Simone Lappert

 4.1 Sterne bei 42 Bewertungen
Autorin von Wurfschatten.
Simone Lappert

Lebenslauf von Simone Lappert

Simone Lappert wurde 1985 in Aarau in der Schweiz geboren und lebt heute in Basel. Sie schließt 2011 ihr Studium „Literarisches Schreiben“ in Biel ab und gewinnt 2013 den Heinz-Weder-Preis für Lyrik. Mit dem Roman „Wurfschatten“ gibt sie 2014 ihr Debüt.

Alle Bücher von Simone Lappert

Wurfschatten

Wurfschatten

 (42)
Erschienen am 18.07.2014

Neue Rezensionen zu Simone Lappert

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Rezension zu "Wurfschatten" von Simone Lappert

Ada, Marionette ihrer eigenen Angst
Mariekenvor 9 Monaten

Bereits der Titel des Romans ist außergewöhnlich – Wurfschatten. Was versteht man unter diesem Substantiv? Das habe ich mich auch gefragt, als ich das Buch das erste Mal in der Hand hielt und vielleicht auch aufgrund dieser Neugier sofort zu lesen begonnen habe. Nicht zuletzt, weil ich ein ewiger Fan von Neologismen bin. Vielleicht handelt es sich bei dieser Wortneuschöpfung um eine Umdrehung des Wortes Schattenwurf, sicher bin ich mir dabei aber nicht. So wie ich mir bezüglich der Geschichte bei fast gar nichts sicher bin. Ada, 25 und Schauspielerin, leidet unter Angstzuständen und Panikattacken, die sich vor allem in der Nacht bemerkbar machen. Das Buch lebt mit der detaillierten Beschreibung eben jener Zustände komplett in der Gegenwart, Gründe für die Angst vor dem Leben werden keine genannt. Dem gemäß wird auch keine Vorgeschichte angeschnitten, die dem Leser eine Interpretationshilfe an die Hand geben könnte. Das bewirkt, dass man als Lesender ebenso unwissend und verunsichert ist wie Ada selbst, die ein ganzes Zimmer ihrer Wohnung der Angst widmet. Dort hängt sie Bilder von all den Dingen auf, die ihr zustoßen könnten. Dass das keine hilfreiche Therapieform ist und sie nur noch mehr lähmt, versteht sich von selbst. Schade ist, dass Ada das nicht verstehen kann und sich zudem keine professionelle Hilfe suchen möchte. Als Leser verzweifelt man dabei ein bisschen, da der Roman so geschrieben ist, dass man mit der Protagonistin fühlt und ihr mehr als einmal gerne eine helfende Hand durch die Buchstaben reichen würde.

Letztlich rettet den Leser, nicht Ada, jedoch immer wieder die poetische, feinsinnige Sprache von Simone Lappert. Da sind Beobachtungen, die inne halten lassen, Wortkonstruktionen – wie eben jene des Titels – die nachdenken lassen. Anfangs wollte ich einen Vergleich zu dem Roman Tessa von Nicola Karlsson ziehen, aber mit fortschreitendem Seitenumblättern musste ich feststellen, dass die Bücher nicht viel gemeinsam haben, außer das Thema einer zeitweise verlorenen, in den eigenen psychischen Untergründen gefangenen Protagonistin. Bleibt Tessa jedoch stets in der Abwärtsspirale gefangen, so gibt es bei Ada Hoffnungsschimmer und Licht, das durch die dicke Wolkendecke bricht.

Sprachlich kann ich das Werk wirklich jedem empfehlen. Einzig die Thematik kann stellenweise etwas zäh und vage anmuten, was jedoch wieder Dependenzen zur sprachlichen Gestaltung hat, wenn eben dieses Unergründliche genauestens seziert und beschrieben wird. Vielleicht heißt das Buch auch deshalb Wurfschatten, weil sich der Schatten in Adas Leben praktisch von selbst wirft, ohne dass man herausfinden kann, welches Objekt in ihrem Leben tatsächlich der Schattenspender ist.

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Gelindes avatar

Rezension zu "Wurfschatten" von Simone Lappert

Wurfschatten
Gelindevor 4 Jahren

Wurfschatten, ein Debütroman von Simone Lappert

Cover bzw. Schutzumschlag:
Der Schutzumschlag ist recht düster, die rosa glänzenden Fische sind ein richtiger Kontrast. Mit einem rosa Buch, unter dem Schutzumschlag, mit der weißen Schrift, hätte ich dann auch gar nicht gerechnet.

Inhalt:
Es geht um Ada, die Angst-Attacken und Psychische Probleme hat.
Immer wenn sie alleine ist malt sie sich aus welche Erkrankung sie haben könnte und an was sie sterben könnte, sie empfindet richtige Schmerzen und bekommt schlimme Panikataken.
Wenn sie unter Leuten ist kann sie das alles problemlos überspielen.
Allerdings wird es immer schlimmer, auch ihre Arbeit, sie ist Schauspielerin leidet darunter, denn es wird für sie immer schwerer neue Engagements zu bekommen.
Dann kommt Juri als „Untermieter“ in die Wohnung.
Und obwohl sie es gar nicht will, bahnt sich eine Liebesgeschichte an.


Meine Meinung:
Ich konnte mit der Geschichte überhaupt nichts anfangen.
Klar geht es Ada schlimm, aber irgendwie konnte ich keinen Bezug zu ihr finden oder keine Emotion aufbauen.
Alles wirkte auf mich total unreal und unwirklich (obwohl ich mir schon vorstellen kann, dass es dieses Krankheitsbild gibt).
Auch bei der „Liebesgeschichte“, bekam ich keinen Zugang.

Der Schreibstil ist für mich irgendwie gar nicht zu beschreiben.
Ist er nun genial poetisch oder einfach überdreht, abgehoben und zu verquer?
Hier einige Beispiele:
-verfaustete Hand
-die Wohnung zahnte wieder (keine Ahnung was damit gemeint ist)
-..ein paar Tränen dunkelten tropfenweise den Stoff seiner Jeans
-vielleicht steigert das deine soziobiologische Emotionalität
-die lästige Mitentscheidung des Winkels am Blick

Ich glaube für das Buch bin ich nicht "intellektuell" genug.


Autorin:
Simone Lappert, geb. 1985 in Aarau in der Schweiz, lebt und arbeitet in Basel. Sie studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel.

Mein Fazit:
Ich konnte mit dem Buch definitiv nichts anfangen. Für mich ein Flopp.

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moorlichts avatar

Rezension zu "Wurfschatten" von Simone Lappert

Wurfschatten
moorlichtvor 4 Jahren

Ada ist 25, Schauspielerin mit einem kleinen Engagement bei einem kleinen Kriminaltheater mit Zuschauerbeteiligung.
Und sie hat Angst. Vor Krebs, vor Naturkatastrophen, vor Unfällen, vor dem Sterben in jeder Form. Diese Angst beherrscht sie so sehr, dass sie sogar ein Stethoskop besitzen muss um sich davon überzeugen zu können, dass ihr Herz schlägt - ruhig und regelmäßig.

Diese Ängste sind so stark, dass sie in vielen Nächten nicht schlafen kann. Das Alleinsein ist kaum zu ertragen. Tagsüber helfen die Freunde und Nachbarn, die Ängste in Schach zu halten. Aber nachts - wenn die Stadt friedlich schlafen kann - muss sich Ada anders helfen. Sie ruft ein Taxi und lässt sich bis zum Morgengrauen durch die schlafende Stadt fahren. Hinter den Fenstern schlafen die Menschen und haben keinen Anteil an ihren Ängsten. So seltsam es klingen mag, die Fahrten durch die Stadt helfen - die Vorstellung der ruhenden Menschen. Sie hat keinen Anteil daran und doch ist sie - irgendwie - ein Teil der schlafenden Stadt. Sie lässt sich durch die Straßen fahren - Nacht für Nacht und entflieht auf diese Weise ihren Ängsten, mit denen sie über keinen Menschen reden kann. Weder mit ihren Freuden noch mit Nachbarn. Wer schließlich sollte auch verstehen, dass die lebenslustige begabte Ada ein verschlossenes Zimmer hat, in dem sie ihre Ängste an die Wand gepinnt hat.

Mit den Taxifahrten wird die kleine Gage verbraucht. Geld für lebensnotwichtige Dinge wie beispielsweise die Miete bleibt da kaum übrig. Also wird ihr kurzerhand Juri, der Neffe ihres Vermieters in die Wohnung einquartiert. Genau in dem Zimmer, in dem die Ängste an den Wänden pinnten. Und gerade diese sind es, die dann auch weichen müssen - in doppelter Hinsicht.

Eine poetische Sprache, die je nach ihren Tönen angenehme oder gruselige Bilder entstehen läßt. Zu einem völlig normalen Leben passen die Sätze nicht. Aber Ada ist Schauspielerin. Zu ihr paßt das Ungewöhnliche, auch in ihren Sätzen.

Vor allem Ada's Ängste sind extrem ungewöhnlich. Schon in den ersten Seiten kommen die Überlegungen mit, wie diese Unzahl an Ängsten zu erklären sei. Die für Außenstehende stellenweise sehr übertrieben wirken. Es ist schwer vorzustellen, wie ein von Ängsten beherrschtes Leben zu bewältigen ist. Wie kann ein einziger Mensch so viele Ängste in sich vereinen?

Ich mag die Sprache, bei der Geschichte warte ich ab.

Ada spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. "Es ist eher so, dass ich mich schon mal vorsorglich selbst bemitleide."
Maria lachte ein sehr leises Lachen, "das ist meine Geschichte", sagte sie, "die bekommst du nicht, die ist nicht ansteckend."
(S. 47)

Auf der anderen Seite (der Sprache) sind die Bilder derart psychotisch, dass es nur mit Schwierigkeiten zu lesen ist. An diesen Punkten möchte ich das Buch weglegen. Oder anders gesagt, Ada weit von mir wegschicken. Die Energie, einen solchen Menschen auszuhalten, kann nur bedingt aufgebracht werden.

Ada bleibt mir fremd für einige Zeit.
Anders ist es da mit Juri. Sobald er zu reden anfängt, kommt er nahe und wird vertraut. Nicht ohne etwas von dem Flair eines einsamen Westernhelden zu haben. Selbst nach einer Nacht voller Reden bleibt der Eindruck geredet wird nur, wenn es unbedingt sein muss.

Erst sehr viel später ist auch Ada vertraut geworden über ihre Ängste hinaus. Ist lebendig geworden und nimmt am Quartierstheater teil, statt nur zu beobachten.

Das Buch braucht Zeit, um rein zu finden - aber dann ist es gut.

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Gespräche aus der Community

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M
Liebe Lovelybookers,

Simone Lappert erzählt in ihrem Debütroman »Wurfschatten« die Geschichte einer jungen Frau, die äußerlich funktioniert und innerlich zu zerbrechen droht. Behutsam und nie denunzierend nähert Lappert sich ihrer Protagonistin, und erzählt von den tragischen wie den komischen Momenten ihres ins Stocken geratenen Lebens.

Wir verlosen 6 Exemplare des Romans und würden gerne in einer anschließenden Leserunde eure Meinung hören!

Darum geht's:

Ada ist jung, gerade mal 25 Jahre alt, aber sie hat nicht mehr lange zu leben, davon ist sie fest überzeugt. Nicht nur in ihren Träumen stirbt sie jede Nacht aufs Neue, auch tagsüber beherrscht sie diese Todesangst. Das führt dazu, dass sie immer seltener ihre Wohnung verlässt und sich zunehmend isoliert – Freundschaften zerbrechen, ihre Karriere als Schauspielerin ist gefährdet. Um die Angst zu bändigen, unterhält sie ein Therapiezimmer. Dort bewahrt sie alle ihre Ängste auf: von A wie Atomtod bis Z wie Zyste.

Diese fragile Konstruktion gerät ins Wanken, als ihr Vermieter, der schon seit Monaten auf sein Geld warten muss, sie nicht wie angedroht vor die Tür wirft, sondern ihr stattdessen einen Mitbewohner in die Wohnung setzt: Juri, seinen Enkel, der in die Stadt gekommen ist, um die Goldschmiedewerkstatt seines verstorbenen Vaters fortzuführen. Zunächst ist Ada entsetzt; ein Fremder, der nicht nur eigene Spuren hinterlässt, sondern jeden ihrer Schritte beobachten kann. Doch mit der Zeit nähern die beiden sich an. Zaghaft entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die womöglich geeignet ist, die Angst zu zügeln und Ada ins Leben zurückzuführen.

Zur Leseprobe >>

Teilnahme:

Bis zum 11. August habt ihr die Chance, eines von 6 Exemplaren zu gewinnen. Hinterlasst einfach eine Nachricht unter "Bewerbung/Ich möchte mitlesen" und erzählt uns, warum ihr gerne an der Leserunde teilnehmen würdet.


Wir freuen uns!

Schöne Grüße von den METROLITEN


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