Sonja Finck

 4,7 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor von Sam ist weg, Rahel und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sonja Finck

Sonja Finck, geboren 1978 in Moers, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Inzwischen lebt sie als literarische Übersetzerin in Berlin und Gatineau (Kanada).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sonja Finck

Cover des Buches Sam ist weg (ISBN: 9783546100175)

Sam ist weg

 (6)
Erschienen am 28.09.2020
Cover des Buches Blutiger Hass (ISBN: 9783869372617)

Blutiger Hass

 (0)
Erschienen am 23.12.2011
Cover des Buches Rahel (ISBN: 9783956273322)

Rahel

 (0)
Erschienen am 16.03.2015

Neue Rezensionen zu Sonja Finck

Cover des Buches Sam ist weg (ISBN: 9783546100175)sleepwalker1303s avatar

Rezension zu "Sam ist weg" von Sonja Finck

Zum Schluss bleibt doch die Hoffnung
sleepwalker1303vor 21 Tagen

Mathieu braucht Sam. So viel ist ganz klar. Denn Mathieu hat außer Sam niemanden mehr und ohne die Pitbill-Hündin ist sein Leben auf der Straße schwierig bis unmöglich. Und dann passiert das Schreckliche: Sam ist weg. Dabei hatte er sie nur kurz angebunden, um einkaufen zu gehen. Und dann ist die Hündin weg. Und man ist als Leser:in mitten im Buch „Sam ist weg“ von Sophie Bienvenu.

„»Ich vermisse sie so sehr, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Es fühlt sich an, als hätte man mir ein Stück aus dem Körper gerissen. Und die Wunde will einfach nicht heilen. Als ob sie dir einen Arm oder ein Bein amputiert hätten, weißt du? Es heißt doch, dass man das noch weiter spürt.«

»Redest du von Sam?«

»Ja … Auch von Sam.«

Spätestens an der Stelle ist klar, dass es in Mathieus Leben noch mehr Verlust gegeben hat. Verlust, der ihn aus seinem geregelten Leben gerissen hat und in ein Leben auf der Straße katapultierte. Aufgewachsen mit einer dominanten und narzisstischen Mutter („»Du versaust dein Leben. Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.« Fuck you, Mom. Du hast mich versaut.“), die ihn und sein Leben kontrollierte und manipulierte und einem Vater, der in der Familie nichts zu sagen hatte und früh starb. Er ist ein nachdenklicher, melancholischer und unverstandener Jugendlicher („Du hast kein Recht, traurig zu sein, Mathieu. Du hast ein Dach überm Kopf, du gehst zur Schule … Du hast eine Mutter, die dich liebhat und sich für dich aufopfert. Weißt du, was du bist, Mathieu? Ein verwöhntes Balg. Und undankbar.“) und wird mit 18 Vater einer Tochter. Anschließend versucht er (zu) vieles gleichzeitig: dem Einfluss der Mutter zu entkommen, sein Leben zu ordnen und seiner Tochter ein guter Vater zu sein. Weitere Brüche im Leben werfen ihn dann aber vollends aus der Bahn. Über all das denkt er nach, während er durch die Straßen geht und Sam sucht und gibt den Leser:innen einen Einblick in sein Leben.

Das Buch ist zwar eher ein Büchlein (nur knapp 170 Seiten lang und ich habe es in etwa zwei Stunden durchgelesen), aber es hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck, so tief, dass ich es schade fand, dass es so kurz war.  So viel Schicksal und Gefühl gebündelt auf so wenigen Seiten, so viel Liebe, Zuneigung und gleichzeitig Zweifel und Verzweiflung („Du wärst einfach am liebsten überhaupt nicht da. So wie Freddie Mercury. I don’t want to die, I sometimes wish I’d never been born at all.“) Und ganz zum Schluss ein Sonnenstrahl mit Hoffnung und einer Prise Optimismus. So traurig und schön gleichzeitig.

Das Buch hat keine Einleitung und keinen richtigen Schluss, ist also eher Novelle als Roman. Geschrieben ist es so, wie die Gedankengänge von Mathieu verlaufen: nicht linear, sprunghaft, durcheinander und in Umgangssprache (bei der Wortwahl, aber auch grammatikalisch). Authentisch, bildhaft, schlicht und doch bildgewaltig und berührend. Mal schön, mal weniger schön. Aber immer klar, prägnant und auf den Punkt. Da ist kein Wort zu viel und kein Satz überflüssig. Für mich ist es ein ganz besonderes und leises Buch und eine klare Lese-Empfehlung. 5 Sterne.


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Cover des Buches Sam ist weg (ISBN: 9783546100175)buchstabensammlerins avatar

Rezension zu "Sam ist weg" von Sonja Finck

Eine nalte Nase ist was wunderbares
buchstabensammlerinvor 7 Monaten

Rund ums Buch:
Titel: Sam ist weg
Autor: Sophie Bienvenu
Aus dem Französischen (Kanada) von Sonja Finck
und Frank Weigand
Buch: Gebunden, Schutzsumchlag, Lesebändchen
Verlag: claasen
Die Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel
„Chercher Sam“ bei Le Cheval d’auot, Montreal
Erschienen: 28.09.2020
Seiten: 176
ISBN: 9783546100175
Preis: 20,00 €

 

Rezension:

„Sam leckte mir die Tränen vom Gesicht und stupste mich an. Ihre Nase war nalt. Nass und kalt.“ (Seite 12)
Jeder Hundemensch kennt das, die nalte Nase eines vierbeinigen Gefährten und Sam ist für den jungen Mathieu eine ganz besondere, denn sie leben zusammen auf den Straßen irgendwo in Montreal. Und als während eines kurzen Einkaufs Sam vor dem Geschäft verschwindet ist Mathieu verzweifelt, allein und nur halb. Seine starke Begleiterin muss er finden und er macht sich auf die Suche. Er erinnert sich, an all das, was passierte, seine Mutter, die in manipulierte und immer verändern wollte, an seinen Vater, der komplett dagegen aufgab, an seine große Liebe Karine und ihre gemeinsame Tochter, die ihr Leben veränderte und an den furchtbaren Unfall und an all das, was aus ihm den Mann von der Straße gemacht hat.
Ich habe mal wieder ein paar Tränen verdrückt, denn die Liebe zu seinem Hund ist so groß und jeder Hundemensch kann dieses Gefühl spüren: ein Hund gibt einem so unglaublich viel. Bedingungslose Liebe und wenn dann etwas passiert, nicht auszudenken. Und seine Liebe zu seiner Tochter, so unglaublich besonders intensiv, ein Mensch, der alles versucht und immer wieder am Leben scheitert und das Schicksal es wahrlich nicht gut mit ihm meint.
 Das Buch ist mit seinen knapp 170 Seiten ein Büchlein, aber voller Liebe, Leid, Hoffnung und das Leben von Außenseitern in der Großstadt. Es ist voller Themen, die nicht für jeden alltäglich und doch überall da sind. Und an manchen Passagen tut es weh, man weint beim Verlust mit und auch hat es meinem Hundeherz weh getan, man sucht mit, hofft mit und am Ende legt man das Buch beiseite und atmet einmal tief durch. Denn irgendwo geht doch eine Tür auf....

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Cover des Buches Sam ist weg (ISBN: 9783546100175)RenaMs avatar

Rezension zu "Sam ist weg" von Sonja Finck

Sophie Bienvenu – Sam ist weg
RenaMvor 7 Monaten

Sophie Bienvenu – was für ein schöner Name – hat einen herzberührenden und zugleich optimistischen Roman geschrieben. Es ist einer dieser Romane, die vor allem wegen der Hauptfigur in Erinnerung bleiben. Und damit eine Antwort auf die immer mal wieder gestellte Frage, wie wichtig für einen Roman die sorgfältige Ausarbeitung der Charaktere ist.

Sie erzählt uns die Geschichte von Mathieu, einem jungen Mann auf den Straßen von Montreal, der alles verloren hat im Leben außer seiner geliebten Hündin Sam. Mathieu hat etliche tiefgreifende Erlebnisse hinter sich, die ihn zu einem Leben auf der Straße zwingen. Einzig dank Sam erlebt er Wärme, Zuwendung und Liebe.

Doch eines Tages ist Sam plötzlich verschwunden. Darüber geht Mathieu fast zugrunde. Er beginnt sie zu suchen, taucht ein in Abgründe der Großstadt, lernt aber auch Hilfsbereitschaft und Unterstützung kennen. Während seiner Suche erinnert er sich an seine Kindheit und Jugend, vor allem an seine Mutter. Er begreift, was er besaß, was er verlor und er begreift, was Schicksal ist, unabwendbar, unergründbar.

Die Autorin findet Bilder und Worte, die der Leserin mehrmals die Tränen in die Augen treiben, die anrühren, ja die schmerzen. Die Kindheit Mathieus war geprägt durch die Dominanz der Mutter, der niemand sich entziehen konnte, auch der Vater nicht. Als es Mathieu gelingt, sich aus dem Einfluss seiner Mutter zu befreien, bedeutet dies für ihn nicht nur Freiheit, sondern auch Armut, Verzicht, Einsamkeit. Aber auch die ungeteilte, unerschütterliche Liebe seiner Tochter.

Auch die Beschreibung der Verhältnisse auf den Straßen der Großstadt, die Gleichgültigkeit ebenso wie die Anteilnahme, die Gefahren und Gefährdungen ebenso wie der Zusammenhalt und die Unterstützung, das darzustellen gelingt Sophie Bienvenu mit großem Geschick. Stets umschifft sie Rührseligkeit, Kitsch und Klischee. Selbst das Ende des Romans, dem ich gespannt mit der Frage entgegensah, wie sie es schaffen wird, die Lösung herbeizuführen ohne zu überdramatisieren, ist ihr wirklich gut gelungen. Dabei schafft sie Sätze wie: „Nur irgendein Kind, das dem Universum so viel Liebe entgegenbringt, dass sie in alle Richtungen spritzt, einfach, indem es lacht, nach der Hand seiner Mutter greift oder Sam über den Kopf streichelt…“ (S. 116).

Dieser kleine, feine Roman, der übersetzt wurde von Sonja Finck und Frank Weigand, wird in mir noch lange nachwirken, durch seine Sprache, durch seine Wärme, durch seine Hauptfigur.

Sophie Bienvenu: Sam ist weg
claasen, August 2020
 Gebundene Ausgabe, 168 Seiten, 20,00 €

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