Slavenka Drakulic Frida

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Inhaltsangabe zu „Frida“ von Slavenka Drakulic

Coyoacán nahe Mexiko City, ein früher Morgen im Juli 1954: Die 47-jährige Frida Kahlo liegt nach einer unruhigen Nacht in ihrem Bett. Sie spürt den Tod, überlässt sich aber nicht dem Schicksal, das ihr ein Leben lang übel mitgespielt hat. Die Entscheidung, wie sie stirbt, will sie selbst treffen. Zuvor lässt sie das Leben Revue passieren. Faszinierend und schrecklich zugleich: Slavenka Drakulic zeigt uns Frida Kahlo, wie wir sie noch nie gesehen haben.

Brillanter Roman über das Leben einer Ausnahmekünstlerin

— RosaEmma

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    Frida

    RosaEmma

    22. April 2017 um 13:20

    Nachdem mich Slavenka Drakulićs Roman Dora und der Minotaurus, der im letzten Jahr erschienen ist, begeistert hat, habe ich mir ihre früheren Werke angeschaut und bin hier auf ein wahres Buchjuwel gestoßen. In Frida erzählt die kroatische Autorin die Lebens- und Leidensgeschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo de Rivera auf eindrucksvolle und berührende Weise. Es ist ein steiniger, sehr beschwerlicher Weg, geprägt von großem Schmerz, aber auch von großer Liebe, auf dem wir die surrealistische Künstlerin bis zu ihrem viel zu frühen Ende begleiten. Gleich zu Beginn der aus Fridas Perspektive erzählten biografischen Rückblende naht das Ende. Nach einer Beinamputation ans Bett gefesselt und auf der Schwelle des Todes lässt die 47-jährige Protagonistin ihr Leben Revue passieren. Was sie erdulden musste, ist mehr als ein Mensch ertragen kann – und doch entspringt aus dem allgegenwärtigen Schmerz eine Kreativität, die ihresgleichen sucht und ihr Ausnahmetalent in einem von Männern dominierten Metier illuminiert. Lieblingskind mit Überlebenswillen Mit ihren vier Schwestern wächst Frida als Tochter eines Fotografen recht behütet auf. Sie ist das Lieblingskind ihres Vaters, denn sie hat scheinbar schon im Kindesalter seinen Schöpfergeist geerbt und begleitet ihn gerne auf seinen Fototouren. Doch dann schlägt das Schicksal zum ersten Mal mit aller Härte zu: Mit sechs Jahren erkrankt sie an Kinderlähmung, ein grausames Schicksal für die quirlige Frida, doch sie kämpft und überlebt – nicht zuletzt dank einer imaginären Freundin, die sie in ihren einsamen Stunden ihrer Fantasie entspringen lässt und die sie bis zu ihrer Genesung begleitet. Doch ihr Leben ist danach nicht mehr dasselbe: Ihr Bein wird extrem dünn und bleibt verkürzt, so dass sie ihr Leben lang hinken wird. Tapfer versucht sie, mit dem Spott der Kinder zurechtzukommen, die ihr Hinkebein hinterherrufen und sich bei jeder Gelegenheit über sie lustig machen. Ein folgenschwerer Unfall Aber Frida beißt sich durch und ihr Leben verläuft wieder in normalen Bahnen. Als einzige ihrer Schwestern besucht sie die weiterführende Schule – eine Tatsache, die ihren Vater sehr stolz macht. Ihre Mutter, eine Analphabetin, kann dies jedoch in keiner Weise nachvollziehen, denn in ihren Augen hat Bildung für Mädchen keinen Wert. Die 18-jährige Frida geht indes unbeirrt ihren Weg und genießt das unbeschwerte Zusammensein mit ihrem ersten Freund Alex, bis das Schicksal ein weiteres Mal zuschlägt: Bei einem tragischen Busunfall bohrt sich eine Metallstange durch ihren Körper und verursacht schwerste Verletzungen, die sie ein Jahr lang in einem Gipskorsett ans Bett fesseln. Frida ist am Boden zerstört, sie kann nicht fassen, dass es sie ein weiteres Mal getroffen hat. Ein neuer Lebenssinn Während ihr Vater in Depressionen verfällt, weil er sein Lieblingsmädchen nicht leiden sehen kann, versucht ihre Mutter, sie abzulenken. Sie schenkt ihr eine Sitzstaffelei, Pinsel und Farben, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Und es funktioniert: Frida beginnt zu malen und katalysiert ihre ständigen Schmerzen in ihre Schaffenskraft. Aus dem anfänglichen Hobby wird eine Leidenschaft, eine Obsession, die sie am Leben hält. Dass sie als Künstlerin ein einzigartiges Talent besitzt, erkennt auch der berühmte mexikanische Maler Diego de Rivera, den Frida auf einer Veranstaltung kennenlernt. Der 20 Jahre ältere Frauenheld und Bonvivant ist jedoch nicht nur von Fridas Werken begeistert, und so kommt es, wie es kommen muss: Die beiden beginnen eine Affäre, die schließlich in einer Ehe mündet. Frida liebt Diego und vertraut ihm bedingungslos – er ist der einzige, der mit ihren körperlichen Unzulänglichkeiten umgehen kann und vor dem sie sich nicht schämt. Liebe und Desillusion Doch schon bald nach ihrer Heirat muss sie zu ihrer großen Enttäuschung erkennen, dass er nicht für die Monogamie gemacht ist. Er betrügt sie nach Strich und Faden mit vielen schönen Frauen, die ihm Modell sitzen und prahlt auch noch damit. Frida macht ihm Szenen, doch am Ende verzeiht sie ihm doch immer wieder. Ihr immer geringer werdendes Selbstbewusstsein und ihr wahres gedemütigtes Ich versteckt sie hinter einer extravaganten Fassade aus exotischer Kleidung und auffallender Schminke. Ihre Malerei vernachlässigt sie gänzlich, ihr Talent redet sie sich selbst als unbedeutendes Hobby klein. Als ihr auch noch das Mutterglück versagt bleibt, zerfällt ihr Leben in Scherben. Doch aus Angst vor der Einsamkeit erträgt sie diese Ehe, die schon längst keine mehr ist und verbündet sich sogar mit Diegos Geliebten, um ihn nicht zu verlieren. Kapitulation Als Frida jedoch herausfindet, dass ihre Lieblingsschwester Cristina sie ebenfalls mit ihrem Mann hintergeht, hat sie endgültig genug – diesen Verrat kann und will sie nicht akzeptieren. Sie verlässt ihn, nimmt sich Liebhaber und beginnt zu trinken. Aber die Malerei rettet sie ein zweites Mal: Sie wagt einen erneuten Karriereanlauf und hat großen Erfolg, der ihr jedoch nicht viel bedeutet. Abermals führt sie ihr Weg zurück zu Diego, der scheinbar ebenso auf sie angewiesen ist wie sie auf ihn. Sie gibt sich mit einem oberflächlichen Traum von Liebe zufrieden, obwohl sie weiß, dass sie mehr verdient. Als ihr durch den Unfall bedingter körperlicher Verfall immer weiter voranschreitet, ist sie verzweifelt, doch aufgeben liegt nicht in ihrer Natur. Erst eine Beinamputation zwingt sie zur Kapitulation und zu dem, was ihr am meisten widerstrebt – loszulassen… In Fridas Kopf: Brillanter Roman über das Leben einer Ausnahmekünstlerin Mit Frida ist Slavenka Drakulić eine brillant erdachte Introspektion einer singulären Malerin gelungen, die unter die Haut geht. Gekonnt vermittelt uns die Autorin die Illusion, in Fridas Gedankenwelt einzutauchen und gewährt so einen aufschlussreichen Einblick in das Seelenleben der tormentierten Künstlerin, die schon zu Lebzeiten Legendenstatus hatte. In Fridas Lebensgeschichte hat Drakulić immer wieder Kurzbeschreibungen ihrer berühmtesten Bilder mit einfließen lassen, die sie in bestimmten Lebensphasen gemalt hat. Dies hat mir besonders gut gefallen, denn man erhält somit eine entschlüsselte Sichtweise auf ihre Werke, insbesondere auf ihre Selbstporträts. Drakulićs exzellent recherchierter Roman, ihre ganz spezielle Mischung aus Facts & Fiction und ihr einzigartiger Schreibstil bringen uns auf sehr einfühlsame, ausdrucksvolle und beseelte Weise eine großartige Malerin näher, die ihrem Schmerz in ihrer Kunst Ausdruck verlieh und ihre Kreativität zum Katalysator stilisierte. Ihr unbändiger Überlebenswille, ihr selbst gewählter (Aus-)Weg, sich in all ihrer Unzulänglichkeit als exotisches Individuum neu zu erfinden, mag man als Flucht vor der Realität betrachten, aber es gehörte zweifellos unendlich viel Mut dazu, sich in ihrer Situation zu exponieren. Und an Courage hat es der bewundernswerten Malerin nie gefehlt – ein Motor, der sie – ebenso wie ihr künstlerischer Ausdruckswille –  antrieb und ihre Werke gleichsam zu Überlebenskunst machen.

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  • Rezension zu "Frida" von Katharina Wolf-Grießhaber

    Frida

    Hallogen

    12. June 2010 um 07:44

    Rückblickend vom Totenbett berichtet uns Frida Kahlo ihr Leben und ihre zahlreichen Krankheiten und Unfälle sowie von der Liebe zum Maler Diego Rivera, den sie durch ihren 'Zeitvertreib' (Malerei) kennenlernte, und mit dem sie ein äußerst turbulentes Leben führte. Dieser Versuch das Leiden der berühmten mexikanischen Malerin darzustellen, ist über weite Strecken sehr gut gelungen, doch wird die totale Stilisierung zur Märtyrerin irgendwann albern, und in einem Punkt sogar unlogisch, wodurch ich den unguten Eindruck bekam, hier werde die Biographie reingewaschen. Zudem wird Frida dadurch ungewollt zu einem Dummchen, was sie gewiss nicht war (die Hinwendung zum Kommunismus wird zur Tat aus Liebe verklärt, obwohl sie bereits vor dem Kennenlernen in die KP eintrat). Da sich Drakulic in ihren anderen Büchern stets als hervorragende Nachforscherin bewies, will ich mal glauben, dass vieles, was sie der Künstlerin da andichtet stimmt. Einiges wirkt wie hinzugedichtet (etwa private Details, Vorahnungen oder die Todesart), aber es ist ja nun mal ein Roman und keine Biographie, und so ist es ihr gutes Recht, zu spekulieren. Daneben störten mich die teils sehr blutigen Szenen und der (ohne Kenntnis der Biographie) schwierig zu erschließende Zeitrahmen. Dennoch schwanke ich eher gen vier Sterne, denn literarisch ist die Dreiteilung des Erzählers durchaus anspruchsvoll umgesetzt, und die Tapferkeit der Malerin äußerst bewegend und aufbauend geschildert. Auch Nebenfiguren wie der Vater sind psychologisch sehr gut ausgeleuchtet. Nicht zuletzt seien tolle Bilder erwähnt, etwa die Kindheit, in der Frida die Wirklichkeitsflucht durch ein gemaltes Portal an der angehauchten Fensterscheibe vollzieht oder das Schmetterlingsmotiv, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch zieht.

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