Siri Hustvedt The Blazing World

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Inhaltsangabe zu „The Blazing World“ von Siri Hustvedt

By the widely loved author of WHAT I LOVED, a novel about art, identity, feminism and revenge - a tantalising intellectual mystery with a very unusual woman at its heart. (Quelle:'Fester Einband/13.03.2014')
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  • Siri Hustvedt - The Blazing World

    The Blazing World

    miss_mesmerized

    02. September 2015 um 19:24

    Die Welt ist ungerecht. Das weiß Harriet (genannt Harry) Burden schon lange. Die Anerkennung, die Frauen in der Kunst zusteht, wird ihnen schon immer verweigert und nur allzu oft geben Männer gestohlene Werke als ihre eigenen aus. Da sie selbst ebenfalls kein Publikum finden wird, erweitert sie ihre Kunst um den Faktor Künstler und engagiert junge Männer, die als Erschaffer ihr Werk präsentieren. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten und die Kritiker überschlagen sich vor Lob. Dabei erkennen sie nicht, welches Genie dahinter steckt und sie regelrecht vorführt. Doch als Rune nicht mehr nur Teil der Show sein will, sondern sich selbst als Künstler sieht, wird die Lage kompliziert. Siri Hustvedt schreibt einmal mehr über das ambivalente Verhältnis von Männern und Frauen bzw. der Rolle der Frauen in der Gesellschaft – in diesem Fall in der Kunst, die vor allem bei den bildenden Künstlern (wobei die Literaten dem in nichts nachstehen) schon immer mehr auf die Fertigkeiten der männlichen Kreativen setzten. Unabhängig von der nach wie vor aktuellen Thematik besticht sie einmal mehr durch ihre Sprachgewandtheit und in diesem speziellen Fall durch eine gelungene Präsentation. Nicht als Prosatext wird chronologisch erzählt, was sich im Leben der Harry – ein typischer Männername, den sie sich selbst verpasst – ereignet, sondern eklektisch kommen verschiedene Figuren in unterschiedlichen Textformen zu Wort, die erst durch das Gesamtbild eine Ahnung der Geschehnisse erkennen lassen. Harrys fiktive Tagebücher, Notizen der Kinder, Interviews mit Kritikern und Künstlern – in Ton und Wortwahl gezielt abgestimmt ergibt sich dieser Kunstbetrug, der nichts weiter ist als das Vorführen einer Zunft und deren Engstirnigkeit. Neben der geschickten Konstruktion ist Hustvedts enormes Wissen aus Kunst, Literatur, Philosophie und Psychologie in dem Roman zu finden, der sich aufgrund der bisweilen sehr hohen Dichte an Fachwissen nicht einfach weglesen lässt, sondern dem Leser einiges abverlangt. Aber nur auf diese Weise belegt er über die Fiktion hinaus, dass das Thema kein literarisches, sondern gesellschaftlich relevantes ist. Keine pauschale Kritik an allen Männern, sondern ein durchaus differenziertes Bild dessen, was sich Frauen entgegenstellen kann und wie diese auch darüber verzweifeln können. Fazit: ein nach wie vor bedeutsames Thema anspruchsvoll umgesetzt.

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  • Mehr als nur kunstvoller schöner Schein

    The Blazing World

    bookscout

    06. April 2015 um 19:26

    Mit "The Blazing World" ist Siri Hustvedt ein weiterer ganz großer Wurf gelungen. Gewohnt virtuos verwebt die Autorin Fakt mit Fiktion und erfreut sich daran, ihre LeserInnen intellektuell herauszufordern und immer wieder charmant in die Irre zu führen. "The Blazing World" ist aufgebaut wie ein realer Nekrolog, ein Nachruf auf die kürzlich verstorbene New Yorker Künstlerin Harriet Burden, die erst nach dem Tod ihres Mannes, des bekannten Kunstsammlers Felix Lord, aus dessen übermächtigem Schatten treten konnte. Wie alle Protagonistinnen Hustvedts ist Harriet außerordentlich belesen und eigenwillig, sie beschäftigt sich nachhaltig mit Philosophie, Neurowissenschaften und Wahrnehmungstheorien, wobei sie gängige Strömungen mit Genuss in Frage stellt und sich auch nicht scheut, ihre kontroversielle Meinung zu äußern. Besonders fest hält Harriet an ihrer Hypothese, dass Oeuvres männlicher Künstler anders rezipiert werden als jene ihrer weiblichen Pendants. Aus diesen Überlegungen entsteht ein trotziges und zugleich mutiges Spiel, eine gewagte Kunst-Trilogie genannt "Maskings". Harriet – die stets mit ihrer Weiblichkeit zu hadern scheint, sie als Bürde ("burden" im Englischen) empfindet, was sich in ihrem Spitznamen "Harry" einerseits, in ihrem amazonenhaften Habitus andererseits widerspiegelt – beschließt, eine Auswahl ihrer Kunstobjekte und Installationen über mehrere Jahre hinweg im Namen dreier männlicher Künstlerkollegen auszustellen: Anton Tish, Phineas Q. Eldridge und zuletzt Rune. Nach der letzten Ausstellung will sie ihre Identität als wahre Schöpferin enthüllen und somit die gesamte hypokritische, ihr nie sonderlich wohl gesonnene Kunstszene vorführen. Während der zuvor unbekannte Anton Tish seine Rolle als Maske nur schwer verkraftet, verbindet Harry und Phinny, einen Homosexuellen gemischter Abstammung, bald eine tiefe Freundschaft. Erst der exzentrische und narzisstische Rune bringt das Projekt ernsthaft ins Wanken, nicht zuletzt durch seine grausamen Andeutungen, ihn hätte mehr als nur eine lose Bekanntschaft mit Felix Lord verbunden. Entstehung, Verlauf und dramatisches Ende der "Maskings"-Trilogie sowie die schöpferische, intellektuelle und persönliche Entwicklung Burdens werden auf multiple Art und Weise beleuchtet: Als Quelle dienen zum einen Burdens umfangreiche Tagebücher, zum anderen Aufzeichnungen ihrer Freunde und Bekannten - Bruno Kleinmann, Harriets Lebensgefährte in den Jahren nach Felix' Tod, Harriets engste Freundin Rachel Briefmann, die Kinder Maisie und Ethan – aber auch Reviews der drei maskierten Ausstellungen sowie Interviews mit unabhängigen Kunstsachverständigen. Neben der kunstvollen Sprache, die Siri Hustvedt so auszeichnet, ist "The Blazing World" ein intellektuelles Vergnügen, besonders wenn man sich die Zeit nimmt, den zahlreichen Verweisen und philosophischen Verästelungen gedanklich zu folgen und Raum zu geben. Besondere Spannung wird dem Text durch den gekonnten Mix aus Realität und Fiktion verliehen, der mich mehr als einmal zu Recherchen verleitet hat, ob dieser oder jener Künstler nun wirklich existiert hat oder rein Hustvedts brillanter Fantasie entsprungen ist. Kurz: "The Blazing World" ist ein Lesevergnügen auf höchster Ebene, das dazu anregt, hinter den Spiegel zu schauen und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

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