Hast du dich schon mal gefragt, ob ein Buch über den Tod gleichzeitig wunderschön, tröstlich und… irgendwie magisch sein kann? Dieses hier beweist es – mit Stil, Gefühl und einer Prise Gänsehaut (der guten Sorte)!
Mit „Das Wundersame Buch über den Tod“ von Soledad Romero Mariño und Mariona Cabassa, übersetzt von Melanie Laibl, bekommt man kein klassisches Kinderbuch – sondern eher ein kleines Kunstwerk, das sich mutig an ein Thema heranwagt, um das viele sonst einen großen Bogen machen.
Auf 56 großformatigen Hardcover-Seiten - ja, richtig schön zum Durchblättern und Staunen!) -entfaltet sich eine Mischung aus poetischem Text und eindrucksvollen Illustrationen, die gleichzeitig düster und warm wirken. Klingt widersprüchlich? Ist es auch – aber genau das macht den Reiz aus. Schon das Cover ist wundervoll bunt und doch dunkel mit einem wundervoll haptisch anfassbaren Umschlag illustriert.
Das Buch erklärt Kindern ab etwa sechs Jahren und auch vielen Erwachsenen behutsam, dass der Tod zum Leben dazugehört. Kein erhobener Zeigefinger, kein trockener Biounterricht – sondern eine fast schon sanfte, philosophische Reise durch den Kreislauf des Lebens. Es zeigt, dass aus Altem Neues entsteht, dass Sterben nicht nur ein Ende ist, sondern auch ein Anfang. Tiefgründig, ohne zu überfordern.
Besonders stark sind die Illustrationen von Mariona Cabassa. Sie sind detailreich, leicht melancholisch und gleichzeitig so schön, dass man manchmal vergisst, dass es hier eigentlich um den Tod geht. Fast wie ein visuelles Gedicht.
Und dann der Text von Soledad Romero Mariño – poetisch, ruhig, nachdenklich. Kein Drama, kein Schockeffekt. Stattdessen Worte, die Raum lassen zum Nachdenken, Fragenstellen und vielleicht sogar zum gemeinsamen Gespräch zwischen Kindern und Erwachsenen.
Für rund 22 Euro bekommt man hier kein „normales“ Buch, sondern ein sensibles, künstlerisches Erlebnis. Eins, das Mut macht, über das Unausweichliche zu sprechen – ohne Angst, dafür mit Verständnis.
Und jetzt wird’s noch spannender, das Buch hört nämlich nicht beim „Was ist der Tod?“ auf – es geht richtig in die Tiefe (im wahrsten Sinne des Wortes).
Es erzählt von langem und kurzem Leben, vom ständigen Balanceakt „auf Leben und Tod“ und von der beeindruckenden Kunst des Überlebens – vor allem im Tierreich. Da wird klar, Leben ist manchmal ein echtes Abenteuer mit ziemlich hohem Einsatz.
Dann taucht man ein in verborgene Welten – etwa ins Leben im „Baumskelett“ oder in die geheimnisvollen Hochgenüsse der Tiefe, wo selbst im Dunkeln noch Leben pulsiert. Klingt fast ein bisschen wie ein Natur-Doku-Film – nur eben poetischer und kindgerechter verpackt.
Auch richtig faszinierend sind die unterschiedlichen menschlichen und tierischen Totenrituale. Von uralten Methoden, Verstorbene zu konservieren, bis hin zu einem kleinen „Friedhofs-Glossar“ und berühmten letzten Ruhestätten – das Buch schafft es, Wissen spannend und respektvoll zu vermitteln.
Und dann wird’s kulturell richtig bunt. Totengedenktage aus aller Welt, Mythen und Gottheiten aus verschiedenen Religionen – fast wie ein „heiliges Familienalbum“ der Menschheit, in dem jede Kultur ihren eigenen Umgang mit dem Tod zeigt.
Zwischendurch gibt’s immer wieder diese „schrecklich schönen“ Bilder – mal leicht unheimlich, mal überraschend lebendig. Dazu Themen wie lebensgefährliche Situationen, medizinische Fortschritte gegen den Tod und der ewige Versuch des Menschen, das Leben zu verlängern.
Ein echtes Highlight sind die skurrilen Facts, z.B. der Totentanz auf Madagaskar, bei dem alle paar Jahre Verstorbene aus ihren Gräbern geholt werden, um mit ihnen zu tanzen. Klingt erstmal verrückt – ist aber ein zutiefst respektvoller und liebevoller Umgang mit den Toten. Und genau solche Perspektiven öffnet dieses Buch.
Auch Gefühle kommen nicht zu kurz. Trauer wird erklärt, gezeigt und fühlbar gemacht – sogar mit einem kleinen sprachlichen Exkurs, dass das Wort „Trauer“ vom althochdeutschen „trūren“ kommt, also „den Kopf hängen lassen“. Einfach, verständlich und trotzdem berührend.
Und dann der vielleicht wichtigste Punkt, der Tod als Tabu. Dieses Buch räumt damit auf. Es zeigt, dass wir oft versuchen, alles rund um den Tod zu verdrängen – obwohl er das einzige Ereignis im Leben ist, das garantiert eintritt.
Genau hier setzt das Buch an. Es macht den Tod besprechbar. Verständlich. Fast schon… selbstverständlich.
Und es stellt die große Frage: Was passiert eigentlich nach dem Tod? Ohne fertige Antworten aufzudrängen, sondern mit Raum für eigene Gedanken.
5 von 5 Seelenglut-Flammen. Ein mutiges, poetisches und visuell beeindruckendes Kinderbuch, das zeigt, dass selbst das dunkelste Thema voller Farben, Gedanken und Leben stecken kann. Ein Buch, das bleibt – im Kopf und im Herzen.
Dieses Buch ist kein Ende – sondern der Anfang eines Gesprächs, das viel zu lange geschwiegen wurde. Hier wird auf nur 56 Seiten und mit wenig Text so viel zum Thema Tod beschrieben wie selten in einem Buch zu diesem Thema. Poetisch und düsterschön.
Wo das Leben leuchtet oder schweigsam ist, darf auch der Tod flüstern oder tanzen.