Sonja Heiss Rimini

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Inhaltsangabe zu „Rimini“ von Sonja Heiss

Hans ist Anwalt, reich und erfolgreich. Doch auf einmal kehrt diese irrationale Wut in ihm zurück. Seine Ehe funktioniert nicht mehr und statt mit seiner neuen Psychoanalytikerin Frau Doktor Mandel-Minkic an seinen Problemen zu arbeiten, verliebt sich Hans in sie. Seine Schwester Masha ist 39 Jahre alt, als sie beschließt, ein Kind mit ihrem Freund zu bekommen. Doch plötzlich geht er ihr schrecklich auf die Nerven. Masha begibt sich auf die panische Suche nach einem Mann, doch ihre Idee, im Bett den zukünftigen Vater ihres Kindes zu finden, scheint zum Scheitern verurteilt. Alexander und Barbara, die Eltern der ungleichen Geschwister, sind seit über vierzig Jahren leidlich glücklich verheiratet und müssen sich jetzt im Alltag eines Rentnerpaars einrichten. Während Alexander sich schon einsam fühlt, wenn seine Frau nur in ein anderes Zimmer geht, bleibt für sie nur die Flucht. Sie ahnt nicht, was sie damit in Gang setzt. Sonja Heiss entwirft ihre Charaktere mit enormer psychologischer Raffinesse. Ihr Blick auf den menschlichen Alltag zoomt Details heran, die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. Dabei entsteht ein meisterhafter Roman, der seinen Humor aus den Abgründen des Lebens schöpft.

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  • Die perfekte Familie oder Der Blick in den Spiegel

    Rimini
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    09. September 2017 um 12:57

    Vor kurzem ist mir "Rimini" über den Weg gelaufen. In die Hände gefallen. Ein Glückstreffer, den ich gemeinsam mit Alex vom Bücherkaffee gelesen und ausgiebig besprochen habe. Wir beide wurden vom Buch sehr gut unterhalten und haben eine Familie kennenlernen dürfen, die so was von aus dem Leben gegriffen ist, dass wir eigene Züge darin wiedererkennen konnten."Familien versuchen gerne, nach aussen hin als funktionierend zu erscheinen, aber Heiss blickt ganz schonungslos hinter die Kulissen und das in der tat mit einem ganz tollen sarkastischen Ton. Mal bitterkomisch, mal traurig, mal schwermütig, mal zum lachen - aber niemals wirklich belastend." (Alex, BücherKaffee)Auf den ersten Blick scheint alles okay. Hans ist erfolgreicher Anwalt - sogar Partner in einer Anwaltskanzlei, seine Frau Journalistin, sie haben zwei Kinder, ein Junge, ein Mädchen, ausreichend Geld, um in den Urlaub zu fahren und verbringen Weihnachten nach alten Traditionen und Werten. Perfekter geht es kaum und doch neigt Hans zu Wutausbrüchen, die ihn oftmals in Situationen manövrieren, aus denen er nur schwer entkommen kann. Mal zerbricht er nur einen Kugelschreiber, mal zertrümmert er einen Stuhl. Auf Wunsch seiner Frau geht er zu einer Psychoanalytikerin und trotzdem lässt sie ihn abends im Bett eiskalt abblitzen.Während Hans sich in seinen Therapiestunden in falschen Hoffnungen verliert, versucht seine Schwester Masha die große Liebe zu finden. Sie steuert rasant auf die 40 zu und sieht sich verpflichtet ein Kind zu bekommen. Das ist schließlich der Traum aller Frauen. Die Partnerwahl stellt sich jedoch, als schwierig heraus und ihre irgendwie falsche Wahrnehmung der Realität und ihre Fähigkeit Liebe und sexuelles Verlangen zu verwechseln, vereinfachen die Suche nicht.Wie sollen Hans und Masha auch einen reellen Blick aufs Leben bekommen? Ihre Eltern Alexander und Barbara konnten ihnen das nicht beibringen. Sie sind selbst viel zu festgefahren in Wünschen, Träumen und Handlungsabläufen, um den Kopf nach links oder rechts drehen zu können. Alexander möchte seiner Frau immer alles recht machen, verliert sich dabei jedoch in falschen Vorstellungen ihrer Bedürfnisse und Barbara ist zu müde oder zu ängstlich, um den Mund aufzumachen und für sich einzustehen."Barbara und Alexander haben keinen Weg zur Kommunikation gefunden in ihrer Ehe, nur belangloser Smalltalk. Sie konnte ihm nicht sagen, dass sie Leidenschaft vermisst und Zeit für sich braucht - er konnte ihr nicht sagen, dass er sie liebt und Angst hat, sie zu verlieren. Sehr traurig, diese Entwicklung hat mir weh getan. Ich dachte immer, ja nun redet doch endlich miteinander!" (Alex, BücherKaffee)Das Buch hat mir durchweg gut gefallen und landet definitiv auf der Liste der Jahreshighlights 2017. Ich mochte den Aufbau der Geschichte ebenso gerne, wie den vor Sarkasmus triefenden Schreibstil der Autorin. Anfangs ist die Bekanntschaft mit den Figuren oberflächlich, mit jedem Kapitel dringen wir mehr in ihr Bewusstsein ein, erkennen ihre Schwächen und Stärken, sehen welche Strukturen (zum Teil über Generationen verankert) zu deren handeln führen, während sie selbst weiter blauäugig durchs Leben gehen, ohne jegliche realistische Einschätzung ihres Verhaltens.Dialoge, die einem Loriot Stil das Wasser reichen können, haben mich zum Lachen gebracht, während mich viele andere Situationen mitleidig oder gar nachdenklich gestimmt haben. Rund um ein gelungener Roman, der dem ein oder anderen sicher als Spiegel dienen kann. Wenn nicht, auch gut. Klug unterhalten wird man auf alle Fälle.

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  • Familienleben mit vielen Zwischentönen

    Rimini
    Clari

    Clari

    08. September 2017 um 16:34

    Drei Paare: Eltern, Tochter und Sohn mit Partnern bilden den Mittelpunkt dieser Geschichte, in der es um Liebe, Treue, Anhänglichkeit, Versagen und wie immer auch Vergänglichkeit geht.Die Eltern, Barbara und Alexander, haben bereits nach langen Ehejahren ihr Rentenalter erreicht. Weihnachten treffen alle wie gewohnt zusammen.Hans, ihr Sohn und Anwalt von Beruf, dümpelt in seiner Ehe mit einer sehr dominanten Frau vor sich hin. Ihre beiden Kinder Lou und Leo sind in den Augen der Großeltern reichlich streng und rigide erzogen. Und Masha erst! Sie ist die jüngere Schwester von Hans und mit 39 eigentlich ein altes Mädchen, aber auch sie scheint den Absprung ins eigene Leben nicht recht zu schaffen. Das Weihnachtstreffen findet bei Hans und Ellen statt und rundheraus lässt sich sagen: alle gehen einander auf die Nerven. Irgendetwas scheint allen zu fehlen, um zu einem glücklichen und autonomen Leben zu finden.Gespannt verfolgt der Leser einer Entwicklung, bei der so nach und nach die Eigenheiten aller Partner zum Vorschein kommen, und man ist nicht erfreut, wie unübersichtlich das emotionale Durcheinander aller Beteiligten ist.Außer Ellen, dieser großen und durchsetzungsfähigen Frau von Hans, gehen alle scheinbar gegenseitig aneinander unter.Hans leidet an unkontrollierten Wutanfällen und besucht regelmäßig eine Psychoanalytikerin, in die er sich zuletzt verliebt. Damit ist der Therapieerfolg natürlich ausgeschlossen.Alles in allem beruhen die Thesen des Romans auf der Erkenntnis, dass Menschen im Laufe ihres Lebens Wandlungen durchmachen, die sehr häufig das Zusammenleben stören.Sonja Heiss wirft einen realistischen Blick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Geheime Wünsche, erwartete Freuden, mentale und sexuelle Erfüllung und immer wieder auch Enttäuschungen sind die Eckfeiler menschlicher Existenzen. Hier zappelt sich jeder und jede ab, um am Ende an den Widersprüchen von Wünschen und Wirklichkeit zu scheitern. Wie die Autorin die einzelnen Widrigkeiten beschreibt, ist der Wirklichkeit recht genau abgeschaut. Gerüche des Partners, Geiz oder eigensinnige Verhaltensweisen stören den ehelichen Frieden und führen zur inneren und äußeren Abkehr. Als Alexander stirbt, merkt Barbara erst, wie sehr sie das Zusammenleben mit ihm als Selbstverständlichkeit hingenommen hat, und die in ihren Augen abstoßenden Verhaltensweisen das Leben überschattet haben. Man ist nahe dran an den Protagonisten und kann sich lebensnah in die gegenseitigen Zweifel, die Wut und Abkehr einfühlen. Es ist ein wenig traurig mit anzusehen, wie nach und nach die Beziehungen aller zueinander in die Brüche gehen. Ein paar schöne Erinnerungen an die Frühzeit der Eltern bieten Lichtblicke, doch das Scheitern auch der beruflichen Erfolge von Hans und Masha überwiegt. Immerhin schafft Masha sich sehr verspätet noch ein persönliches Glück. Meint man beim Lesen aus der Ferne nicht „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen aufscheinen zu sehen? Der Zerfall von Familien ist in beiden Romanen zentrales Thema.Am Ende des Romans findet man zu dem Schluss, dass Leben von unterschiedlichen Schattierungen geprägt ist, und dass es vieler zu bestehender Bewährungsproben bedarf, um heil und unverletzt aus dem Lebensschlamassel herauszukommen. Der Debütroman von Sonja Heiss lässt auf weitere Erfolge hoffen!

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  • Intensive, Stark und mit jeder Menge Lacher inklusive ...

    Rimini
    SharonBaker

    SharonBaker

    20. August 2017 um 16:22

    Hans, ein erfolgreicher Anwalt, der verheiratet ist und zwei goldige Kinder hat, erweckt alte Wutanfälle wieder zum Leben. Alkohol soll ja auch in schwierigen Situationen helfen, aber je weiter er es vorantreibt, umso mehr spielt ihn sein Leben ins Abseits. Und ausgerechnet jetzt steht Weihnachten vor der Tür und Schwester Masha und seine Eltern kommen auf Besuch. Während Masha auf der Fahrt merkt, das sie einen unbändigen Kinderwunsch hat und dieses sofort in Angriff nimmt, kommen die Eltern bei Hans an. Gerade haben sie die Rente erreicht und versuchen sich in diesem Alltag einzurichten. Natürlich kommt es zu Spannungen und Missverständnissen und jeder nimmt seinen Lebenszweig anders in die Hand. Hans geht zur Psychoanalytikerin. Ob ihm das hilft? Masha merkt, das ihr Freund sie eigentlich nur noch nervt, und begibt sich panisch auf Männersuche. Ob dieser Weg überhaupt funktionieren kann? Tja und die Eltern haben auch so ihre Schwierigkeiten, Alexander fühlt sich einsam und klammert und Barbara nimmt die Beine in die Hand und ist auf der Flucht. Wird es hier auch noch eine Lösung geben? Oder wird eine Katastrophe eingeleitet? Ich möchte ganz ehrlich sein, mir ist das Buch zuerst bei der Lektorin aufgefallen und das, hat mich schon unglaublich neugierig gemacht. Außerdem ist das Cover so wunderbar außergewöhnlich und fällt durch seine Andersartigkeit sofort ins Auge. Tja, und wenn man sich den Klappentext widmet, muss man es einfach lesen wollen. Zumindest war es bei mir so, und ob ich meine Freude daran hatte, erzähle ich euch jetzt.Hans hat hart gekämpft, um dort zu sein, wo er jetzt ist, nämlich in der Statushölle. Erfolgreich ja, aber glücklich? Seine Frau darf er nicht mehr anfassen, seine Partner finden, er macht zu wenig Umsatz und vor seinen Kindern, darf er nicht fluchen. Je mehr er sich eingeengt fühlt, umso unbeherrschter agiert er. Da kann auch schon mal ein Bleichstift brechen, oder ein Tennisschläger den Falschen treffen. Und zum Allen übel, setzt ihn seine Frau die Pistole auf die Brust und schickt ihn zur Psychoanalyse. Allerdings passt ihm das gar nicht und so gibt es wunderbare Streitgespräche zwischen Ärztin und Patient. Außerdem stellen sich Gefühle ein, die so nicht beabsichtigt waren und für einige neue Erkenntnisse sorgen.Masha ist 39 und Schauspielerin, nur hat sie schon ewig nicht mehr gearbeitet und lebt mit ihrem Arzt Freund Georg glücklich zusammen. Nun ist aber der Kinderwunsch da und Masha, fühlt sich von ihrem Freund abgestoßen. Alles ist ihr zu wieder, der Geruch, die Geräusche und die Gespräche. Sie trennt sich und sucht verzweifelt nach jemand Neuem und versucht durch akrobatischen Bettsport, denn perfekten Vater zu finden, aber ist das eine gute Idee. Außerdem nerven sie die Eltern und stellen immer ihre Probleme über ihre eigenen. Keiner nimmt sie ernst und so steigert sie sich immer mehr in ihre eigene Welt hinein.Alexander und Barbara sind damals eine Vernunftehe eingegangen und haben sich aber mit den Jahren arrangiert. Nun glucken sie aber aufeinander und nicht jeden schmeckt der Rentenalltag. Während sich Barbara erdrückt fühlt und sich mehr als Gefangene sieht, sucht sie einen Weg, um auszubrechen. Dagegen fühlt sich Alexander schon einsam, wenn er allein im Raum ist. Als Barbara sich freischwimmt und sich ihren Alltag anders gestaltet, ahnt sie noch nicht wirklich, welche Folgen das haben wird.Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, wie großartig ich diesen Roman finde. Die Figuren sind zum Greifen nah und dadurch, dass wir jeden kennenlernen, verstehen wir sie besser. Manchmal denkt man nämlich zwischendurch, Gott ist der grässlich und dann liest man durch seine Augen und ist überrascht, man entwickelt eine Bindung zu denjenigen. Und das ist die große Stärke, diese Feinsicht auf das Leben, diese Beobachtung und das detaillierte Wiedergeben unseres Alltags. Denn der Leser wird sich in einigen Situationen wieder erkennen, zumindest ging es mir so, viele Gedanken,   Sorgen und Szenen kommen einen einfach bekannt vor und statt diese traurig, dramatisch zu beschreiben, bringt die Autorin einen Humor rein, für den ich sie einfach lieben muss. Diese Familiengeschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und keinen Moment Langeweile auf kommen lassen. Ein absolut gelungener Blick ins Leben, der so viel aufzeigt und statt zu erdrücken, einen Spaß macht mitzuerleben und das, obwohl mich die Eltern an meine erinnert haben, nicht immer positiv. Wie meistens, geht es um Liebe und Glück, und ob es diese Familie noch schafft, müsst ihr einfach erleben. Übrigens spielt Rimini, wenn auch nur klein erwähnt, eine gewaltige Rolle.Herrlich realistisch, mit großartigen Figuren und ein absolut umhauender Humor. Für mich wunderbar stimmig, griffig, sensibel, warmherzig und auf den Punkt gebracht. Eine klare Leseempfehlung.

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  • Das Leben ist kein Wunschkonzert

    Rimini
    Girdie

    Girdie

    17. August 2017 um 16:39

    Die verschiedenen Buchteile von „Rimini“, dem Debütroman von Sonja Heiss, beziehen sich in zeitlicher Hinsicht auf Masha Armin, die eine der Protagonisten ist. Weil ihr jeweiliges Alter die Teile betitelt, lässt sich daran der Fortschritt der Geschichte festmachen. Der Titel des Buchs ist das Ziel der Hochzeitsreise von Mashas Eltern. Doch das ist über 40 Jahre her. Mit ihrem damaligen Aufenthalt in der italienischen Stadt verbindet Barbara, Mashas Mutter, wunderschöne Erinnerungen, die sie nicht mit ihrem Ehemann teilt und die ihr Leben lang ihr kleines Geheimnis geblieben sind.Wie die weißen Linien auf dem grauen Hintergrund des Covers es andeuten, so ist ihr Leben wie das der weiteren Hauptfiguren nicht immer geradlinig verlaufen und auch in der Erzählung ist der Weg oft krumm. Ihre Kindheit verbindet Barbara mit starken Ängsten, von ihr wurde Gehorsam erwartet. An diese Zeit denkt sie nicht gern zurück, denn sie ist verbunden mit vielen Tränen. Die Liebe zu ihrem Mann Alexander ist erst mit der Zeit gewachsen, doch bestimmte Gemeinsamkeiten weckten in beiden den Wunsch auf ein gemeinsames Leben Seite an Seite, in guten wie in schlechten Zeiten.Der Roman spielt in der Gegenwart und nimmt nicht nur Barbara und Alexander in den Fokus. Das Ehepaar könnte seinen Rentneralltag in Frankfurt am Main genießen, doch Barbara macht die ständige Nähe von Alexander zu schaffen. Noch mehr Sorgen haben Masha und ihr älterer Bruder Hans, obwohl die beiden eigentlich immer ihrem Ziel gefolgt und ihnen schon vieles geglückt ist. Masha ist 39 Jahre alt und wohnt in Berlin. Mit der Schauspielkarriere hapert es. Immer stärker wird der Wunsch nach einem Kind, aber sie fragt sich, ob ihre langjährige Beziehung der ideale Vater ist. Hans ist ein erfolgreicher Anwalt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Die Familie ist gutsituiert. Aber bei Hans macht sich eine gewisse Überheblichkeit im Beruf breit, die Probleme mit sich bringt. Bereits seit seiner Kindheit äußert Hans seinen Unmut in Wutausbrüchen, die er bis heute weder vermeiden noch verbergen kann. Überspitzt zeigt die Autorin auf, welche Konsequenzen ein antisoziales Verhalten im Beruf haben kann. Doch sie schreckt nicht davor zurück, noch einen Schritt weiter zu gehen und so durfte ich miterleben, wie Hans noch eine weitere Obsession entwickelte. Schwierigkeiten im Job führen zu finanziellen Sorgen und die wieder zu Problemen in der Ehe und Unzufriedenheit bei den Kindern.Masha befindet sich in einer Phase, in der sie auf die Entwicklung in ihrem Leben zurückblickt und unzufrieden mit dem Erreichten ist. Ein Kind würde ihrer Zukunft nochmal eine neue Richtung geben. Aber sie sieht auch die damit verbundenen Abhängigkeiten. Auch wenn es ihr nicht bewusst ist, schreckt sie dennoch vor der Verantwortung zurück und überträgt ihre Ängste darauf, den idealen Partner zu finden. Dadurch gewinnt sie Zeit für ihre Entscheidung, von der ihr aber im fortgeschrittenen Alter nicht mehr allzu bleibt.Alexander und Barbara tragen schwer an ihrer Kindheit. In den vielen gemeinsamen Ehejahren haben sie einander so gut kennen gelernt, dass sie die Meinung des anderen zu sämtlichen Fragen des Alltags bereits wissen, ohne darüber zu reden. Gemeinsames Schweigen ist die Folge und Wiederholungen von bereits Gesagtem, wenn es denn zu einem Gespräch kommt. Für Barbara tritt ihr Dasein in eine Dauerschleife, die sie zu durchbrechen sucht. Der genügsame Alexander sucht mit seinem männlichen Beschützerinstinkt die Nähe seiner Frau, doch dadurch wird jeder Ausbruchgedanke Barbaras sofort von ihrem Mann aufgefangen und geprüft. Auflehnung von Barbara bleibt nicht aus, das habe ich als Leser durchaus erwartet, die exzentrische Umsetzung hat mich überrascht.Sonja Heiss erzählt über eine ganz normale Familie in ihrem ganz gewöhnlichen Alltag, erschreckenderweise hat man an einigen Stellen ein Déjà-Vu. Die Autorin beschreibt alle Unzulänglichkeiten der Charaktere detailliert und ließ mich als Leser daran unbewertet teilhaben. Ihre Charaktere muss man nicht lieb gewinnen und ihre Entscheidungen nicht alle gut heißen, um sich von ihrem Schicksal berühren zu lassen. In Nahaufnahme beleuchtet sie in feinfühliger, manchmal recht freizügiger Sprache das Für und Wider von Entscheidungen. Mit Rückblicken auf Kindheit und Jugend ihrer Protagonisten versucht sie, dem Ursprung der Sorgen auf den Grund zu gehen. An Erwachsene wird der Anspruch gestellt, dass sie ihre Gefühle im Griff haben. Doch möchte man nicht eigentlich noch ein wenig Kind bleiben, wenn damit Geborgenheit und Liebe verbunden ist? Endet Kindsein durch eigenen Beschluss oder den Tod der Eltern? Die Erzählung gibt Anregung darüber nachzudenken.„Rimini“ ist ein Roman um Liebe und der Suche nach Anerkennung, Bewunderung und Respekt. Der Ernst des Alltäglichen wird durch Ironie, Sarkasmus und überspitzte Darstellung gemildert. Das Leben ist kein Wunschkonzert, das stellt auch Sonja Heiss entsprechend dar und weist bereits im Prolog darauf hin. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und darum empfehle ich sie gerne uneingeschränkt weiter.

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