Der Liebesroman „Zweite Chancen á la carte“ von Sophie Beaumont entführt seine Leser in die französische Küche. Das Cover ist hübsch, wenngleich etwas unscheinbar, und deutet auf die kulinarischen Highlights im schönen Paris hin.
In der Pariser Kochschule Morel kreuzen sich die Lebenswege der drei ungleichen Protagonistinnen. Alle drei stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, beruflich wie privat. Während die Frauen sich Stück für Stück neu orientieren, eröffnet sich ihnen auch in der Liebe eine zweite Chance. Bleibt die Frage, ob das Trio ihre Chancen auch nutzt.
Sophie Beaumont beweist in ihrem Roman eine außerordentliche atmosphärische Dichte, sodass ich mich beim Lesen regelrecht nach Paris versetzt gefühlt habe. Ebenso anschaulich beschreibt sie die Speisen und Gerichte im Verlauf des Romans. Teilweise kann einem hier schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kochbegeisterte Leser werden hier möglicherweise ein paar Rezepte vermissen. Was der Handlung meiner Meinung nach ein wenig fehlt ist die Spannung. Zwar kommt es immer wieder zu Angriffen auf Sylvies Kochschule, doch diese wirken ebenso wie darauffolgende Detektivarbeit in meinen Augen ein wenig konstruiert. In Sachen Liebe gibt es auf den knapp 350 Seiten aber natürlich auch einige Hindernisse und Missverständnisse zu bewältigen. Und genretypisch erwartet man auch eher einen überschaubaren Spannungsbogen.
Die Autorin wählt drei Frauen unterschiedlichen Alters und mit sehr verschiedenen Lebensstilen als Protagonistinnen aus. Dadurch ermöglicht sie ihren Lesern einen vergleichsweise individuellen Zugang zu ihrem Roman. Persönlich hätte mir gewünscht, dass die drei Handlungsstränge, die über weite Teile des Buches eher nebeneinander herlaufen, noch stärker miteinander verknüpft werden. Trotzdem bieten alle drei Figuren interessante Geschichten. Die australische Künstlerin Gabi ist die jüngste der drei Damen. Sie steckt mitten in einer Schaffenskrise, zweifelt an ihren Fähigkeiten und sucht Ablenkung von ihren Problemen. Eingestehen möchte sie das vor anderen allerdings auf keinen Fall. Sie nimmt selten ein Blatt vor den Mund – außer wenn es um sie persönlich geht - und nutzt diesen Charakterzug auch um ihre eigenen Unsicherheiten zu überspielen. Zwischen ihr und dem Käsehändler Max knistert es vom ersten Augenblick an. Die Funken fliegen rasant, doch was hält Max‘ altehrwürdige Familie von Gabi? Sylvie ist die älteste im Trio. Die sympathische Mutter eines erwachsenen Sohns ist Inhaberin der Kochschule. Ihre Beziehung mit dem egozentrischen Claude macht sie zunehmend unglücklich und die böswilligen Angriffe auf ihre Kochschule bringen sie fast zur Verzweiflung. Gut, dass ihr liebenswerter Nachbar und bester Freund Serge immer ein offenes Ohr für sie hat. Auch zu ihrem Sohn Julien, der aktuell in Australien weilt, hat Sylvie ein absolut vertrauensvolles und lockeres Verhältnis. Zeitweise habe ich beim Lesen ein wenig über ihre mütterliche Lockerheit gewundert mit der sie alle Bedenken beiseite wischt und uneingeschränkt positiv reagiert. Die frischgeschiedene Kate ist die bodenständigste der drei Frauen. Sie erholt sich in Paris zusehends von den Demütigungen ihres Ex-Mannes. Ihr offener aber taktvoller Umgang mit ihren Mitmenschen macht sie zu einer echten Sympathieträgerin. Obwohl sie sich von dem attraktiven Arnaud und seine Hündin Nina sofort angezogen fühlt, beschließt Kate nichts zu überstürzen und alles weitere dem Zufall zu überlassen. Kate ist für mich die authentischste und angenehmste Protagonistin des Romans.
Insgesamt besticht der Roman vor allem mit seinen lebhaften und eindrücklichen Schilderungen der Pariser Atmosphäre und der kulinarischen Genüsse. Drei interessante Frauen, die ihrem Leben eine neue Wendung geben, sorgen für eine unterhaltsam-lockere Lesezeit.




