Liberty lebt in Willowbrook, einem zauberhaften englischen Dorf, das aus einem Bilderbuch stammen könnte. Sie liebt ihr ruhiges Leben. Quilten am Kaminfeuer, lange Spaziergänge mit ihrem Labrador durch die verschneite Landschaft, ihr kleines Cottage mit allem, was sie braucht. Was ihr fehlt, ist ihre beste Freundin Carys, die nach einem schweren Unfall im Koma liegt. Als Carys' Schicksal Liberty gezeigt hat, wie wenig Zeit im Leben bleibt, fasst sie einen Entschluss. Im Dezember wird sie zu allem Ja sagen. Kein Nein mehr. Keine Ausrede mehr. So kommt es, dass sie ein Zimmer in ihrem Cottage vermietet, und plötzlich steht Alex vor der Tür. Ein ehemaliger Rennfahrer, der nach einem schweren Motorradunfall seine Karriere aufgeben musste, ein Einzelgänger, allergisch gegen Libertys Labrador, emotional zurückhaltend. Aber auch er trägt seine eigene Geschichte mit sich.
Was den Roman zu einem positiven Leseerlebnis macht, ist das Setting. Willowbrook als fiktives englisches Dorf ist genau die Kulisse, die man von einem cozy Winter-Roman erwartet. Sophie Claire fängt die typischen Elemente ein. Das kleine Cottage mit Kaminfeuer, die verschneiten Landschaften rund um das Dorf, die freundliche Nachbarschaft, den Labrador, der durch die Handlung streift, die winterlichen Spaziergänge, die man beim Lesen mitgehen möchte. Diese englische Dorfromantik ist für Fans des Genres ein Wohlfühl-Garant. Der Handarbeitsladen, in dem Liberty ihre Quilts fertigt, hat einen eigenen Charme, und die winterliche Grundstimmung mit ihrer verschneiten Ruhe transportiert das Wohlfühl-Genre solide.
Auch die Grundidee des Romans hat mir gut gefallen. Libertys Entschluss, im Dezember zu allem Ja zu sagen, ist ein charmantes narratives Vehikel, das viele kleine unerwartete Situationen ermöglicht. Es ist auch eine emotional nachvollziehbare Reaktion auf Carys' Schicksal und die Erkenntnis, dass Leben endlich ist. Die Roommate-Konstellation mit Alex funktioniert grundsätzlich. Beide Figuren tragen ihre eigenen Wunden mit sich, beide müssen lernen, sich wieder auf jemanden einzulassen. Der Feel-Good-Faktor ist konstant präsent. Man kann sich in dieses Buch fallen lassen und einen entspannten Nachmittag verbringen.
Ehrlich gesagt fehlt mir aber die besondere Note, die einen Wohlfühl-Roman vom durchschnittlichen zum Herzensbuch macht. Willowbrook fühlt sich beim Lesen ähnlich an wie zahllose andere englische Dörfer in ähnlichen Romanen. Charmant, aber austauschbar. Auch die Chemie zwischen Liberty und Alex bleibt hinter dem zurück, was die Grundkonstellation eigentlich versprochen hatte. Ihre Annäherung passiert eher gemächlich und ohne die emotionale Intensität, die die Roommate-Trope bieten könnte. Sophie Claires Erzählstil ist warm und flüssig, aber nicht besonders herausragend. Die Nebenfiguren wirken teils schemenhaft, die Handlung bleibt recht vorhersehbar. Und die Coma-Freundin als emotionaler Anker der Geschichte hätte ich mir stärker in die Handlung verwoben gewünscht statt nur als narrative Ausgangsposition.
Das alles sind keine schweren Fehler. Es sind eher fehlende Extras, die den Roman von solide zu großartig hätten heben können. Für Fans klassischer britischer Feel-Good-Romance, die einen angenehmen Wintertitel für die kalte Jahreszeit suchen, ist das Buch geeignet. Für einen gemütlichen Nachmittag mit einer warmen Tasse Tee am Kaminfeuer funktioniert er als das, was er sein möchte. Nur eben nicht viel mehr. Wer herausragende Wohlfühl-Literatur mit besonderer Handschrift sucht, sollte sich stärker in Richtung anderer Feel-Good-Autor:innen orientieren.
















