Fegefeuer

von Sofi Oksanen 
4,2 Sterne bei93 Bewertungen
Fegefeuer
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (73):
papaverorossos avatar

Grausam, erschreckend, wahr. Dieses Buch lässt tief in die Seele verwundeter estnischer Frauen blicken.

Kritisch (5):
Mimabanos avatar

Zu langatmig und detailliert in Belanglosigkeiten...

Alle 93 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Fegefeuer"

Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit...
Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit – das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbinden: Egal welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen. »Sollten Sie nur ein Buch in diesem Jahr lesen, lesen Sie Sofi Oksanens Roman ›Fegefeuer‹. Oksanen schreibt herausragend. Sprache, Komposition, Sujet und Aussage – das alles ergibt eine sensationelle Mixtur. Der Nobelpreis in ein paar Jahren – falls eine Vorhersage erlaubt ist.« DAGENS NYHETER

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442742127
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:12.03.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.08.2012 bei HörbucHHamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Angel10vor 25 Tagen
    Fegefeuer

    - Estland
    - Familiengeheimnis, Schuld und Sühne
    - Totalitarismu

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    awogflis avatar
    awogflivor 3 Monaten
    Estnisch-Russisch-Deutsche Spirale der Gewalt

    Durch meine diesjährige Autorinnenchallenge, in der ich in 13 Monaten 26 Bücher von Autorinnen mit dem Familiennamen A-Z lese (Details dazu hier), habe ich mich aus meiner bisherigen Komfortzone herausbegeben und möchte Euch nun zum relativ exotischen Buchstaben O die finnische Autorin Sofi Oksanen mit diesem Roman wärmstens ans Herz legen.

    Im Jahr 1992 findet die Protagonistin Aliide auf ihrem estnischen Bauernhof ein junges geflüchtetes verletztes Mädchen namens Zara, das sich allmählich als Enkelin ihrer Schwester entpuppt. Nach und nach erhält der/die Leser*in Einblick in das Familiendrama, das dafür verantwortlich ist, dass die Verwandten auseinandergerissen wurden und sich gar nicht kennen. Daraus webt die Autorin ein beispielloses Drama aus Terror, Angst, Schuld, Opfer -Täterumkehr und Sühne, in dem die Figuren derart vielschichtig denken handeln und fühlen, dass es eine Freude ist.

    Die Geschichte kommt zwar durch die zahlreichen sprunghaften Rückblenden in unterschiedliche Jahre etwas gemächlich in Schwung, aber spätestens bei der Hälfte der Strecke hatte sie mich so gepackt, dass sie mich überhaupt nicht mehr losließ.

    Zu Beginn war es für mich gruselig, dass die Zivilbevölkerung 1992 während des russischen Umbruchs in den baltischen Staaten auch extrem von Angst, Mangelwirtschaft, Terror und Vergeltungsmaßnahmen geplagt war. Fast schien es so, als würde sich die sehr bewegte Geschichte Estlands während des 2. Weltkrieges wiederholen, in der die zuvor autonome estnische Bevölkerung permanent abwechselnd von deutschen und russischen Soldaten okkupiert und drangsaliert wurde.

    Nach den Rückblenden in die Jahre 1936-1952 kommt das ganze Ausmaß der Schuld der Protagonistin Aliide ans Tageslicht. Selbst als junges Mädchen ein Opfer von Vergeltungsmaßnahmen und Vergewaltigung richtet sie aus Scham, Trotz, Eifersucht, Angst und über Leichen gehenden Überlebenswillen ihre ganze Familie zu Grunde. Unglaublich was geschundene Menschen in Ausnahmesituationen ihren eigenen geliebten Verwandten antun können, dies auch noch rechtfertigen, sich als Opfer mit den Tätern verbünden und damit selbst zu einer der widerlichsten und gleichzeitig armseligsten, erbarmungswürdigsten Form von Tätern werden. Wenn im Krieg der Firnis der Zivilisation abbröckelt, ist vieles, das vorher unvorstellbar war, plötzlich möglich.

    Auch die Geschichte des Jahres 1991 mit der Großnichte Zara ist ganz schön starker Tobak. Von Mädchenhändlern in Wladiwostok akquiriert und mit angeblich ehrlicher Arbeit im Westen in die Zwangsprostitution gelockt, erlebt auch dieses Familienmitglied den absoluten Horror in der Spirale der Gewalt und Unterwerfung.

    Beide Frauen misstrauen, belauern und unterstützen sich gleichzeitig gegenseitig, die Stimmung des Romans ist sehr von Angst, Misstrauen, Geheimnissen, lapidarer und massiver Gewalt geprägt. Letztendlich tilgt jedoch Aliide ihre Schuld der Vergangenheit und es kommt fast so etwas wie ein furioses trauriges Ende mit vielen Leichen zustande, das aber dennoch irgendwie als positiv bezeichnet werden kann, da sowohl die letzten übriggebliebenen „Bösen“ als auch jene sterben, für die sowieso jegliche Rettung nicht mehr möglich und vergeudet ist.

    Die Figuren sind alle sehr komplex und vielschichtig gezeichnet. Kaum einer ist nur gut oder böse, Opfer oder Täter, sondern es werden menschliche Abgründe in Extremsituationen dargestellt. Gleichzeitig wird sehr viel Geschichte aus diesem kleinen baltischen Staat namens Estland vermittelt, von dem ich bisher auf jeden Fall viel zu wenig wusste. So, nun beiße ich mir aber auf die Zunge und höre auf zu schwärmen und zu spoilern, damit Ihr Euch von der Geschichte überraschen lassen könnt, und glaubt mir, da gibt es noch so einige unerwartete Wendungen und Überraschungen.

    Fazit: Eine absolute Leseempfehlung von mir für diesen packenden, brutal realistischen, preisgekrönten Frauen-Roman. Er erfordert aber zu Beginn ein bisschen Durchhaltevermögen, also bitte nicht zu schnell aufgeben.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein grandioses Buch. Das Lesen macht Freude, selbst wenn das Geschehen grauenhaft ist, gleichzeitig erschüttert es zutiefst.
    Große Kunst

    Dieses Buch fesselt direkt, dabei geht es zunächst nur darum, wie Aliide Fliegen fängt. Sofi Oksanen schafft es, auch banalste Begebenheiten spannend zu schildern. Dabei liegt eine tiefe Melancholie in den Zeilen gewürzt mit einer gelegentlichen Prise schwarzem Humor.

    Aliide ist alt, verbittert und lebt alleine auf dem Bauernhof der Familie am Rande eines Dorfes im tiefsten Estland. Es ist 1992, Estland ist frei von der russischen Vorherrschaft, aber das Leben ist nicht wirklich besser. Aliide kocht ihr Gemüse ein und kommt zurecht, hat aber eigentlich schon mit ihrem Leben abgeschlossen.
    Als sie eine junge Frau in ihrem Garten findet ist sie gezwungen, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen. Zara ist auf der Flucht und verletzt.
    Etwas verbindet diese beiden Frauen und der Schlüssel dazu liegt in der Vergangenheit.

    Nach und nach wird hier eine Familiengeschichte präsentiert, die gleichzeitig die Geschichte Estlands zeigt. Und langsam versteht man dann, warum die beiden sind wie sie sind, auch wenn sie zunächst eher befremdlich wirkten.
    1936, als junges Mädchen, verliebte sich Aliide in Hans, der aber nur Augen für ihre Schwester hatte. In ihr Dorf marschierten erst die Deutschen und dann die Russen ein und jedes Mal musste sich die Bevölkerung damit arrangieren, erst brave Patrioten und dann treue Sozialisten sein, bis sie fast vergessen hatten, was Estländer ausmacht.
    Zwischendurch erfährt man, was Zara zugestoßen ist. Die Handlung springt hin und her bis man ein erschütterndes Bild erhält. Beide Frauen mussten Schreckliches erleiden und versuchten sich nach Kräften zu wehren.

    Der Schreibstil ist erlesen einfach und zaubert durch höchst originelle Vergleiche Atmosphäre. Aliide hat viel durchgemacht und auch Zara ist verzweifelt. Dieses Buch spricht von Leid in jeder Zeile und zu allen Zeiten. Ich musste beim Lesen öfter Pausen einlegen, manchmal kann man es kaum aushalten.

    Ich bin höchst beeindruckt von diesem Buch. Das Lesen macht Freude, selbst wenn das Geschehen grauenhaft ist, gleichzeitig erschüttert es zutiefst. Es zeigt das Schicksal von Frauen in einem Willkürregime auf ganz eigene Art, voll tiefer Gefühle und Verzweiflung, aber ohne den leisesten Anflug von Rührseligkeit. Das ist große Kunst und ein großartiges Buch.

    Kommentare: 3
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    Mimabanos avatar
    Mimabanovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Zu langatmig und detailliert in Belanglosigkeiten...
    Und immer wieder die FLIEGEN...

    ACHTUNG! Da ich Zitate aus dem Buch nennen werde ist diese Rezension NICHT JUGENDFREI und wahrscheinlich auch nicht für zarte Gemüter geeignet. Ich habe "nur" einen Stern vergeben weil : Ganz zu Beginn wurde bis ins kleinste Detail über Aliide geschrieben wie sie die Fliege jagte.Doch schon da ahnte ich das es wohl nicht dabei bleiben würde,denn es wurde schon von marodem Fleisch und sonstigem vergammeltem Essen berichtet.Da hatte ich schon den ersten Langweil-Dämpfer.Ich merkte aufgrund von folgendem Satz schon das die Autorin einen speziellen Schreibstil hat.Zitat:Die Maden bewegten sich in der Schüssel mit dem Himbeerabfall und erweckten die Emailleblumen zum Leben.Zitatende.Doch das genügte mir nicht!Es gab einfach nichts was mich an das Buch fesselte.Im Gegenteil ich musste es gefühlte dreissigmal weglegen.Dann kamen ein paar Szenenwechsel und dann Zitat :Zara nahm den roten Lederrock und die roten Stöckelschuhe aus dem Schrank.Das T-Shirt hatte Kindergrösse.Es war rot.Pascha fand ,nur die T-Shirts für Kinder sassen so stramm , dass sie im Mann das Verlangen weckten.Zara rauchte eine Prince.Ihre Hände zitterten nur wenig.Sie liess Baldrian in ein Glas tropfen .Ihre Haare waren steif von Haarlack und Sperma.Zitatende. Da war ich erstmal baff!Ein paar Sätze weiter dann der Schock ( für mich jedenfalls ) Zitat: Gleich würde die Gürtelschnalle geöffnet werden , der Reissverschluss der Hose ratschen ,farbiges Licht ,Pascha würde hinter der Tür krakeelen ,Lawrenti über Paschas Dummheit lachen und Pascha beleidigt sein , und in Zara's Zimmer würde der Kunde stöhnen , und Zara's Pobacken würden auseinandergezogen werden und der Kunde würde ihr befehlen, den Finger in sich hineinzustecken.Zwei Finger,drei Finger,drei Finger von jeder Hand ,weiter auf!Grösser!Man würde ihr befehlen zu sagen ,Natascha will es besorgt kriegen!Sag, Natascha muss ihre Fotze aufreissen,weil sie es besorgt kriegen will!Sag es!Sag schon!Und Zara würde sagen ,Natascha will es.Zitatende.Das war Seite 80 und ich war ernsthaft angewidert!Hätte es die Autorin dabei belassen und den Rest des Buches nicht mehr ganz so detailliert solche Situationen geschildert,wäre es nicht so schlimm gewesen.Aber es gab noch eine Steigerung davon und das durch das ganze Buch hindurch!Und immer wieder gab es Fliegen,Essen das zubereitet werden musste auf welche Art auch immer,eingelegte Früchte und und und.Wenn das dann auch noch ganz detailgetreu erzählt wird langweilt mich das halt schon.Interessant fand ich die politische Seite des Buches.Meinen Lesefluss gestört hat neben den genannte Gründen auch die ewigen Zeitsprünge die gegen Ende des Buches wohl spannungshalber oder wieso auch immer,im Abstand immer kürzer wurden.So wichtig die wohl auch waren, habe ich dann die am Schluss genannten Dokumente im Telegrammstil einfach nur noch als eine Tortur empfunden,da das ganze Buch nicht gerade mit Hochspannung punktet (meiner Meinung nach ).Zum Schluss möchte ich noch ein wenig auf Aliide eingehen weil sie mich meistens eher genervt hat! Sie kam mir verbittert vor weil sie zum Beispiel der Schwester ihr Glück nicht gönnte.Ich verstand zwar das sie auch in Hans verliebt war aber er hatte sich halt anders entschieden.Ihre Eifersucht nervte mich und war schon krankhaft.Wie sie das Kind ihrer Schwester heimlich kniff und sogar manchmal mit einer Nadel piekte fand ich einfach nur ekelhaft und es gab keinen Grund dafür.Lustig fand ich wie Ingel und ihr Mann versuchten Aliide mit irgendetwas männlichem zu verkuppeln.Hauptsache wahrscheinlich sie mussten ihre verbitterte Miene nicht mehr anschauen.Gesamthaft fand ich das Buch meistens langatmig und viel zu detailliert in Belanglosigkeiten.Zuviele Szenen mit Zara wie oben beschrieben haben bei mir Würgereiz ausgelöst .Und die Autorin spart damit überhaupt nicht.Ich finde das Buch weder spannend noch ein Meisterwerk wie der Klappentext suggeriert.Das wird mein erstes und letztes Buch der Autorin sein. 📖 Klappentext: Wer Äusserstes erlebt hat,ist auch zum Äussersten bereit- das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hochspannende Roman über zwei Frauen,die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte und vergleichbare Erfahrungen verbinden.

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    AnnaChis avatar
    AnnaChivor 4 Jahren
    "Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch zum Äußersten bereit"

    Was hat eine estnische Bäuerin zu Beginn der 90er Jahre mit einer jungen, zerlumpten, gehetzten Frau zu tun, die sie auf ihrem Hof findet? Diese Frage wird im Laufe dieses Buches beantwortet, in dem immer wieder auf das Leben der beiden Frauen zurückgeblendet wird. Dabei wird die Geschichte Estlands (die mir bislang unbekannt war) von den 30er Jahren bis zu den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lebendig.

    Dies Buch ist auch ein Lehrstück darüber, was Gewalt Frauen antut und wozu sie Gewalt macht.

    Sofi Oksanen hat die Geschichte virtuos komponiert und mitreißend und spannend erzählt. Obwohl das Buch kein Krimi ist, lässt den Leser die Frage, wie die Geschichte der estnischen Bäuerin und der jungen Frau miteinander verknüpft sind, nicht los. Die bildreiche, starke Sprache trägt dazu bei, dass man es am Ende mit dem wohligen Gefühl aus der Hand legt, wieder einmal ein Meisterwerk entdeckt zu haben.

    Kommentare: 1
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    Aliras avatar
    Aliravor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Roman mit vielen Literatur-Preisen
    “Nichts ist stärker als die Freundschaft der Ganoven”

    Die Autorin dieses Familienromans, Sofi Oksanen, fiel mir zum ersten Mal durch ein Interview im Fernsehen auf und ist - je nach Standpunkt - eine interessante bzw. schräge Person: aufgetürmte Dreadlocks, stark geschminkt, bunte Kleidung. Ich habe ein bisschen gegoogelt und bin dabei auf dieses Buch gestoßen.

    In “Fegefeuer” geht es um zwei traumatisierte Frauen - eine alte Frau und ein junges Mädchen - die Schreckliches erleben mussten. Und um die Geschiche zweier rivalisierender Schwestern. Eine Familientragödie in der Zeit, als Estland von den Russen besetzt wurde, bis zum Ende des Kommunismus in Osteuroopa.

    Das letzte Kapitel besteht aus “streng geheimen Dokumenten” und dokumentiert ein weiteres Mal das menschenverachtende System des Kommunismus.



    Kommentare: 1
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    Yamashitas avatar
    Yamashitavor 4 Jahren
    Kein Highlight für mich

    Scheinbar hatte ich Erwartungen an dieses Buch, denn ich wurde etwas enttäuscht. Aliide wohnt mittlerweile alleine in dem Haus am Waldrand. Einsam, wie es oft im Norden ist. Sie wirkt verbittert gleichzeitig abgeklärt. Das bringt wohl ihre Vergangenheit mit sich, die im Laufe des Buches langsam aufgeschlüsselt wird. Zara ist in die falschen Hände geraten. Als junge Frau wurde sie zur Prostituierten und wurde von ihrem Zuhälter misshandelt. Zara hat es geschafft auszubrechen, ist auf der Flucht und kennt nur einen einzigen Zufluchtsort - Aliide. Die beiden Frauen treffen aufeinander. Für einander sind sie sich unbekannt. Aliide weiß nichts von Zaras Dasein und Zara wiederum hat von Erzählungen ihrer Großmutter von Aliide gehört. Beide stehen sich misstrauisch gegenüber und sind in allen Handlungen bedacht. Gleichzeitig entwickelt sich etwas Vertrautes zwischen ihnen, denn zwei wesentliche Punkte verbindet sie, ohne, dass sie sich je darüber austauschen - die Familie und das Erlebnis von Missbrauch. Das Leben der Zara wird nur zart angerissen. Aliide lernte ich ganz gut im Buch kennen und doch empfand ich den Verbund aller Handlungszweige zu abrupt. Einige Dinge blieben mir bis zum Schluss unklar, was nicht unbedingt negativ ist. Ich empfinde diesen Roman als nicht rund. Mir fehlt etwas obgleich der Schreibstil gelungen ist.

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    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Mussbuch, das noch lange im Kopf verbleibt
    Zwei Frauen - zwei Schiksale

    Sie ist allein zurück geblieben, der Mann , zwar ungeliebt , vor Jahren verstorben. Die Tochter schon lange nach Finnland ausgereist.
    So verbringt Aliide Tru ihre Tage mit Hausarbeit , dem Bauerhof auf dem estnischen Land, und dem verjagen der Fliegen.
    Plötzlich sieht sie im Garten ein menschliches Bündel.
    Erst denkt sie an einen Trick der Banditen, die ihr Haus nur plündern wollen, den Hund hatten sie ihr schon umgebracht. Doch dann geht sie doch in den Garten, und findet eine junge Frau, in westlicher Kleidung, mit zerschundenem Körper. Sie nimmt Zara misstrauisch in ihr Haus auf.
    Nicht ahnend, dass diese ihr Haus bewusst aufgesucht hat.
    Zara ist auf der Flucht vor ihrem Zuhälter. Einst aus Wladiwostók , mit Versprechungen nach Deutschland gelockt, und dann brutal in der Prostitution erpresst. Es ist das Jahr 1992 in West - Estland, ein Land, dass gerade seine Selbstständigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangt hat. Nach dem Auftauchen der jungen Frau, wird Aliide an eine frühere Zeit erinnert Als sie sich in Hans verliebte, der aber nur Augen für ihre Schwester Ingel hatte, wie die Stalinisten das Dorf säuberten, und sie seitdem vor dem Gemeindehaus zitterte, immer in Gedanken an jene schrecklichen Tage. Und wie diese Stiefel auch jetzt durch das Dorf wandern, und ihre Macht weiterhin in kriminellen Banden ausüben.

    Die Geschichte wird in fünf Teilen erzählt, wobei immer wieder Erinnerungen in vergangene und gegenwärtige Zeiten eine Rolle spielen.
    Eine leicht verständliche Sprache, macht uns dennoch sprachlos, angesichts der ungeheuerlichen Qualen, die beide Frauen erleben mussten. Ich konnte teilweise nicht weiter lesen, entsetzt , angewidert, unfassbar , waren die Schilderungen. Aber doch ist man in dem Sog gefangen, dem Leben der beiden Frauen zu folgen.

    Es ist eine Familiengeschichte, es ist aber auch die Geschichte eines Landes, dass von Enteignung, Deportation der Familien ,
    Denunziantentum und ständiger Entmündigung und Kontrolle geprägt war. Eine außergewöhnliches Buch, dass sich fast wie ein Krimi liest,
    mit einem hohen literarischem Anspruch.

    Selbst das Cover, im ersten Moment sicher einen falschen Eindruck erweckt, zieht sich die Fliege durch das gesamte Buch , was ich so noch nie gelesen habe. Rundherum ein tolles Buch, dass lange nachwirkt, sprachlos macht, aber Bewunderung für die noch junge Autorin schafft.



    Das Buch stand in Finnland monatelang auf Platz eins der Bestsellerliste,
    wurde in 32 Sprachen übersetzt und gewann zahlreiche Buchpreise .

    “ Sollten sie nur ein Buch in diesem Jahr lesen,
    lesen sie Sofi Oksanens Roman > Fegefeuer < “
    Dagens Nyheter, Schweden
     

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    Olanas avatar
    Olanavor 5 Jahren
    bedrückte Atmosphäre

    Ein ernstes Thema, die Atmosphäre beim Lesen ist sehr bedrückt und unangenehm. Der Schreibstil hat mir aber nicht sehr zugesagt, stellenweise war das Buch langweilig. Im Grossen und Ganzen aber sehr lesenswert.

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    TinaLiests avatar
    TinaLiestvor 5 Jahren
    Estnische Geschichte, verpackt in spannender Handlung & poetischer Sprache

    Mir wurde dieses Buch während meinem Auslandssemester in Tallinn von einer Finnin empfohlen, die mir erzählte, dass Sofi Oksanen in Finnland DIE Autorin wäre & zur Pflichtlektüre gehört. Ich persönlich hatte vorher noch nie von der finnisch-estnischen Autorin gehört, war aber sehr neugierig & wurde auch nicht enttäuscht.

    Die Handlung ist sehr spannend und (vor allem für mich, die ich zu der Zeit, als ich es las, in Estland lebte) ebenso interessant und lehrreich. Der Roman handelt von Aliide, einer älteren estnischen Dame, und Zara, die eines Abends in erbärmlichem Zustand und scheinbar zufällig vor Aliides Haus auftaucht. In Rückblenden wird von Aliides und Zaras Schicksal erzählt und wie ihre beiden Geschichten miteinander verwoben sind - nicht zuletzt aufgrund der estnischen Unabhängigkeitsbewegung zu Sowjet-Zeiten und der estnischen Revolution.

    Sofi Oksanen schreibt wunderbar! Ihr Stil ist elegant und poetisch und ich könnte gerne finnisch, um den Text im Original zu lesen. Laut Internet heißt der Originaltitel "Puhdistus" übersetzt nämlich "Reinigung, Säuberung" & das wirft nochmal ein ganz anderes Licht auf den Roman. Aber das ist ein ganz anderes Thema. ;)

    Einen Stern ziehe ich ab, da mir das Buch an manchen Stellen zu duster war. Selbst in positiven Momenten war die Stimmung, die der Roman vermittelt hat, nicht unbedingt positiv & auch Passagen, in denen über fast eine Seite die Aktivität von Fliegen in Aliides Küche beschrieben wird (sehr detailgetreu inkl. Fliegeneier!), sind nicht unbedingt meins. Ich vermute, das gehört zu Frau Oksanens Stil, kann dies aber erst mit Sicherheit sagen, wenn ich ein weiteres ihrer Bücher gelesen habe. Was ich mit ziemlicher Sicherheit tun werde. ;)

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