Lücke, Abwesenheit, etwas das fehlt – der Kern, der zentrale Schmerz, um den viele der Gedichte in Simone Lapperts Band "längst fällige verwilderung" kreisen, in den sie stürzen, auf dem sie mitunter aufzuschlagen drohen.
Kühl ist es in den meisten dieser Gedichte, man fröstelt; die Temperatur macht das Empfinden schwieriger, zugleich zeichnet sich die Sehnsucht nach dem Empfinden, nach Veränderung schärfer und klarer ab. Man zieht ein ambivalenteres Wort willkommen um sich wie eine wärmende Decke.
Zwischendrin immer wieder die halb bedächtige, halb herausfordernde Frage nach dem Ungestörtsein, im Scheitern und bei anderen Dingen. Ja, wenn das Scheitern nicht wäre, wo wären wir da? Wir wären wohl an etwas anderem gescheitert.
Und doch wirkt jede Straße, die wir uns hinter einem vermiedenen Scheitern vorstellen, wie die Straße in den Sonnenuntergang; ein glatter Weg, ohne Hindernis, ein Weg aus der Wildnis, die wir doch immer mit uns, in uns tragen.
Zeit also für die längst fällige Verwilderung.

















