Slimane Kader Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann

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Inhaltsangabe zu „Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann“ von Slimane Kader

Slimane Kader träumt von einem Leben jenseits der Tristesse der Pariser Vorstädte. Deshalb heuert er auf der Ocean King, einem Kreuzfahrtriesen, an. Es geht in die Karibik: Auf dem Sonnendeck genießen 6000 Touristen die Aussicht und das Leben unter Deck schuften 2000 Arbeitskräfte für deren Wohlergehen. Kader beginnt seine Karriere ganz unten als Handlanger. Doch er lernt schnell. Mit einer gehörigen Portion Glück und Unverfrorenheit ergattert er gegen Ende der Reise einen Job, der ihn aufs Sonnendeck bringt. Jetzt ist er der Ocean King! Kaders Erlebnisse sind eine freche, temporeiche und humorvolle Begegnung mit den Auswüchsen des Massentourismus. Und sie sind eine Parabel auf den Zustand unserer Welt: Wir sitzen alle im selben Boot aber die einen auf einem Liegestuhl, die anderen auf der Ruderbank.

Der Joker und die Fatties.

— kvel
kvel

Ausgezeichnete kritisch-einfühlsame Lektüre über Lebens-Perspektiven, die so nah' beieinander sind und doch von Welten getrennt.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Grausame Realität mit Humor erzählt.

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    gsimak

    gsimak

    03. September 2015 um 15:13

    Meine Meinung Ich muss ehrlich gestehen, dass ich durch Zufall auf dieses Buch gestoßen bin; mich das Cover überhaupt nicht angesprochen hat und ich dennoch froh bin, es gelesen zu haben, da meine Sichtweise auf Kreuzfahrtschiffe nun eine ganz andere ist.Muten die Zustände, denen die Arbeiter auf so einem Luxusschiff ausgesetzt sind, auch sehr unmenschlich an, so hat Simane Kader dennoch einen Humor zum niederknien, den man bei jedem gelesenen Wort spüren kann.Slimane hat sich buchstäblich von unten nach oben gearbeitet. Er ist ein Held namens Wam! Wam stammt von der Pllattenbausiedlung La Courneuve vor Paris. Er ist überglücklich über die Gelegenheit, auf dem Luxusdampfer "OCEAN KING" sein Geld zu verdienen und als Joker eingesetzt zu werden.Ich habe Wams Durchhaltevermögen und seinen unerschöpflichen Humor bewundert. Monate lang sieht er kaum Tageslicht und den Ozean; da sein Aufgabenbereich im Bauch des Schiffes liegt. Undichte Wasserkessel führen dazu, dass immer ein "JOKER" das Wasser aufwischen muss. Ein "JOKER" ist Mädchen für alles. Wam hat sich selber den Namen "Swiffer" verpasst; muss er doch wie ein Weltmeister wischen, damit die reichen "Fattis" mit ihren "Crocs" stets sauberes Wasser zum Duschen haben. Wozu Wasserkessel zu reparieren,  wo es doch Jokers mit Minilohn gibt?! Er muss noch einige unappetitliche Arbeiten verrichten, die mir kalte Schauer über den Rücken jagen.Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, auf einem Schiff zu sein, ohne Tageslicht und trotzdem so positiv zu denken wie Wam. Sein sonniges Gemüt ebnet ihm den Weg zu den oberen Decks. Besonders amüsiert hat mich Wams furchtbares Englisch, mit dem er sämtlichen Menschen einen offenen Mund ins Gesicht zaubert; jedoch immer irgendwie verstanden wird. :-))). Fazit Es gibt viele Lebenskünstler; einer davon ist Wam. Er erzählt uns eine traurige Geschichte, die uns Tränen in die Augen zaubert. LACHTRÄNEN!!!Sein beruflicher Aufstieg auf dem Schiff hat mir Bauchweh beschert; da die skurrilsten Situationen entstanden sind, die eine Lachsalve nach der anderen bei mir und meinem Mann ausgelöst haben. Ja, ich habe meinem Mann sämtliche Sätze vorgelesen und er meinte: >>Das wäre Stoff für einen Film<>Das Spiel des Lebens erteilt dir immer wieder eine Lektion, damit du etwas lernst. Ganz egal, ob Glück oder Unglück - wir dürfen uns nicht daran klammern.<< Der Autor hat einen lockeren Schreibstil und spricht den Leser persönlich mit du an. Besonders auf das Nachwort möchte ich noch hinweisen, da es sehr interessant ist. Vielen Dank Slimane Kader Ich vergebe 5 Sterne und eine absolute Empfehlung

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  • Der Joker und die Fatties.

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    kvel

    kvel

    18. July 2015 um 00:42

    Inhalt: In dem autobiographische Roman erzählt der Protagonist wie er als "Mädchen für Alles" auf einem Kreuzfahrtschiff anheuert und sich im wahrsten Sinne von "ganz unten" hochgearbeitet hat; er berichtet von den Aufgaben, die er erledigt hat, weil diese halt eben anfallen, um den "crocstragenden Fatties" einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Auch von seinen "Kollegen" unter Deck berichtet er. Bei seinem "Werdegang" kommt ihm auch schon Mal der Zufall zu Hilfe: Manchmal muss man auch einfach Glück haben und in einer Situation das "richtige" tun; und plötzlich ist man "jemand, der für die Firma [hier die Kreuzfahrtgesellschaft] valuable ist. Diplomatisch und mutig." (S. 210) und plötzlich bieten sich somit die besten Aufstiegschancen. Meine Meinung: Das stilisierte Cover des turmhohen Ozeandampfers mit den vielen, vielen Decks der Passagierkabinen gefällt mir sehr gut und ich finde es sehr gut passend zu dem Roman. Meine Erfahrung war, dass ich anfangs etwas Eingewöhnungszeit benötigte, um sich in den Stil des Roman mit dem "verhunzten" Englisch einzulesen. Der Autor beschreibt umgangssprachlich, teilweise mit sehr deftiger Wortwahl, und mit sehr trockenem Humor; Situationen beschreibt er schonungslos, nichts wird schöngeredet. Ein sehr gutes Gespür Situationen zu erfassen und zu erzählen zeichnen, meiner Ansicht nach, den Autor aus: "In der Kabine richten sich der Rotschopf und der Wasserbüffel in ihren Betten auf. Ohne zu protestieren. Sie starren mich hasserfüllt an. Ich raube ihnen den Schlaf, nicht Popeye, obwohl er es ist, der schreit. Er ist nur die Folge. Ich bin die Ursache. Wie bei einem Attentat - niemand ist auf die Bombe böse, aber alle auf den Typen, der sie zündet." (S. 48). Zu der Buchbeschreibung gemäß der Umschlaginnenseite "... eine freche, temporeiche und urkomische Begegnung mit den Auswüchsen des Massentourismus und zugleich ein ironischer Blick auf den Zustand unserer Welt: Wir sitzen alle in einem Boot. Aber die einen liegen auf dem Sonnendeck, und die anderen rackern auf den Ruderbänken." passt auch die Aussage im Nachwort des Verlegers "... weil es ganz einfach absurd ist, viele Wochen auf dem Meer zu verbringen, ohne je das Meer zu sehen." Fazit: Lesenswert!

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  • Lebens-Perspektiven

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. June 2015 um 23:37

    „Avec vue sous la mer“ - das ist der Titel der Originalausgabe dieses Romans von Slimane Kader, und das ist die Position, die sich Wam, der Held dieser Geschichte, für sein Leben wünscht als er auf dem Luxusliner „Ocean King“ anheuert, der 6000 Touristen durch die Karibik schippert. Er will der bedrückenden Aura der Pariser Vorstädte entfliehen, will dahin wo Sonne und Palmen glitzernden Wohlstand und Überfluss versprechen, will eine Welt voll Unbeschwertheit und Müßiggang erobern. Aber dieser Kreuzfahrtriese, der seinem Namen mit königlicher Größe alle Ehre macht, hat nicht nur 6000 Passagiere an Bord, die genussvoll schwelgend ihre Urlaubstage in der Bläue der Karibik verbringen, sondern hält in seinem Bauch 2000 Arbeitskräfte bereit, die ständig im Einsatz sind, um den reibungslosen Ablauf des High Society Programms zu gewährleisten. Das sind die, denen man für die Dauer ihrer Arbeitszeit die Pässe weggenommen hatte, damit sie dem wellenpflügenden Moloch bis zum Ende der Fahrt zu Diensten sein mussten, weil sie ihre Papiere erst dann zurück bekamen, wenn der Luxus-Gigant sein endgültiges Ziel erreichte und alle Menschenfracht ausspie.Die Fatties – wie die Touristen auf Grund ihres meist offensichtlichen Übergewichts genannt werden – bevölkern die Decks mit verzogenen, kreischenden Kindern, bequemen, ausladenden Sonnenliegen, die den sorgfältig eingeölten, von kosmetischen Operationen mühsam in Form gehaltenen Körpern eine bequeme Unterlage bieten und lassen keinen ihrer Ansprüche ungenutzt. Warum auch, wenn ein Fingerschnippen eine ganze Hierarchie von Untergebenen auf den Plan zu rufen vermag, denen nichts mehr eingebleut wurde, als absolutes touristisches Wohlbefinden zu erzeugen, damit die existenzsichernden Lobeshymnen, auf welche die Schifffahrtsgesellschaft angewiesen ist, nicht abreißen. In diesem perfekt funktionierenden Räderwerk unten in schweißüberströmender, geschäftiger Tiefe hat jeder seinen Platz. Eine Armada von Bediensteten, vom Koch bis zur Revue-Tänzerin, vom Mechaniker über Wäschereihelfer, Oberkellner und Gigolos sind Menschen verschiedenster Nationalitäten hier gelandet, um Geld zu verdienen, ihren ärmlichen Verhältnissen in der Heimat zu entfliehen und vielleicht eines Tages den Schritt aus dem Bauch heraus an Deck, ans Tageslicht zu schaffen. Aber bis dahin gelten die Gesetze einer dunklen Arbeitswelt, die mit hohem Gewaltpotential, Angst und Neid dafür sorgt, dass Niemand diesem Kastensystem entfliehen kann, dass jeder „funktioniert“ und sich vertragsgemäß abrackert. Aber in allem Schweiß und erstickender Hitze gibt es doch das Gefühl einer Solidarität, die ab und zu das gemeinsame Schicksal spüren lässt und dadurch das Negative zu neutralisieren versteht. Wams Position könnte man mit einer Portion Ironie als die facettenreichste innerhalb der „Bauchbesatzung“ bezeichnen – er ist ein „Joker“ - ein Mann für alle Fälle – vom „Hundeausführer“ über Rohrreiniger und Cookie-Bäcker bis hin zum Kinder-Animateur im Eisbär-Fell und hundertfachen Kakerlaken-Mörder, dessen berufliche Zugehörigkeitsgrenzen sich dadurch verwischen und einen Aufstieg vom Joker zum Teamchef oder vom Dunkel ins Licht erleichtern könnten. Slimane Kader hat ein brillantes Bild unserer Gesellschaft gezeichnet. Mit reichhaltiger, flüssiger Sprache schreibt er über Banales und Bedeutsames, Absurdes und Normales, Enttäuschendes und Rührendes. Mit humorvollen Metaphern und intelligenten, sensiblen Beobachtungen holt er den Leser in unglaublicher Dringlichkeit zu sich an Bord und versteht, die widersprüchlichsten Gefühle in ihm zu wecken – Abneigung gegen die abstoßende, gedankenlose Dekadenz in der „upper-class“ und Partei zu ergreifen für die bezahlte Masse, die in eigener Gesetzmäßigkeit den Rücken für ein paar Dollars krümmt. Ein Buch, das nachdenklich stimmt, neue Blickwinkel öffnet und doch viel versöhnlichen Humor zulässt, der allen menschlichen Stärken und Schwächen ihren Raum zubilligt. Obwohl der Roman für mich während des Lesens einen gewissen Status der Anonymität nicht verlassen hat, also eine Identifikation mit Personen ausblieb, hatte ich doch ein anspruchsvolles Leseerlebnis, für das ich gerne alle Sterne vergebe.

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  • Leben unter Deck

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    Kristine_liest

    Kristine_liest

    25. June 2015 um 14:16

    Slimane Kader träumt von einem Leben jenseits der Tristesse der Pariser Vorstädte. Deshalb heuert er auf der Ocean King, einem Kreuzfahrtriesen, an. Es geht in die Karibik: Auf dem Sonnendeck genießen 6000 Touristen die Aussicht und das Leben – unter Deck schuften 2000 Arbeitskräfte für deren Wohlergehen. Kader beginnt seine Karriere ganz unten als Handlanger. Doch er lernt schnell. Mit einer gehörigen Portion Glück und Unverfrorenheit ergattert er gegen Ende der Reise einen Job, der ihn aufs Sonnendeck bringt. Jetzt ist er der Ocean King! Kaders Erlebnisse sind eine freche, temporeiche und humorvolle Begegnung mit den Auswüchsen des Massentourismus. Und sie sind eine Parabel auf den Zustand unserer Welt: Wir sitzen alle im selben Boot – aber die einen auf einem Liegestuhl, die anderen auf der Ruderbank. Obwohl ich selbst  noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff war, hatte ich großes Interesse zu erfahren, wie denn das Leben auf so einem Ozeanriesen UNTER Deck aussieht. Auf äußerst vergnügliche und unterhaltsame Weise erzählt Slimande Kader von seinen Erlebnissen. Der Schreibstil ist locker-flockig und alles andere als politisch korrekt, was mich aber nicht gestört hat. Im Gegenteil, so wirkt das Buch einfach authentischer. Letztendlich bin ich mir nicht sicher, in wie weit das Buch ein wirklicher Tatsachenbericht ist, trotz des Nachworts des französchischen Verlegers. Zu wunderlich und geheimnisvoll klingt zum Beispiel die Geschichte, wie der Vertrag unter Dach und Fach gebracht wurde. Aber das ist auch egal, denn unterhaltsame und aufschlussreiche Stunden bietet "Ocean King" allemal. Fazit: Ein leicht zu lesendes Buch, vor allem für alle, die gerne auf Kreuzfahrtschiffen ihren Urlaub verbringen, aber nicht nur für die! 4 Sterne

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  • Interessant, lebendig und nachdenklich stimmend

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    HibiscusFlower

    HibiscusFlower

    09. June 2015 um 18:32

    Er sah sich schon im weißen Hemd, Bermudashorts, Slipper und Käpt´n-Iglo-Mütze an Deck stehen. Dazu etwas karibisches Flair und schon hat Wam den aufregendsten Job an Land gezogen, den einer, der bisher in einem Plattenbau in Saint-Denis bei Paris gelebt hat, an Land ziehen kann. Doch als er in Miami vor einem weiteren Plattenbau in Form eines Schiffes mit dem Namen Ocean King steht, kommen Wam erste Zweifel, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat. Während sich 6000 Touristen auf dieser schwimmenden Stadt durch die Karibik schippern lassen, ihr Leben, die Sonne und den Luxus an Bord genießen, gesellt sich Wam zu den 2000 Arbeitskräften, die tief im Bauch des Schiffes für das Wohlergehen sorgen. Da wo er arbeitet, kommt keine Sonne hin. Seine Arbeit ? Wam ist der Joker ! Er ist der "Mann für alles". "Und wenn du die Drecksarbeit machst, ist die Fantasie sehr wichtig. Sie ist der Schlüssel zum Überleben." (S.122) Vom Plattenbau in den Plattenbau - so hatte sich Wam das nicht vorgestellt. Dem Leben in einer der tristen Pariser Vorstädte wollte er entfliehen, tauscht jedoch dieses gegen einen Platz in den Eingeweiden eines Kreuzfahrtriesen ein. Sein Hawaii-Hemd und die FlipFlops muss er gar nicht erst auspacken, denn zum Tragen wird er nicht kommen. Durchschnittlich vierzehn Stunden Arbeit warten auf ihn; eine Arbeit, die Wam in alle Bereiche der Unterwelt und auch an seine Grenzen führt. Die wenige, freie Zeit verbringt er schlafend in einer Neun-Quadratmeter-Kabine, die er sich mit drei weiteren Arbeitern teilt. Doch so soll es nicht bleiben ! Wam will mehr ! Er mag wie die Crocs-tragenden Fatties, wie er die Touristen nennt, auf der Sonnenseite der Ocean King sein. Mit anfänglicher Ruhe und Zurückhaltung überwindet der junge Franzose mit algerischen Wurzeln Ekel, Scham und Müdigkeit; vermeidet, in die Fallen seiner Vorgesetzten zu treten und hat im rechten Moment eine Portion Glück. Dabei entgeht ihm nicht, was um ihn herum geschieht. Fast schon feinfühlig nimmt er sein Umfeld wahr und macht sich seine Erkenntnisse zu Nutzen. Slimane Kader schildert den LeserInneN greifbar und unterhaltsam das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff; wirft dabei einen unverblümten Blick hinter die Kulissen, die nie gesehen werden und auch keiner sehen soll. Doch da ist nicht nur die Kluft zwischen Ober- und Unterwelt. Wie ein Kastensystem wirkt die Einteilung der Arbeitskräfte aus aller Herren Länder tief unter den Sonnendecks. Tiefe Freundschaften entstehen eher nicht. Dem eigentlichen Leben entfliehen oder Geld zu verdienen, sind die Gründe, warum man dieser Arbeit ganz ohne Sonne nachgeht. Mit den direkt an den Leser gerichteten Erzählungen leuchtet Wam jeden selbst noch so absurden Winkel der Ocean King aus. Die Sprache, derer Wam sich dabei bedient, lässt erkennen, wo und wie er aufgewachsen ist. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, bemüht sich erst gar nicht um passendere Umschreibungen und arbeitet mit Metaphern, die erfassen, wie er das Leben wahrnimmt. Was man davon als anstößig oder eben amüsant empfindet, bleibt dem Leser überlassen. Eher unprätensiös wirkt das Cover, sodass von einem Eyecatcher nicht die Rede sein kann. Doch mit dem Lesen kommt das Verstehen und an dieser Stelle hat das Bild vom Traumschiff, das gern im Zusammenhang mit einer Kreuzfahrt aufkommt, keinen Platz. Diese Kehrseite der Kreuzfahrt fand ich sehr interessant, lebendig und nachdenklich stimmend. Dafür vergebe ich 4 Hibi-Blüten.

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  • Sehr unterhaltsam

    Ocean King - Was einer unter Deck erleben kann
    lord-byron

    lord-byron

    Slimane Kader träumt von einem Leben jenseits der Tristesse der Pariser Vorstädte. Deshalb heuert er auf der Ocean King, einem Kreuzfahrtriesen, an. Es geht in die Karibik: Auf dem Sonnendeck genießen 6000 Touristen die Aussicht und das Leben – unter Deck schuften 2000 Arbeitskräfte für deren Wohlergehen. Kader beginnt seine Karriere ganz unten als Handlanger. Doch er lernt schnell. Mit einer gehörigen Portion Glück und Unverfrorenheit ergattert er gegen Ende der Reise einen Job, der ihn aufs Sonnendeck bringt. Jetzt ist er der Ocean King! Kaders Erlebnisse sind eine freche, temporeiche und humorvolle Begegnung mit den Auswüchsen des Massentourismus. (Amazon) Wir sitzen alle im selben Boot – aber die einen auf einem Liegestuhl, die anderen auf der Ruderbank. Als ich das Buch angeboten bekam, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich hatte schon einiges über Kreuzfahrtschiffe und den Zuständen der unteren Decks gehört und es interessierte mich brennend, was uns Slimane Kader zu diesem Thema zu erzählen hat. Das Buch ist in einer sehr flapsigen und direkten Sprache geschrieben. Kader nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht aus, was ihm gerade durch den Kopf geht. Dabei ist er teilweise ziemlich rassistisch und voller Vorurteile. Aber das ist eben seine Art. Nur eins konnte ich wirklich nicht gut heißen. Er nannte ein an Trisomie 21 erkranktes Kind ständig Mongo. Da hab ich leider kein Verständnis für und das hat mich wirklich geärgert.  Die Passagiere sind für ihn nur Fatties mit Crocs. Er ist voller Verachtung für sie und alle anderen Menschen um ihn herum. Wenn er so im wirklichen Leben ist, wundert es mich überhaupt nicht, dass er keine Freunde hat. Das Buch liest sich super und ich hatte es sehr schnell durch. Ich hätte gerne noch viel mehr über die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff gelesen und das Buch war keine einzige Sekunde langweilig. Die Seiten flogen regelrecht dahin und ich wechselte ständig zwischen Lachen und ungläubigem Kopfschütteln. Kader ist absolut respektlos und hält sich selbst für den Nabel der Welt. Wam, so nennt sich der Autor, heuert auf dem Kreuzfahrschiff an und weil er sich gleich mal daneben benimmt, wird er nicht als Hilfskellner, sonder als Joker eingestellt. Er muss überall einspringen wo Not am Mann ist und fängt wirklich gaaaanz unten als Swiffer an. Aber nach und nach arbeitet er sich nach oben. Geschlafen wird in winzigen Kabinen und zwar nicht alleine, sondern zu viert. Es sind unzumutbare Zustände. Gearbeitet wird 10 bis 15 Stunden am Tag und im Schichtbetrieb. Darum reichen auch die Minikabinen, da man nach der Arbeit sowieso ins Koma fällt. Den Passagieren soll es an nichts fehlen und damit alles reibungslos läuft, muss auch die niedrigste Arbeit perfekt ausgeführt werden. Die Meisten der Angestellten sehen nie das Sonnenlicht, weil sie immer im Bauch des Schiffes arbeiten.Unvorstellbar finde ich das. Während oben die Leute eine ständige Party feiern, schuften die Angestellten wie Sklaven. Ich kann das Buch wirklich nur jedem empfehlen. Obwohl ich manchmal richtig sauer auf Wam war, habe ich mich doch sehr gut unterhalten. Darum vergebe ich für "Ocean King" 4 von 5 Punkten und werde meine Augen nach weiteren Büchern des Autors offen halten. Mal sehen, was er sich noch so einfallen lässt. © Beate Senft                   

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    • 8
    Floh

    Floh

    07. June 2015 um 03:19
    KruemelGizmo schreibt Liest sich interessant, aber das Cover find ich gräßlich.

    Stimmt! Das Cover schreckt wirklich ab. Vielleicht ist mir dieses Buch deshalb so völlig fremd?!