Slov ant Gali Sieben Kugeln zum Turm der Testuden

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Inhaltsangabe zu „Sieben Kugeln zum Turm der Testuden“ von Slov ant Gali

Utopischer Gegenwartsroman: “Allmählich wird es unheimlich. Ein Schwur aus Kinderzeit verbindet das Schicksal von sieben Menschen in ganz anderer Weise, als sie sich das je hätten vorstellen können. Als Kinder waren sie nur verwundert, dass die gefundenen Kugeln seltsam leicht, aber dennoch unzerstörbar waren, später, erwachsen, als die eigentliche Handlung einsetzt, entfalten sich immer neue Kräfte, die nicht leicht zu verstehen sind … Die Halluzinationen, die eine der Kugeln bei Jens Marder auslöst, sind bis zu dem Augenblick, als seine Familie von wütenden Hornissen angegriffen wird, noch richtig angenehm. Dann aber: Weil die ehemaligen Klassenkameraden lange keinen Kontakt zueinander gehabt haben, können sie nicht ahnen, wie unnatürlich ihre Kinder sind, richtiger, die Kinder, die sie für ihre halten. Aus demselben Grund kommen sie lange nicht auf die Idee, dass jener Horror, der von Hellersdorf ausgehend immer weitere Kreise zieht, durch eine ihrer Kugeln ausgelöst worden sein könnte. All das ändert die fast 16jährige Marie als sehr „unorthodoxe“ Heldin erst einmal noch nicht. Die ist immerhin so „unmüd“, mit Freundin Jule, einer Gitarre, dem Buch eines Sektengurus und einem „antimodischen“ Blumenkinderkleid von Eberswalde aus den alles vernichtenden Sikroben nach Berlin entgegenzuziehen – wenn die Welt schon untergeht, dann will sie das wenigstens aktiv erleben. Ähnlich unbekümmert lässt sie später weitere phänomenale Kräfte der mühevoll zusammengetragenen Kugeln auf die Menschheit los, und gegen die nach der absoluten Macht greifenden Wissenschaftlerin und Unternehmerin Petra Herbst kämpft sie mal als Hobby-Wissenschaftlerin, mal als Agentin unter Wüstensonne. Allmählich erschließt sich, was die Kugeln eigentlich hätten sein, wie sie hätten funktionieren sollen. Wer unbedingt über Miss- und Gebrauch von fortschrittlichen Entdeckungen philosophieren möchte, dürfte in diesem Buch ein auf die Spitze getriebenes Beispiel entdecken. Aber auch über Macht, künstliche Intelligenz, Leben und was man so als menschlich ansehen sollte, lässt sich gut diskutieren. Bei allem, was in dem Roman passiert, sind die Übergänge zwischen wissenschaftlich anmutenden Elementen und der dahinter lauernden Spannung fließend – bis hin zum Grauen. Dass Marie trotz einer gewissen Leichtfertigkeit so viele kritische Situationen letztlich meistert, liegt außer an ihrem Mut auch an ihrer Bereitschaft, Ungewöhnliches tolerant anzunehmen.”

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    Sieben Kugeln zum Turm der Testuden
    Gunda

    Gunda

    25. July 2014 um 18:42

    Nachdem ich das Buch „Gemeinschaft der Glückssüchtigen“ des Autors Slov ant Gali geschenkt bekommen und verschlungen hatte, erwartete ich bei seinem nächsten Werk eine ähnliche politische Thematik, wurde aber dahingehend überrascht, dass „Sieben Kugeln zum Turm der Testuden“ in erster Linie ein Science-Fiction-Roman ist und zwar einer, den ich als Erwachsene ebenso gern gelesen habe wie mein halbwüchsiger Sohn. Die Handlung des Romans ist zeitlich zweigeteilt. Sie beginnt mit dem Fund von sieben Kugeln, die eine Gruppe von Kindern unter sich aufteilt mit dem Schwur, dadurch einen „Bund fürs Leben“ einzugehen. Mehr oder weniger unfreiwillig tun sie das tatsächlich, was sich einigen von ihnen aber erst erschließt, als sie längst erwachsen sind. Dies ist der Zeitraum, in dem der zweite Teil der Geschichte spielt, festgemacht an der Heldin Marie Kutasi, knapp 16 Jahre alt und immer ein bisschen anders, ein bisschen verrückter als andere. Mit Spannung verfolgt der Leser, wie sie mit den teilweise Katastrophen auslösenden Kräften ausgeht, die den nach Jahren wieder aufgetauchten Kugeln entstammen, und wie sie es schafft, gemeinsam mit ihrer Freundin Julia, vor allem aber mit Jens Marder und Sonja Zarge, zwei der sieben Kugelbesitzer, und deren „Klonies“ die eigentliche Bedeutung der Kugeln zu entschlüsseln und sie letztlich ihrer wahren Bestimmung zuzuführen. Petra Herbst, verkannte geniale Unternehmerin und Wissenschaftlerin, entpuppt sich als machtversessene Gegenspielerin. Sie schafft es, mithilfe ihres kongenialen Forschungskollegen die Kräfte der fremden Kugeln zu beherrschen und für sich arbeiten zu lassen und so zu ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung zu gelangen. Der Umgang der Menschen untereinander, sobald diese ihren Lebenszweck alleine in der Vergrößerung ihres Vermögens sehen, macht ein weiteres, nicht weniger packendes Element der Handlung aus. Und hier schloss sich für mich wieder der Kreis: So ganz kann der Autor auch in diesem Buch seine politischen Ansichten nicht verleugnen – und das ist auch gut so. Als hilfreich habe ich empfunden, dass Slov ant Gali mit „Wikikuglia“ eine Art Lexikon im Internet zur Verfügung stellt, in dem man nicht nur Leseproben findet, sondern auch die eine oder andere Verknüpfung zwischen den Protagonisten „nachschlagen“ kann. Fazit: Ein sehr fesselndes und intensiv geschriebenes Buch.

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  • Wenn unbekannte Kräfte entfesselt werden und wenn sie missbraucht werden

    Sieben Kugeln zum Turm der Testuden
    RogerSuffo

    RogerSuffo

    06. May 2014 um 12:04

    Wer hat nicht schon einmal aufgeschrien: Was habe ich da nur angerichtet? Als die Kinder um Rahman jene leichten harten Kugeln zu ihren „Schwurkugeln“ erklären, ahnen sie nicht, dass das das Vorspiel zu einem Grauen ist, dem nicht nur Berlin zum Opfer fällt. Als Leser packte mich das Unheimliche ganz allmählich. Kein oberflächliches Splatterzeug, sondern immer neu Bangen in scheinbaren Idyllen, was denn nun DAS wieder bedeutet. Die Halluzination mit Hornissen wird im Wechsel mit einer modernen Horrorvision vom entfesselten Brei erzählt. Warum? Als Vielleser ahnt man, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. Der besonderen Bedeutung des Vorspiels ist geschuldet, dass die Hauptfigur erst später in Erscheinung tritt: Eine renitente Schülerin einer 10. Klasse in Eberswalde. Die ist mir wahrscheinlich deshalb so sympathisch, weil sie keine Moden mitmacht sondern welche macht – und sei es aus reinem Widerspruchsgeist. Und wenn sie wieder einmal ein Chaos verursacht hat, sagt sie „Ist ja nichts passiert!“ dazu. Insofern eignet sie sich nur bedingt zum Vorbild für den verantwortungsbewussten, strebsamen Jugendlichen. Aber sie kämpft: Als sie mit dem bevorstehenden Tod rechnet, will sie zumindest etwas tun, auch wenn sie wie alle anderen nicht weiß was, als sie sich einer entfesselten Supermacht gegenüber weiß, versucht sie scheinbar Unmögliches und spielt Superagentin. Übrigens finde ich auch die Lehrerin Sonja interessant. Eigentlich scheitert sie immer wieder. Sie will das Beste, aber wenn es dann praktisch wird, gibt sie höchstens ungewollt der Powerfrau Petra den entscheidenden Tipp, wie sie sowohl die Welt rettet als auch ihr eigenes Imperium aufbaut. Ja, die Frauen kommen insgesamt sowieso besser weg. Viele SF-Romane kosten eine Grundidee des Autors bis zur Neige aus, machen aus ihr unmöglichst viele Buchseiten – Slov ant Gali reiht dagegen verschiedenartige Ideen aneinander, dass man selten zu Atem kommt. Und nach dem Durchlesen merkte ich überrascht, dass sehr viele „Was wäre wenn, ...“ durchgespielt worden sind. Ein Wermutstropfen: Die, die die Kugeln den Menschen geschickt haben, bleiben bis zum Schluss konturlos. Man muss sich an das halten, was sie aus und mit den Menschen machen, die mit ihnen in Berührung kommen.

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