Sofi Oksanen

 4.1 Sterne bei 145 Bewertungen
Autor von Fegefeuer, Stalins Kühe und weiteren Büchern.

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Die Sache mit Norma

 (2)
Erscheint am 14.01.2019 als Taschenbuch bei btb.

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Fegefeuer

Fegefeuer

 (94)
Erschienen am 12.03.2012
Stalins Kühe

Stalins Kühe

 (21)
Erschienen am 10.02.2014
Als die Tauben verschwanden

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Erschienen am 08.03.2016
Die Sache mit Norma

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Erschienen am 14.01.2019
Fegefeuer

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Erschienen am 13.08.2010
Als die Tauben verschwanden

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Erschienen am 08.08.2014
Stalins Kühe

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 (2)
Erschienen am 23.08.2012
Fegefeuer

Fegefeuer

 (1)
Erschienen am 01.04.2014

Neue Rezensionen zu Sofi Oksanen

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A

Rezension zu "Fegefeuer" von Sofi Oksanen

Fegefeuer
Angel10vor 3 Monaten

- Estland
- Familiengeheimnis, Schuld und Sühne
- Totalitarismu

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awogflis avatar

Rezension zu "Fegefeuer" von Sofi Oksanen

Estnisch-Russisch-Deutsche Spirale der Gewalt
awogflivor 4 Monaten

Durch meine diesjährige Autorinnenchallenge, in der ich in 13 Monaten 26 Bücher von Autorinnen mit dem Familiennamen A-Z lese (Details dazu hier), habe ich mich aus meiner bisherigen Komfortzone herausbegeben und möchte Euch nun zum relativ exotischen Buchstaben O die finnische Autorin Sofi Oksanen mit diesem Roman wärmstens ans Herz legen.

Im Jahr 1992 findet die Protagonistin Aliide auf ihrem estnischen Bauernhof ein junges geflüchtetes verletztes Mädchen namens Zara, das sich allmählich als Enkelin ihrer Schwester entpuppt. Nach und nach erhält der/die Leser*in Einblick in das Familiendrama, das dafür verantwortlich ist, dass die Verwandten auseinandergerissen wurden und sich gar nicht kennen. Daraus webt die Autorin ein beispielloses Drama aus Terror, Angst, Schuld, Opfer -Täterumkehr und Sühne, in dem die Figuren derart vielschichtig denken handeln und fühlen, dass es eine Freude ist.

Die Geschichte kommt zwar durch die zahlreichen sprunghaften Rückblenden in unterschiedliche Jahre etwas gemächlich in Schwung, aber spätestens bei der Hälfte der Strecke hatte sie mich so gepackt, dass sie mich überhaupt nicht mehr losließ.

Zu Beginn war es für mich gruselig, dass die Zivilbevölkerung 1992 während des russischen Umbruchs in den baltischen Staaten auch extrem von Angst, Mangelwirtschaft, Terror und Vergeltungsmaßnahmen geplagt war. Fast schien es so, als würde sich die sehr bewegte Geschichte Estlands während des 2. Weltkrieges wiederholen, in der die zuvor autonome estnische Bevölkerung permanent abwechselnd von deutschen und russischen Soldaten okkupiert und drangsaliert wurde.

Nach den Rückblenden in die Jahre 1936-1952 kommt das ganze Ausmaß der Schuld der Protagonistin Aliide ans Tageslicht. Selbst als junges Mädchen ein Opfer von Vergeltungsmaßnahmen und Vergewaltigung richtet sie aus Scham, Trotz, Eifersucht, Angst und über Leichen gehenden Überlebenswillen ihre ganze Familie zu Grunde. Unglaublich was geschundene Menschen in Ausnahmesituationen ihren eigenen geliebten Verwandten antun können, dies auch noch rechtfertigen, sich als Opfer mit den Tätern verbünden und damit selbst zu einer der widerlichsten und gleichzeitig armseligsten, erbarmungswürdigsten Form von Tätern werden. Wenn im Krieg der Firnis der Zivilisation abbröckelt, ist vieles, das vorher unvorstellbar war, plötzlich möglich.

Auch die Geschichte des Jahres 1991 mit der Großnichte Zara ist ganz schön starker Tobak. Von Mädchenhändlern in Wladiwostok akquiriert und mit angeblich ehrlicher Arbeit im Westen in die Zwangsprostitution gelockt, erlebt auch dieses Familienmitglied den absoluten Horror in der Spirale der Gewalt und Unterwerfung.

Beide Frauen misstrauen, belauern und unterstützen sich gleichzeitig gegenseitig, die Stimmung des Romans ist sehr von Angst, Misstrauen, Geheimnissen, lapidarer und massiver Gewalt geprägt. Letztendlich tilgt jedoch Aliide ihre Schuld der Vergangenheit und es kommt fast so etwas wie ein furioses trauriges Ende mit vielen Leichen zustande, das aber dennoch irgendwie als positiv bezeichnet werden kann, da sowohl die letzten übriggebliebenen „Bösen“ als auch jene sterben, für die sowieso jegliche Rettung nicht mehr möglich und vergeudet ist.

Die Figuren sind alle sehr komplex und vielschichtig gezeichnet. Kaum einer ist nur gut oder böse, Opfer oder Täter, sondern es werden menschliche Abgründe in Extremsituationen dargestellt. Gleichzeitig wird sehr viel Geschichte aus diesem kleinen baltischen Staat namens Estland vermittelt, von dem ich bisher auf jeden Fall viel zu wenig wusste. So, nun beiße ich mir aber auf die Zunge und höre auf zu schwärmen und zu spoilern, damit Ihr Euch von der Geschichte überraschen lassen könnt, und glaubt mir, da gibt es noch so einige unerwartete Wendungen und Überraschungen.

Fazit: Eine absolute Leseempfehlung von mir für diesen packenden, brutal realistischen, preisgekrönten Frauen-Roman. Er erfordert aber zu Beginn ein bisschen Durchhaltevermögen, also bitte nicht zu schnell aufgeben.

Kommentare: 2
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sursulapitschis avatar

Rezension zu "Fegefeuer" von Sofi Oksanen

Große Kunst
sursulapitschivor einem Jahr

Dieses Buch fesselt direkt, dabei geht es zunächst nur darum, wie Aliide Fliegen fängt. Sofi Oksanen schafft es, auch banalste Begebenheiten spannend zu schildern. Dabei liegt eine tiefe Melancholie in den Zeilen gewürzt mit einer gelegentlichen Prise schwarzem Humor.

Aliide ist alt, verbittert und lebt alleine auf dem Bauernhof der Familie am Rande eines Dorfes im tiefsten Estland. Es ist 1992, Estland ist frei von der russischen Vorherrschaft, aber das Leben ist nicht wirklich besser. Aliide kocht ihr Gemüse ein und kommt zurecht, hat aber eigentlich schon mit ihrem Leben abgeschlossen.
Als sie eine junge Frau in ihrem Garten findet ist sie gezwungen, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Zara ist auf der Flucht und verletzt.
Etwas verbindet diese beiden Frauen und der Schlüssel dazu liegt in der Vergangenheit.

Nach und nach wird hier eine Familiengeschichte präsentiert, die gleichzeitig die Geschichte Estlands zeigt. Und langsam versteht man dann, warum die beiden sind wie sie sind, auch wenn sie zunächst eher befremdlich wirkten.
1936, als junges Mädchen, verliebte sich Aliide in Hans, der aber nur Augen für ihre Schwester hatte. In ihr Dorf marschierten erst die Deutschen und dann die Russen ein und jedes Mal musste sich die Bevölkerung damit arrangieren, erst brave Patrioten und dann treue Sozialisten sein, bis sie fast vergessen hatten, was Estländer ausmacht.
Zwischendurch erfährt man, was Zara zugestoßen ist. Die Handlung springt hin und her bis man ein erschütterndes Bild erhält. Beide Frauen mussten Schreckliches erleiden und versuchten sich nach Kräften zu wehren.

Der Schreibstil ist erlesen einfach und zaubert durch höchst originelle Vergleiche Atmosphäre. Aliide hat viel durchgemacht und auch Zara ist verzweifelt. Dieses Buch spricht von Leid in jeder Zeile und zu allen Zeiten. Ich musste beim Lesen öfter Pausen einlegen, manchmal kann man es kaum aushalten.

Ich bin höchst beeindruckt von diesem Buch. Das Lesen macht Freude, selbst wenn das Geschehen grauenhaft ist, gleichzeitig erschüttert es zutiefst. Es zeigt das Schicksal von Frauen in einem Willkürregime auf ganz eigene Art, voll tiefer Gefühle und Verzweiflung, aber ohne den leisesten Anflug von Rührseligkeit. Das ist große Kunst und ein großartiges Buch.

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