Sineb El Masrar

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autorin von Muslim Girls, Muslim Men und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sineb El Masrar

1981 erblickte in Hannover Sineb El Masrar das Licht der Welt. Seither zählt Deutschland eine weitere Deutsch-Marokkanerin. Nach einer kaufmännischen und pädagogischen Ausbildung arbeitete sie unter anderem in Grundschulen, in der Marktforschung und als freie Autorin. 2006 gründete sie das erste und einzige multikulturelle Frauenmagazin Gazelle. 2010 erschien im Eichborn Verlag ihr Sachbuch „Muslim Girls – Wer wir sind, wie wir leben“. Sie lebt in Berlin. Mehr unter:www.sinebelmasrar.de

Neue Bücher

Emanzipation im Islam - Eine Abrechnung mit ihren Feinden

Neu erschienen am 19.11.2018 als Taschenbuch bei Verlag Herder.

Muslim Men

 (2)
Neu erschienen am 17.09.2018 als Hardcover bei Verlag Herder.

Alle Bücher von Sineb El Masrar

Muslim Girls

Muslim Girls

 (5)
Erschienen am 09.04.2015
Muslim Men

Muslim Men

 (2)
Erschienen am 17.09.2018

Neue Rezensionen zu Sineb El Masrar

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Rezension zu "Muslim Men" von Sineb El Masrar

Warum es DEN Islam und DIE Muslime nicht gibt...
Knigaljubvor 19 Tagen

In „Muslim Men‟ stellt Sineb El Masrar unterschiedlichste Männer vor, die eines eint: Sie sind Muslime.

Inhaltlich gliedert sich das Buch in einen eher biographischen Teil, in dem die Autorin querbeet über Berufsmuslime, arabische Clans, einen muslimischen Sexarbeiter und andere interessante Persönlichkeiten berichtet, die sie in zahlreichen Zitaten auch selbst zu Wort kommen lässt, und in einen Analyseteil, in dem es um Männlichkeitskonstruktion und Identitätsbildung generell (und speziell im Umfeld des Islam) geht.
Der Tonfall ist locker, die Sätze sind teils elliptisch, die Worte häufig klar. Dadurch ist das Buch leicht lesbar und eignet sich für ein breites Publikum.
Schön ist die einleitende Hinführung zum Thema, die in Form eines knappen Abrisses über den Islam in Deutschland daherkommt. Seit wann gibt es islamische Einwanderer in Deutschland? Welcher Herkunft sind die Muslime in Deutschland? Und wer ist eigentlich alles gemeint, wenn wir über die Muslime in Deutschland sprechen?
Auch im Analyseteil merkt man, dass El Masrar sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Welches Bild eines Mannes der Islam vermittelt und welche Rolle Eltern, vor allem auch Väter (oder Vaterfiguren) bei der Entwicklung ihrer Söhne spielen, zeigt sie sehr deutlich auf. Schließlich nimmt sie noch Bezug auf den radikalen/politischen Islam und beschreibt, wie er (in Gestalt des IS) – analog zu Verschwörungstheorien – seine Wirkung entfalten kann. Und wer gefährdet ist.
Zweifellos kann man dem Buch also attestieren, dass es eine Existenzberechtigung hat. Vor allem der Fokus auf der Vielfalt muslimischer Männer ist in Hinblick auf eine Emanzipation des Islam ein wichtiger Aspekt. Die Beispiele des Sexarbeiters oder auch des ehemaligen Gastarbeiters, der im höheren Alter und als Vater mehrerer Kinder endlich den Mut findet, zu seiner Homosexualität zu stehen, mögen Toröffner sein und anderen Muslimen Mut machen, ebenfalls offen zu sich zu stehen – selbst, wenn sie den klassischen Rollenbildern nicht gerecht werden.
Während ich noch verstehen konnte, dass bei dem vielfältigen Wissen der Autorin und den zahlreichen Interviews eine klare Strukturierung des Buches nicht ganz leicht fallen konnte (tatsächlich hatte ich manchmal das Gefühl, dass vieles, was noch zum Thema passte, auch noch schnell irgendwo untergebracht wurde), haben mich so einige (Tipp-/Rechtschreib-)Fehler etwas gestört. Ein aufmerksameres Lektorat hätte dem Buch gut getan. Ganz befremdlich war mir jedoch, dass es kein Literaturverzeichnis gibt. Lediglich im Fließtext wurden einige Quellen in Fußnoten genannt. Eine übersichtliche Auflistung im Anschluss an den Fließtext wäre meiner Meinung nach angemessen gewesen.
Auch konnte ich bei den genannten Lösungsansätzen zwar zustimmen, aber nicht besonders viel Neues für mich persönlich herausziehen. Und so bleiben mir vor allem einige der interviewten Muslim Men in Erinnerung.

Fazit:
Insgesamt eine interessante und schnell lesbare Lektüre, die vor allem durch die Vorstellung sehr unterschiedlicher muslimischer Männer punktet und so deutlich macht, dass es den Muslim und den Islam nicht gibt, und diese Menschen aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit und Interessenvielfalt auch nicht in einem übergreifenden Verband zentral vertreten werden können.

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Rezension zu "Muslim Men" von Sineb El Masrar

Den schlechtesten Ruf der Welt
jamal_tuschickvor 3 Monaten

Den schlechtesten Ruf der Welt haben muslimische Männer mit einem arabischen Herkunftsschatten. Sie werden wahrgenommen als die Unholde unserer Epoche. Sie repräsentieren eine Anti-Moderne, die sich auf einer Gegenschräge der Aufklärung in Stellung gebracht hat. Dem gediegenen Europäer dienen sie als Antagonisten. Gäbe es den Muslim Man nicht, müsste man ihn erfinden als den Anderen aka Gegner des abendländischen Fortschritts. Der Muslim Man betreibt offensiv Manspreading, sogar wenn er allein an seiner Konsole sitzt, wo er die Zukunft verpasst. Angeblich fehlen ihm Voraussetzungen für die wichtigste gesellschaftliche Verabredung in der verdichteten Unterschiedlichkeit des Jetzt - der Mäßigung. Während man in ihm den Täter schlechthin sieht, erlebt er sich selbst als Opfer von Vorurteilen und weiteren Diskriminierungen. Seine Inferiorität verdeckt er mit Omnipotenzgebaren.

Ihm widmet sich Sineb El Masrar in ihrem neuen, sehr gelungenen Buch. Die Autorin zieht selten das Ticket der Klischees an den Schaltern des Ressentiments. Sie bleibt sachlich in einem Tsunami der Diversität. Es gibt mal wieder alles und so auch den Islam als Masche; der Berufsmuslim greift dem Glaubensbruder in die Tasche. Er verspricht ihm die Flatrate des Jenseits noch vor dem Tod. Doch davor muss abgedrückt werden: zum Beweis des Gemeinsinns und der religiösen Redlichkeit. Das verweist auf einen Binnendruck, dem Muslime in einer Praxis der „freiwilligen“ Isolation ausgesetzt sind. Da, wo sie Anerkennung erwarten, verbindet sich der Benefit mit Forderungen, die einer Anpassung an die mehrheitsgesellschaftlichen Normen entgegenwirken. Sie entscheiden sich für die Umma und gegen den Wettbewerb. Sineb El Masrar beschreibt die Vermeidungsstrategie und ihre Folgen. Der (erzwungene) Blick nach innen suggeriert eine Vulnerabilität, die von der Mehrheitsgesellschaft ohne Empathie begriffen wird.

„Überall müssen Kinder, die von Regeln der eigenen Gesellschaft unterdrückt werden, den Leistungsdruck abfedern, den schon ihre Eltern nicht aushalten konnten.“ Hamed Abdel-Samad

Sineb El Masrar erklärt das Phänomen Großfamilie/Klan Struktur - eine Patriarchen Ordnung, die alle einengt. Um sich von den „Gehorsamsfesseln“ zu befreien, bedarf es „emanzipatorischer Konzepte“ für junge, von Erziehungsgewalt traumatisierte Männer.

Der Gruppendruck ergibt sich oft aus der Familiengeschichte. In den Übergangsräumen zwischen dem osmanisch-türkischen und arabisch-babylonischen Mesopotamien entstanden in Jahrhunderten multi-ethnische Verbände in tribalen Gemeinschaften, die so sehr zu etwas Eigenem wurden, dass sie sich nicht als syrisch, irakisch, kurdisch, türkisch, assyrisch, armenisch oder griechisch versprengt identifizieren lassen. In den Prozessen von Flucht und Vertreibung erhielt sich die romaneske Originalität, die zu allem, was sie streift, einen Gegensatz bildet. Sineb El Masrar klärt diesen Zusammenhang. Sie sagt, was los ist. Der Klan ist eine Schweißarbeit der Scham – einer überholten und tradierten Scham aus den Nöten unvermeidlicher Abweichung. Es gibt kein Außerhalb, man gehört der Familie.

„Das Ende vom Lied … sind gebrochene Herzen“, denn selbstverständlich, darf man nicht heiraten, wen man will. 

Die Kollision von Wertvorstellungen, die über Behauptungen nicht hinausweisen, illustriert eine Szene, in der ein junger Arabischstämmiger ohne die Erwartung einer widerständigen Entgegnung die von ihm betriebene Entmündigung seiner Frau im Brustton der Überzeugung zum Besten gibt. Er macht die Ansage, um bei Sineb El Masrar auf den Punkt zu kommen:

„Ich nehme an, du bist eher westlich orientiert.“

Ich erkläre ihm kurz, dass für mich Selbstbestimmung nicht westlich, sondern universell ist.

„Okay, aber bei uns hat eine Frau in Clubs nichts zu suchen.“

Da sitzt das Problem. In der Vorstellung, eine Sonderzone etablieren zu können, in denen die Gesetze dieses Landes nicht gelten. Aber auch in der Autorin funktionieren Vorurteile. Sie trifft einen Gesprächspartner und stellt fest:

„Auf der Straße hätte ich ihn für alles Mögliche halten können. Für einen Dealer, für einen jungen Postboten …“

Wie sehen Dealer aus? Arabisch?

Sineb El Masrar beschreibt einen Geschäftsmann, der Viagra in seiner Moschee vertickt und auch Imame versorgt. Die Geistlichen vermitteln und praktizieren Ehen auf Zeit beziehungsweise nach islamischem Recht, die außerhalb eines Gedankengettos jede rechtliche Grundlage entbehren. In diesen Verbindungen nutzen Männer den Umstand aus, dass alleinstehende Musliminnen stigmatisiert werden. Die in einem parallelgesellschaftlichen Korsett feststeckenden Frauen suchen Schutz in Moscheen und bei Imamen und erleben doch nur eine besonders perfide Variante der Ausbeutung.

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AggiRolls avatar

Rezension zu "Muslim Girls" von Sineb El Masrar

Rezension zu "Muslim Girls" von Sineb El-Masrar
AggiRollvor 6 Jahren

Ich habe soeben das Buch Muslim-Girls aus der Hand gelegt und kann es ohne Wenn und Aber jedem und jeder Interessierten empfehlen. Sineb El Masrar gelingt es mit klarer, junger Sprache, reichlich Humor, Einfühlungsvermögen aber auch einigen wissenschaftlich fundierten Ergebnissen einen Einblick in das Leben muslimisch-deutscher Mädchen und Frauen zu geben. Es schafft den Anfang Vorurteile und Islamfeindlichkeit abzubauen, sowohl klar ist, dass es diese nicht abschaffen kann. Besonderer Fokus gilt darzulegen, dass „Mit-und-ohne-Kopftuch-Mädchen“ vielfältig sind und in keiner Schublade was zu suchen haben. Meiner Meinung nach ist es dem Buch mit wenigen Ausnahmen auch gelungen. An Verallgemeinerungen wie: „Das klingt so, als ob Mode und Muslim-Girls viel gemeinsam hätten. Und siehe da, so ist es!“ habe ich mich dann doch ab und an gestört. Dieses und das Fehlen expliziter Verweis auf Publikationen oder andere Informationsquellen, haben mich dazu bewogen, diesem Buch nur drei Sterne zu geben. Was aber niemanden vom Lesen dieses Buches abhalten soll! Denn lesenswert ist es allemal!

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