Sonia Mikich

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Enteignet, Planet Moskau und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Sonia Mikich

Warum uns der Medizinbetrieb krank macht

Warum uns der Medizinbetrieb krank macht

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Erschienen am 11.08.2014
Enteignet

Enteignet

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Erschienen am 22.04.2013

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Enteignet" von Sonia Mikich

Mischung aus Report und persönlicher Darstellung
Gwhynwhyfarvor 5 Jahren

Mikisch beginnt ihr Buch mit der Schilderung einer misslungenen Darmoperation, fünf Monate Verwirrungen, Fahrlässigkeit, Komplikationen, für die Mikich die Lücken in einer durchrationalisierten Versorgung verantwortlich macht. Mediziner erklären nur auf Nachfrage dürftig, Pflegekräfte schaffen es nur selten, zwischen die schnell getakteten Verrichtungen sich für den Patienten als Mensch zu interessieren. Das Essen bezeichnet sie als geschmacklosen Paps: "bestenfalls als Nahrungsmittelzufuhr bezeichnet werden kann".

Das Buch ist kein reines Sachbuch. Leidenschaftlich setzt sich die Journalistin für das öffentliche Gut Gesundheit gegen seine betriebswirtschaftliche Ausbeutung ein. Mikich schildert Risiken und Nebenwirkungen eines betriebswirtschaftlichen Wandels, der weit über unnütze Eingriffe hinausgeht: Medizin als Geschäft. Es kommen Pfleger, Ärzte und Patienten zu Wort.

Sorgfältig recherchiert und verständlich unterzieht Sonia Mikich das Gesundheitssystem einer intensiven Untersuchung. Ihre Analyse ist tief beängstigend. Die Geschichte der Fallpauschalen, die in guter Absicht geschaffen wurden und im Geschäft endeten, wird nachvollziehend dargestellt, wie der unwissende Patient auf der Strecke bleibt und die Kosten in die Höhe steigen. Das eigentliche Problem, eine ungerecht verteilte Überversorgung, wurde politisch nicht gelöst.

Mikich will den unmündigen Patienten aufrütteln, das System anprangern. Das ist ihr gelungen. An manchen Stellen wird ein wenig zu viel wiederholt und es gibt theatralische Passagen, an denen ich mir etwas mehr Sachlichkeit gewünscht hätte. Leider kommen nicht die Krankenhausleiter zu Wort, die ihre Sicht der Dinge schilden, das hätte mich auch interessiert. Das Buch ist zwar einseitig und sehr persönlich, aber auf jeden Fall wichtig. Man kann es lesen wie einen Roman, einen Horrorstück. Ich würde es jedem raten zu lesen, zu schnell landet man selbst im Krankenhaus!

Zusatz: In einem Interview mit dem "Spiegel" sagte Mikisch, die Ärzte-Serien der ARD seien "süß parfümierten Hirnschiss". Dem ist nichts hinzuzufügen. 

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M

Rezension zu "Enteignet" von Sonia Mikich

Bestandsaufnahme eines „kranken“ Systems
michael_lehmann-papevor 6 Jahren


 

Das vor noch gar nicht allzu langer Zeit, fünfzehn, zwanzig Jahre zurück, das Gesundheitssystem durchaus funktionierte in (fast) allen Bereichen, überlange Wartezeiten selten im Raum standen, Krankenhäuser auf (zumeist) hohem Standard arbeiteten und das Ganze (scheinbar) einigermaßen finanzierbar war, das ist tatsächlich Vergangenheit.

 

Im Lauf der letzten Jahrzehnte wurden drastisch Leistungen gekürzt, Honorare gesenkt, Wartezeiten auf Termine massiv verlängert (nicht nur in der Schulmedizin, auch Menschen mit psychischen Beschwerden können da aktuell ein Lied von singen), dass eine „Zweiklassengesellschaft“ im Blick auf die Gesundheit mehr und mehr sich manifestiert, dass Krankenhäuser zu Hauf am Rande der Insolvenz ihre Finanzen jonglieren und das dabei die Kosten für das Gesundheitswesen exponentiell nach oben sich schrauben, all das deutet auf tiefgreifende Verwerfungen im System selbst hin, auf eine „schwere Krankheit der Gesundmacher“.

 

Fundiert, sorgfältig recherchiert und sprachlich sehr verständlich unterzieht Sonia Mikich das Gesundheitssystem einer intensiven Untersuchung (aus eigener, drastischer  Erfahrung heraus) und wendet sich konkret dem „System Krankenhaus“ zu. Dabei scheut sie sich nicht, entsprechende Diagnosen zu stellen. Eine Analyse, die nicht nur ernüchternd, sondern tief beängstigend wirkt für jeden, der sich mit diesem „System Krankenhaus“, dass den Patienten aktuell letztlich „enteignet“, aus eigener Erkrankung heraus auseinander zu setzen hat. Eine sorgfältige Darstellung, die unter anderem anhand der (ehemaligen) „Leuchttürme des Gesundheitswesens“, der Universitätskliniken Schritt für Schritt am konkreten Beispiel der Klinik Gießen-Marburg nachvollzieht und offen legt, welche Schneisen die rein profitorientierten Privatisierungen in ein ehemals gesundes „Fleisch“ schneiden. Im Gesamten eben, wie aus einer ehemals zwar mit Mängeln behafteter, aber den Namen „Gesundheitssystem“ zu recht tragender Einrichtung ein „inhumanes“ System geworden ist (und das „mit System“). Und das bezieht sich, über das konkrete Objekt des Buches hinaus, eben nicht nur auf Krankenhäuser.

 

Allein schon die Einlassungen über die „Lukrativität des Sterbens“ erschrecken nicht nur den Leser, sondern rufen auch gerechte Empörung hervor. Nicht die einzige Konkretion im Buch, die solche Emotionen freisetzt.

 

Natürlich provoziert Mikich, Seite für Seite. „Man kann dieser Ärzteschaft keinen Menschen überlassen!“. Und natürlich ist es so, dass eine Vielzahl von motivierten Ärzten, die sich Zeit nehmen, eine ethische Grundhaltung ihr eigen nennen und sich tatsächlich „für den Patienten“ und „gegen die Krankheit“ wenden in diesem Buch zu kurz kommen.

 

Aber das ist verständlich, denn Mikich geht es ja nicht darum, einzelne Personen durch die Bank zu verunglimpfen (außer da, wo sie konkret „Magen-umdrehende“ Vorfälle und Übergriffe benennt), sondern um eine schonungslose Darstellung eines System, das mittlerweile aus sich heraus ganz andere Prioritäten setzt als die „Gesundheit“. Profit geleitete Prioritäten, durch eine breite und professionelle Lobby aggressiv vertreten, die durchaus erklären, warum die Kosten explodieren und die Leistungen (nicht nur subjektiv) öfter und öfter als mangelhaft wahrgenommen werden. Wo auch der einzelne Arzt über kurz oder lang „überschwemmt“ wird in den täglichen Abläufen der Krankenhäuser (und, wie gesagt, nicht nur da)

 

So beängstigend  liest sich dieses kompetente Buch, das man Mikich am Ende Recht gibt, wenn sie auf Peter Sawicki verweist, der einen „Aufstand der Patienten und Gesunden“ fordert, damit sich endlich grundlegend etwas zum Besseren wendet.

 

Eine ernüchternde, harte, treffende Abrechung mit einer Entwicklung, die eine der wichtigsten Institutionen der Gesellschaft, das Gesundheitswesen, vor die Wand fahren lässt. Und das nicht zufällig oder „aus Versehen“.

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