Sinclair Lewis

 3.8 Sterne bei 64 Bewertungen
Autor von It Can't Happen Here, Main Street und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sinclair Lewis

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Main Street

Main Street

 (13)
Erschienen am 23.04.2018
Babbitt

Babbitt

 (7)
Erschienen am 02.10.2017
Das ist bei uns nicht möglich

Das ist bei uns nicht möglich

 (6)
Erschienen am 22.03.2017
Babbit

Babbit

 (1)
Erschienen am 01.01.1953
Sam Dodsworth,

Sam Dodsworth,

 (1)
Erschienen am 01.01.1982
Die Hauptstraße Band 2

Die Hauptstraße Band 2

 (1)
Erschienen am 01.01.1985
Die Hauptstraße. Band 1

Die Hauptstraße. Band 1

 (1)
Erschienen am 01.01.1985

Neue Rezensionen zu Sinclair Lewis

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BluevanMeers avatar

Rezension zu "Main Street" von Sinclair Lewis

Main Street - zeitlos aktuell
BluevanMeervor einem Tag

Mit Main Street hat Sinclair Lewis 1920 eine Weltverbesserungssatire geschrieben, die überraschend zeitlos und ziemlich unterhaltsam  den tiefen Graben zwischen Provinz und Metropole beschreibt. 

Die Main Street führt durch das fiktive 3.000-Seelendörfchen Gopher Prairie. Hierhin hat es Carol Kennicott verschlagen, eine junge und attraktive Bibliothekarin aus Chicago, die aus Liebe zu ihrem Ehemann Will aufs Land zieht. Will ist Landarzt, 40 Jahre alt und ein ziemlich bodenständiger Typ, Carol hat gerade ihren Collegeabschluss gemacht und ist eine Träumerin.

Für Will ist Gopher Prairie der Himmel auf Erden. Dabei wird schon zu Anfang klar, dass der kleine Ort bloß „außergewöhnlich war für die Augen eines Kennicotts“.  Es ist ihr zukünftiger Mann, der Carols Mission und auch ihr immer wiederkehrendes Scheitern initiiert: „Mach unsre Stadt… na ja … mach sie kunstsinnig!“ Carol fackelt nicht lang und macht sich auf, Gopher Prairie mit Kultur zu beglücken. Mal sieht sie ihre Aufgabe darin, sich der Städteplanung in ihrer neuen Heimat zu widmen, mal gründet sie einen Theaterclub. Mit unverbesserlichem Optimismus versucht sie immer wieder, die Bewohner*innen des kleinen Dorfes aufzurütteln und für neue Ideen, Fortschritt und Aufklärung zu begeistern.  Kein Wunder, dass sie sich mit dieser Haltung nicht viele Freunde in der Stadt macht, denn wer lässt sich schon gerne sagen, dass er eigentlich ein Hinterwäldler ist?

Außerdem unterschätzt Carol die einflussreichen Familien vor Ort, die schon immer in Gopher Prairie gelebt haben, eine Mischung aus stumpfsinnigen Kleingeistern, Spekulanten,  Farmern und ihren Ehefrauen, die die Bibel als höchstes Kulturgut sehen und deren einzige Forderung an die Kunst eben darin besteht, dass sie bloß erbaulich zu sein habe. Eine aktive Gruppe, die sich vehement gegen Auflösungsprozesse der vorhandenen Strukturen einsetzt. Für Ausländer*innen (in diesem Buch sind es die deutschen und schwedischen Einwanderer*innen, denen die Ortsansässigen gerne Krankheiten und moralische Verwerflichkeit andichten), ist in diesem Weltbild  nur ein Platz als Bedienstete*r vorhanden. Sozialist*innen sollten nach Ansicht der vielen tapferen und guten Menschen in Gopher Prairie direkt aufgehängt werden und am Ende des Tages hat natürlich der Mann im Haus das Sagen. Als Carol sich mit ihrem Hausmädchen anfreundet, kommt das einer Revolution gleich. 

Carol versucht alles und scheitert grandios. Ihre Ideen werden nicht nur von ihrem Ehemann belächelt. Auf knapp 1000 Seiten muss Carol viele Schlachten schlagen und sich auch immer wieder geschlagen geben. In ihrem unabdingbaren Willen, die Stadt voran zu bringen, ist es ihr auch egal, dass sie sogar einen jungen Schneiderlehrling wegen seines modischen Aussehens als Gleichgesinnten identifiziert und schon fast glaubt, allein durch seine Anwesenheit der romantischen Dichtung von Keats und Yeates näher zu sein (was natürlich nicht stimmt).  Auch wenn sich immer wieder kurzfristige Allianzen mit anderen Kulturinteressierten ergeben (die Mitglieder ihres Theaterclubs, ihres Lesekreises, die Lehrerin Vida), ist Carol ziemlich allein mit ihrer Begeisterung.

In verschiedenen kleinen Anekdoten und Ereignissen, die das Dorfleben beschreiben, schildert Sinclair Lewis,  Carols Entwicklung und die Entwicklung ihrer Ehe mit Will. Das ist oft sehr komisch, häufig auch tragisch. Mit sehr viel Liebe zum Detail schildert Lewis die Eigenheiten und kommentiert sarkastisch die Verschrobenheiten der Bewohner*innen von Gopher Prairie ohne sich über den Rhythmus des Kleinstadtlebens zu erheben. 

 
„Mrs. Bogart gehörte nicht zum ätzenden Typ ‚guter Einfluss‘. Sie war von der weichen, klammen, dicken, seufzenden, an Verdauungsstörungen leidenden, anhänglichen, melancholischen und deprimierend zuversichtlichen Sorte. Auf jedem Hühnerhof finden sich ein paar alte, ungehaltene Hennen, die Mrs. Bogart ähneln, und wenn die sonntags zum Mittagessen als Frikassee mit großen Klößen auf den Tisch kommen, tut das der Ähnlichkeit keinen Abbruch.“ 


Als Carol einige Zeit aus ihrer Ehe ausbricht und zwei Jahre in Washington bleibt, stellt sie fest, dass auch in den von ihr idealisierten Orten „ein gehöriger Schuss Main Street“ vorhanden ist. Trotzdem kehrt sie zurück und gibt nicht auf. Carols Kampf gegen die Engstirnigkeit ihrer Umgebung und ihre Emanzipationsgeschichte wirkt erschreckend  modern, der ironisch-bissige Roman keiner Stelle überholt oder altbacken, dabei ist er fast 100 Jahre alt. Aber die Themen, die Lewis beschreibt, sind auch heute noch aktuell: Spießbürgerlichkeit, Angst vor Fremden, Angst vor Veränderungen. 

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Books_mytruepassions avatar

Rezension zu "Main Street" von Sinclair Lewis

Auf in die Provinz
Books_mytruepassionvor 2 Monaten

In Main Street geht es um Carol, die aus der Großstadt in eine kleine Provinz zieht und dort auf die klassische Mittelschicht trifft. Sie erhofft sich die Stadt verändern zu können, doch die Bürger von Gropher Prairie sind spießig, langweilig und voller Vorurteile. Als Arztgattin hat sie nicht viel in der Provinz zu tun, deswegen versucht sie mehr Kultur und Frische in die Stadt zu holen. Sie möchte das Leben der Bürger verändern, doch so leicht wie sie es sich vorstellt ist es dann doch nicht. Carol sehnt sich nach ein paar Jahren wieder nach der Freiheit, ihr macht dieses spießbürgerliche Leben keine Freude mehr, deswegen entscheidet sie sich dafür wieder in eine Großstadt zu ziehen.

Ich hatte relativ hohe Erwartungen an das Buch. Mir hat es am Anfang etwas Probleme bereitet in die Geschichte richtig rein zukommen. Die Geschichte ist sehr detailreich und es wird sehr viel beschrieben. Auf der einen Seite fand ich es gut das man so ein ausführliches Bild bekommen hat aber manchmal wurde es dann etwas langweilig. Einige Stellen waren für mich auch etwas überflüssig. Die Gespräche zwischen Carol und ihrem Mann fand höchst amüsant, da sie mehr oder weniger abwechslungsreich waren, häufig war es Tratsch. Ihre versuche etwas aus der Provinz zu machen und die Bürger aus ihrem Trott zu befreien, haben Schwung in die Geschichte gebracht und für mich wurde sie so viel spannender.

Carol ist eine verträumte und naive Person, die danach strebt das Leben der Leute in Gropher Prairie zu verbessern. In dem Buch ist sie eine Heldin, die nicht aufgibt und in allen das Gute sieht. Mich hat ihre Naivität manchmal ziemlich genervt aber man konnte nicht lange so denken, denn Carol hat eine so gutmütige Art.

Der Schreibstil war etwas geschwollen, vor allem am Anfang war es sehr schwer verständlich, aber ich denke das liegt daran das die Geschichte schon so Alt ist. Trotzdem bekommt man einen tollen bildlichen Eindruck durch die Schreibweise.

Das Format des Buches ist ganz niedlich, ob es praktisch ist weiß ich nicht. Für mich war es manchmal sehr umständlich es mitzunehmen, da es so dick ist und mein Rucksack dadurch noch voller geworden ist. Also von dem Format bin ich jetzt nicht so ganz überzeugt.

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BettinaR87s avatar

Rezension zu "Main Street" von Sinclair Lewis

Die Prairie schlägt zurück
BettinaR87vor 3 Monaten

Gopher Prairie – das klingt schon, als wären durch die Ortschaft wehende Tumbleweeds das tägliche Highlight der dort lebenden Bevölkerung. Es ist eine typisch ländliche Gegend im Herzen der USA vor dem Ersten Weltkrieg, wo sich niedergelassene Farmer den Härten des Lebens in einer noch halb wilden Umgebung stellen. Das Leben ist geprägt von Pragmatismus, wo beispielsweise Felle notwendiger Kälteschutz und kein Accessoire für das Revers oder Handschuhe sind. Doch genau diese Welten treffen aufeinander, als Carol nach ihrer Tätigkeit in einer New Yorker Bibliothek Doc Kennington heiratet und der großen City den Rücken kehrt.

Sie ist das lebhafte, fast schon quirlige Mädel auf bestem Wege, eine elegante Dame zu werden – doch nun besteht ihr sozialer Kontakt ausschließlich zu Menschen, die sich in erster Instanz dem Überleben widmen. In zweiter Instanz bemühen sie sich, ihre eigene Überlegenheit gegenüber dem einfachen Volk zu demonstrieren oder auch zu zementieren. Ein Vorgang, mit dem Carol an sich nichts zu tun hat oder haben möchte, denn sie will das Leben in vollen Zügen genießen – und lässt dabei ganz intuitiv außer Acht, was die Gesellschaft stattdessen alles von ihr erwartet. Carols Leben entwickelt daher zu einer instabilen Situation, die die Basis einer echten Tragödie werden könnte …

Die Kritik

Das wahrhaft Zauberhafte der lieben Carol ist, dass sie sich ihrer modernen Haltung zunächst gar nicht bewusst ist. Für sie hat es keine weitere Bedeutung, an einem nicht-religiösen College studiert zu haben. Natürlich sind in ihr die Werte ihrer Erziehung verankert und es ist nicht so, als würde sie im Bikini schwimmen gehen – aber es schert sie nun wirklich nicht, wenn jemand einen Blick auf ihre Knöchel erhascht. Das bringt ihr nicht nur den einen oder anderen schockierten Blick ein, sondern auch den Besuch benachbarter Matronen, die sie zum Kirchenbesuch animieren möchten. Das bringt Carol nicht mal richtig auf die Palme, sie steht den Besuch einfach durch und macht mir ihrem Leben weiter. So wird sie zu einer quasi-Rebellin und ist sich dessen gar nicht bewusst. Sie möchte etwas bewusst zum Positiven, Lebhafteren bewegen, aber geht dabei in aller Unschuld vor und verurteilt Dinge und Menschen nicht in gut oder schlecht, sondern nimmt sie einfach als “anders” war.

So schreibt sie sich anfangs beispielsweise nicht den Feminismus auf die Fahnen, sondern fordert aus eigenen Überlegungen eine Art Haushaltsgeld für sich ein – aus heutiger Sicht kann man diese Situation vermutlich gar nicht mehr akkurat beurteilen. Aus damaliger Lesart war Carol damit eine Frau, die sich innerhalb ihrer persönlichen Position gegenüber ihrem Ehemann ein unabhängigeres Standing erarbeitet hat und somit wiederum die Position nachfolgender Generationen von Haus aus geändert.* Im Laufe des Buchs, wenn sie zu der Person wird, die sie sein soll, merkt sie natürlich schon, dass sie sich die feministische Strömung zu eigen gemacht hat.

Allerdings muss auch Carrie feststellen, dass sie nicht einfach Akzeptanz ihrer Eigenarten einfordern kann, ohne diese auch ihrem Gegenüber angedeihen zu lassen. Sie bekommt mehr oder minder kräftigen Gegenwind aus dem etwas festgefahrenen Soziotop, in das sie mit Anlauf gesprungen ist. Da hilft es nicht gerade, dass sie ihr Herz zwischendrin an einen Schweden verliert. Schwimmen lernt sie am Ende erst, als sie alle Vorstellungen des perfekten Lebens von sich stößt. Als sie nicht mehr versucht, etwas und Menschen so zu verändern, dass sie zu ihr passen. Stattdessen findet sie ihren ganz eigenen Weg und passt sich in die Vielfalt des Lebens ein, in der sie sich endlich auch ausleben kann.

Noch ein Wort zur vorliegenden Ausgabe: Im Gegensatz oder vielmehr in Ergänzung zu bisherigen Ausgaben wurden die Annotationen deutlich ausgeweitet, sodass es über 200 Anmerkungen gibt, die das Leseverständnis erhöhen sollten. Das sollte man als Leser auch nutzen, denn der Text hat nun doch seine Jahrzehnte auf dem “Buchrücken” und geht teilweise mit vollständig abhanden gekommenen Begrifflichkeiten / Alltagssituationen um. Eine sehr wertvolle Erweiterung!

Sprachlich ist der Text langmütig und erfordert eine/n LeserIn, der / die Zeit, Geduld und Verständnis für eine umfassend erzählte Geschichte mitbringt. Lockere Sommerabschluss-Lektüre ist das Buch definitiv nicht, mehr ein längeres Projekt für die anstehenden kühleren Tage.

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Gespräche aus der Community

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PenguinRandomHouseUKs avatar
Liebe Lovelybooks-Leser.

Durch die aktuellen Ereignisse wird wieder 1984 von George Orwell gelesen. It Can’t Happen Here ist neu in unserem Penguin Classics Katalog, aber deshalb nicht weniger bedeutend. Sinclair Lewis hat den Titel in den 30er Jahren des zwanzigsten Jahrhundert geschrieben, der nicht nur 1935 zum Bestseller in den Vereinigten Staaten wurde, sondern heute sogar noch mehr Resonanz erzeugt und Relevanz aufweist.
Ein absolutes Must-Read dieses Frühjahr, falls ihr das Buch noch nicht gelesen habt und jede Menge zu diskutieren in der Leserunde. 


'An eerily prescient foreshadowing of current affairs' Guardian


'Not only Lewis's most important book but one of the most important books ever produced in the United States' New Yorker



BOOK DESCRIPTION
It's 1935 and discontent is rife in America. From the political margins appears Buzz Windrip, charismatic presidential candidate and 'inspired guesser at what political doctrines the people would like'. Sweeping to power amid mass elation, he promises wealth for all and the dawn of a glorious new era. Small-town newspaper editor Doremus Jessop is worried, especially when the new regime becomes increasingly authoritarian. But what can one individual do to fight an all-powerful state? Sinclair Lewis's terrifying cautionary tale pits liberal complacency against popular fascism and shows: yes, it really can happen here.

AUTHOR
Sinclair Lewis was born in 1885 in Minnesota. He attended Yale University and subsequently worked as a reporter and editor. In 1920, he had a major breakthrough with Main Street (1920), which was followed by Babbitt (1922) and many other successful novels. He won the Nobel Prize in 1930 and in 1935 wrote the bestselling It Can't Happen Here, a cautionary tale about the rise of a fascist president in America. He died in Rome in 1951.

Bewerbt euch einfach und der Lostopf wird entscheiden. 


Viele Grüße aus London,
Ulrike @ PRH UK


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