Simone Schmollack

 3.7 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von „Und er wird es wieder tun“, Ich will Leidenschaft und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Simone Schmollack

„Und er wird es wieder tun“

„Und er wird es wieder tun“

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Erschienen am 02.05.2017
Ich bin meines Vaters Sohn

Ich bin meines Vaters Sohn

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Erschienen am 01.03.2003
Ich will Leidenschaft

Ich will Leidenschaft

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Erschienen am 01.05.2008
Deutsch-deutsche Beziehungen

Deutsch-deutsche Beziehungen

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Erschienen am 05.09.2005
Kuckuckskinder, Kuckuckseltern

Kuckuckskinder, Kuckuckseltern

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Erschienen am 01.03.2008
Ich wollte nie so werden wie meine Mutter

Ich wollte nie so werden wie meine Mutter

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Erschienen am 01.03.2004
Damals nach der DDR

Damals nach der DDR

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Erschienen am 27.08.2010

Neue Rezensionen zu Simone Schmollack

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "„Und er wird es wieder tun“" von Simone Schmollack

Gewalt beginnt vor dem Schlag
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

»Etwa jede vierte Frau und jeder fünfte Mann in Deutschland hat einer Gesundheitsstudie zufolge bereits psychische Gewalt erlebt.«

Gewalt (insbesondere in der Partnerschaft) ist das Thema dieses Sachbuchs. Die Journalistin Simone Schmollack hat recherchiert und mit Opfern gesprochen. Ein komplexes Thema mit verschiedenen Ansätzen.

»Menschen, die andere beharrlich belästigen, sie anrufen, ihnen schreiben, in ihrem Namen oder für sie Waren bestellen, machen sich strafbar. Doch das interessiert Martin nicht.«

Das Buch ist in Kapitel eingeteilt, die sich mit den verschiedenen Facetten von Gewalt befassen, ein typisch journalistisches Buch. Häusliche Gewalt, Polizeieinsatz, Strafrecht, Stalking, Psychoterror digitale Gewalt, Zwangsehen, Notunterkünfte, Gewalt zwischen älteren Paaren, seelische Gewalt, auch an Kindern in Scheidungsverfahren, Frauenhäuser, Gewalt an Männern, Nein heißt Nein. Ein riesiges Feld für ein schlankes Buch.

»Sie tarnt sich als ›Scherz‹: Was bist du für ein Mimöschen. Mann, ist das leicht, dich zu erheitern. Von einer Frau ist nichts anderes zu erwarten.«

Es beginnt mit Schmeichelei, Verführung, inbrünstigen Liebesschwüren und dann folgt die Degradierung, geht weiter in Beschimpfungen, Beleidigungen, der Täter macht sein Opfer gefügig. Zum Schluss folgt körperliche Gewalt. Danach: Der Täter heult, entschuldigt sich, will das nie wieder tun, liebt doch den Partner. Einer Ohrfeige folgt die nächste und es kann viel schlimmer werden. Das Opfer: Aber eigentlich ist er (manchmal auch sie) ganz lieb, nur hin und wieder … er liebt mich doch. Simone Schmollack lässt eindringlich Opfer zu Wort kommen.

»Weil sie einen feindseligen Mann hatte, der sie mit zersetzenden Methoden kleiner und kleiner gemacht hatte, bis sie drohte, sich aufzulösen.«

Mir hat an diesem Buch gefallen, dass klargemacht wird, dass nicht der erste Schlag den Beginn der Gewalt markiert, sondern dass die Geschichte viel früher beginnt. Gewalttäter erniedrigen und üben auf andere Weise Gewalt aus, sie wollen ihr Opfer kontrollieren. Wo gehst du hin, wann kommst du wieder, mit wem triffst du dich? Verbale Kontrolle bis hin zu Trackern, die auf Rechner und Handy gelegt werden, um zu wissen, wo das Opfer sich befindet, was es schreibt. Blinde Eifersucht, Misstrauen bis hin zu Verboten an das Opfer, dies oder das zu tun, sich mit jenem zu treffen. Gewalt endet auch nicht unbedingt mit der Trennung. Stalking per direktem Kontakt, Telefon, soziale Netzwerke, es geht weiter. Manch ein Stalkingopfer weiß nicht einmal, von wem es verfolgt wird. Genau das ist Gewalt, psychische Gewalt! Die Gewalt beginnt nicht erst mit einem Schlag!

»Die Übergriffe sind so vielfältig wie bei Frauen ohne Migrationshintergrund. Sie reichen von Ohrfeigen, Prügeln, Treten und Zwang zum Sex durch den Ehemann sowie andere nahestehende Personen bis hin zu Menschenhandel und Zwangsprostitution.«

Schmollack stellt fest, dass Frauen mit Migrationshintergrund besonders stark betroffen sind, da durch andere Sitten und Vorstellungen zur Rolle der Frau noch weitgreifender Gewalt ausgeübt wird. Zwangsehen, auch mit Minderjährigen ist die erste Stufe. Hier werden zwei verheiratet, oft mehr oder weniger noch Kinder, die es miteinander aushalten müssen. Beide Partner stehen unter Druck. Mädchen geraten unter die Fuchtel der Schwiegermutter. Aber schon vorher hat die eigene Mutter genügend Gewalt ausgeübet, damit eine Hochzeit überhaupt stattfinden konnte. Ganze Familien sind am Szenarium beteiligt.

Gewalt im Alter von Menschen im sozialen Nahbereich wird angesprochen. Manche Opfer halten Gewalt über Jahrzehnte aus. Und andere Alte erfahren Gewalt durch überlastete Partner, Betreuer. Ertragen durch Abhängigkeit, ein anderes Thema, das Drohen, die Kinder wegzunehmen, Haus und Hof. Überhaupt, die Kinder, die mit ansehen, hören müssen, was passiert, was gesagt wird, eventuell selbst Schläge erhalten, Kinder, die dem Gezanke der getrennten Eltern ausgesetzt sind, erpresst und als Spitzel missbraucht werden.

»Entgegen der allgemeinen Annahme, ältere Kinder könnten Gewalterfahrungen besser verarbeiten als jüngere, zeigen Untersuchungen, dass das nicht stimmt.«

Was macht Gewalt mit der Psyche eines Menschen, wie wirkt sie sich auf den Körper aus? Gewalt gegen Männer? Es gibt mehr, als man denkt. Es gibt auch prügelnde Frauen, aber die meisten machen es viel subtiler: Degradierung. Das Buch gibt einen guten Überblick, insbesondere die vielen persönlichen Berichte gehen unter die Haut, machen klar, worum es geht. Am Ende findet man Adressen und Telefonnummern, Literaturempfehlungen für diejenigen, die sich tiefer mit der Materie befassen wollen. Das Buch ist ein Rundumschlag, Einstiegsliteratur. Die Gründe, warum jemand gewalttätig ist oder warum er zum Opfer wird, werden nur kurz gestreift. Dazu ist das Thema zu groß. Wer sich grundsätzlich mit dem Thema Gewalt befassen möchte, liegt richtig. Wer betroffen ist oder jemanden kennt, dem Gewalt widerfährt, findet hier vielleicht den Anstoß, aus der Spirale auszusteigen, zu verstehen, wie alles zusammenhängt. Man kann es schaffen, auch das ist hier zu lesen. Die ersten Anzeichen richtig zu deuten und es nicht bis zum Schlag, bis zum Krankenhaus kommen zu lassen, das wäre der erste Schritt. Das ist genau aufgeführt. Meine Leseempfehlung.

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W

Rezension zu "„Und er wird es wieder tun“" von Simone Schmollack

Ein wichtiger Meilenstein für eine umfassende Aufklärung
WinfriedStanzickvor einem Jahr

S
Dieses Buch der Journalistin und Taz-Redakteurin Simone Schmollack hat ein Buch geschrieben über Gewalt in der Partnerschaft, das in seiner Grundlegung und Fundierung seinesgleichen sucht.

Sie hat nicht nur alle bekannten Fakten verständlich zusammengefasst, sondern sie hat auch viele Gespräche geführt mit betroffenen Frauen, was ihren Ausführungen Authentizität verleiht. Nicht nur dadurch wird deutlich und verständlich, wie mitten unter und neben uns Gewalt zwischen Partnern entsteht und wie sich solche Beziehungen entwickeln.

Ihre Botschaft an betroffene Leserinnen ist: ihr seid nicht allein. Ihr könnt den Mut entwickeln, euer Schweigen zu brechen und euch Hilfe zu suchen. Doch nicht nur Betroffene sind es, an die sich dieses grundlegende Buch richtet. Auch nicht betroffene Menschen, Anwälte, Politiker, Richter und Berater können ein besseres Verständnis der Zusammenhänge bekommen durch die Lektüre und besser mit Opfern sprechen.

Das Buch, das alle mögliche Facetten von Partnerschaftsgewalt (auch die gegen Männer) beleuchtet, ist ein wichtiger Meilenstein für eine umfassende Aufklärung.



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halbbluthobbits avatar

Rezension zu "Ich wollte nie so werden wie meine Mutter" von Simone Schmollack

Rezension zu "Ich wollte nie so werden wie meine Mutter" von Simone Schmollack
halbbluthobbitvor 9 Jahren

Simone Schmollacks Buch ist ein Kaleidoskop von Geschichten, Frauenschicksale, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede einzelne von ihnen gibt Einblick ihre persönlichen, guten und schlechten, liebevollen und traumatischen Begegnungen und Beziehungen zu ihren Müttern.

Wäre Simone Schmollacks Buch eine Klausur gewesen, so hätte ich drunter geschrieben: Thema verfehlt. Nur wenige Dinge im Leben bieten so vielschichtigen und explosiven Erzählstoff wie die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Leider wird dieses Potenzial in hier wenig bis gar nicht genutzt. Die Erwartung, die der Titel, das Vorowrt und das äußere Gesamtpaket bei mir geweckt hatten wurden herbeenttäuscht duch gleichbleibende, schwertragische Geschichten misshandelter und ungeliebter Kinder, denen in ihren Ich-Form-Erzählungen seltsamer Weise allen der selbe lahme, dokumentarische Schreibstil anhaftet. Von verschiedenen Charakteren kann hier wohl kaum die Rede sein, eher von erdachten Missgeschicken.

Auch der Versuch, dieses Album der Miseren durch eine Geschichte über eine (nur eine!) höchst innige und liebevolle Mutter-Tochter-Beziehung ein bisschen heller zu gestalten ist leider zu durchschaubar und wirkt sowieso wenig bis gar nicht.

Für mich ist dieses Buch eine herbe Enttäuschung und es hinterlässt nach Umschlagen der letzt Seite einen bitteren Nachgeschmack und eine seltsame Sichtweise auf Mutter-Tochter-Konstellationen im Allgemeinen.

Wenn ihr es geschenkt bekommt, lest es, und bildet euch eine Meinung, aber den aktuellen Marktpreis von 9,99 € dafür auszugeben, lohnt sich nicht wirklich.

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