Das Buch ist von einer wahren Geschichte inspiriert und das macht sie umso eindrucksvoller und unfassbarer. Das Buch spielt in Amsterdam, welches von den Deutschen besetzt ist. Ich muss gestehen, dass mir gar nicht bewusst war, dass auch die Niederlande von den Nazis besetzt und beherrscht waren. Irgendwie denke ich bei diesem Thema immer in Richtung Osten, da die meisten Bücher dort „spielen“.
Im Laufe der Geschichte wird das Leben der Juden in Amsterdam immer mehr und mehr eingeschränkt. An Betty, als Jüdin, erfahren wir als Hörer dies hautnah. Überwiegend spielt die Geschichte im Kinderheim, in dem Betty arbeitet. Dorthin werden im Laufe des Buches die Kinder gebracht, deren Eltern auf der gegenüberliegenden Seite der Straße in einem ehemaligen Theater auf ihre Deportation warten.
Greifbar waren die Ängste der Eltern und die unglaublich schwierige Entscheidung, wenn ihnen durch die Mitarbeiterinnen des Kinderheims angeboten wurde, die Kinder „verschwinden zu lassen“. Was macht man? Geht man lieber gemeinsam in die Deportation, oder hofft man, dass die Kinder allein eine Chance auf das Überleben haben? Ich finde das unglaublich schwierig.
Insgesamt hat die Autorin einen eher distanzierten Schreibstil, wie ich finde. So ganz nah lässt sie den Leser nicht an ihre Figuren heran und so bleibt auch das unfassbare Grauen, welches die Menschen und vor allem die Kinder erleiden müssen, eher distanziert. Was jedoch wirklich gut bei mir ankam, war die Angst, die die Frauen zu jeder Zeit begleitete. Direkt unter den Augen der Nazis schmuggeln sie Kinder. Kinder, die nicht immer schon groß genug sind, um die Situation zu begreifen und sich ruhig zu verhalten. Was für Ängste müssen diese Frauen ausgestanden haben? Ich habe allergrößten Respekt davor, wie Betty und ihre Kolleginnen ihr eigenes Leben riskiert haben, um das Leben fremder Kinder zu retten. Ich weiß, dass ich diesen Mut nicht aufbringen würde.
Von mir gibt es 5 Sterne für ein Buch, dass mich wirklich beeindruckt hat, auch wenn es durch die Distanz, die die Autorin zum Leser bzw. Hörer aufbaut, nicht ganz so eindrücklich ist, wie es vielleicht sein könnte.






