Sina Pousset

 3.2 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von "Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind", Schwimmen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sina Pousset

"Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind"

"Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind"

 (16)
Erschienen am 17.10.2016
Schwimmen

Schwimmen

 (9)
Erschienen am 08.09.2017

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Rezension zu "Schwimmen" von Sina Pousset

Der Versuch sich gemeinsam mit der Protagonistin über Wasser zu halten
Seitenfluesterinvor einem Monat

„Wer springt hat zwei Möglichkeiten: schwimmen oder untergehen.“ Doch was ist, wenn das Leben dir ein Bein stellt und du unvorbereitet den Absprung wagen musst, während um dich herum alles seinem geregelten Lauf folgt ohne zu bemerken, dass du untergehst? In ihrem Debütroman „Schwimmen“ schreibt Sina Pousset darüber, wie das Leben spielt und wie jeder auf seine eigene Weise lernen muss, sich über Wasser zu halten, um nicht unterzugehen.

An einem stürmischen Abend verliert die Verlagsmitarbeiterin Milla ihren besten Freund Jan, den sie schon seit Kindertagen kennt. Doch nicht nur für sie soll die Verarbeitung dieses Verlustes schwer werden, denn auch seine Partnerin Kristina war auf diesem Ausflug dabei. Zuvor hatte sich etwas zwischen den Hauptfiguren ereignet womit keiner der drei gerechnet hatte.
Nach Jahren ist der Verlust für die Protagonistin Milla immer noch nicht überwunden, aber sie ist nicht alleine: an ihrer Seite befindet sich die kleine Emma, Jans Tochter. Als sie eines Tages in ihrem Büro im Verlag sitzt und nach langer Zeit zögernd das tief unter den Manuskripten vergrabene Tagebuch von Jan in die Hand nimmt, lässt Milla alles stehen und liegen und macht sich auf den Weg, um etwas an diesem Zustand der Gelähmtheit zu ändern. 


Und so finde ich mich gemeinsam mit der Protagonistin Milla in einer Schwere wieder. Obwohl wir merken, dass sich das Leben um uns herum weiterhin abspielt und die Menschen beim Bäcker ein und ausgehen, von einem Ort zum anderen hetzen müssen und irgendwo ein Kind sich vielleicht das Knie beim Toben mit seinen Freunden aufgeschlagen hat und nun weint, so befinden wir uns zwar mittendrin in diesem Treiben, doch irgendwie sind wir auch außerhalb.
 

Hier macht sich der besondere Schreibstil der jungen Autorin bemerkbar, die es schafft, die Schnelllebigkeit unserer modernen und hochentwickelten Gesellschaft auf dem Papier festzuhalten. Die schnelle Abfolge und Aneinanderreihung von unterschiedlichen Bildern wirkte zu Beginn etwas stören/gewöhnungsbedürftig auf mich, doch schon bald muss ich feststellen, dass es das Bild unserer heutigen Zeit ist: fast alles ist darauf ausgerichtet schneller, besser und weiter zu sein. Nichts darf stehenbleiben, selbst nicht, wenn man dringend einmal "Aussteigen" möchte, um kurz durchzuatmen. Alles muss funktionieren und jeder einzelne von uns ist nur ein kleines Rädchen vom großen Ganzen, das dazu beiträgt, dass es nicht zum Stehen kommt.
 Doch zeigt Sina Pousset uns nicht nur die Schnelllebigkeit. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit, schiebt das chaotische Treiben der Außenwelt in den Hintergrund und lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers bewusst auf die ganz gewöhnlichen Alltagsgegenstände, sei es nun eine ganz gewöhnliche Teetasse oder ein Haus. Doch der Unterschied zu diesen Gegenständen liegt darin, dass sie für die Protagonisten und in ihrer Geschichte eine ganz wichtige Rolle spielen. Und die Autorin lässt uns Leser mit großer Feinfühligkeit, aber auch Melancholie ein Teil dieser Geschichte werden.


Es ist eine Geschichte über das Leben. Über Sehnsucht, Verlust und Enttäuschungen, aber auch eine Geschichte, die zeigt, dass man bei dem Versuch schwimmen zu lernen nicht alleine ist. Es gibt immer die Familie und die Freunde, die einem bei dem Versuch sich über Wasser zu halten zur Seite stehen und somit ein Hoffnungsschimmer sind, wenn es scheint, als würde jeder andere die hilfesuchende Hand übersehen.
 

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E

Rezension zu "Schwimmen" von Sina Pousset

Leise aber eindringlich
ElbeundAlstervor 10 Monaten

Handlung
Erzählt wird zunächst der Alltag von Milla, die neben ihrem Job als Lektorin die kleine Emma aufzieht. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, doch als Milla in der Jackentasche ihres besten Freundes Jan einen Zettel findet, scheint sich in ihr ein Knoten zu lösen. Schnell wird klar, dass Jan tot ist und Milla für eine lange Zeit in unterdrückter Trauer gelebt hat, gepaart mit dem Gefühl von Schuld.
Sie beschließt, Kristina zu besuchen und sich mit ihr gemeinsam der Vergangenheit zu stellen. Fast leise und vorsichtig nährt man sich dem Sommer, den Milla, Kristina und Jan gemeinsam am Meer verbracht haben und der mit Jans tragischem Tod geendet hat. Man erfährt etwas über die enge Freundschaft zwischen Milla und Jan, die seit Kindertagen besteht und warum Emma zu Milla nicht „Mama“ sagt.

Thematik
Freundschaft, Liebe, Familie. All das sind Themen, die im Roman eine wichtige Rolle spielen. Noch viel wichtiger ist aber das Gefühl, was die junge Autorin mit ihrer Sprache hervorruft.

„Milla erstarrt, ihre Worte hängen noch vor ihrem Mund und können nicht zurück. Schon lässt er los, schon ist er weg. Jan geht an ihr vorbei, so schnell, dass sie die Luft fühlt, die er mit sich nimmt, nach drinnen. Sie steht da, allein, einen Moment lang und hält die Finger an ihren Mund. Sie wartet, bis ihr das Blut langsam wieder aus den Wangen weicht. Dann folgt sie ihm.“

(Sina Pousset, Schwimmen, S. 141f)

Das Buch ist auf eine zarte Weise melancholisch und nachdenklich. Es erzählt die Geschichte von jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Träumen sind.
Der Umgang mit und die Bewältigung von Trauer sind ein zentrales Thema und die Verzweiflung der Protagonisten ist spürbar.

Fazit
Sina Pousset hat mit ihrem Debutroman eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Die Autorin lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Figuren eintauchen. Obwohl die Geschichte sehr traurig und tragisch ist und der Roman von einem bedrückten Gefühl dominiert wird, schenkt die Geschichte schlussendlich Hoffnung. Und dieses Gefühl bleibt nach der letzten Seite in mir verankert. Durch die wunderschöne Sprache der Autorin hallt die Geschichte noch lange nach und bleibt im Gedächtnis. Teilweise ist der Roman sehr schmerzhaft, dabei aber immer auf eine zarte Weise, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Gerade während der aktuell kalten und grauen Jahreszeit lässt sich dieser Roman sehr gut lesen und man kann sich ganz in der Geschichte verlieren.
Ich hoffe, noch mehr von dieser talentierten jungen Frau lesen zu können.
Hier findet ihr noch ein lesenswertes Interview von Sina Pousset und ihrer Lektorin Aylin Salzmann, die neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit auch eine Freundschaft verbindet.



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buecherkompasss avatar

Rezension zu "Schwimmen" von Sina Pousset

SCHWIMMEN. SINA POUSSET.
buecherkompassvor einem Jahr

INHALT

Nach einem schweren Schicksalsschlag ist im Leben von Milla und Kristina nichts mehr so wie es einmal war. Hatten die beiden jungen Frauen soeben noch ihr ganzes Leben vor sich – Träume, Hoffnungen, eine Zukunft – scheint alles Wunderbare vom einen auf den anderen Moment weggeschwemmt.

Milla und Kristina müssen lernen zu schwimmen, um nicht in den Fluten unterzugehen.

MEINUNG

Hinter dem unscheinbaren Cover verbirgt sich ein wahrer Schatz. Der Titel ist dabei so einfach gewählt, dass er schon wieder neugierig macht. Auf die Bedeutung hinter dem Wort, das stark genug ist, um stellvertretend für eine ganze Geschichte zu stehen. Auf die Geschichte, die sich hinter dem Titel verbirgt. Auf die Autorin, die sich für einen so simplen Titel entschieden hat.

Das Buch hat nicht viele Seiten, doch diese sind mit umso mehr Bedeutung und Emotionen gefüllt. Man schlägt das Buch auf und wird direkt überwältigt von den Gefühlen der Protagonistin.

Ein zurückliegendes Ereignis wirft seinen Schatten auf das Leben der Charaktere und lässt jeden Moment unbedeutend und trist erscheinen. Dabei schafft es die Autorin, dass die Verzweiflung der Protagonisten beim Lesen auf einen überschwappt. Gemeinsam mit ihnen klammert man sich an deren vergangene Erinnerungen, lässt Geschehenes Revue passieren und kommt letztlich zur Erkenntnis, dass die einzige Möglichkeit nicht unterzugehen ist zu schwimmen, selbst wenn die Last der Vergangenheit dem eigenen Bemühen entgegenwirkt.

Schwimmen ist ein großartiges Buch – vielmehr als ein Buch ist es jedoch ein Gefühl. Sina Poussets Schreibstil ist so poetisch wie schmerzhaft und so lassen einen die Worte der Autorin auch nach Beenden des Buches so schnell nicht los.

Ein wahnsinnig starkes Debüt von einer Autorin von der man zukünftig hoffentlich noch einiges hören wird.

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