Sofi Oksanen Als die Tauben verschwanden

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Inhaltsangabe zu „Als die Tauben verschwanden“ von Sofi Oksanen

Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen.

anspruchsvolles Thema gut umgesetzt in bildhafter Sprache

— wiebeke

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  • Verwirrendes Spiel in Estland zur Zeit der deutschen Besetzung und der Jahre danach

    Als die Tauben verschwanden

    Mrs_Nanny_Ogg

    19. January 2015 um 09:36

    Sofi Oksanens Roman wurde als literarische Sensation des Jahres bezeichnet. Deswegen und vor allem auch wegen des interessanten Schauplatzes Estland wollte ich dieses Buch unbedingt lesen. Die Handlung wird aus den Perspektiven der drei Protagonisten Edgar, Juudit und Roland erzählt, dabei springt sie sehr oft hin und her und auch zeitlich bewegen wir uns einmal zur Zeit des zweiten Weltkrieges 1942/43 und dann Anfang der 60er Jahre. Alle drei Hauptprotagonisten sind nicht gerade Sympathieträger. Das allein wäre für das Lesen des Buches kein Problem, doch bleiben sie meiner Meinung nach in ihrer Ausarbeitung ziemlich wage. Die Handlung wäre spannender, wenn sie nicht immer zwischen den beiden zeitlichen Handlungszeiträumen hin und her spränge. So wissen wir schon einiges was passiert, wenn wir in Estland während des zweiten Weltkrieges noch einigermaßen gespannt hätten sein können, wie sich die Geschichte entwickelt. Roland glaubt an die Befreiung Estlands, einmal von den russischen Besatzern, später von den nationalsozialistischen "Befreiern". Er hält sich im Wald versteckt und  versucht von dort aus, das Machtregime zu zerstören. Edgar, unglücklich verheiratet mit Juudit, versucht als Opportunist sich über die deutschen Militärs nach oben zu arbeiten, ohne Rücksicht auf seine estnischen Landsleute, die er ohne zu zögern verrät. Juudit verliebt sich während Edgars Abwesenheit ausgerechnet in einen hohen deutschen Offizier. Gerade über diesen plant Edgar seinen Aufstieg nach ganz oben. 20 Jahre später entdecken wir Edgar wieder auf seinem Weg nach oben, diesmal im Machtgefüge der sozialistischen Besatzer. Und er will seine Mitwisser von damals aus dem Weg räumen. Ich bin enttäuscht von diesem Roman. Ich habe zwar einiges über Estland erfahren, doch die Geschichte war sehr verwirrend und langatmig angelegt. Schade, eine literatische Sensation ist dies in meinen Augen wahrlich nicht!

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  • Ein Wendehals erster Güte

    Als die Tauben verschwanden

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    ist der Este Edgar Parts, der das Fähnchen stets nach dem Wind hängt - mal ist er ein aufrechter Este, dann arbeitet er den deutschen nationalsozialistischen Besatzern während des 2. Weltkriegs auf übelste Weise zu, nämlich als Aufseher im KZ, um dann schließlich als aufrechter Genosse dem Sowjetregime zu dienen. Ist das denn so einfach möglich? Nein, natürlich nicht und anders als sein deutscher Seelenverwandter Diederich Heßling - Heinrich Manns Untertan - kommt er auch nicht ganz unbeschadet davon, sondern wird wie so viele seiner Landsleute nach Sibirien verschickt. Aber danach fällt er in seinem Vaterland Estland wieder auf die Füße! Edgar Parts kennt im wahrsten Sinne des Wortes keine Verwandten - selbst seine durchaus verehrte Ziehmutter wird von ihm ausgenutzt, sein Cousin Roland, ein wahrhaft aufrechter Este, der an seiner Überzeugung verzweifelt und seine Frau Juudit, deren zeitweiliges kleines privates Glück sich als überaus vergänglich erweist, sind für ihn nur Mittel zum Zweck. Und leider hat dieser ausgesprochene Unsympath doch immer wieder den richtigen Riecher und leider auch Erfolg mit seinen unlauteren Methoden, die einzig und allein dazu dienen, ihn heil durchkommen und gut dastehen zu lassen. Dicht ist die Handlung in diesem klugen und überaus anspruchsvollen Roman, die Autorin Oksanen hat akribisch recherchiert und stellt den Leser vor zahlreiche Fragen. Die Handlung ist sehr akkurat in den jeweiligen zeitlichen Kontext eingebettet, sowohl Figuren als auch Orte, Ereignisse etc. entsprechen dem jeweiligen Zeitgeist, was durchaus mit sich bringt, dass dem Leser vieles fremd ist. Ich betrachte mich eigentlich als nicht ganz unbeleckt, was die Geschichte Estlands betrifft, doch ist die Autorin derart tief in das große Ganze eingetaucht, dass historisch Reales auch in Form von Nebendarstellern und -schauplätzen detailliert eingearbeitet wurde und das betrifft nicht nur die estnische, sondern gleichermaßen die deutsche und sowjetische, ja, man könnte sagen, die europäische Geschichte. Für mich war dieser Roman außerordentlich bereichernd, da ich das angefügte, in seinen Erläuterungen gelegentlich etwas knapp gehaltene Glossar immer wieder durch eigene Internet-Recherchen ergänzt habe - somit ist mein Bild von den Ereignissen in Nordeuropa während des zweiten Weltkrieges und in den Folgejahren nun um einiges runder. Wer das Angebot der Autorin annimmt und alle Erzählstränge, alle Andeutungen aufgreift, der wird zwar geraume Zeit mit dem Roman zu tun haben, sich aber keinen Augenblick langweilen. Auch ein Verzeichnis der Hauptfiguren ist angefügt, das aus meiner Sicht jedoch ausgesprochen unvollständig ist und dadurch zumindest bei mir für einige Verwirrung gesorgt hat. Zuletzt ein Wort zur Sprache - man könnte meinen, dies sei ein rein historischer Roman, doch ist es auch ein poetisches Werk von hohem literarischen Anspruch, der bis in die Übersetzung hineinreicht. Ein Buch, das aufgrund seiner sehr speziellen Thematik sicher nicht für jeden von Interesse ist, das aber denjenigen, die zu den inhaltlichen Wendungen einen Draht haben, sicher sehr viel bringen wird.

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    • 4
  • Dieser Roman kriecht bis in den letzten Winkel des Nevenkostüms...

    Als die Tauben verschwanden

    Floh

    Gastland Finnland auf der diestjährigen Buchmesse in Frankfurt. Hier gibt es für die Leser außergeöhnliches zu finden und zu entdecken. Ich habe einen weiteren solchen Schatz in den Neuerscheinungen entdeckt. Dieses Buch habe ich im Anschluß an einer ähnlichen Lektüre der gleichen Übersetzerin gelesen und meine Schlüsse gezogen. Und ich muss zugeben: Ja, das ist der Stil des hohen Skandinaviens. Sofi Oksanen hat mir mit "Als die Tauben verschwanden" einen Roman geboten, der mit Gefühl und Fakten Klarheit bringt und mit den Zuständen des 2. Weltkriegs und der Skrupellosigkeit der betroffenen Menschen in Finnland und Estland wie ein unvergesslicher Thriller wirkt. Diesen Roman liest man nicht, nein, man durchlebt ihn von Anfang bis Ende. Von der Thematik, von der Handlung, Umsetzung und vom Sprachbild keine leichte Kost, aber ein ganz besonderes intensives Lesegefühl, was lange nachhallt. Erschienen im KiWi Verlag (http://www.kiwi-verlag.de/) Sofi Oksanen wird in Finnland bereits als eine Art Popstar gefeiert, auch hier in Deutschland konnte sie sich bereits mit ihren Veröffentlichungen "Stalins Kühe" und "Fegefeuer" einen Rang verdienen. Mit "Als die Tauben verschwanden" erhält ihr Roman zur aktuellen Ukraine-Krise noch einmal eine ganz andere erweckende Bedeutung. Inhalt / Beschreibung: "Der Roman folgt dem Schicksal dreier Esten während des Zweiten Weltkriegs und danach: Roland, einem prinzipientreuen estnischen Freiheitskämpfer, seinem machthungrigen, skrupellosen Cousin Edgar und dessen Frau Juudit, die sich in einen deutschen Offizier verliebt. Ein meisterhaft komponierter Roman über Machtstreben, Liebe und Verrat. Estland zur Zeit der deutschen Besatzung: Während sich Roland versteckt hält, weil er immer noch an die estnische Befreiung glaubt, versucht Edgar ins Zentrum der Machthaber vorzustoßen. Seine Frau Juudit verliebt sich in einen hohen deutschen Offizier, nicht ahnend, dass ihr Mann über genau diesen Offizier die Karriereleiter emporklettern möchte. Nach dem Krieg werden die Karten neu gemischt, Estland steht unter der Besatzung der Sowjets, und wieder ist es Edgar, der hofft, seiner Vergangenheit zum Trotz auch bei den Kommunisten eine herausragende Rolle zu spielen. Intrigen und Legenden, Verrat und Heimtücke, Liebe und Familie – Sofi Oksanen hat einen Roman geschrieben, der sich durch die meisterliche Konstruktion wie ein Thriller liest und dessen Figuren, allen voran Edgar, man nicht mehr vergisst. Die internationale literarische Sensation des Jahres." Handlung: Wir lernen zunächst die drei Hauptcharaktere kennen, Edgar, Juudit und Roland, kurz vor der deutschen Belagerung als Estlands im Jahr 1941. Edgar und Roland sind Cousins und sind beide dem Einsatz an der Front entkommen, da sie in Spionage ausgebildet wurden. Doch Edgars und Roland Wege trennen sich schon bald, obwohl das Gefühl von Verrat und Enttäuschung länger währt. Roland kämpft für sein Heimatland Estland, wo hingegen Edgar sich an die Fersen der Deutschen heftet. Edgar verändert sich rasant, seine Missionen zeichnen ihn sehr, auch seine Frau Juudit leidet mehr und mehr unter dem Fanatismus ihres Mannes Edgar. Sie fühlt sich oft allein und zurückgestellt. Dann trifft sie auf dem deutschen Offizier Hellmut Hertz. Juudit verliert ihr Herz an Hetz und blockiert damit die Zukunft Edgars, der mit Hilfe von Hertz einer von ganz Oben werden sollte. Aber es ist nicht nur Juudits Verschulden, dass sich Edgars Blatt radikal wenden, nein, hier gab es ein ganz anderes Missgeschick, welchen den Akteuren nun zum bedrohlichen Verhängnis wird.... Schreibstil: Sofi Oksanen erzählt die Geschehnisse rund um Krieg, Verrat, Furcht, Korruption, Machtwechsel und Egoismus in einem Erzählton, der so in dieser Art und Weise von mir als Leserin noch nie vernommen und genossen wurde. Oksanen schreibt in einer weitgehend überzeugenden Mischung aus Nüchternheit und originell aufblitzenden Bildern. Sie bildet eine Poesie, die es den Lesern frei stellt, Bilder zu erzeugen und Zusammenhänge zu knüpfen. Hierran sollte man sich erst gewöhnen ehe man sich auf diesen Roman mit Zügen eines Thrillers voll und ganz einlassen kann. Oksanen versucht in die Rollen der Protagonisten zu schlüpfen, nimmt deren Part im Roman ein und das Lesen wird so zu einer Revue. Autorin Sofi Oksanen will mit Ihren Romanen etwas erreichen, es geht ihr nicht ausschließlich darum, Spannungsliteratur zu schreiben, nein, sie will aufklären, wachrütteln und Zustände an den Leser bringen. Sie will Fragen beantworten, sie will Dinge verstehen, sie will das Gefühl der Zeiten und Zustände unter dem Druck der Diktatur und des Krieges an die Oberfläche holen, das versucht sie durch ihre Gefühls- und Ausnahmezustände, die die Charaktere in ihrem Roman auszeichnen. "..., die Toten hatten auf der Erde drei Monate Zeit, sich zu verabschieden." Seite 198 Meinung: Wie schon erwähnt, habe ich erst kurz zuvor eine andere Literatur aus Finnland mit dem selben Themenschwerpunkt des Zweiten Weltkriegs der gleichen Übersetzerin gelesen. Hier muss ich zunächst die Übersetzerin Angela Plöger hoch loben, denn vom Schreibstil und von der Nuance der Umsetzung, sieht man keine Parallelen. Hier wurde die Individualität der jeweiligen Autorin gewahrt und in Ehren gehalten. Das ist wirklich ein großes Plus. Meine Erwartungen und meine Kritiksensoren waren bei dieser Vergleichsmöglichkeit dieser beiden gelesenen Bücher natürlich sehr hoch und sensibel. Ich wurde nicht enttäuscht, denn dieser Roman ist für sich einzigartig und besitzt ganz eigenen Charme und gleiche ausgiebige Recherche und Herzblut des Schreibers. Ich war aber auch vorgewarnt, dass die Literatur aus Finnland von besonderer Schwere und spezieller Note ist. Nicht ohne Grund hat Kriegsliteratur aus dem Skandinavischen Gefilden aktuell die Geister erhitzt und für bisher viel Presse gesorgt. Sofi Oksanen kann ich definitiv als eine weitere Ausnahmeautorin bezeichnen, denn sie schreibt in eigener Poesie, sie zeigt Mut, denn sie hat eine Sprache erschaffen, die den Leser mit Klarheit, Distanz, schockierender Nähe und Entsetzen gleichermaßen erfreut. Dieses Buch hat besondere Recherche, neue Kenntnisse, Intellekt, Anspruch und viele Facetten. Der Lesefluss war nicht ganz flüssig, denn die Art der Umsetzung und der besondere Stil dieser Autorin ist für mich neu und bedarf ganz besonderer Muße. Wer sich diese Muße gönnt und in den Zeilen abtaucht, der wird ein Leseerlebnis mit allen Sinnen erfahren. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich leider zu den Protagonisten keinen wirklichen Draht aufbauen. Sehr schade, man spürt, dass sich die Autorin große Mühe gibt, die Protagonisten lebendig zu formen und detailiert zu zeichnen, aber leider haben mich die Schicksale der einzelnen nicht intensiv erreicht. Die Gesamtumstände und die Ausmaße des Krieges und die Folgen waren eher dass, was dieses Buch für mich zu einem Fesselnden und sensationellen Werk gemacht hat. Wäre hier bei den Charakteren die gleiche Intensität zu finden gewesen, so wäre es bestimmt ein 5 Sterne Buch geworden, aber so ziehe ich einen Stern aus der Bewertung ab. Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem hohen Niveau und den finnischen Akzenten stand zu halten, bin ich sehr begeistert von dem Buch und froh, diesen Schatz der Literatur gefunden zu haben. Ich bin schon ganz gespannt, für was für weitere Furore dieser Roman während und nach der Buchmesse im Herbst sorgen wird.... Charaktere: Autorin Sofi Oksanen hat einen Stil, der die Charaktere durch Eigenleben sehr lebendig wirken lassen soll. Auf mich wirkte diese Schärfe der Umsetzung jedoch leider genau entgegengesetzt und distanziert. Für mich die einzige Schwäche im Roman, dass mir die drei Hauptcharaktere nicht ganz nah gekommen sind. Die Zustände und das Gesamtumfeld jedoch haben mich sehr sehr tief mitgerissen und erschüttert. Die Einzelschicksale bildeten für mich eher Randgeschehen. Dennoch hat Autorin Oksanen nicht nur die Macht und die Gewalt über die gewählten und genutzten Worte, nein, sie hat auch die Macht, den Leser mit einer fesselnden und unter die Haut gehenden Geschichte durch all die getreu gezeichneten Rollen in ihrer Gesamtheit zu vereinnahmen. Ihre Beweggründe werden dem Leser durch einzelne Gruppen, Zugehörigkeiten und Mächte klar und deutlich gemacht. Der Krieg verändert Menschen, die Folgen zerstören Menschen. Doch eines bleibt: Die Liebe zu einem Mann und einem Land. Juudit: für mich die prägendste Protagonistin. Diesen Charakter finde ich ausgiebig dargestellt. Vielleicht liegt es daran, dass sie eine Frau ist, und ich sehr nah ihre Stellung und Position einnehmen konnte. Juudit ist mit Edgar liiert, doch die Ehe steht unter keinen guten Stern. Juudit fühlt sich vernachlässig, so ist es kein Wunder, dass sie ihr Herz schneller neu verliert, als ihr lieb ist. Sie verliebt sich in einem deutschen Offizier. Doch diese Liebe darf es nicht geben, allein der Zukunft Edgars wegen. Sehr schmerzlich erfahren wir Leser, wie Juudit mit all diesen Umständen umgeht und versucht, für sich einen Mittelweg zu finden, der zum Scheitern verurteilt ist...sagenhaft polarisierender und einprägsamer Hauptcharakter, der lange nach Beenden des Buches noch bewegt und im Kopf herumgeistert. Eine Liebe, die neben all dem Kriegsleiden das Herz zerreisst. Edgar: Juudits angetrauter. Mit seinem Vetter Roland hat er sich zur Spionage ausbilden lassen. Beide wollten nicht erneut an die Front. Beide verfolgen das gleiche Ziel, die gleiche Gesinnung, alles scheint im Gleichgewicht. Doch schon bald trennen sich die Wege der beiden Cousins radikal und Edgar sucht seine Überzeugung bei den Teutonen. Sein ganzes Denken, seine Werte und sein Wesen ändern sich schnell. In seine Verzweiflung ändert er seinen Namen, spürt nicht dass ihn seine Frau entgleitet und wird mit den Folgen des Identitätswechsels klarkommen müssen... Roland: Weiterhin kämpft er unermüdlich für ein freies Estland. Patriotisch, stark und nachtragend. Viel später wird ihn die Vergangenheit einholen und der Verrat und das Geschehende von einst wird seinn Tribut fordern. Das überzeugende bei Sofi Oksanens Umsetzung und Darstellung der Protagonisten ist, wie sie einfache kleine Handlungen der Charaktere detailliert beschreibt, bei denen man sich oft selbst ertappt fühlt, ähnlich oder genauso gehandelt zu haben. So werden diese auf den ersten Blick unbedeutsamen Taten zu großen Schlüsselelementen im Buch. Aber mich konnten diese drei Einzelschicksale nicht so sehr bewegen, es war hier eher die Gesamtheit der Handlung, die mich zum begeisterten Leser werden lies. Wenn man all die besonderen Botschaften der Ausnahmeautorin Sofi Oksanen erkannt und empfangen hat, kann man mit Stolz den Buchdeckel schließen und über das großartig gelesene Meisterwerk der Literatur sinnieren. Die zahlreichen Rollen und Nebenrollen verkörpern die menschlichen Züge in seiner Gesamtheit sehr genau. Der Krieg lässt die Menschen zu Egoisten werden, kalt, skrupellos, von Gier und Lust getrieben... Aber es gibt auch die wenigen, die die Menschlichkeit nie verloren haben. Die Autorin fängt das damalige Leben und die Situationen in den Kriegsjahren so gekonnt ein, dass man glaubt Teil der Handlung zu sein. Ganz besonders habe ich auch das Treiben und Schicksal Rosalies und ihren Tod vernommen. "Jeder Mensch hatte eine Sollbruchstelle, und wenn nichts sonst seine Seele zerbrach, so würde es die Zeit tun und Erinnerungen heraufbeschwören, ..." Seite 354 Die Autorin: "Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Ihr dritter Roman, Fegefeuer, war monatelang Nummer eins der finnischen Bestsellerliste und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Finlandia-Preis, dem Literaturpreis des Nordischen Rates und dem Prix Femina. Der Roman erschien in über vierzig Ländern und machte die Autorin auch in Deutschland zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der internationalen Gegenwartsliteratur. Ihr erster Roman Stalins Kühe erschien in Deutschland 2012. Sofi Oksanen ist verheiratet und lebt in Helsinki." Pressestimme: "»Grandios gelingt es Oksanen, den Menschen und Gefühlen eine Stimme zu geben, die in den siegreichen Geschichtsschreibungen der Vergangenheit verteufelt oder ausgeblendet wurden.« Deutschlandfunk Cover: Das Cover und der Titel haben ganz intensiven Reiz auf mich ausgeübt. Die Frabgestaltung passt zum Gesamtkonzept und auch zur Autorin. Der Titel bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man dieses Buch gelesen hat. Welche, dass möchte ich hier noch nicht verraten. Zuvor läd der Titel zu Mutmaßungen und Assoziationen ein. Sehr gut und stimmig umgesetzt. Die Kapitel sind von angenehmer Länge, das Schriftbild ist harmonisch, das Buch von hochwertiger Qualität und liegt bequem in der Hand. Fazit: Ich bin schon ganz gespannt, für was für weitere Furore dieser Roman während und nach der Buchmesse im Herbst sorgen wird.... Von mir eine Leseempfehlung für Leser, die anspruchsvolle und besondere Kost mögen, dieses Buch bedient nicht die Masse, es bedient jeden Leser besonders und auf eigener Weise!

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    • 16

    Igelmanu66

    12. September 2014 um 12:15
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