Sofi Oksanen

 4 Sterne bei 221 Bewertungen
Autor von Fegefeuer, Hundepark und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sofi Oksanen

Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Ihr dritter Roman, »Fegefeuer«, war monatelang Nummer eins der finnischen Bestsellerliste und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Finlandia-Preis, dem Literaturpreis des Nordischen Rates und dem Prix Femina. Der Roman erschien in über vierzig Ländern und machte die Autorin auch in Deutschland zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der internationalen Gegenwartsliteratur. Sofi Oksanen lebt in Helsinki.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Baby Jane (ISBN: 9783462004090)

Baby Jane

Erscheint am 12.01.2023 als Gebundenes Buch bei Kiepenheuer & Witsch.

Alle Bücher von Sofi Oksanen

Cover des Buches Fegefeuer (ISBN: 9783442713042)

Fegefeuer

 (109)
Erschienen am 09.11.2015
Cover des Buches Hundepark (ISBN: 9783462000115)

Hundepark

 (41)
Erschienen am 13.01.2022
Cover des Buches Stalins Kühe (ISBN: 9783442743643)

Stalins Kühe

 (25)
Erschienen am 10.02.2014
Cover des Buches Als die Tauben verschwanden (ISBN: 9783442749126)

Als die Tauben verschwanden

 (23)
Erschienen am 08.03.2016
Cover des Buches Die Sache mit Norma (ISBN: 9783442715039)

Die Sache mit Norma

 (7)
Erschienen am 14.01.2019
Cover des Buches Baby Jane (ISBN: 9783462004090)

Baby Jane

 (0)
Erscheint am 12.01.2023
Cover des Buches Fegefeuer (ISBN: 9783869091174)

Fegefeuer

 (5)
Erschienen am 01.08.2012
Cover des Buches Als die Tauben verschwanden (ISBN: 9783844910100)

Als die Tauben verschwanden

 (4)
Erschienen am 08.08.2014

Neue Rezensionen zu Sofi Oksanen

Cover des Buches Hundepark (ISBN: 9783462000115)
Belladonnas avatar

Rezension zu "Hundepark" von Sofi Oksanen

Ein durchdringender Roman über das ukrainische Geschäft mit dem Kinderwunsch, brillant erzählt und spannend wie ein Thriller.
Belladonnavor 19 Tagen

Beschreibung

In einem Hundepark in Helsinki sitzt Olenka auf einer Bank und beobachtet heimlich eine Familie, doch sie bleibt nicht unbemerkt, denn neben ihr lässt sich eine Frau nieder, die ihr durchaus bekannt ist. Daria stammt aus Olenkas Vergangenheit, einst waren sie Freundinnen, doch nun befürchtet Olenka die Rache des Mädchens, dessen Leben sie einst zerstörte. Eines vereint die Frauen jedoch immer noch, ihre Kinder im Park, die von ihrer Existenz nichts ahnen…

Meine Meinung

Der Markt mit der Leihmutterschaft in der Ukraine kommt reichen europäischen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch zupass. Doch wie geht es den Frauen, die vom lukrativen Business mit den Eizellenspenden ausgebeutet werden? Welch gefährliche Lebensverhältnisse prägen sie? Diesen Fragen geht Sofi Oskanen in ihrem erschütternden Roman »Hundepark« nach.

Olenka war selbst Spenderin, hat sich mit ihrem zielstrebigen Pragmatismus in der Karriereleiter jedoch schnell nach oben gekämpft und dennoch alles verloren. Vor ihrer Vergangenheit in der Ukraine ist Olenka mit falschen Papieren nach Finnland geflohen, wo sie sich als Putzfrau durchschlägt, doch schon bald holen sie die Ereignisse ein.

In geschickt gewählten Sequenzen lässt Sofi Oksanen die Puzzleteilchen aus der Vergangenheit der 1990er und frühen 2000er Jahre ins Blickfeld der Leserinnen und Leser geraten und zusammen mit dem gegenwärtigen Erzählstrang aus dem Jahre 2016 ergibt sich nach und nach ein brisantes Bild mit nervenaufreibenden Thriller-Vibes. Spannung und emotional ergreifende Achterbahnfahrt inbegriffen.

Der brillante Erzählstil von Sofi Oksanen beeindruckt und fordert heraus, eine Geschichte zum hineindenken und mitfiebern. Auch wenn man sich über eine lange Zeit die Frage stellt, wem Olenka als Ich-Erzählerin ihre Story erzählt – schließlich fällt auch dieses Puzzlestück an seinen Platz.

Erschüttert hat mich das Geschäft der osteuropäischen Fruchtbarkeitsindustrie, welches für die ukrainischen Frauen Fluch und Segen zugleich bedeutet und in Olenka versinnbildlicht wird. Die Armut und Perspektivlosigkeit treiben Olenka auf diesen Pfad, nachdem sie einen Modeljob in den Sand setzte und ihre Familie vor einer Abhängigkeit der Opium-Bosse schützen will. Sie ist eine der Frauen, die aus ihrer Not heraus die dargebotene Möglichkeit annehmen. Daria zählt auch zu diesen Frauen, doch sie konnte sich nicht aus den Fängen der Eizellspenderinnen-Maschinerie befreien. Zwei Frauen, körperlich wie auch psychisch ausgebeutet von einem unmoralischen System.

»Hundepark« ist keine leichte Lektüre, es fordert den Leser heraus, sich den politischen und soziokulturellen Unterschieden zwischen Ost und West zu stellen. Ein brisanter Thriller, der gerne noch etwas ausführlicher zum Thema Leihmutterschaft hätte ausfallen dürfen. Mein Interesse bezüglich der östlichen Gesellschaft konnte Sofi Oksanen jedoch wecken, sodass ich gerne noch mehr aus diesem Bereich lesen möchte.

Fazit

Ein durchdringender Roman über das ukrainische Geschäft mit dem Kinderwunsch, brillant erzählt und spannend wie ein Thriller.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 24.03.2022

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Cover des Buches Hundepark (ISBN: 9783462000115)
Corisos avatar

Rezension zu "Hundepark" von Sofi Oksanen

Das Geschäft mit Frauen und Babys
Corisovor einem Monat

Sofi Oksanen erzählt in Hundepark die Geschichte von Olenka und bearbeitet an deren Biographie den Zusammenbruch der UdSSR, das ärmliche Leben in der Ukraine, den illegalen Anbau von Opium, den ebenso illegalen Abbau von Kohle und der großen Sehnsucht aus sehr armen Verhältnissen herauszukommen. Das zentrale Thema ist die Leihmutterschaft in der Ukraine.

Hier entsteht die Schnittmenge mit dem Westen und das ausbeuterische Geschäft mit den Frauen. In der Ukraine ist Leihmutterschaft legal und auch aktuell ein lukratives Geschäft. Wer hierzulande 50 000 Euro hinblättert, kann sich in der Ukraine ein Kind austragen lassen, wer noch mehr investiert, kann sogar das Geschlecht bestimmen. Aus welcher Motivation sich ukrainische Frauen für dieses Art von Arbeit hergeben, ist am Leben von Olenka und dem ihrer Familie exemplarisch aufgezeigt. Auch welche seelischen Spuren das langfristig hinterlässt und wie manipulativ die Strukturen sind.

Für den Mut dieses hoch aktuelle Thema zur jetzigen Zeit in einen Roman zu packen hat Sofie Oksanen 5 Sterne verdient. Mühe hatte ich allerdings zum Teil mit dem Schreibstil (vielleicht ist es auch die Übersetzung) und mit der Person Olenka, die mir nie wirklich sympathisch war. Vermutlich ist das auch nicht erforderlich, es hätte aber meine emotionale Beteiligung beim Lesen gefördert. 

Belastend fand ich tatsächlich die aktuelle politische Situation und die Bilder, die ich durch die Medien aus der Ukraine im Kopf hatte. Das macht eben deutlich, dass obwohl das Buch eine Fiktion ist, es doch einen sehr hohen Realtätsbezug hat. Und das macht wütend und ohnmächtig. 

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Cover des Buches Stalins Kühe (ISBN: 9783442743643)
schnaeppchenjaegerins avatar

Rezension zu "Stalins Kühe" von Sofi Oksanen

Roman über drei Generationen von Frauen mit estnischen Wurzeln - beklemmend und ohne Lichtblicke. Kein Handlungsstrang führt zu einem befriedigenden Ende und jeder bleibt unschlüssig offen.
schnaeppchenjaegerinvor 2 Monaten

Anna leidet unter anorektischen und bulimischen Schüben. Die Essstörung - der selbstbezeichnete Herr - bestimmt ihr Leben. Ihre Gedanken kreisen ständig ums Essen, um sichere und gefährliche Lebensmittel und ihre Bemühungen, ihre Essorgien zu verstecken. Sie ist unfähig, Beziehungen zu führen und Nähe zuzulassen. Auch eine Therapie hilft ihr nicht weiter. Sie greift zusätzlich noch zu Psychopharmaka und Speed um vorgeblich die Kontrolle zu behalten. Ihr Leben ist ein Versteckspiel, das vom Verhalten ihrer Mutter geprägt ist. Diese ist Estin, die in den 1970er-Jahren einen Finnen geheiratet hat und zu ihm nach Helsinki gezogen ist. Dort erlebt sie, wie Estinnen pauschal als Huren verunglimpft werden und möchte dieses Schicksal ihrer Tochter nicht zumuten. Anna ist deshalb gezwungen, ihre Herkunft zu verleugnen und die "typische Finnin" zu mimen. 

Neben der Geschichte von Mutter und Tochter gibt es Rückblenden in die 1940er-Jahre und das Leben der Großmutter, das von Angst und Schrecken vor russischer Willkür geprägt war. 


"Stalins Kühe" ist ein Roman über drei Generationen von Frauen, wobei Annas Schicksal im Vordergrund steht. Daneben erfährt man mehr über die Geschichte Estlands und insbesondere seine Beziehungen zu Finnland und Russland. 

Die Geschichte wechselt zwischen den Erzählebenen der 1940er/ 1950er-Jahre, der 1970er-Jahre und der Gegenwart, dem Erwachsenwerden von Anna. Die Szenenwechsel erfolgen schon nach wenigen Seiten, so dass es schwerfällt, sich in die jeweilige Zeit hineinzufinden. Insbesondere die doch sehr komplexe Geschichte der Großeltern um das Versteckspiel der Waldbrüder nach dem Zweiten Weltkrieg und Verschleppungen nach Sibirien leidet unter der Kürze der Kapitel. Es sind einzelne Fragmentstücke eines Lebens und zahlreiche Protagonisten, die in einen Zusammenhang gebracht werden müssen. 

Weit eindrücklicher sind die Szenen aus dem Leben von Anna, die sich von ihrem "Herr" bestimmen lässt und von Katariina, die als Estin unter dem Russenhass der Finnen leidet und niemandem über den Weg traut. Gerade der Haupterzählstrang um Anna ist sehr anschaulich dargestellt. Es fällt erschreckend leicht, sich in ihre Denkweise hineinzuversetzen und eine Erklärung dafür zu finden, warum sie ihre personifizierte Essstörung nicht aufgeben kann, lieber andere Menschen vor den Kopf stößt und in lockere Sexbekanntschaften flieht. Das Buch erschöpft sich dabei ein wenig zu sehr in Annas Gedankenwelt, ist dadurch revolvierend und lässt die Handlung, die keine Lichtblicke bietet, auf der Stelle treten. Kein Handlungsstrang führt zu einem befriedigenden Ende und bleibt unschlüssig offen.

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