Sophie Hardcastle

 3,9 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor*in von Unter Deck.

Lebenslauf

Sophie Hardcastle wurde 1993 in Australien geboren. Sie studierte in Oxford Englische Literatur und in Sydney Kunst mit Schwerpunkt Malerei. Sie ist Autorin, Künstlerin und Drehbuchautorin. Sie verfasst Artikel für verschiedene Zeitschriften und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Sophie Hardcastle

Cover des Buches Unter Deck (ISBN: 9783036958316)

Unter Deck

 (37)
Erschienen am 11.05.2021

Neue Rezensionen zu Sophie Hardcastle

Cover des Buches Unter Deck (ISBN: 9783036958316)
B

Rezension zu "Unter Deck" von Sophie Hardcastle

Die Geschichte einer Heilung
buchlesenliebevor einem Jahr

 „Maggie, ich wünschte du hättest es mir gesagt. Auf See hört niemand deine Schreie“ (S.177)

Nach einem abendlichen Streit mit ihrem Freund Adam, erwacht die 21-jährige Olivia völlig verkatert auf der Segelyacht "Sea Rose". Sie befindet sich mitten auf der Tasmansse. Die Segelyacht gehört dem weisen und gutmütigen Mac sowie seiner blinden und künstlerisch begabten Freundin Maggie. Für Olivia eine schicksalhafte und lebensverändernde Begegnung, eine Art „Heimkehr“ zu Menschen, bei denen sie sich das erste Mal in ihrem Leben geliebt, geborgen und verstanden fühlt; eine Begegnung, die in einer intensiven Liebe und Faszination für das Meer mündet und dem Finden einer wahrhaftigen Berufung. In Folge dieses Kennenlernens löst sich Olivia nach dem Tod ihres Großvaters aus ihren toxischen Beziehungen – zu Adam sowie ihren Eltern –, sagt ein bereits zugesagtes Praktikum bei einer großen Investmentbank ab, nimmt gemeinsam mit Maggie und Mac bei einer Regatta teil und macht das Arbeiten auf See zu ihrem Beruf. In Maggie findet Olivia außerdem eine Seelenverwandte, denn sie eint die Fähigkeit zu synästhetischen Wahrnehmungen und Empfindungen. Einige Jahre später heuert Olivia auf der "Poseidon" an – als einzige Frau in einer rein männlichen Crew . Eines nachts geschieht ein traumatisches Ereignis, das bei Olivia tiefe seelische Schmerzen und Narben hinterlässt. Jahre vergehen, Olivia lebt mittlerweile in London; arbeitet in einer Kunstgalerie und könnte glücklich sein in ihrer Beziehung mit Hugo. Doch die erlebten Traumatisierungen auf See wirken nach: „Denn wie soll man jemandem, der noch nie Feuer erlebt hat, brennende Haut erklären?“ (S.229) …

Sophie Hardcastle erzählt in ihrem autobiografisch geprägten Roman die intensive Entwicklungs-, Leidens- und Heilungsgeschichte einer jungen Frau; die wir als Leser*innen über mehrere Jahre begleiten und deren Schicksal zu Herzen geht. Eine Frau, die auf der Suche ist, sich selbst findet, völlig gebrochen wird, sich verliert, sich wiederfindet, transformiert und heilt. Stück für Stück.

Und obwohl auch mich diese Geschichte sehr bewegt hat, bleibe ich mit einem etwas zwiegespaltenen Leseerlebnis zurück. Beseelt war ich von den bildhaften und atmosphärischen Beschreibungen der Autorin – das Meer stets vor dem inneren Auge, die Synästhesie meisterhaft in die Erzählung als Stilmittel eingeflochten, das Wissen: Maggie, Mac, andere starke Frauen, die Energien des Universums (oder an was, Mensch auch immer glauben mag) – sie stehen hinter dir Olivia. Du bist nicht allein, du wirst gesehen, die stummen Schreie deiner Seele werden erhört.

Doch es gibt leider auch eine Kehrseite; während der ersten 80 Seiten habe ich mich aufgrund des erzählerischen Stils des Öfteren gefragt, ob ich mich in einem Young Adult-Roman verirrt habe; etwas über-konstruiert, zu gewollt und für mich nicht ganz stimmig wirkten außerdem das spätere Einfließen weiterer Themenaspekte, die gesellschaftspolitisch und literarisch „en vogue“ (das meine ich nicht so negativ, wie es vermutlich wirkt ;)) sind. All dies sind aber wirklich nur kleinere Kritikpunkte. Doch, was mir das größte Unbehagen bereitet und dies ist für mich ganz schwer zu formulieren, da ich um die autobiografische Prägung dieses Romans weiß: ich kann die leise Sorge nicht ablegen, dass die im Roman gezeichnete (sicherlich nicht vollendete) „Heilung“ von Traumata/posttraumatischer Belastungsstörungen für Nicht-Betroffene falsche Erwartungen oder Vorstellungen implizieren könnte. Es ist eine vielschichtige und hochkomplexe Thematik, über die sich im Rahmen dieser Rezension nicht ausführlich schreiben lässt und sicherlich werden Traumata sehr individuell verarbeitet. Doch rein auf Gefühlsebene: mir war einfach nicht ganz wohl bei dieser Darstellung. Das ist sicherlich eine sehr subjektive Empfindung, aber mir war es wichtig sie dennoch zu benennen. Nichtsdestotrotz habe ich „Unter Deck“ insgesamt gern gelesen, doch ein Highlight ist es für mich leider nicht geworden und ein kleiner Zwiespalt bleibt.

Übersetzt aus dem australischen Englisch von Verena Kilchling. 

Cover des Buches Unter Deck (ISBN: 9783036958316)
3lesendemaedelss avatar

Rezension zu "Unter Deck" von Sophie Hardcastle

Unter Deck von Sophie Hardcastle
3lesendemaedelsvor 2 Jahren

Der Tod ihres geliebten Großvaters stürzt die junge Australierin Olivia in eine Krise, denn er war seit Jahren ihr Halt, denn ihre Eltern führen ein eigenes Leben fernab in Asien. Als Mac und dessen blinde Lebensgefährtin Maggie sie einladen mit ihnen zu segeln, ist sie zunächst skeptisch. Doch sie lehren sie die Sprache des Meeres und Olivia verfällt der Faszination. Über Jahre heuert sie auf Booten auf allen Weltmeeren an, bis sie Vlad begegnet, der für sein Männerteam einen Koch sucht. Bei der Überfahrt nach Auckland wehrt sie sich gegen gierige Blicke und anzügliche Bemerkungen. Dennoch fühlt sie sich von AJ angezogen und nach einer gemeinsamen Nachtwache passiert es dann. Die aufgestaute Gier des jungen Mannes entlädt sich und er vergewaltigt Olivia. Als ihre Periode zu früh einsetzt und sie die Matratze vollblutet, setzen sie die Männer im Beiboot aus und ziehen sie hinterher.
Das zutiefst demütigende Erlebnis wirkt sich auch noch Jahre später auf ihr Leben aus.
Ein esoterisch angehauchtes Lüftchen entwickelt sich zum kraftvollen Taifun und flaut zum Wind ab. So in etwa könnte man die Handlung beschreiben. Der Mittelteil war brillant und atemberaubend drastisch, Beginn und Ende eher fade.

Cover des Buches Unter Deck (ISBN: 9783036958316)
dj79s avatar

Rezension zu "Unter Deck" von Sophie Hardcastle

Thematisch schwer auszuhalten, sensationelle Sprache
dj79vor 2 Jahren

Olivia, auch Liv oder Oli genannt, ist die Protagonistin dieses sehr treffend betitelten Romans. Liv wächst in einer wohlhabenden Welt auf. Der für sie vorgedachte Lebensweg passt dennoch nicht. Erfüllung findet Oli dank eines älteren Pärchens in den Weiten des Ozeans bis ihr dieser Lebenstraum kaputt gemacht wird.

Thematisch geht es um die Emanzipation vom Elternhaus, um die Ausrichtung des eigenen Lebens, um Selbstbehauptung, um den Umgang mit Schicksalsschlägen und leider auch um sexuelle Gewalt und deren Folgen. Die damit verbundenen Emotionen und Gedanken der Protagonistin sind so intensiv beschrieben, dass das Lesen für mich zeitweise schwer zu ertragen war. Dennoch finde ich die Art der Auseinandersetzung passend. Die Gewalt darf einfach nicht weichgespült daherkommen, weil das aus meiner Sicht einer Verharmlosung gleichkäme.

Sophie Hardcastle‘s Einsatz von Farben zur Unterstreichung von Gefühlen hat es mir besonders angetan. Ich konnte mich megamäßig in die Protagonistin hineinversetzen - deshalb war es ja so schwer zu ertragen - und fühlte mit ihr, wirklich schlimm. Dieser Stil hat mich begeistert.

Etwas kritischer habe ich die Aufteilung des Romans in seine vier Teile gesehen. Der Szenenwechsel war mir dabei besonders in der ersten Buchhälfte zu abrupt. Der damit verbundene Schlag ins Gesicht - so fühlte es sich für mich an - ist noch stärker ausgefallen. Ich glaube auch, dass der entstandene Effekt beabsichtigt war. Mich hat der Szenenwechsel komplett aus dem Lesefluss gerissen und es hat überdurchschnittlich lange gedauert, bis ich mich wieder eingefunden hatte.

Insgesamt bin ich zufrieden mit dem Roman. Ich finde es auch gut, dass hier ungeschönt über sexuelle Gewalt gesprochen wird, ein Thema, das nicht ausgespart werden darf. Ich spreche eine eingeschränkte Leseempfehlung aus. Man sollte den Roman nur lesen, wenn man sich emotional fit fühlt, ansonsten sollte man sich den Roman für später vormerken. Lesenswert ist er in jedem Fall.

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