Simone Schönett

 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Das Pi der Piratin, Oberton und Underground und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Simone Schönett

Simone Schönett, 1972 in Villach in eine jenische Familie geboren, studierte Romanistik, Pädagogik und Medienkommunikation. Längere Aufenthalte in Italien, Israel, Australien. Seit 2001 arbeitet sie als freie Schriftstellerin. Diverse Auszeichnungen und Preise (Auswahl): Österreichisches Staatsstipendium für Literatur, Förderpreis des Landes Kärnten für Literatur, STW-Lyrikpreis. Mitbegründerin von Wort-Werk und Mitveranstalterin von »Die Nacht der schlechten Texte«. Zuletzt erschien der Roman »Andere Akkorde« (Edition Meerauge, 2018).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Simone Schönett

Cover des Buches Das Pi der Piratin (ISBN: 9783990650288)

Das Pi der Piratin

 (2)
Erschienen am 10.03.2020
Cover des Buches Oberton und Underground (ISBN: 9783708404738)

Oberton und Underground

 (1)
Erschienen am 03.08.2012
Cover des Buches re:mondo (ISBN: 9783708403854)

re:mondo

 (0)
Erschienen am 27.05.2010
Cover des Buches Nötig (ISBN: 9783852526874)

Nötig

 (0)
Erschienen am 22.08.2005
Cover des Buches Im Moos (ISBN: 9783852524238)

Im Moos

 (0)
Erschienen am 01.01.2001
Cover des Buches Der Private Abendtisch (ISBN: 9783708404950)

Der Private Abendtisch

 (0)
Erschienen am 04.02.2014
Cover des Buches Andere Akkorde (ISBN: 9783708406039)

Andere Akkorde

 (0)
Erschienen am 15.02.2018
Cover des Buches Zala (ISBN: 9783708404196)

Zala

 (0)
Erschienen am 01.07.2011

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Rezension zu "Das Pi der Piratin" von Simone Schönett

Auf der Suche nach einer Sprache der weiblichen Lust
MikkaGvor 2 Monaten

Mit nur 104 Seiten ist dieses schlanke Büchlein entgegen aller Erwartung keineswegs schnell zu lesen.⠀

Kein Werk der Prosa, das man flüchtig liest, zwischen Tür und Angel. Kein Werk der Erotik, dass man atemlos verschlingt, zwischen Schenkel und Schenkel. Dazu erzeugen Ideen und Sprache zu viel Nachhall, mitnichten einfach, mitnichten ein billiges Schrittchen auf dem Weg weiblicher Emanzipation.⠀

“Es verschlug mich dorthin, wo es mir das Wort verschlug, wo ich verschlagen wurde und über den Bordstein sprang, und nicht die Schwalbe machte, keinen einzigen Sommer lang, sondern, ohne viel Federlesens, aus der Asche ging; und nicht ins Detail gehen wollte, aus Scham oder weil die richtigen Worte dafür fehlten?”⠀

Mal ist die Sprache martialisch, anarchistisch, vaginale Revolution – mal zart poetisch oder albern ausgelassen; dann schleicht sich ein leiser Ton der Verzweiflung ein ob der Unmöglichkeit einer ultimativen Sprachfindung.⠀

Ungemein aussagekräftig ist die Sprache jedoch immer, auch in den leisen, lyrischen Momenten eine Urgewalt.⠀

Die Autorin findet ungewöhliche Bilder.⠀

Sie spielt mit den Vieldeutigkeiten der Sprache, probiert Wörter an, als seien es Schuhe. Mal leiht sie sich probehalber Versatzstücke aus der männlichen Sprache der Lust, dann wiederum begibt sie sich auf der Suche nach einer gänzlich neuen Sprache in verschiedene Metapherngefilde. Wassermetaphern. Jagdbilder. Steinfruchtvergleiche.⠀

Auf jeder Seite strich ich mir Wörter und Passagen an – nur auf den ersten findet sich noch das ein oder andere Fragezeichen ob des empfundenen Bruchs in einer Metapher. Leichtes Unbehagen meinerseits, wenn ein Bild meines Empfindens aus dem Bedeutungszusammenhang fiel, wenn bunte Vorstellungen ineinander flossen, um sich als scheinbar unbekömmliche Mischung zu entpuppen.⠀

Gerade dieses Unbehagen hat meines Erachtens jedoch Methode .⠀

Simone Schönetts Prosa ist zu stark, zu gekonnt in ihren Wagnissen, als dass dieses gelegentliche Metaphernfiasko etwas anderes als reine Absicht sein könnte. Was sie hier darstellt, in Form und Bedeutung, ist ihr Kampf um eine weibliche Sprache der Lust.⠀

In den Ungereimtheiten spürt man ihre Frustration, wenn ein Ansatz sich als Kampf gegen Windmühlen entpuppt, im Sande verläuft, in Sackgassen führt, für Hohngesänge und polterndes maskulines Getöse sorgt.⠀

Verbaler Ausdruckstanz, weil Worte nicht mehr genügen?⠀

Letztendlich bleibt die versprochene lustvolle Revolution der weiblichen Sprache jedoch aus.⠀

“Meine Lüsternheit entzog sich dem Wort, sie verwehrte sich, türmte, machte sich aus dem Staub. Und ich schrieb ihr hinterher, ihr, die sich gar nicht fassen lassen wollte.”⠀

Der Text ist eine Ansammlung von Ansätzen, die im Ansatz stecken bleiben, die im Ansatz stecken bleiben müssen, weil eine Revolution sich nicht so einfach auf 104 Seiten bewerkstelligen lässt. Nicht, wenn sie das Thema der Gleichberechtigung neu aufrollen müsste, alte (Macht-)Strukturen aufbrechen – eine neue Sprache kann nicht auf ausgelaugtem Grund erblühen.⠀

Aber muss es denn mehr sein als ein mutiger Ansatz, ein lustvoller Anfang, ein Aufzeigen der Möglichkeiten?⠀

Sprache verändert sich nicht über Nacht, gerade weil sie die Gesellschaft verändern und Machtverhältnisse erschüttern kann – sie ist ein immerwährender Prozess. Man muss der Autorin sicher nicht in jedem einzelnen Punkt zustimmen, aber es lohnt sich, wenigstens über das nachzudenken, was sie schreibt.⠀

Fazit⠀

Simone Schönett sucht nach einer weiblichen Sprache der Lust.⠀

Sie wildert dafür in altbekannten Gefilden und beansprucht neue, spielt mit Begriffen und Ausdrucksformen, sagt der Kleinmachung der weiblichen Libido den Kampf an. Noch steht die versprochene Revolution der Sprache indes am Anfang – das Buch ist mehr eine Ansammlung von Denkanstößen als ein Kampftraktat.⠀

Es ist aber dennoch lohnenswerte Lektüre, wenn man sich für das Thema im Speziellen und Emanzipation im Allgemeinen interessiert.


Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:

https://wordpress.mikkaliest.de/simone-schoenett-das-pi-der-piratin/

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