und kommt nicht in den Genuss von einer angemessenen Bildung. Widerspruch reiht sich an Widerspruch (Ballast ist „schlecht“, trotzdem erfolgen unzählige Internetbestellungen) und das idyllische Bananama bekommt erste, tiefe Risse. Die zwei Leichen im Vorgarten werden von den Eltern weggelächelt, sie erscheinen fast erleichtert, dennoch ist spätestens bei Erscheinen der zweiten Leiche vorauszuahnen, was nun geschehen wird.

    In einer eigenen, seltsamen Art und Weise, mal wie ein Lexikon-Artikel, mal fast wie ein Gedicht, erzählt die Autorin aus der Sicht der jungen Tochter von Bananama und den Dingen, die sich im Schatten der Gemüsepflanzen abspielen. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig und viele Phrasen erscheinen für ein unter 10-jähriges Kind doch ein wenig unglaubwürdig, genauso unglaubwürdig wie der „Selbstversorger“-Lebensstil, den die Eltern führen.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/simone-hirth-bananama

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor 4 Monaten
    Simone Hirth | BANANAMA

    *** Die folgende Rezension erschien erstmals auf meinem Blog www.booksterhro.wordpress.com. Schaut mal vorbei, ich freu mich auf Euren Besuch! ***

    Oh, wie schön ist Bananama! Für die dreiköpfige Austeigerfamilie ist das kleine, schlichte Haus am Waldrand das Paradies. Genauso hat es sich der Vater immer vorgestellt: Eigens geerntetes Obst und Gemüse, Wasser aus dem eigenen Brunnen, Energieverbrauch nahe Null, ein Leben mit dem kleinstmöglichen biologischen Fußabdruck, fernab der geldgeilen Gesellschaft, die nur noch Konsum und Zerstreuung im Kopf hat. Doch auch ein antikapitalistischer Lebenswandel will finanziert sein. Das Geld fließt regelmäßig dank einer Erfindung der Mutter, einem tragbareren Sonnenkollektor. Mit dieser Sicherheit im Rücken lebt es sich herrlich im Bananama.

    Da gibt es aber noch die Tochter. Als Hausgeburt von Anfang an in Bananama groß geworden, nimmt sie begierig alles in sich auf, was ihr die Eltern beibringen. Übers Gärtnern, Kochen und Stricken, aber auch über die bösen Kapitalisten und Weltkonzerne, die in ihrer unendlichen Gier die Menschen ausbeuten und die Erde zerstören. Eigentlich müsste Bananama der perfekte Platz zum Aufwachsen sein, doch so richtig wohl fühlt sich das Mädchen nicht in ihrem kleinen Reich und dieses Gefühl wird mit jedem Tag schlimmer. Die Mutter wird immer dicker, der Vater immer verbissener in seinem Hass gegen den Rest der Welt. Manchmal klopft jemand an die Tür, doch die Eltern hören es nicht. Und spätestens als ein fremder Mann tot im Garten liegt, wird dem Mädchen klar, dass Bananama nicht Freiheit bedeutet sondern Gefangenschaft.

    Einen äußerst beunruhigenden Roman hat Simone Hirth (*1985) mit BANANAMA vorgelegt, in dichter, bildreicher Sprache. Was anfängt wie eine Version von Captain Fantastic wird nach und nach zu einem bedrohlichen Szenario. Erzählt wird aus der Perspektive der Tochter, die mit kindlich- verspieltem Blick ihr Exil beschreibt und dort fröhlich ihre Zeit verbringt. Dass das Mädchen immer mehr Angst vor diesem Ort hat und die Scheu vor ihren Eltern wächst und wächst, steht deutlich zwischen den Zeilen.

    Dank zahlreicher Metaphern im Handeln und Denken sehen wir Leser, wie schlimm es um das Mädchen wirklich steht: Sie begräbt im Garten Wörter wie Angst und Tod, von denen sie sich trennen will; ihr Lieblingsmärchen ist Rapunzel, weil es sie an sich selbst erinnert; sie träumt von einem Koffer, in den sie die bösen Träume und Gefühle packen und wegschließen kann. Später lässt Hirth die Geschichte immer weiter in eine Art Albtraum abdriften: Massenweise Vögel brechen sich am Waldhaus das Genick, tote Menschen liegen auf dem Gemüsebeet, die totgeglaubte Großmutter wird zu einer Grimassen schneidenden, stinkenden Hexe – alles sehr unheimlich. Und der Umstand, dass Hirth nichts erklärt, sondern alles uns Lesern überlässt, macht es nur noch gruseliger. Ebenso das Ende bleibt schließlich offen, was aber ganz gut zum Text passt und nur konsequent ist.

    Auch wenn sich der Metapherndauerbeschuss über die knapp 200 Seiten etwas erschöpft, ist BANANAMA ein äußerst fesselndes Buch, das viele Genres abdeckt. Das beengende Setting hat etwas von Hitchcock, die Charakterbeschreibung reicht bis in die Tiefenpsychologie und auch als Satire auf den Ökowahn kann man das Buch verstehen. Fazit: Lesenswert.

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    Miamous avatar
    Miamouvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Aussteigerleben aus der Sicht eines Kindes - beklemmend, aber mit viel schwarzem Humor!
    Keine Bananen in Bananama...

    „Bananama“ ist da, wo nur ein Kind aus dem Schulbus aussteigt und den anderen hinterher sieht, die noch weiter fahren. Die Sache ist nämlich die, dass die Eltern dieses einen Kindes beschlossen haben als „Aussteiger“ zu leben. Sie sind auf der Suche nach dem „Guten Leben mit dem grünen Daumen“ und wollen scheinbar alles hinter sich lassen, was ihre Umwelt zerstören kann und sie wollen als Selbstversorger leben. Das hört sich zunächst alles Mal sehr idyllisch an, aber sehr schnell merkt man als Leser, dass dort wo viel Licht hin scheint auch viele Schatten sind. Und am Ende fragt man sich, ob das überhaupt so funktionieren kann, besonders, wenn noch ein Kind im Spiel ist.

    Die Geschichte wird aus der Sicht des Kindes erzählt. Das einzige was der Leser weiß, ist, dass das Kind ein Mädchen ist und dass es im Volksschulalter ist, allerdings unter 10 Jahre, weil ihr Vater ihr noch nicht erlaubt im Internet zu surfen, bevor sie das zehnte Lebensjahr erreicht hat. Ihr Name wird auf den knapp 250 Seiten nicht erwähnt. Aber der ist auch weniger von Bedeutung. In ihrer naiven – kindlichen Art erzählt sie von ihrem Abenteuer – Leben als Aussteiger! Und entlarvt dabei nach und nach die Wahrheiten ihrer Eltern, die nicht ganz so konsequent in ihrem Aussteigerleben sind. Neben den ständigen Bestellungen im Internet, lassen sie das selbst gezüchtete Obst und Gemüse im Garten schimmeln und verrotten und der angebliche Tauschmarkt, zu dem ihr Vater wöchentlich fährt….nun so sicher ist das gar nicht, dass hier nur getauscht wird und nicht doch eher bezahlt.

    Die Familie in der Geschichte wird radikal. Gleich ziemlich zu Beginn nehmen die Eltern die Tochter aus der Regelschule und der Vater unterrichtet sie zuhause. Er bringt ihr Wörter wie „Ressourcenknappheit“ und „Bienensterben“ bei, aber nicht das, was sie hören will, weshalb  sie die gelernten Wörter im Garten begräbt, neben den vielen toten Tieren, die sie gefunden hat. Generell spinnt sie sich eine Wunschwelt zusammen – sie hätte gerne, dass ihre Großmutter noch lebt und dass sie eine Schwester hätte, von einem eigenen Kaninchen ganz zu schweigen. All das verweigern ihr die Eltern bzw. wollen sie über solche Themen nicht reden. Als sie dann eines Tages zu einer „ganz normalen“ Geburtstagsparty eingeladen wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Dort gibt es Schokotorte, Limonade und viele andere Kinder und das Mädchen tut sich sichtlich schwer, danach wieder zu ihrer Familie zurückzukehren.

    Simone Hirth berichtet also von den Tücken des Aussteigerlebens und wie lebensumfassend ja fast totalitär es sein kann. Und gleichzeitig berichtet sie auch von den Schlüpflöchern, die sich die Eltern des Mädchens gesucht haben. Getragen wird diese Handlung von einem wunderbaren Schreibstil. Der von Simone Hirth ist fast dichterisch und wenn man bedenkt, dass ein Kind die Geschichte erzählt, hat er auch etwas Herzlich – Verspieltes. Ein Kind erzählt anders und man muss als Leser hinter die Fassade sehen, denn dann bleibt einem an manchen Stellen fast das Herz stehen. Die Autorin schafft diesen Spagat, dass man mehr liest, als eigentlich dort steht.

    Das Ende bleibt offen, hat aber doch eine Aussagekraft, mit der ich so weniger gerechnet hätte. Man merkt recht schnell, dass die Autorin mit dem Aussteigertum nur bedingt Geduld hat und ihr Mädchen im Buch ebenfalls.

    Wer also „Bananama“ in die Finger bekommt, sollte es lesen. Es liest sich gut, hat viel schwarzen Humor, der gleichzeitig beklemmend ist und die kleine Erzählerin wächst einem sehr schnell ans Herz.

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    booklovings avatar
    booklovingvor 7 Monaten
    Eine verstörende, beklemmende Geschichte

    INHALT
    Ein sechsjähriges Mädchen lebt mit ihren Eltern in einem Haus am Waldrand mit kleinem Garten fernab von der Zivilisation. Als selbst ernannte Aussteiger versuchen sie sich an einem einfachen Leben in ihrem idyllischen „Bananama“ ohne großen Kontakt zur Außenwelt und ganz im Einklang mit ihren Idealen. Doch immer häufiger muss sie bei ihren Eltern Veränderungen feststellen, die sie sehr befremden und ihr Angst machen. Zunehmend wird ihr Paradies von der „Welt da draußen“ bedroht, doch die Eltern verschließen die Augen vor der Realität und halten zwanghaft an ihrer Vision fest. Doch der allmähliche Zerfall ihres kleinen Bananama lässt sich nicht mehr aufhalten…

    MEINE MEINUNG

    Mit „Bananama ” ist der deutschen Autorin Simone Hirth ein bemerkenswerter Roman gelungen, der dem Leser mit seiner beklemmenden Intensität unter die Haut geht und ihn noch länger beschäftigt.
    In ihrem Roman beleuchtet die Autorin Widersprüche und Absurditäten des gesellschaftlichen Lebens und übt deutliche Kritik an unserer Konsumgesellschaft und der rein materialistischen Denkweise. Zugleich enthüllt sie aber auch auf ironische Weise die Beschränkungen des menschlichen Daseins und Denken.
    Schon bald kann man sich der enormen Sogwirkung dieser Erzählung nicht mehr entziehen und wird von den sich zuspitzenden, unwirklichen Geschehnissen und der zunehmend bedrückenden Atmosphäre unweigerlich gefangen genommen. Hervorragend ist auch der eindringliche, bildreiche und sprachgewaltige Schreibstil der Autorin.
    Im Mittelpunkt dieser skurrilen Geschichte steht die Hauptfigur und namenlose Ich-Erzählerin im Grundschulalter, die mit ihren Eltern recht abgeschieden in ihrem selbstgeschaffenen Aussteiger-Paradies „Bananama“ lebt.
    Sehr subtil schildert die Autorin aus dem unschuldigen Blickwinkel eines sehr aufgeweckten Kindes, wie das idealistische Lebensmodell ihrer Eltern jenseits aller gesellschaftlichen Normen und mit ihren selbstgestrickten Konventionen mehr und mehr Risse bekommt. Den Herausforderungen des Alltags scheinen sie nicht so recht gewachsen zu sein, trotz propagiertem Konsumverzicht werden häufig der örtliche Tauschkreis und Bestellungen über das Internet genutzt. Der Vater versucht dem Mädchen sein „Weltbild“ zu vermitteln, indem er ihr Begriffe wie Ressourcenknappheit, Globalisierung, Biosphärenpark und Materialismus erklärt, die für sie jedoch sperrige Worthülsen bleiben und sie befremden. Völlig überfordert, vereinsamt und auch emotional auf sich allein gestellt wünscht sich das Mädchen nichts sehnlicher als ein bisschen Normalität aus der Welt „da draußen“ und sei es nur ein Schokoriegel, eine Freundin, Schwester oder zumindest eine Puppe. Sie rettet sich in selbst geschaffene Rituale wie beispielsweise das Beerdigen von Wörtern, die ihr eine gewisse Stabilität und Sicherheit geben.
    So muss sie miterleben, wie der idyllische Schein ihres Aussteigerlebens abbröckelt und die Eltern in eine äußerst widersprüchliche Scheinwelt abdriften, wodurch sie den Bezug zur bedrückenden Realität ihres Lebens immer mehr verlieren. Zunehmend baut die Autorin eine sehr unheilvolle Spannung auf, indem sie die angespannte, oft unheimliche Situation immer stärker außer Kontrolle geraten, eskalieren und surrealer werden lässt. Die Eltern verharren schließlich in einem passiven Verhalten und hüllen sich in eine Mauer des Schweigens, unfähig sich den Realitäten zu stellen und ihr Weltbild zu revidieren. Gekonnt entlarvt die Autorin mit sehr zynischem Blick wie ihre Ideale und ihre utopische Vorstellung eines sicheren Lebens schrittweise kläglich scheitern. Lediglich die junge Ich-Erzählerin beginnt dies zu begreifen und kann durch ihr konsequentes Handeln dem ihr aufgezwungenen Lebenskonzept entkommen.
    Geschickt lässt die Autorin ihren Roman mit einem offenen Ende ausklingen, so dass einige Geschehnisse und Entwicklungen ungeklärt und die Deutungen der Fantasie der Leser überlassen bleiben.

    FAZIT
    Eine verstörende, beklemmende Geschichte, die den Leser auf ganzer Linie herausfordert und ihm ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis beschert.

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sprachgewaltig – verstörend – ohne Mitleid mit dem Leser. Etwas experimentell, wenn auch fesselnd. Verwirrt. 3 oder 5 Sterne oder...
    Ein Koffer voller Träume, mit der ganzen Welt darin – oder mit Nichts

    „Vater sagt, wir sind Aussteiger. ….
    Vater sagt: Die Leute verstehen keinen Humor.

    Vater sagt: Du kannst jederzeit Bananen haben, wenn du Bananen willst, mein Kind. Aber du solltest wissen, woher diese Bananen kommen, unter welchen Bedingungen die Leute, die sie anbauen und ernten, leben müssen,… .“ S. 10
    Vater sagt. Und er erklärt seiner Tochter, der noch nicht zehn Jahre alten Ich-Erzählerin dieser kurzen Geschichte, die Welt, seine Welt, seine Weltanschauung.


    Das Kind sagt: „Das Wort Banane habe ich schon längst beerdigt.“ S. 11Sie beerdigt vieles, im Garten, Wörter, die ihr der Vater vermittelt, der sie bald daheim beschult (in Österreich ist das möglich, für alle deutschen Leser dieser österreichischen Autorin https://de.wikipedia.org/wiki/Hausunterricht, in Deutschland ist das geradezu ein Sakrileg). Auch Tiere werden von ihr beerdigt und vielleicht einige Träume. Währenddessen ordern die Eltern im Internet, einiges davon werden sie nie verwenden.


    Vom Verlag Kremayr & Scheriau erwarte ich das ja: besondere Bücher. Gewiss kein Mainstraim, nicht das gefällige Buch für nebenbei. Besondere Themen, ein besonderer Stil. Atmosphärisch schreibt Simone Hirth, meist düster. Ich mag mir das Alter der Protagonistin kaum vorstellen, der Klappentext behauptet sechs Jahre – ohne von mir gefundenen Beleg dazu im Text. Es wird nur auf S. 92 darauf verwiesen, die Tochter werde das Internet frühestens mit zehn Jahren benutzen dürfen, sie könnte also vielleicht (hoffentlich?) neun sein. Warum das wichtig ist? Das Buch verstört. Apokalypse oder psychische Krankheit (der Eltern? des Kindes?), Wahnvorstellung oder überbordende Phantasie, und wer, bitte schön, ist eigentlich tot? Vater sagt. „Der Bettler aber stand auf, ging zum Sozialamt und beantragte Mindestsicherung, die er dann auch bekam und von der er sich als Erstes atmungsaktive Turnschuhe, ein Smartphone und eine Espressomaschine im Retrodesign kaufte.“ S. 116


    Aussteiger sind sie, aber mit einem goldenen Sicherheitsnetz. Dazu ein goldener Käfig für die Tochter, wenn auch nur mit ziemlich vielen Broten. Und die Mutter verändert sich. Und Vater sagt munter weiter, wie er die Welt sieht. Und die Tochter steht da und soll das verstehen und die Autorin schreibt darüber mit bildgewaltigen Bildern. „Jetzt gerade ist mir das Schweigen lieb. Es hat mehr Ende in sich.“ S. 133 Und überhaupt, der Koffer.


    Kein Buch für Leser mit festen Erwartungen. Ich dachte bei dem Koffer permanent an dieses Ende von „Man in Black“, als der Blick von der Erde zurückgeht und die Erde in einer Murmel ist. So in etwa sollte man denken können. Das Buch wird Leserschaften spalten. Die Gestaltung ist wie immer phänomenal – von Lesebändchen über Vorsatzblätter passend zum Titel, Umschlaggestaltung von Cover und darunter.


    Bewertung? Uff. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, die Sprache ist genial, atmosphärisch, bildgewaltig, oft düster, und ich fühle mich jetzt…vermutlich genauso, wie sich das Mädchen dauernd fühlt. Fragen, Ängste, Befürchtungen. 4 Sterne (es könnten alles zwischen 3 und 5 sein, fragt mich morgen, übermorgen – im Moment ist es mir gerade „zu viel“). Ein Buch für eine Leserunde.



    Hier ist ein Interview mit der Autorin https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.waldachtal-gehen-mitgefuehl-und-menschliche-waerme-verloren.bbfae0ef-16f0-424c-ae4c-807717c9e7f8.html


    Irgendwie erinnerte mich die Eltern-Kind-Situation an Arno Frank: So, und jetzt kommst du https://www.lovelybooks.de/autor/Arno-Frank/So-und-jetzt-kommst-du-1412777177-w/rezension/1449277464/ und vermutlich auch an Jeannette Walls: Schloss aus Glas / The Glass Castle. 

    Auch aus dem gleichen Verlag wie Bananama mit ebenfalls einem sehr speziellen Vater:

    https://www.lovelybooks.de/autor/Marie-Luise-Lehner/Fliegenpilze-aus-Kork-1417037280-w/rezension/1432119660/


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    awogflis avatar
    awogflivor 8 Monaten
    Einsamkeit und Paranoia im Aussteigerland

    Dieser Roman ist mir sehr an die Nieren gegangen, denn er vermittelt so intensiv und gleichzeitig subtil eine extrem bedrohliche, angsterfüllte, einsame Grundstimmung, die fast nicht auszuhalten ist.

    Sehr authentisch wird die Geschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens erzählt, dessen Eltern als Aussteiger leben. Man ist sich nicht klar, in welche Richtung sie tendieren, aber sie haben etwas sektenhaft eskapistisches, öko-esoterisches, manchmal sogar ein reichsbürgerhaftes Verhalten an sich. Das beginnt mit der eigenen Bushaltestelle und dem Universum von Bananama, geht über die völlige Abschottung der kleinen Familie von der Umwelt, bis auf den Postboten, der die Pakete bringt, über die Selbstversorgung und Selbstkasteiung, bis zur Ablehnung von medizinischer Versorgung und vieler anderer alarmierender gruseliger Einstellungen.

    Das Mädchen ist so einsam und isoliert bei ihren Eltern, dass es sich eine Freundin oder eine Schwester wünscht. Bei Anfrage nach einem Schwesterchen, um die Einsamkeit zu überwinden, beißt sie auf Granit, denn die egoistischen Eltern sind schon glücklich. Relativ bald wird sie auch noch im Rahmen einer totalen sozialen Isolation aus der Schule genommen, weil das SYSTEM den Kindern nix beibringt, alle Medien und Bücher werden verwehrt. Die Eltern verhalten sich im Gegenzug sehr ambivalent und leben nicht vor, was sie dem Kind verbieten. Sie surfen im Internet und bestellen wie wild Sachen – selbstverständlich handgearbeitet und total nachhaltig– die sie meist gar nicht benutzen.

    Durch die komplette Isolation und das total paranoide Verhalten der Eltern hat das 6-jährige Kind sehr viel Angst – die sich zu einer ausgewachsenen Angststörung ausweitet – es weiß aber nicht mal wovor tatsächlich (normalerweise fürchten sich die Knirpse ja konkret vor etwas wie zum Beispiel vor Monstern oder Einbrechern). Die von der Autorin beschriebenen Überlebensstrategien des Mädchens gegen die Einsamkeit und die Angst sind so herzzerreißend und grandios – beispielsweise werden Wörter, vor denen sie sich fürchtet, im Garten vergraben oder der Spiegel wird eine Weile als Schwesterersatz herangezogen. Das Kind ist in seiner Intelligenz und der isolierten Selbstreflextion zu einem altklugen Erwachsenen in einem Kinderkörper geworden.

    Wir wohnen in einem Koffer, auf dem in großen, schiefen Buchstaben Bananama steht. In diesem Koffer steht unser Haus. Der Koffer reicht bis zum Wald, zur Landstraße, zum nächsten Hügel, aber weiter nicht. Dort hört er auf. In diesem Koffer ist es hell. In diesem Koffer scheint immer die Sonne, in diesem Koffer ist alles tot. Der Koffer, in dem wir wohnen, öffnet sich niemals. Wir haben ihn fest verschlossen, weil wir Aussteiger sind.

    Sprachlich grandios wird hier aus der Sicht des Mädchens dieses für Menschen wie Du und ich total unwirkliche Szenario gezeichnet – die furchtbare, einsame entbehrungsreiche Welt von Bananama. Mein Lesetempo war sehr langsam, da ich permanent diesen Wahnsinn der Protagonisten immer wieder überdenken, reflektieren, und wieder sacken lassen musste. Zudem kenne ich solche Leute tatsächlich persönlich, die wohnen alle nördlich von mir in der Einsamkeit des Waldviertels. Historisch ist dort schon seit den 80er Jahren das Zentrum der gestörten Eskapisten, die sich von der Gesellschaft abgenabelt haben und die die Einsamkeit der Wälder und leeren Landstriche zu schätzen wissen. Solche Leute und vor allem ihre gnadenlose Missionarstätigkeit machen mich in der Realität immer ur-aggressiv – das musste ich auch ständig beim Lesen verdauen.

    Einige Wendungen im Plot werden von der Autorin nicht aufgelöst. Sind die Leichen im Garten echt oder Ausdruck der beginnenden Wahnvorstellungen des Kindes? Wenn sie existieren, warum liegen sie im Beet und wer hat sie umgebracht. Ich muss sagen, solche offenen Handlungsstränge stören mich immer ein bisschen, aber das ist meine ganz persönliche Meinung, die viele nicht teilen werden.

    Auch das Ende ist relativ unvollendet und offen. Meine Interpretation versucht aber eine optimistische, großartige Wendung zu konzipieren: Diese wundervolle traurige kleine total reflektierte sechsjährige Person startet einen ganz persönlichen Befreiungsschlag gegen den Wahnsinn der Eltern und versucht, einfach aus Bananama zu emigrieren, was ihr auch gelingt. Wie weit sie damit langfristig Erfolg hat, sei dahingestellt. Aber auch das Verhalten der Eltern lässt viel Interpretationsspielraum und Kritik an der Gesellschaft offen. Ist die propagierte nachhaltige völlig autarke Lebensweise per se schon zum Scheitern verurteilt, weil sie nicht durchführbar ist? Oder scheitern die Eltern nur persönlich auf Grund ihres Charakters, weil sie ihre Ideale einfach selbst nicht konsequent genug verfolgen und alles auf das Kind projizieren? Fragen über Fragen, die noch lange nach der Lektüre wirken.

    Fazit: Ich bin immer wieder überrascht, welche relativ neuen gesellschaftsrelevanten Themen von österreichischen Verlagen dem Leser präsentiert werden. Hut ab vor dieser deutschen Autorin, die dieses spannende Werk und brandaktuelle Thema sprachlich grandios und atmosphärisch sehr dicht umgesetzt hat.

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    anushkas avatar
    anushkavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Nicht uninteressant, Gesellschaftskritik, feiner Humor, spitze Feder, aber für meinen Geschmack viel zu viele offene Fragen am Ende.
    Ungewöhnlich, aber für mich zu viele offene Fragen

    Bananama. Das ist das Aussteigerparadies einer Familie. Ein großer Garten, der Obst und Gemüse liefert, weit ab vom Schuss. Doch es bleibt nicht paradiesisch. Der Wald scheint ans Haus heranzurücken. Schreie dringen aus dem Wald und die Eltern beginnen, die Türen abzuschließen. Immer häufiger fühlt sich das Paradies wie ein Gefängnis an. Wie mag das Ganze auf ein Kind wirken? Die 6-jährige namenlose Erzählerin beobachtet die Entwicklung ihrer Eltern und ihrer eigenen Bedürfnisse. Immer häufiger leidet sie unter Angst und Einsamkeit, so als einziges Kind auf Bananama, dem die Eltern viele Erklärungen schuldig bleiben.

    Leider bleibt das Buch selbst dem Leser ebenfalls viele Antworten schuldig. Mit offenen Ende kann ich so schon selten gut umgehen. Aber hier bleibt dann auch noch so vieles ungeklärt und mysteriös. Selbst für scheinbar zentrale Ereignisse gibt es keine Auflösung. Man kann dadurch zwar die Sicht der kleinen Erzählerin besonders gut nachvollziehen, aber als Leserin eines Buches, eines Romans, reicht mir das nicht. Zudem hat dieses recht junge Kind immer wieder so tiefgreifende philosophische und logische Gedankengänge, dass ich an ihrem Alter gezweifelt habe (vor allem, da ich selbst ein Kind in dem Alter habe). Ansonsten ist der Erzählstil jedoch auch immer wieder kindlich-naiv und vermag dadurch den anfänglichen Zauber des ungewöhnlichen Lebens zu transportieren. Was ich sehr genossen habe, war ein kleiner feiner Humor und vielleicht auch eine gewisse Schadenfreude in der Aufdeckung der Doppelmoral dieser Aussteiger. Denn hier wird deutlich, dass es gar nicht so einfach ist, sich loszusagen und dass es doch etliche Annehmlichkeiten gibt, auf die man nur schwer verzichten möchte. Hier schreibt die Autorin schon mit spitzer Feder und einem Augenzwinkern.

    "Bananama" mag ein moderner Roman sein und er thematisiert herrlich ironisch die Widersprüche in der Gesellschaft und der Utopie einer ganzen Bevölkerungsschicht. Aber für meinen Geschmack ist der Roman zu unfertig und lässt einfach ein paar Fragen zu viel offen.

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    milkysilvermoons avatar
    milkysilvermoonvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Eine außergewöhnliche Lektüre, die bei mir mit Sicherheit noch eine Weile nachwirken wird
    Ein Koffer voller Leere

    Von wem stammen die Schreie aus dem Wald? Wieso liegen tote Menschen im Garten? Und warum verschließen Vater und Mutter das Haus? Diese und weitere Fragen stellt sich ein sechsjähriges Mädchen, das mit seinen Eltern, selbst ernannten Aussteigern, in „Bananama“ lebt. Merkwürdige Dinge gehen in und um das einsam gelegene Haus am Waldrand vor sich. Immer seltsamer verhalten sich die Eltern. Wahnhaft halten sie an ihren Vorstellungen von einem idealen Leben fest, während sich die Ereignisse der Welt draußen nicht länger verleugnen lassen. Von sozialen Kontakten fast völlig isoliert, nimmt das Mädchen alles mit wachsendem Befremden und zunehmender Angst wahr. Und doch spitzt sich die Situation weiter zu…

    Der moderne Roman „Bananama“ von Simone Hirth beleuchtet die Widersprüche und Absurditäten der Gesellschaft, wobei er einen ironischen Blick auf die Utopie eines sicheren Lebens wirft.

    Meine Meinung:
    Erzählt wird die Geschichte in sieben Kapiteln in der Ich-Perspektive aus der Sicht des kleinen Mädchens, dessen Namen nicht verraten wird. Der ungewöhnliche, eindrucksvolle Schreibstil sticht hervor und macht den Roman besonders. Tolle Sprachbilder und treffende, sich wiederholende Metaphern wie die des Koffers, der mal mit schönen Dingen gefüllt und mal leer ist, ziehen sich durch das gesamte Buch.

    Der Erzählstil, der das kindliche Denken widerspiegelt, ist sehr eindrücklich und dicht. Es herrscht eine unheimliche Stimmung, die anfangs kaum greifbar ist, sich dann aber immer weiter manifestiert. Transportiert wird mehr als das, was tatsächlich erzählt wird. Der Roman spielt mit der Fantasie und der Wahrnehmung der Leser. Was ist real? Was ist surreal? Dadurch wird die Lektüre teilweise etwas verwirrend und verstörend, aber auch fesselnd und spannend.

    Die Entscheidung, eine Sechsjährige die Ereignisse schildern zu lassen, gefällt mir sehr gut. Sie reflektiert viel und wirkt sehr reif für ihr Alter, teilweise vielleicht schon etwas zu reif. Ihre Gefühls- und Gedankenwelt werden detailliert dargestellt. Auch die beiden Eltern sind als Charaktere reizvoll. Ihr Denken und Handeln ist widersprüchlich, abstrus und für Außenstehende größtenteils kaum nachvollziehbar. So werden sie zu Prototypen von idealistisch verblendeten Individuen, die bei allem guten Willen genau das Falsche tun und einem unrealistischen Idyll hinterherhechten.

    Thematisch deckt der Roman ein breites Spektrum ab. Der stark ideologisch motivierte Vater bringt dem Kind abstrakte Begriffe wie „Ökologischer Fußabdruck“, „Nachhaltigkeit“ und „Permakultur“ näher. Doch die Utopie einer perfekten Welt wird durch das seltsame, widersprüchliche Verhalten der Eltern ad absurdum geführt und der Lächerlichkeit preisgeben, was mich an einigen Stellen schmunzeln ließ. Diese gesellschaftskritische Komponente hat mir ebenso zugesagt wie die philosophischen Fragen, die aufgeworfen wurden. Gleichzeitig konnte mich der Roman durch die Angst und Verunsicherung des Mädchens sehr berühren.

    Durch den Umstand, dass viele Fragen offen bleiben, bietet der Roman viel Interpretationsspielraum und regt zum intensiven Nachdenken an. Dadurch wird er sicherlich aber auch polarisieren.

    Das Cover des Buches ist sowohl optisch als auch inhaltlich sehr gelungen. Der simple Titel ist ebenfalls passend gewählt.

    Mein Fazit:
    Der Roman „Bananama“ von Simone Hirth ist keine leichte Kost. Es ist eine außergewöhnliche Lektüre, die bei mir mit Sicherheit noch eine Weile nachwirken wird.

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    Simi159vor 8 Monaten
    Außergewöhnliche Geschichte

    So ungewöhnlich wie der Titel des Buches „Bananama“ ist auch die Geschichte darin. Bananama ist der Ort an dem die sechsjährige Ich-Erzählerin mit ihren Aussteiger Eltern aufwächst. Fern vom nächsten kleinen Ort, angrenzend  an einen tiefen dunklen Wald, haben die Eltern eine Art Insel erschaffen. Mit einem neugebauten Niedrigenergiehaus mit vielen Fenstern, einem  großen Garten, ganz darauf ausgerichtet sich selbst autark zu versorgen und zu leben.


    So idyllisch der Ort am Anfang ist umso mehr Widersprüche ergeben sich im Laufe der Handlung. Die Kleine beobachtet und dokumentiert diese klug, wobei ihr selbst die Widersprüche der handelnden Eltern aufzufallen scheinen, doch weder wertet sie noch stellte diese kritisch in Frage.

    Als Leser schmunzelt man am Anfang, ist dann sprachlos und  bleibt am Ende erschrocken zurück.


    Die Autorin, Simone Hirth,  spielt mit immer wiederkehrenden Elementen,  Dinge die der Vater  seiner Tochter erklärt diese Passagen lesen sich  wie Wikipedia Einträge, oder die Tochter wünscht sich immer wieder Koffer, die sie mit gewissen Dingen oder Eigenschaften füllt. 

    Die  Sprache ist immer sehr klar und reduziert.  Und genau diese Worte, machen die aussichtslose Lage des Mädchens klar,  man sieht die Katastrophe kommen. Und kann doch genauso wenig wie die Erzählerin  dagegen tun.


    „Bananama“ ist eine verrückte, bewegende und sehr  andere Geschichte,  die dem Leser an vielen Stellen in  sein Denken und Handeln den Spiegel vorhält. 


    Vier Sterne.

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    Aspasiavor 9 Monaten
    Bananama, kein Paradies, wo Milch & Honig fließt

    Klappentext:

    Was ist grün und klopft an die Tür? Wer schreit im dunklen Wald von Bananama? Und warum verschließen die Eltern das Haus? Fragen, die sich ein sechsjähriges Mädchen stellt. Sie lebt mit ihren Eltern, selbst ernannten Aussteigern, in einem Haus am Waldrand. Mit Befremden erzählt sie von der Veränderung ihrer Eltern, die jeden Tag merkwürdiger werden. Je wahnhafter sie an ihrer Vision von Bananama festhalten, desto weniger lässt sich die „Welt da draußen“ verleugnen. Eines Morgens liegt ein toter Mann im Gemüsebeet. Die diffuse Angst des Kindes bekommt ein Gesicht. Und in Bananama bleibt nichts, wie es war.

    Auf beklemmende Weise geht Simone Hirth den Widersprüchen und Absurditäten unserer Gesellschaft auf den Grund. Dabei kratzt sie mit herrlich ironischem Blick an der Utopie eines sicheren Lebens, bis diese endgültig zerbricht.

    „Wenn wir jetzt die Tür immer zusperren müssen, sind wir dann eingesperrt in Bananama, sind wir dann nie wieder frei?“



    Die Figur des „aus der Gesellschaft und ihren Konventionen Aussteigenden“ ist äußerst beliebt in der europäischen Literaturgeschichte. Das Streben nach individueller Freiheit, das Gefühl der Entfremdung, das Bedürfnis nach größtmöglichen Entfaltung der Persönlichkeit sind sehr dankbare Topoi, sind sie doch stets auf neue aktuell. Ob nun ein Querulant aus dem 18. Jahrhundert wie Michael Kohlhaas, der verbissen für sein Recht streitet, ein sich dem geschäftigen Treiben verweigernder Oblomov im zaristischen Sankt Petersburg oder gar der nackte Anführer des fernen Kokosnussordens Engelhardt in Krachts „Imperium“ wie auch die junge Ich-Erzählerin in Hirths „Bananama“, im deutschen Irgendwo, sie alle dienen dem Leser als Projektionsfläche für die Darstellung des Spannungsverhältnisses zwischen den Ansprüchen der Gesellschaft und des Individuums.

    Das kleine Mädchen beschreibt sehr eindrucksvoll, mit dem kindlichen Blick für die Wahrheit hinter den Dingen, ihr Leben in der Unfreiheit, die der Preis für das Freiheitsstreben ihrer Eltern ist. Rapunzel gleich wird sie weggesperrt, fern gehalten von der Schule & gleichaltrigen Freunden & Verwandten. Ihr Turm ist ein verwunschenes Paradies ohne Bananen & bösem Zucker, dafür mit eigener DIY Busshaltestelle, der einzige menschliche Außenkontakt ist der Mann, der die fast täglich eintreffenden Internetshoppinggüter anliefert, beschult vom Vater, um die gelebte Systemkritik in die nächste Generation zu implementieren, und natürlich selbstversorgt vom heimischen permakulturellen Garten, in dem mehr Tod als Leben herrscht.

    Deren „Permakulturerfinder“ Bill Mollison sagt: „Die wichtigste ethische Entscheidung ist, Verantwortung für unser eigenes Leben und das unserer Nachkommen zu übernehmen. Und zwar JETZT.“

    Diese Verantwortung nimmt Hirths Rapunzel eines Tages ihren Eltern aus der Hand, sehr emanzipiert, ganz ohne Prinz & macht sie sich auf dem Weg und steigt aus, aus diesem Anti-Leben, das ihr mehr ungeliebtes Gefängnis ist, als die gelebte Utopie eines besseren Seins.

    Ein ganz wunderbarer zweiter Roman von Simone Hirth ist das, Absolventin des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, weniger Sprachmontage als in ihrem Debut, was mir Stilistikspießerin entgegen kommt, aber trotzdem sprachlich eindrucksvoll. Und inhaltlich? Ich muss geschehen, ich hatte manches Mal die schreckliche Vermutung Frau Hirth hätte mich und mein Lebensumfeld gestalkt, so bekannt kamen mir, wenn auch überzeichnet und auf zwei Charaktere zugespitzt, Verhalten und Argumente ihrer Figuren vor. Meine unbedingte Leseempfehlung, ob für die schwafelnden Theoretiker in Kreuzberg und der Schanze oder die Fundamentalisten im pommerschen Niemandsland.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

    Worum geht's?

    Was ist grün und klopft an die Tür? Wer schreit im dunklen Wald von Bananama? Und warum verschließen die Eltern das Haus? Fragen, die sich ein sechsjähriges Mädchen stellt. Sie lebt mit ihren Eltern, selbst ernannten Aussteigern, in einem Haus am Waldrand. Mit Befremden erzählt sie von der Veränderung ihrer Eltern, die jeden Tag merkwürdiger werden. Je wahnhafter sie an ihrer Vision von Bananama festhalten, desto weniger lässt sich die „Welt da draußen“ verleugnen. Eines Morgens liegt ein toter Mann im Gemüsebeet. Die diffuse Angst des Kindes bekommt ein Gesicht. Und in Bananama bleibt nichts, wie es war.


    Auf beklemmende Weise geht Simone Hirth den Widersprüchen und Absurditäten unserer Gesellschaft auf den Grund. Dabei kratzt sie mit herrlich ironischem Blick an der Utopie eines sicheren Lebens, bis diese endgültig zerbricht.


    "Wenn wir jetzt die Tür immer zusperren müssen, sind wir dann eingesperrt in Bananama, sind wir dann nie wieder frei?"

    Simone Hirth

    geboren 1985 in Freudenstadt, aufgewachsen in Lützenhardt. Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Nach diversen Umzügen und Aushilfsjobs lebt sie heute als freischaffende Autorin und Lektorin in Kirchstetten (Niederösterreich). Verschiedene Preise und Stipendien, zuletzt: Anerkennungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich, Start-Stipendium des BMUKK, Schwäbischer Literaturpreis, Hans-Weigel-Literaturstipendium. Ihr Debütroman „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“ wurde für den Alpha Literaturpreis nominiert.

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