Rezension zu "Die Ilias, oder das Gedicht von der Gewalt (Fröhliche Wissenschaft)" von Simone Weil
Hubertus_FeldmannUnter Zuhilfenahme eines der ältesten wohl auch bekanntesten Werke (Vers-Epos) Europas, der „Ilias“ von Homer, versucht Simone Weil (1909-1943) das Verhängnis von Krieg und Gewalt und deren möglicher Überwindung darzustellen. Aus der Distanz von knapp 90 Jahren (entstanden zwischen 1937 und 1939) erscheint eine profunde Annäherung an dieses hochkarätige Essay auch dem geneigten Leser nur mit Mühe möglich. Zum Glück gibt es hier ja noch die wirklich lesenswerten und erhellenden Ausführungen von Wolfgang Matz: „Simone Weil, der trojanische Krieg und der Krieg“. Hier werden das Denken und die Entwicklung von Simone Weil nachvollziehbar dargestellt und deren Werk sozusagen abgerundet plausibilisiert.
Hier wird der Verstand gefordert, die Emotionen geweckt und Bezüge zur Gegenwart immer wieder deutlich: Krieg und Gewalt als Entgleisungen und Notwendigkeit (?) menschlichen Verhaltens, oder was dagegen zu tun wäre, um diesen Mechanismen zu entkommen – falls überhaupt möglich. Und ob das Prinzip des „Nie wieder Krieg!“ tatsächlich funktionieren kann wird hier auf der genannten Grundlage diskutiert. Natürlich ist die Auswahl aus der Ilias mehr oder weniger willkürlich und dient insofern der Bekräftigung ihrer Thesen und der Antwort auf ihre Fragen. Die Argumentation ist stringent, auch wenn gelegentliche Abweichungen in philosophische (religiöse) Nebengewässer das Verständnis bzw. die Zustimmung erschweren.
Leicht folgen kann man hingegen Aussagen zu den „Gegenmitteln“ von Krieg und Gewalt (Liebe und Freundschaft), die den Spuren Homers folgen: „‘So bin ich für dich ein geliebter Gast in Argos … Meiden wir die Lanzen des anderen, und sogar im Streit.‘“ Daraus schlussfolgernd: „Doch der reinste Triumph der Liebe, die höchste Gnade im Krieg, ist die Freundschaft, die aufsteigt im Herzen von Todfeinden.“
Schlussendlich mag die Frage erlaubt sein, ob die Welt eine andere wäre, wenn D. Trump und W. Putin sich mit den Grundlagen des Denkens von Simone Weil für einen Moment befassen würden.









