Purmerend, Niederlande, 1892: Nach dem Tod ihres Vaters entdeckt Lydia Oorthuys Unterlagen, die darauf hindeuten, dass dieser eine Käsefabrik gründen wollte. Da Lydia ihr Leben sinnvoller verbringen möchte als das, was ihrem Stand und ihrem Geschlecht von der Gesellschaft vorgegeben wird, greift sie diese Idee auf. Als Frau kann sie allerdings kein Unternehmen gründen, sie braucht einen Mann an ihrer Seite, zumindest als Gesellschafter, und so spricht sie den Bauern Huib Minnes an, den ihr Vater schon als Betriebsleiter eingeplant hatte. Huib dachte schon immer sehr fortschrittlich und hat auch schon als einer der wenigen eine Milchzentrifuge angeschafft, so dass sie sich einig werden und in Purmerend eine Käsefabrik gründen.
Nach einem Zeitsprung tritt 1913 Lydias Tochter Nora in den Vordergrund, die übereilt eine Heirat eingeht, die Ehe entwickelt sich aber nicht so, wie erwartet. Mit ihrem Mann lebt Nora in Belgien, als 1914 der erste Weltkrieg beginnt.
Der Titel des Romans hatte mich in die Irre geführt, ich erwartete einen ganz anderen Roman, in dem es vor allem darum geht, dass eine Frau Unternehmerin wird, mit den Herausforderung und Problemen, die damit einhergehen, gerade auch zur damaligen Zeit. Tatsächlich war das nur der kleinere Teil der Geschichte. Lydia steht weniger als die Hälfte des Romans im Mittelpunkt, danach wechselt es auf ihre Tochter, die so gar nichts mit der Fabrik am Hut hat. Während mir Lydia sofort sympathisch war, mochte ich Nora mit ihrem Standesdünkel deutlich weniger, was sich zum Glück im Laufe der Geschichte zum Positiveren entwickelt hat.
Der Roman war insgesamt eine echte Herausforderung für mich. Zunächst sehr langatmig, konnte er mich dann, als es mit der Fabrik konkreter wurde, fesseln. Nach dem Zeitsprung hat die Fabrik kaum noch eine Bedeutung für die Geschichte, sie dreht sich vor allem um Nora und ihre Liebesgeschichte, was mich wieder langweilte. Der erste Weltkrieg war für Belgien eine Katastrophe, und Nora muss ihr Leben anpassen, was wieder zu einer interessanteren Wendung führt. So war die Geschichte für mich ein Auf und Ab, mal hatte ich kaum noch Lust weiterzulesen, dann wieder war es interessant und spannend. Gut gefallen haben mir der feministische Aspekt, der sowohl bei Lydia als auch bei Nora eine Rolle spielt, sowie der historische Hintergrund.
Interessant ist auch das Nachwort der Autorin, dem man unter anderem entnehmen kann, wie viele handelnde Charaktere tatsächlich historisch belegt sind, das waren mehr, als ich erwartet hatte, und so wurden Teile des Romans rückwirkend noch ein Stück spannender für mich. Irritiert haben mich im Nachwort Verweise auf das Cover, die das niederländische betrafen und nicht auf das deutsche zutrafen, ich finde, das hätte der Verlag anpassen müssen. Den Originaltitel einfach ins Deutsche zu übersetzen, nämlich Die Käsefabrik, hätte zudem besser gepasst. Im Anhang findet sich auch ein Quellenverzeichnis.
Der Roman konnte mich nicht durchgehend überzeugen, im Gegenteil, er erfüllte meine Erwartungen nur zum Teil. Immer wieder hatte ich wenig Lust weiter zu lesen, um dann wieder gefesselt zu sein. Ein Pluspunkt ist die gute Recherche. Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Simone van der Vlugt

Lebenslauf
Alle Bücher von Simone van der Vlugt
Klassentreffen
Schattenschwester
Nachtblau
Rettungslos
Kalte Freundschaft
Am helllichten Tag
Die Unternehmerin von Amsterdam
Finsternis
Neue Rezensionen zu Simone van der Vlugt
Im Jahre 1892 steht Lydia nach dem Tod der Eltern plötzlich alleine da. Beim Sichten der Unterlagen ihres Vaters entdeckt sie seine Pläne für eine Käsefabrik. Da ihr wohltätige Arbeit und Herumsitzen nicht liegt, setzt sie mit Hilfe von Huib diese Pläne um.
Jahrzehnte später erfährt Nora durch Zufalle, wer ihr eigentlicher Vater ist und Hals über Kopf bricht sie mit ihrer Mutter und heiratet nach Belgien. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und das Leben, dass Nora sich an der Seite ihres Mannes erhofft hat findet ein jähes Ende.
Das Buch ist in zwei Teile geteilt. Einmal in die Geschichte von Lydia die die Idee ihres Vaters eine Käsefabrik aufzubauen gegen alle Widerstände umsetzt und sich damit nicht nur Freunde macht. Und dann die Geschichte Noras, die aus ihrer Familie flieht, um ein Leben in der gehobenen Gesellschaft zu führen und am Ende in die Wirren des ersten Weltkriegs gerät. Die Gesellschaft in dies sie einheiratet existiert von einem Moment zum anderen nicht mehr und Nora muss erkennen, dass vieles nur Schein war.
Mir hat das Buch an sich gut gefallen, auch wenn bald abzusehen war, dass Lydias Lebenslüge zu einer schweren Belastung in der Beziehung zu ihrer Tochter werden würde. Auch er zweite Teil war mitreißend geschrieben, auch wenn ich Anfangs das Gefühl hatte, dass Nora trotz der recht bodenständigen Mutter eine ziemlich verwöhnte und arrogante Oberschichttochter war. Die Erlebnisse im Krieg rücken ihr dann ganz schnell den Kopf zurecht und hier sieht man dann eine deutliche Entwicklung.
Schön fand ich auch, wie die Autorin die grundlegende Änderung der Gesellschaft während des ersten Weltkriegs in Belgien zeigt. Die wenigsten Bücher behandeln diese Zeit an diesem Ort.
Die Käsefabrik spielt im zweiten Teil eigentlich keine Rolle mehr, was ich etwas schade fand.
Was ich nicht so gut fand war, dass mir am Ende zu viel offen blieb. Irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, das Ende der Geschichte gelesen zu haben. Wäre das Buch Teil einer Reihe hätte das Ende gepasst, aber so war es mir nicht abgeschlossen genug.
Worum geht’s?
Nachdem Catrijns Mann stirbt und im Dorf schlimme Gerüchte über sie die Runde machen, flüchtet die junge Frau nach Amsterdam, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Als ihre Vergangenheit sie einholt, wandert sie weiter, nach Delft. Dort kommt sie in einer Porzellanfabrik unter. Und schon bald findet sie hier ihre wahre Berufung.
Meine Meinung:
Der historische Roman „Nachtblau“ von Simone van der Vlugt ist eine wirklich fesselnde Mischung aus Fakten und Fiktion. Was geschichtlich belegt ist und was aus der Fantasie der Autorin stammt, wird im Nachwort erklärt.
In ihrem Buch begleiten wir Catrijn, die eine dunkle Vergangenheit, aber auch einen Traum hat. Vor ihrer Vergangenheit versucht sie, zu fliehen, ihren Traum versucht sie, zu verwirklichen. Sie zu begleiten fand ich wirklich spannend und auch die Menschen, denen sie begegnet, sind interessant. Allen voran Evert und Engeltje.
In der Geschichte selbst reisen wir von De Rijp über Amsterdam, bis wir schließlich in Delft landen. Wir erleben hierbei nicht nur die Begeisterung für das feine, chinesische Porzellan, das kaum bezahlbar ist und wie das Delfter Porzellan entstanden ist, sondern haben auch noch einen kleinen Kriminalfall, eine schreckliche Explosion und kämpfen gegen die Pest. Catrijn erlebt dabei Höhen und Tiefen, muss Schicksalsschläge verarbeiten, aber auch die Liebe findet sie. Ich habe es genossen, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Teilweise wäre ich gerne noch viel mehr und tiefer in ihre Geschichte eingetaucht. Vor allem der Rückweg von ihren Eltern nach Delft war emotional und spannend. Alles in allem haben wir hier ein wundervolles Buch, das nicht nur die Geburt des Delfter Porzellans beschreibt, sondern uns einen tiefen Einblick in das 17. Jahrhundert gibt und in dem wir tollen Charakteren begegnen und diese begleiten. Zu gerne würde ich wissen, wie es mit Catrijn, Eva, Mattias, Lucas und all den anderen weitergeht! Von mir eine ganz klare Leseempfehlung!
Fazit:
„Nachtblau“ ist ein wundervoller Roman, in dem Simone van der Vlugt gekonnt Fakten und Fiktion vermischt und so eine Geschichte schreibt, die bildhaft, fesselnd und mitreißend ist. Neben der Geburt des Delfter Porzellans dürfen wir Catrijn begleiten, die viel durchmacht, viel verliert und viel gewinnt. Sie und die Personen, die sie auf ihrem Weg trifft, haben mir gut gefallen. Dann die geschichtlichen Teile – die Explosion, der Ausbruch der Pest; es war wirklich ein Buch, das ich fast am Stück verschlungen habe und von dessen Protagonisten ist zu gerne noch mehr gelesen hätte.
5 Sterne von mir!
Gespräche aus der Community

Wir von HarperCollins Germany laden euch herzlich zur Leserunde des neuen Romans
"Nachtblau" von Simone van der Vlugt
ein. Bitte bewerbt euch bis zum 10.07.2017 für eines von 30 Leseexemplaren (Klappenbroschur) und zur gemeinsamen Diskussion sowie Rezension des Romans.
Über den Inhalt:
Die junge Haushälterin Catrijn ist begeistert, als sie mit ihrer Dienstherrin den großen Rembrandt besuchen darf. Sie selbst kann gut malen, übt ihr Talent aber nur heimlich aus. Als die Schatten der Vergangenheit sie einholen und sie fliehen muss, findet sie Unterschlupf bei dem Besitzer einer Porzellanfabrik in Delft. Zusammen mit Evert beginnt sie, die faszinierende Keramik zu verzieren, die sich weltweit einen Namen machen wird: Das Delfter Porzellan. Doch das Glück mit der nachtblauen Farbe ist nur von kurzer Dauer. Catrijn weiß, dass sie für eine vergangene Sünde zahlen muss.
Du möchtest "Nachtblau" von Simone van der Vlugt lesen?
Dann bewirb dich jetzt um eines der 30 Leseexemplare!
Wir sind gespannt auf dich, deine Fragen und Leseeindrücke und würden uns freuen, wenn du deine Rezension dann auch auf Amazon & Co und auf harpercollins.de teilst.
Viel Glück und ein tolles Leseerlebnis wünscht dir das Team von HarperCollins Germany
Im Dezember werde ich notieren, wie viel ihr so gelesen habt.
Diese Challenge ist ja eine schöne Motivation, um mehr Bücher zu lesen und sie zu rezensieren. Ihr könnt natürlich jederzeit einsteigen!
WICHTIG
markiert BITTE BITTE eure Bücher in eurem Posting, also immer schön brav unten anhängen, ihr tut mir damit echt einen gefallen.
Bei manchen Leuten von euch: Sie schreiben habe vier Bücher aber zeigen und sagen nur drei Bücher? bitte achtet darauf :) Ihr verwirrt mich sonst nur :D muss ja nicht ;) denn es soll nicht nur euch Freude bereiten, mir doch auch ein klein wenig? :) Dankeschön :)
Hier die letzten Monate:
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Die Regeln sind ganz einfach:
Schreibt einfach, dass ihr mitmachen wollt und wie viele Bücher ihr erst einmal plant. Wenn ihr nichts angebt, dann werde ich als Ziel 10 Bücher eintragen.
Wenn ihr im Laufe des Monats ein Buch gelesen habt, meldet es einfach hier und sagt am besten auch, das wievielte Buch das ist.
Dann brauche ich natürlich einen Beweis, dass ihr das Buch gelesen habt. Ihr müsst aber nicht zu jedem Buch eine Rezension schreiben. Eine Kurzmeinung reicht schon!!
Ach, gebt bitte entweder einen eindeutigen Titel an, oder hängt das Buch an, damit ich auch alle Bücher, die im Rahmen dieser Challenge gelesen werden, anhängen kann.
Oder wo man sonst das Buch finden kann, falls es nicht bei der Lovelybooks-Liste dabei ist.
Dann wünsche ich euch viel Spaß und hoffe, ihr schafft auch in diesem Monat wieder viele Bücher!
ein ganz kleines PS.: das ist mein erster Thread den ich hier eröffne, darum bitte bitte steinigt mich nicht, falls es mal nicht perfekt läuft, ;)
ich freue mich sehr mit euch gemeinsam im Dezember zu lesen :-)
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Zusätzliche Informationen
Simone van der Vlugt wurde am 14. Dezember 1966 in Hoorn (Niederlande) geboren.
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