Sophia Klink

 4,1 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf

Sophia Klink, geb. 1993 in München, hat Biologie studiert und über die Symbiose zwischen Bakterien und Pflanzen promoviert. Sie wurde mit dem Literaturstipendium München und dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis beim Literarischen März ausgezeichnet und mit Stipendien des British Council und der Stiftung Kunst und Natur gefördert. Sie war Finalistin beim open mike, Aufenthaltsstipendiatin der Roger Willemsen Stiftung, des Adalbert Stifter Vereins und der Villa Sarkia in Finnland. Im Frühjahr 2025 erschien ihr Lyrikdebüt bei hochroth München. Durch einen Forschungsaufenthalt am Weißen Meer in Russland zu ihrem Roman »Kurilensee« inspiriert, stand sie mit einem Auszug daraus auf der Shortlist des W.-G.-Sebald-Preises. Die Autorin lebt in München.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sophia Klink

Cover des Buches Kurilensee (ISBN: 9783627003302)

Kurilensee

(9)
Erschienen am 11.09.2025

Neue Rezensionen zu Sophia Klink

Cover des Buches Kurilensee (ISBN: 9783627003302)
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Rezension zu "Kurilensee" von Sophia Klink

Dajobama
Studien

Kurilensee – Sophia Klink

Dies ist ein recht wissenschaftlich geprägter Roman rund um das Ökosystem des Kurilensees auf der russischen Halbinsel Kamtschatka.

Protagonistin und Erzählerin ist Anna, eine Biologin auf der Forschungsstation am Kurilensee. Zusammen mit ihren Kollegen, zu denen auch ihr Freund Vova zählt, beobachtet sie seit Jahren die Veränderung der Lachspopulation. Die Wissenschaftler zählen Fische, analysieren Wasserproben und vieles mehr. Schließlich sollen sie eine Empfehlung abgeben für oder gegen eine Düngung des Sees mit Phosphat. Diese kann möglicherweise die Folgen von Überfischung und Klimawandel etwas abmildern. Aber würde man damit nicht das empfindliche Ökosystem noch mehr durcheinanderbringen? Eine schwere Entscheidung zu einem sehr aktuellen Thema.

Man muss sich als Leser schon für Fische, Klima und was alles damit zusammenhängt, interessieren. Denn die Autorin verliert sich gern in wissenschaftlichen Details und schreckt auch vor Fachbegriffen nicht zurück. Fernab der Studien gibt es nur recht wenig Handlung bzw. Entwicklung. 

Dennoch liest sich dieses faszinierende Werk überraschend gut. Der Autorin gelingt es, einen gewissen atmosphärischen Sog aufzubauen und mit ihrer eigenen Begeisterung anzustecken.

Lesenswert - 4 Sterne


Cover des Buches Kurilensee (ISBN: 9783627003302)
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Rezension zu "Kurilensee" von Sophia Klink

Sonmi
Zwischen Wissenschaft und Poesie

Sophia Klinks „Kurilensee“ punktet mit einem hochaktuellen, spannenden Thema: Mit feinem Gespür verbindet sie die fragile Natur Kamtschatkas mit präziser Wissenschaft und einer poetisch dichten Sprache. Die Schilderung der Arbeit und der Diskussionen am See sind informativ und schärfen den Blick für globale Bedrohungen wie den Klimawandel. Besonders eindrücklich gelingt ihr die Darstellung der Schönheit der Umgebung ebenso wie die Zweifel und Konflikte der Protagonistin Anna.Allerdings gerät die Handlung über weite Strecken recht gemächlich. Die Fülle an naturwissenschaftlichen Details und langen Innenschauen nimmt dem Roman bisweilen das Tempo, sodass sich einige Passagen etwas langatmig lesen und die Spannung darunter leidet. Wer jedoch Freude an Nature Writing und Wissenschaftsliteratur hat, wird durch die intensive Sprache und eindringlichen Naturschilderungen entschädigt.Insgesamt ein interessantes literarisches Debüt, das mit Tiefe überzeugt, manchmal aber unter seiner eigenen Akribie ins Stocken gerät und deshalb nicht durchgehend fesselt

Cover des Buches Kurilensee (ISBN: 9783627003302)
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Rezension zu "Kurilensee" von Sophia Klink

Doreen_Klaus
Besondere Atmosphäre

Jeden Sommer kommt eine Gruppe Wissenschaftler nach Kamtschatka. Hier in der Forschungsstation am Kurilskoye leben und arbeiten die Mitglieder der Gruppe über Monate, weit weg von der Zivilisation, abhängig von den Lebensmittellieferungen per Hubschrauber, umgeben von atemberaubender Natur, einzige Gesellschaft die Bären und die Lachse. Die Lachse zu zählen und zu untersuchen ist die Hauptaufgabe der Forschenden, um zu prognostizieren, wie sich die Population entwickeln wird und mit welchen Fangmengen man in der Fischerei demzufolge rechnen kann. Eine von ihnen ist Anna, die schon seit Jahren mit ihrem Partner zur Stammcrew der Forschungsstation gehört und mit ihren Augen sieht man nun diesen Sommer am Kurilensee.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich am Klappentext angesprochen und letztlich dazu bewogen hat das Buch zu lesen. Irgendwie hat mich diese Mischung aus Naturbeschreibung und Zivilisationsproblematik interessiert und ich war gespannt auf die Umsetzung.

Autorin Sophia Klink beschreibt in ihrem Roman die bekannte Problematik der Überfischung der Meere, den Rückgang der Fischpopulation bedingt durch Klimawandel, Umweltverschmutzung, und die Verringerung der Lebensräume durch das Eingreifen der Menschen. Dem setzt sie den absoluten Kontrast einer atemberaubenden Landschaft mit rauchenden Vulkanen und herumtollenden Bärenjungen entgegen, eine Idylle, fern jeglicher Zivilisation, vermeintlich unberührt, wild und gefährlich, aber letztlich auch bereits kompromittiert durch die Anwesenheit der Wissenschaftler. Dieser Kontrast erzeugt bereits eine besondere Stimmung, die noch verstärkt wird durch die philosophischen, fast melancholischen Gedankengänge von Hauptfigur Anna.

Anna trägt das Buch, durch ihre Augen erlebt man die Arbeit der Wissenschaftler und erfährt von den Konsequenzen, die ihre negativen Forschungsergebnisse nach sich ziehen. Man erlebt die inneren Konflikte der verschiedenen Personen, ihre im Keim erstickte Auflehnung gegen die Pläne der Regierung und die damit verbundene Resignation, trotz allem führen sie ihre Arbeit fort, immer mit der Hoffnung auf ein Wunder, auf ein "die Natur findet einen Weg", auf ein "vielleicht wird ja doch noch alles gut". Es ist fast deprimierend dem zu folgen und dabei auch noch mit Annas geheimsten, unerfüllten Sehnsüchten konfrontiert zu werden.

Der Schreibstil ist leise und zart, fast wie eine leichte Sommerbrise. Manchmal wirkt es beinahe etwas hypnotisch, ich will nicht sagen einschläfernd, man wird eingesaugt in diese flirrende Atmosphäre von Mückenschwärmen und sich windenden Fischleibern, man spürt die Anspannung, die Hektik beim Zählen der Tiere, den Druck und die bleiernde Schwere wenn Erfolgserlebnisse ausbleiben, sich Befürchtungen bewahrheiten. Natürlich besteht ein Großteil des Buches auch aus wissenschaftlichen Fakten rund um die Arbeit Annas und ihrer Kolleg*innen. Es ist unglaublich interessant und komplex was die Autorin hier an Wissen vermittelt, ohne das dies plump als solches zu erkennen ist. Ehrlicherweise muss ich schon sagen, dass ich davon nicht wirklich unbedingt viel verstanden habe, aber ich denke auch nicht, dass dies die vorrangige Intention der Autorin war.

Kurilensee ist ein absolut bemerkenswertes Buch, die Art und Weise wie die verschiedenen Themen hier miteinander verwoben sind, hab ich so bisher noch nicht erlebt. Allein wenn Anna über die Fische sinniert und dabei auf ihre eigene Fruchtbarkeit kommt und den Leser dann entführt auf eine Reise durch den Körper, wo ein Hormon einen Impuls steuert, auf den hin eine Eizelle herangebildet wird und ein anderes Hormon dann dafür sorgt, das sich diese auf ihren Weg durch den Körper macht... Allein das ist so philosophisch, so poetisch, so besonders, dass man es einfach gelesen haben muss. 

Ein sensibles Buch, eines das Kritik übt und zum Nachdenken anregt, ein Buch, das nachhallt beim Leser über die letzte Seite hinaus.

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