Slavenka Drakulić

 4.5 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf von Slavenka Drakulić

Eine bedeutende Stimme für Europa: Slavenka Drakulić ist in Deutschland unter anderem für ihren Roman „Dora und der Minotaurus“ von 2016 bekannt. In dem Buch erzählt die Autorin die Geschichte von Dora Maar und ihrer Beziehung zu Pablo Picasso und deren Auswirkungen auf Dora. Generell behandelt Drakulić in ihren Romanen mit Vorliebe schwierige Themen wie die zerstörerische Kraft und die Gewalt des Krieges oder den Umgang mit Krankheiten und die Angst vor dem Tod. 2004 wird ihr auf der Leipziger Buchmesse der „Award for European Understanding“ verliehen. Die 1949 im heutigen Kroatien geborene Drakulić zählt heute als eine der bekanntesten Schriftstellerinnen des Landes. Ihre Romane und Sachbücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, mehrere davon auch ins Deutsche. Sie schreibt nicht nur Belletristik, sondern ist als Journalistin auch für verschiedene Zeitungen in ganz Europa tätig, darunter auch die Süddeutsche Zeitung. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem schwedischen Schriftsteller und Journalisten Richard Swartz lebt sie an verschiedenen Orten Europas, natürlich in Zagreb und Stockholm, aber auch in Wien und Berlin. 2018 sorgt sie erneut mit einem nicht nur für den Feminismus bedeutenden Roman für Aufsehen: „Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit“ erzählt aus Sicht von Albert Einsteins Frau Mileva deren Geschichte und wie ihre familiären Beziehungen sowie die Abhängigkeit von ihrem Ehemann sie von ihrem wissenschaftlichen Arbeitsleben entfernte.

Alle Bücher von Slavenka Drakulić

Slavenka DrakulićDora und der Minotaurus
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Dora und der Minotaurus
Dora und der Minotaurus
 (4)
Erschienen am 18.05.2018
Slavenka DrakulićMileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit
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Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit

Neue Rezensionen zu Slavenka Drakulić

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Rezension zu "Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit" von Slavenka Drakulić

Biografie einer Gescheiterten
seschatvor 6 Monaten

Mileva Einstein stammte aus Serbien und war die erste Ehefrau des Physikgenies Albert Einstein. Bis zuletzt stand sie im Schatten ihres Nobelpreis gekrönten Mannes. Grund genug, dass Slavenka Drakulic nun eine Biografie über diese Frau geschrieben hat. Darin nähert sie sich in einfühlsamer Weise an Mileva und deren Schicksal an. 


Mileva durfte als eine der ersten Frauen in Zürich Mathematik und Physik studieren und lernte dabei den Außenseiter Albert Einstein kennen. Eloquent und wissbegierig behauptete sie ihren Platz inmitten einer patriarchalischen Gesellschaft, träumte gar von einer Karriere als Wissenschaftlerin. Doch letzteres sollte nicht eintreffen, was vor allem an Albert Einstein und dessen Aufstieg lag. Die Beziehung und die folgende unglückliche Ehe mit ihm machten die einst so starke Serbin krank, depressiv und willenlos. Für die gemeinsamen Kinder stellte sie gar ihre eigenen Pläne und Bedürfnisse hintenan und akzeptierte Albert Einsteins spätere Beziehung zu dessen Cousine Elsa. Mehr noch, in den gemeinsam mit Albert Einstein verfassten Forschungsaufsätzen wird sie nie genannt werden, während er die Lorbeeren erntete.

Der Protagonistin beim Scheitern zuzuschauen, war nicht immer leicht. Drakulic hat Milevas Rückzug aus dem akademischen wie privaten Leben fesselnd umgesetzt und an passenden Stellen mit Originalzitaten ausgestattet. Das Schicksal dieser wissenschaftlich brillanten Frau, die an der Seite des "Genies" Einstein verkümmert, weil dieser sich ausschließlich der Wissenschaft und den eigenen Interessen widmet, ist ein durchweg tragischer Stoff, den die Autorin in all seiner Bitterkeit ausmalt. Kurzum, das vorliegende Buch ist keine leicht zu lesende Lektüre, weil diese viel Melancholie, Selbstzweifel und Trauer enthält. Ich habe die Biografie trotzdem gern gelesen, weil sie viel über den Privatmenschen Albert Einstein verrät, der zwar wissenschaftlich genial gewesen sein mag, aber im Privaten wenig Feingefühl besaß. Darüber hinaus konnte ich einige inhaltliche Parallelen zu dem ebenfalls 2018 erschienenen Roman "Frau Einstein" von Marie Benedict feststellen. Es reicht also aus, wenn man nur eines der beiden Bücher über Mileva Einstein gelesen hat.

FAZIT
Eine emotionale Biografie über eine gescheiterte Wissenschaftlerin wie Ehefrau, die interessante Einblicke in das Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts liefert. 

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Lilli33s avatar

Rezension zu "Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit" von Slavenka Drakulić

Ein trauriges Schicksal
Lilli33vor 6 Monaten

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

Verlag: Aufbau Verlag (13. April 2018)

ISBN-13: 978-3351037079

Originaltitel: Mileva Einstein, teorija tuge

Übersetzung: Katharina Wolf-Grießhaber

Preis: 20,00€

auch als E-Book erhältlich


Ein trauriges Schicksal


Mileva Einstein, Albert Einsteins erste Frau, hatte es wahrlich nicht leicht im Leben. Von Geburt an mit einem Hüftleiden und einem daraus resultierenden Hinken belastet, entwickelte sie schon früh eine Leidenschaft für die Mathematik und die Naturwissenschaften. Sie studierte ab 1896 als eine der ganz wenigen Frauen am Polytechnikum in Zürich, wo sich ihr Kommilitone Albert Einstein in sie verliebte. Sie arbeiteten zusammen an wissenschaftlichen Hypothesen und heirateten schließlich. Doch die Ehe stand unter keinem guten Stern. 


Der Roman von Slavenka Drakulić setzt 1914 ein, als die Ehe bereits am Zerbrechen ist. Albert hat sich in seine Cousine Elsa verliebt, die, wie man weiß, später seine zweite Frau wird. Er lässt Mileva einen Brief überbringen, der aus ihrer Ehe ein rein geschäftliches Verhältnis machen soll. Diese Bedingungen kann Mileva unmöglich akzeptieren, so erniedrigend sind sie. Also trennt sie sich von Albert. Es beginnt ein zermürbender Krieg um Unterhalt und Besuche. Mileva hat die Last der Erziehung zweier Jungen überwiegend allein zu tragen. Erschwerend kommt hinzu, dass der kleine Eduard oft krank ist und schließlich eine Geisteskrankheit diagnostiziert wird. Auch die Sorgen um Milevas Familie in Novi Sad machen ihr zu schaffen. 


Nachdem ich vor Kurzem erst einen anderen Roman über Frau Einstein gelesen habe, war ich neugierig, wie Slavenka Drakulić die Geschichte um diese weithin unbekannte Frau umgesetzt hat. Während der Roman von Marie Benedict schon früh im Leben Milevas einsetzt und ausführlich das Studium, das Leben in einer Pension und die Liebe zu Albert beschreibt, also überwiegend die erste Lebenshälfte erzählt, kommt diese Zeit bei Slavenka Drakulić nur in kurzen Rückblicken und Erinnerungen zur Sprache. Sie legt das Hauptaugenmerk auf die schlimme Zeit danach. Insofern ergänzen sich die beiden Romane ganz gut, auch wenn sie sich natürlich zuweilen überschneiden.


Mileva ist fast gänzlich auf sich allein gestellt. Sie hat keine Unterstützung, was die Kindererziehung und Betreuung des kranken Eduard betrifft. Wie sie leiden auch die beiden Söhne unter der Trennung vom Vater. Mileva tut alles, was in ihrer Macht steht, um den Jungen ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch den Vater kann sie ihnen nicht ersetzen. Sie verfällt immer mehr in eine Melancholie. Die Einsamkeit, die sie umgibt, ist in jedem Satz förmlich zu spüren. Man hat den Eindruck, nur die Sorge um die Kinder hält sie noch im Leben. 


Dabei wird auch ihre innere Zerrissenheit sehr schön ausgearbeitet. Immer wieder fragt sie sich, was sie hätte anders machen können, gibt sich die Schuld an verschiedenen Dingen. Und ist eigentlich doch nur ein Opfer ihrer Zeit, ein Opfer der damaligen Gesellschaft, in der die Frau zu tun hatte, was der Mann wollte. Eine starke, selbst denkende Persönlichkeit wie Mileva Einstein hatte es hier nicht leicht.


Slavenka Drakulić erzählt diese tragische Lebensgeschichte mit viel Empathie. Man kann leicht in Mileva Einstein hineinsehen, da immer wieder ihre Gedanken einfließen. Allerdings fand ich den übergangslosen Wechsel zwischen der personalen Erzählung und den inneren Monologen oft etwas verwirrend. Auch einige Wiederholungen haben mich ein bisschen gestört. Doch das sind nur Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen ist dieser biographische Roman sehr lesenswert und wirkt nicht zuletzt aufgrund von eingearbeiteten „Originaldokumenten“ sehr authentisch.


★★★★☆


Literaturschock hat mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar vermittelt, das mir der Aufbau Verlag zugeschickt hat. Dafür herzlichen Dank!


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Anteks avatar

Rezension zu "Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit" von Slavenka Drakulić

Weit mehr als die Ehefrau des bekannten Nobelpreisträgers
Antekvor 7 Monaten

Die Geschichte beginnt damit, dass Mileva im Juli 1914 bei Bekannten in der Küche sitzt und ungläubig den Brief, in dem ihr Ehemann Albert Einstein ihr die Bedingungen für das weitere Zusammenleben diktieren will, liest. Sie muss bitter erkennen, dass ihre Ehe gescheitert ist. Sie verlässt mit ihren beiden Söhnen Berlin, geht zurück nach Zürich und versucht ihr Leben dort als alleinerziehende Mutter zu meistern.


„Dass auch Albert ein Mann geworden war, dessen sexueller Appetit mit zunehmendem Erfolg wuchs.“, war nicht neu für Mileva, auch wenn sie sich jahrelang vor der Einsicht und den Warnungen ihrer Freunde, gesträubt hat um sich vor Schmerzen zu schützen. Sie wusste auch um die Gerüchte, dass ihr Ehemann in seine Cousine Elsa verliebt ist, mit der er ab jetzt zusammenleben wollte. Ihre Ehe sollte daher nur noch eine geschäftliche Beziehung sein. Man erfährt als Leser von den Bedingungen, die sie, anfangs, aus Sorge um die Kinder, versucht ist, anzunehmen. Als sie allerdings erkennt, dass Albert sie von einer gleichberechtigten Partnerin zu einer bloßen Dienstmagd, die ihm die Wäsche erledigen und Essen zubereiten soll, degradiert, beschließt sie diese nicht zu akzeptieren und es kommt zur Trennung. In Rückblenden wird von ihrer Ehe, vom gemeinsamen Studium der Physik, von ihrem gescheiterten Diplom, von ihrem Anteil an Albert Einsteins Veröffentlichungen und Theorien sowie von ihren Eltern, die sie stets unterstützt haben, berichtet. Nach und nach wird auch das Rätsel um die Tochter, die sie verloren hat, gelüftet. Man erkennt, was diese Frau gebrochen hat, erfährt von ihren Krankenhausaufenthalten, ihren psychischen Problemen und um ihr Sorgen um ihre Söhne, besonders um den jüngeren Tete, der womöglich ebenfalls wie seine Tante unter Schizophrenie leiden könnte. Auch weitere Auseinandersetzungen mit Albert Einstein sind ein Teil des Romans.


Die Autorin zeichnet ein mehr als gelungenes Porträt einer bedeutenden Frau, das ich regelrecht verschlungen habe. »Die Stärke der Autorin liegt in ihrem außerordentlichen Einfühlungsvermögen.« mit diesem Zitat von Karl-Peter Schwarz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, wird auf dem Buchrücken für dieses Buch geworben und dieses Werbeversprechen wird gehalten. Ich war von der ersten Seite ab ergriffen, habe mit Mileva gelitten, konnte mir ihre Sorgen nur allzu gut vorstellen und habe ihre Selbstzweifel, ihre innere Zerrissenheit und auch ihre Einsamkeit fast selbst gespürt. Zahlreiche innere Monologe und treffende, bildreiche Wendungen wie „Ich bin leer, außer Schmerz wohnt nichts in mir“ oder „In ihr hat sich Trauer für mehrere Leben angestaut. Die Vergangenheit ist eine Ablagerung, die loszuwerden, ihr nicht gelingt.“, ermöglichen auch einem Erzähler direkt in Mileva zu blicken und ihr ganz nah zu sein.


„Ihre Eltern hatten ihr von klein auf beigebracht, verantwortlich zu handeln, die Kehrseite zu betrachten. Zweifel an der Richtigkeit ihrer eigenen Position zu hegen.“ Dies hat Mileva wohl sehr geprägt und sie ist hervorragend dargestellt. Die Selbstzweifel sind stets spürbar und haben sicher mit zu ihrer zunehmenden Melancholie geführt. Ebenso wie diese hängt auch das Versagen im Diplom, wodurch ihr die Möglichkeiten, von denen sie geträumt hat, verwehrt wurden, wie ein Damoklesschwert über der Geschichte. Albert Einstein hat sich als junger Student, ihrem Hinkebein zum Trotz, in sie verliebt, „Er sei ganz bezaubert gewesen, weil er bis dahin keine solchen Frauen, gebildet, selbstbewusst, im Gespräch mit Männern geleichberechtigt, gekannt habe“. Jedoch hat er schon immer ein Auge auf andere Frauen geworfen. Mileva hat sich aber damit getröstet, dass keine andere Frau, wie schön auch immer, ihm die intellektuelle und wissenschaftliche Unterstützung bieten konnte, die sie ihm bot. Als Leser erhält man einen guten Einblick in seine launische, sarkastische Art, mit der er sich nicht beliebt gemacht hat. Sehr imponiert hat mir Milevas Vater, der ihr, für seine Zeit fortschrittlich, stets zur Seite stand. Ganz furchtbar habe ich Alberts Mutter Pauline empfunden. Sie hält auch mit ihrer Ablehnung Milevas nicht hinter dem Berg, „Sie ist älter als du, eine Invalidin, Serbin und obendrein hässlich“, worunter diese natürlich zudem leidet. Aber auch alle anderen Nebendarsteller sind gelungen gezeichnet.


Als Leser wird man perfekt mit auf eine Zeitreise genommen. Frauen hatten ihre Ehemänner zu versorgen, der Besuch eines Gymnasiums, gar ein Studium war Anfang des 20. Jahrhunderts für Mädchen ein Problem und oft nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. Man trifft auf Marie Curie, hört von Freud, der seine Theorien aufstellt und nachdem der Erste Weltkrieg belastend zu spüren ist, wandert der Jude Albert Einstein gegen Ende des Romans auch mit seiner neuen Frau und Familie nach Amerika aus. Auch die Ausdrucksweise ist der Zeit angepasst.


Wirklich sehr gut hat mir gefallen, dass in kursiver Schrift auch zahlreiche Originaldokumente in den Roman eingebunden werden, die das Erzählte auch belegen. Albert Einstein, Mileva, hier erhält man tolle Einblicke, so macht Geschichtelernen einfach Spaß.


Alles in allem kann ich nur eine begeisterte Leseempfehlung aussprechen., fünf Sterne sind hier wahrlich verdient.

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Slavenka Drakulić wurde am 04. Juli 1949 in Rijeka (Kroatien) geboren.

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