Soazig Aaron

 4 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor*in von Klaras Nein und Klaras Nein.

Lebenslauf

Soazig Aaron, 1949 in Rennes geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Geschichte einige Jahre in einer Pariser Buchhandlung. Klaras Nein ist ihr erstes Buch. Als Historikerin hat sie Berichte von Überlebenden der Konzentrationslager gelesen, schrieb den Roman aber ohne persönliche Bezugnahmen. Sie lebt in der Bretagne.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Soazig Aaron

Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783442733682)

Klaras Nein

(25)
Erschienen am 17.10.2005
Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783751880459)

Klaras Nein

(0)
Erschienen am 15.01.2026

Neue Rezensionen zu Soazig Aaron

Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783442733682)
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Rezension zu "Klaras Nein" von Soazig Aaron

a_different_look_at_the_book
✎ Soazig Aaron - Klaras Nein

Ich habe bereits einige Werke gelesen, die sich mit dem Holocaust beschäftigen. Meistens findet man Erzählungen von Überlebenden. Oft gibt es Sachbücher über diese schreckliche Zeit. Und immer mehr reihen sich auch fiktive Romane ein. Doch dies ist die erste (erdachte) Geschichte für mich, die sich mit einer Person beschäftigt, die lieber gestorben wäre und auch jetzt nichts mehr von ihrem Leben 'davor' wissen möchte.

Klara sagt Nein. Nein zur deutschen Sprache. Nein zu ihrem Leben vor Auschwitz. Nein zu ihrer dreijährigen Tochter.

Für mich war es erschütternd, zu lesen, dass sie nicht dankbar ist, nicht dankbar sein kann, dass sie überlebt hat. Da gibt es einen kleinen Menschen, der sie braucht und sie lehnt ihn kategorisch ab. Für ein liebendes Elternteil erstmal unvorstellbar - und doch nachvollziehbar.

Wer sind wir, die diese Grausamkeiten nicht erlebt haben, dass wir urteilen dürften? Wer gibt uns das Recht, eine Szene zu bewerten, deren Ausmaß wir selbst nie erlebt haben?

Diese Lektüre zeigt eindringlich, dass es eben nicht nur die glücklichen Rückkehrer gibt, sondern ebenso jene, die mit psychischen (und physischen) Folgen zu kämpfen haben. Auch sie benötigen eine Stimme - und Akzeptanz.

In den Zeilen begegnen uns eine unsagbare Wut und Resignation seitens Klara. Doch ihre Schwägerin möchte die Hoffnung bis zum Schluss nicht aufgeben und so bin ich als Leserin jedes Mal hin und hergerissen zwischen heftigen Gefühlen.

Soazig Aaron hat einen ungewöhnlichen Schreibstil gewählt. Sie lässt nicht Klara erzählen, sondern deren Schwägerin, die ein Tagebuch schreibt. Dadurch ist es keine zusammenhängende Geschichte. Es wird immer wieder unterbrochen. Es fehlen Teile. Wir schauen von Außen auf Klara und bekommen doch eine Ahnung, wie es in ihrem Inneren aussieht. Immer wieder werden Erzählungen von ihr wortwörtlich wiedergegeben, die einem die Gänsehaut über den Körper jagt.

Die Wortgewalt beeindruckt. Dass die Schriftstellerin selbst keine persönlichen Erfahrungen mit der Shoa hat, merkt man "Klaras Nein" nicht an. Es ist authentisch, intensiv und aufrüttelnd.

Für dieses Werk hat die Autorin den Geschwister-Scholl-Preis bekommen. Die Dankesrede wird der Geschichte als Nachwort angefügt.

©2023 a_different_look_at_the_book

Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783442733682)

Rezension zu "Klaras Nein" von Soazig Aaron

Ein LovelyBooks-Nutzer
Rezension zu "Klaras Nein" von Soazig Aaron

Klara hat 29 Monate im Konzentrationslager Auschwitz zugebracht. Ihre Schwägerin schildert im Tagebuchstil ihre Eindrücke nach Klaras (ungewollter) Rückkehr. Klara ist natürlich nicht mehr dieselbe. Sie ist bis auf die Knochen abgemagert, ernst geworden und hat ihr Lachen in Polen gelassen. Den Kontakt zu ihrer Tochter, die nach Klaras Weggang bei einer befreundeten Amme untergekommen ist, möchte sie zu deren Schutz unterbinden; zu schlechter Letzt verlässt sie den Haushalt ihrer Schwägerin, um unter neuem Namen ein neues Leben (???) zu beginnen.
Ich möchte mich bewusst nicht zum Inhalt dieses kleinen Buchs äußern; der Leser wird wissen, das man ohnehin nur eine Meinung dazu haben kann. Es steht für mich außer Frage, dass man Klaras Erfahrungen nicht bewerten kann. Man erfährt, wenn man schon einiges an Lektüre zum Nationalsozialismus kennt, nichts Neues. Daher möchte ich klar herausstellen, dass ich mich nur auf die Textform beziehen werde. ...und die hat mich leider überhaupt nicht überzeugt. Natürlich ist Klaras Botschaft erschütternd, das ist klar. Für mich gibt es aber "Abzüge in der B-Note". Anfangs hielt ich es für spannend, dass eine Unbeteiligte Klaras Rückkehr in Form von Tagebucheinträgen skizziert, grundsätzlich habe ich mit fingierten Tagebüchern jedoch Probleme, da diese Erzählform sich für mich persönlich immer etwas gestelzt und künstlich-steril anhört. Die Einträge versuchten, einen sehr großen Bereich (ein ganzes Leben VOR Auschwitz) in wenige Seiten zu pressen. Der Leser stolpert in eine Momentaufnahme aus Klaras Umfeld hinein, aus der sie allerdings 29 Monate zuvor herausgerissen wurde. Es werden viele Namen genannt, ohne dass man die Personen auch nur ansatzweise kennenlernt oder erfährt, in welcher Beziehung sie zu Klara oder ihrer Schwägerin stehen. Dies ist relativ verwirrend, wenn natürlich auch so gewollt. Das ganze Drumherum störte mich allerdings in höchstem Maße. In dem Zusammenhang hat mich persönlich nicht interessiert, was diese anderen Menschen ausmacht, was sie bewegt und was die Kinder treiben. Sie hätten in ihren Aktionen ebenso gut wegbleiben können. Eine genauere Beobachtung Klaras hätte mir mehr zugesagt. Natürlich erfährt man unheimlich viel von ihr und ihrem "neuen" Sein - der Rest ist meines Erachtens aber überflüssig, zumal die Schwägerin anfangs erklärte, vorher noch nie Tagebuch geschrieben zu haben und sich nun Klara wegen damit beschäftigen wolle. Auch gefällt mir der Erzählstil nicht. Ein Großteil der Einträge ist beinahe ausschließlich in wörtlicher Rede gehalten und gleicht so eher einem "Protokoll". Das Buch lässt sich trotzdem leicht lesen, allerdings sind häufiger Sätze und Satzteile aneinandergereiht, die nicht zueinander gehören. Ab und an ein Semikolon anstelle eines Kommas zu setzen wäre der Lesbarkeit zugute gekommen. Alles in allem kann ich mich sonst immer auf Elke Heidenreichs Empfehlungen verlassen, im Falle von "Klaras Nein" aber leider (aus Gründen der Form, wie ich noch einmal betonen möchte!) nicht.

Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783932109324)
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Rezension zu "Klaras Nein" von Soazig Aaron

sarahkolumbus
Rezension zu "Klaras Nein" von Soazig Aaron

Im Juli 1945 kehrt Klara nach 29 Monaten Auschwitz mit den letzten Überlebenden zurück nach Frankreich. Fragmenthaft schildert "Lika", Klaras Schwägerin, Klaras Rückkehr in ihrem Tagebuch.
Klara ist nicht Dieselbe. Sie ist abgemagert, nur noch Haut und Knochen, ihre Haare hat sie kurzgeschoren und ihre Augen sind leer. Sie ist ungeniert und gleichgültig.
"Klara ist zurückgekehrt, aber nicht zu uns", schreibt Lika, die sich verloren fühlt, nicht weiß, wie sie sich Klara gegenüber verhalten soll. Was sagt man Jemanden nach drei Jahren Auschwitz? Wo soll man anfangen?
Klara verschanzt sich in Ablehnung. Klaras Nein ist ein Nein zur deutschen Sprache und zu Europa. " Die Deutschen, Opfer und Peiniger, müssen in dieser Mundart reden, die Wörter besänftigen, die gebellt haben, zulassen, das Wort 'schnell' zu sagen und zu hören, ohne um ihre Haut zu fürchten oder das Leben eines anderen zu bedrohen... Das ist der Grund, warum ich eine andere Sprache brauche, ein anders Land, andere Landschaften, Orte, eine lange Zeit, die mich in nichts an Europa erinnern könnte." Und so verweigert Klara die deutsche Sprache."Welcher Glaube an die Sprache, um so tief von ihr enttäuscht zu sein..."
Klara sagt außerdem Nein zu ihrer Tochter Victoire, die sie nicht wieder sehen will. Im Konzentrationslager hat Klara einen Jungen - Uli - kennengelernt, den sie vergeblich versucht hat, zu retten. Und nun hat sie für ihre eigene dreijährige Tochter Victoire nicht mehr genug Liebe zu geben.
" Sicher bedarf es einer außergewöhnlichen Liebeskraft. Ich war arm. Ich habe gegeben und gegeben, danach habe ich gekratzt, die restlichen Krümel zusammengekratzt, aber es muß wohl so sein, daß ich nicht viel hatte, jedenfalls nicht genug, um einen kleinen Jungen zu halten, und jetzt habe ich nichts mehr."
Nur langsam und nach Bitten von Lika erzählt Klara von Auschwitz. Nüchtern, fast schon emotionslos. Und zwischendurch immer wieder Schweigen. Klaras innere Stille. Ihre "seelenruhige Arroganz". Ihr Erstarren nach Auschwitz. Erschütternd sind die Unmenschlichkeiten, von denen Klara erzählt, schockierend, wie absurd.
So erzählt sie: " (... )am Tag zuvor hatten sie einen Transport in Empfang genommen...als sie die Türen öffneten, kam niemand heraus. Man stelle sich vor...siebenundzwanzig Tage und Nächte... zusammengepfercht ohne zu trinken, ohne zu essen. Man stelle sich vor... der Zugführer war ganz lebendig. Er war noch ein Mensch bei der Ankunft. Wie soll man verstehen.."
Soazig Aaron zeigt mit ihrem Debütroman, dass ein paar Worte manchmal mehr wert sein können, als tausend Bilder und dass Literatur mehr als Erfahrung wiederspiegeln kann.
Am Ende bringt Lika die Thematik treffend auf den Punkt:
"All diese Seiten waren schwer zu schreiben. Aber wie erst zu leben..."

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