In einer Märchen-Welt existiert die Schule für Gut und Böse, in der Helden und Schurken ausgebildet werden bis sie ihre eigenen Geschichten erleben. Agatha und Sophie werden beide erwählt und auch wenn jeder dachte, dass die süße Sophie zur guten und die dunkle Agatha zur bösen Seite gehört, kommt alles anders. Möge die Geschichte der zwei besten Freundinnen ein Happy End haben.
„She had always found Villains more exciting than Heroes. They had ambition, passion. They made the Stories happen. Villains didnt fear death. No, they wrapped themselves in death like suits of armor!“ -Agatha
Diese mittlerweile sechsbändige Buchreihe war meine Fantasy-Kindheit (ja, die Situation verlangte nach einem neuen Begriff) und ich habe das erste Buch geliebt. Vor ein paar Jahren kam dann auch der Film heraus, der irgendwie an mir vorbei gegangen ist, und jetzt habe ich mir gedacht, dass es der perfekte Zeitpunkt ist, nach einem Reread das Buch zu rezensieren und mit dem Film zu vergleichen. Ich kann beides durchaus weiterempfehlen, das Buch natürlich mehr als den Film, aber besonders für Kinder ab 12 Jahren ist diese Reihe sehr gut geeignet.
Der Schreibstil ist sehr einfach und flüssig und definitiv für die Jüngeren gedacht. Dabei werden die Umgebung und die Welt wunderbar beschrieben und es entsteht direkt ein märchenhaftes Bild mit dem Wald und den zwei Schlössern. Aus den Sichtweisen beider Protagonistinnen wird die Geschichte erzählt, was gut ist, denn sie befinden sich an anderen Orten und wir bekommen die unterschiedlichen Gedankengänge gut mit. Außerdem werden die Figuren dadurch stark mit Inhalt gefüllt und man könnte sie jetzt wie im Deutschunterricht perfekt analysieren (was ich natürlich nicht mache, die Zeit ist vorbei).
Agatha ist düster, bissig und innerlich ein starkes Mädchen, das alles für ihre Freundin machen würde. Dahingegen ist Sophie eitel, ehrgeizig und möchte unbedingt die Prinzessin in einer eigenen Geschichte mit einem eigenen Prinzen sein. Zusammen sind sie schon lange beste Freunde und es ist wirklich interessant und spannend, ihrer Beziehung zuzusehen, wie sie sich verändert, sich unter dem Gewicht von Sophie biegt und durch Problemfindung immer stärker wird. Eben weil die Personen so charakterstark und eigenwillig sind, gibt es viel Potenzial für die Geschichte und es wird nie langweilig. Andere Personen kommen nicht häufig in den Vordergrund, geben aber eine schöne Hintergrundkulisse ab, wodurch Agatha und Sophie gut in Szene gesetzt werden und die Story an sich perfekt ergänzt wird.
Tedros wollen wir mal erwähnen, der zwar ein wenig egoistisch und so ziemlich der typische Prinz ist, aber genau wie die Mädchen eine Charakterentwicklung durchgeht, weshalb es hier im zweiten Band liebestechnisch für den ein oder anderen interessant wird. Natürlich muss es irgendwie zu einer Liebesstory und Schwärmereien kommen, auch wenn sie im Film mehr ausgeprägt ist als im Buch, aber tatsächlich hat der Freundschafts-Aspekt Vorrang und das ist moralisch schön anzusehen, insbesondere für die jüngere Leserschaft.
Die Idee hinter dem Buch fand ich von vornherein klasse und es hat all meine Erwartungen übertroffen. Seitdem Agatha und Sophie entführt wurden, ist der Spannungsbogen konstant hoch und in jedem Kapitel geschieht etwas Neues. Dabei waren die Szenen im Klassenraum der jeweiligen Schule aufregend und ich habe gespannt den Figuren zugeschaut, wie sie mit neuen Situationen konfrontiert werden und damit umgehen. Sophie möchte natürlich in die Schule für die Guten wechseln, während Agatha einfach wieder nach Hause will. Dieser Konflikt zieht sich durch das gesamte Buch und man merkt, wie Sophie, obwohl sie eigentlich gut ist, psychisch immer mehr dem Bösen verfällt und Agatha, die eigentlich „Böse“, Heldentaten zur Schau stellt.
Damit werden moralische Fragen auch bei uns Lesern aufgeworfen, was jetzt wirklich Böse und Gut ist und ob sich in der Welt wirklich alles nur in diese zwei Kategorien unterteilen lässt. Kann Freundschaft ein Happy End sein? Es kommen Plottwists ins Spiel, was zum Beispiel den Schreiber angeht, und der erwartete Höhepunkt war fulminant. Ein perfektes Ende mit genug Spielraum für den zweiten Band, was bedeutet, dass es durchgehend abenteuerlich, magisch, düster und märchenhaft war. Kurzer Einwurf von mir, die originelle Art des Autors, mit den Märchen und deren Helden/Bösewichten zu spielen, war phänomenal und einfach mal etwas Neues. Man trifft auf altbekannte Personen in einem ganz anderen Licht, was für durchgehenden Lesespaß sorgt.
Während das Buch also ein voller Erfolg war, ist auch der Film nicht schlecht. Natürlich kann so eine komplexe Story niemals gänzlich in einem Film, der 2,5 Stunden geht, aufgegriffen werden, sodass die Charaktere teilweise flach waren und die Geschichte ziemlich stramm gezogen wurde. Es wurde mehr Fokus auf Action, die Magie und visuell tolle Effekte gelegt, was den Film näher an die Kinder bringt. Leider wurden manche Handlungsstränge gekürzt oder weggelassen, was die Story teilweise unnatürlich wirken lässt, aber der Aspekt der Freundschaft wurde schön dargestellt und als Fantasy-Film lässt es sich locker und ohne Anstrengung anschauen. Weshalb es besonders gut für Anfänger gedacht ist, auch wenn es an manchen Stellen gruselig wurde.
Insgesamt kann ich den Roman, und in großen Teilen auch den Film, definitiv weiterempfehlen, da es ein wunderbarer erster Schritt für Einsteiger in die Fantasy-Welt ist!