Slimane Kader

 4.4 Sterne bei 10 Bewertungen

Lebenslauf von Slimane Kader

Slimane Kader, 1985 geboren, ist ein junger Franzose mit algerischen Wurzeln. Er debütierte mit dem autobiograpischen Roman „Wam“ und gilt seitdem als vielversprechendes Talent, das der migrantischen Jugend aus den Vorstädten eine Stimme gibt. „Ocen King“, 2015 in Deutschland erschienen, ist sein zweiter Roman.

Alle Bücher von Slimane Kader

Slimane KaderOcean King - Was einer unter Deck erleben kann
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Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
Slimane KaderWAM
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WAM
WAM
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Erschienen am 19.01.2015

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Rezension zu "Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann" von Slimane Kader

Grausame Realität mit Humor erzählt.
gsimakvor 3 Jahren

Meine Meinung
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich durch Zufall auf dieses Buch gestoßen bin; mich das Cover überhaupt nicht angesprochen hat und ich dennoch froh bin, es gelesen zu haben, da meine Sichtweise auf Kreuzfahrtschiffe nun eine ganz andere ist.Muten die Zustände, denen die Arbeiter auf so einem Luxusschiff ausgesetzt sind, auch sehr unmenschlich an, so hat Simane Kader dennoch einen Humor zum niederknien, den man bei jedem gelesenen Wort spüren kann.Slimane hat sich buchstäblich von unten nach oben gearbeitet. Er ist ein Held namens Wam!
Wam stammt von der Pllattenbausiedlung La Courneuve vor Paris. Er ist überglücklich über die Gelegenheit, auf dem Luxusdampfer "OCEAN KING" sein Geld zu verdienen und als Joker eingesetzt zu werden.Ich habe Wams Durchhaltevermögen und seinen unerschöpflichen Humor bewundert. Monate lang sieht er kaum Tageslicht und den Ozean; da sein Aufgabenbereich im Bauch des Schiffes liegt. Undichte Wasserkessel führen dazu, dass immer ein "JOKER" das Wasser aufwischen muss. Ein "JOKER" ist Mädchen für alles. Wam hat sich selber den Namen "Swiffer" verpasst; muss er doch wie ein Weltmeister wischen, damit die reichen "Fattis" mit ihren "Crocs" stets sauberes Wasser zum Duschen haben. Wozu Wasserkessel zu reparieren,  wo es doch Jokers mit Minilohn gibt?! Er muss noch einige unappetitliche Arbeiten verrichten, die mir kalte Schauer über den Rücken jagen.Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, auf einem Schiff zu sein, ohne Tageslicht und trotzdem so positiv zu denken wie Wam. Sein sonniges Gemüt ebnet ihm den Weg zu den oberen Decks. Besonders amüsiert hat mich Wams furchtbares Englisch, mit dem er sämtlichen Menschen einen offenen Mund ins Gesicht zaubert; jedoch immer irgendwie verstanden wird. :-))).
Fazit
Es gibt viele Lebenskünstler; einer davon ist Wam. Er erzählt uns eine traurige Geschichte, die uns Tränen in die Augen zaubert. LACHTRÄNEN!!!Sein beruflicher Aufstieg auf dem Schiff hat mir Bauchweh beschert; da die skurrilsten Situationen entstanden sind, die eine Lachsalve nach der anderen bei mir und meinem Mann ausgelöst haben. Ja, ich habe meinem Mann sämtliche Sätze vorgelesen und er meinte: >>Das wäre Stoff für einen Film<>Das Spiel des Lebens erteilt dir immer wieder eine Lektion, damit du etwas lernst. Ganz egal, ob Glück oder Unglück - wir dürfen uns nicht daran klammern.<<
Der Autor hat einen lockeren Schreibstil und spricht den Leser persönlich mit du an. Besonders auf das Nachwort möchte ich noch hinweisen, da es sehr interessant ist.
Vielen Dank Slimane Kader
Ich vergebe 5 Sterne und eine absolute Empfehlung

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K

Rezension zu "Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann" von Slimane Kader

Der Joker und die Fatties.
kvelvor 3 Jahren

Inhalt:
In dem autobiographische Roman erzählt der Protagonist wie er als "Mädchen für Alles" auf einem Kreuzfahrtschiff anheuert und sich im wahrsten Sinne von "ganz unten" hochgearbeitet hat; er berichtet von den Aufgaben, die er erledigt hat, weil diese halt eben anfallen, um den "crocstragenden Fatties" einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Auch von seinen "Kollegen" unter Deck berichtet er.
Bei seinem "Werdegang" kommt ihm auch schon Mal der Zufall zu Hilfe: Manchmal muss man auch einfach Glück haben und in einer Situation das "richtige" tun; und plötzlich ist man "jemand, der für die Firma [hier die Kreuzfahrtgesellschaft] valuable ist. Diplomatisch und mutig." (S. 210) und plötzlich bieten sich somit die besten Aufstiegschancen.


Meine Meinung:

Das stilisierte Cover des turmhohen Ozeandampfers mit den vielen, vielen Decks der Passagierkabinen gefällt mir sehr gut und ich finde es sehr gut passend zu dem Roman.


Meine Erfahrung war, dass ich anfangs etwas Eingewöhnungszeit benötigte, um sich in den Stil des Roman mit dem "verhunzten" Englisch einzulesen.


Der Autor beschreibt umgangssprachlich, teilweise mit sehr deftiger Wortwahl, und mit sehr trockenem Humor; Situationen beschreibt er schonungslos, nichts wird schöngeredet.


Ein sehr gutes Gespür Situationen zu erfassen und zu erzählen zeichnen, meiner Ansicht nach, den Autor aus:
"In der Kabine richten sich der Rotschopf und der Wasserbüffel in ihren Betten auf. Ohne zu protestieren. Sie starren mich hasserfüllt an. Ich raube ihnen den Schlaf, nicht Popeye, obwohl er es ist, der schreit. Er ist nur die Folge. Ich bin die Ursache. Wie bei einem Attentat - niemand ist auf die Bombe böse, aber alle auf den Typen, der sie zündet." (S. 48).


Zu der Buchbeschreibung gemäß der Umschlaginnenseite
"... eine freche, temporeiche und urkomische Begegnung mit den Auswüchsen des Massentourismus und zugleich ein ironischer Blick auf den Zustand unserer Welt: Wir sitzen alle in einem Boot. Aber die einen liegen auf dem Sonnendeck, und die anderen rackern auf den Ruderbänken."
passt auch die Aussage im Nachwort des Verlegers
"... weil es ganz einfach absurd ist, viele Wochen auf dem Meer zu verbringen, ohne je das Meer zu sehen."


Fazit: Lesenswert!


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Rezension zu "Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann" von Slimane Kader

Lebens-Perspektiven
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

„Avec vue sous la mer“ - das ist der Titel der Originalausgabe dieses Romans von Slimane Kader, und das ist die Position, die sich Wam, der Held dieser Geschichte, für sein Leben wünscht als er auf dem Luxusliner „Ocean King“ anheuert, der 6000 Touristen durch die Karibik schippert. Er will der bedrückenden Aura der Pariser Vorstädte entfliehen, will dahin wo Sonne und Palmen glitzernden Wohlstand und Überfluss versprechen, will eine Welt voll Unbeschwertheit und Müßiggang erobern.

Aber dieser Kreuzfahrtriese, der seinem Namen mit königlicher Größe alle Ehre macht, hat nicht nur 6000 Passagiere an Bord, die genussvoll schwelgend ihre Urlaubstage in der Bläue der Karibik verbringen, sondern hält in seinem Bauch 2000 Arbeitskräfte bereit, die ständig im Einsatz sind, um den reibungslosen Ablauf des High Society Programms zu gewährleisten. Das sind die, denen man für die Dauer ihrer Arbeitszeit die Pässe weggenommen hatte, damit sie dem wellenpflügenden Moloch bis zum Ende der Fahrt zu Diensten sein mussten, weil sie ihre Papiere erst dann zurück bekamen, wenn der Luxus-Gigant sein endgültiges Ziel erreichte und alle Menschenfracht ausspie.

Die Fatties – wie die Touristen auf Grund ihres meist offensichtlichen Übergewichts genannt werden – bevölkern die Decks mit verzogenen, kreischenden Kindern, bequemen, ausladenden Sonnenliegen, die den sorgfältig eingeölten, von kosmetischen Operationen mühsam in Form gehaltenen Körpern eine bequeme Unterlage bieten und lassen keinen ihrer Ansprüche ungenutzt. Warum auch, wenn ein Fingerschnippen eine ganze Hierarchie von Untergebenen auf den Plan zu rufen vermag, denen nichts mehr eingebleut wurde, als absolutes touristisches Wohlbefinden zu erzeugen, damit die existenzsichernden Lobeshymnen, auf welche die Schifffahrtsgesellschaft angewiesen ist, nicht abreißen.

In diesem perfekt funktionierenden Räderwerk unten in schweißüberströmender, geschäftiger Tiefe hat jeder seinen Platz. Eine Armada von Bediensteten, vom Koch bis zur Revue-Tänzerin, vom Mechaniker über Wäschereihelfer, Oberkellner und Gigolos sind Menschen verschiedenster Nationalitäten hier gelandet, um Geld zu verdienen, ihren ärmlichen Verhältnissen in der Heimat zu entfliehen und vielleicht eines Tages den Schritt aus dem Bauch heraus an Deck, ans Tageslicht zu schaffen. Aber bis dahin gelten die Gesetze einer dunklen Arbeitswelt, die mit hohem Gewaltpotential, Angst und Neid dafür sorgt, dass Niemand diesem Kastensystem entfliehen kann, dass jeder „funktioniert“ und sich vertragsgemäß abrackert. Aber in allem Schweiß und erstickender Hitze gibt es doch das Gefühl einer Solidarität, die ab und zu das gemeinsame Schicksal spüren lässt und dadurch das Negative zu neutralisieren versteht.

Wams Position könnte man mit einer Portion Ironie als die facettenreichste innerhalb der „Bauchbesatzung“ bezeichnen – er ist ein „Joker“ - ein Mann für alle Fälle – vom „Hundeausführer“ über Rohrreiniger und Cookie-Bäcker bis hin zum Kinder-Animateur im Eisbär-Fell und hundertfachen Kakerlaken-Mörder, dessen berufliche Zugehörigkeitsgrenzen sich dadurch verwischen und einen Aufstieg vom Joker zum Teamchef oder vom Dunkel ins Licht erleichtern könnten.

Slimane Kader hat ein brillantes Bild unserer Gesellschaft gezeichnet. Mit reichhaltiger, flüssiger Sprache schreibt er über Banales und Bedeutsames, Absurdes und Normales, Enttäuschendes und Rührendes. Mit humorvollen Metaphern und intelligenten, sensiblen Beobachtungen holt er den Leser in unglaublicher Dringlichkeit zu sich an Bord und versteht, die widersprüchlichsten Gefühle in ihm zu wecken – Abneigung gegen die abstoßende, gedankenlose Dekadenz in der „upper-class“ und Partei zu ergreifen für die bezahlte Masse, die in eigener Gesetzmäßigkeit den Rücken für ein paar Dollars krümmt.

Ein Buch, das nachdenklich stimmt, neue Blickwinkel öffnet und doch viel versöhnlichen Humor zulässt, der allen menschlichen Stärken und Schwächen ihren Raum zubilligt.

Obwohl der Roman für mich während des Lesens einen gewissen Status der Anonymität nicht verlassen hat, also eine Identifikation mit Personen ausblieb, hatte ich doch ein anspruchsvolles Leseerlebnis, für das ich gerne alle Sterne vergebe.


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