Sophie Reyer Marias.

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Inhaltsangabe zu „Marias.“ von Sophie Reyer

Ausgehend von historischem Material aus drei Jahrhunderten, das Sophie Reyer aus Archiv-Recherchen in einem Frauen-Dokumentationszentrum und in einer Haftanstalt bezog, breitet die Autorin einen nicht enden wollenden Katalog von „Kindsmörderinnen“ aus. Auf verschiedenen Erzählwegen und aus mehreren Perspektiven – aus jener der betroffenen Frauen selbst, jener eines religiös konnotierten Über-Ichs sowie aus jener einer urteilenden und strafenden Gesellschaft – durchmisst die Autorin Seelentopographien jenseits landläufiger Täter-Opfer-Zuschreibungen. Unterbrochen wird der derart mehrstimmig angelegte, von Anfang bis zum Ende durchrhythmisierte Erzählfluss immer wieder durch lakonische Kommentare aus dem Blickwinkel eines zeitgenössisch-aufgeklärten, feministischen Bewusstseins, das die zitierten Quellen sowie Verwendungsweisen des Medea-Motivs in der Hohen Literatur oder im Sensationsjournalismus kritisch hinterfragt. Mittels tektonischer Bezugnahmen auf die kirchenmusikalische Gattung des Requiems entwickelt Sophie Reyer für „MARIAS. Ein Nekrolog“ eine außergewöhnliche Form profanen Totengedenkens, dessen Intention nicht zuletzt darin besteht, „mundtot“ gemachten Frauen eine Stimme zu verleihen.

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    Marias.

    Matthias Hagedorn

    23. June 2013 um 11:58

    Wie auch bei Reyers Projekt MARIAS besticht eine hybride, grenzüberschreitende Sprache, gekennzeichnet von der Suche nach Spuren der mit der eigenen Biografie verknüpften Kulturgeschichte. Ziel scheint das Abschütteln von Erwartungen, das Finden einer ästhetischen Form unabhängig von gesellschaftlichen und religiösen Zuschreibungen. Wie in den Hörspielen hat sie die Kunst entwickelt, Charaktere und Beziehungen zu entformeln. Diese Figuren sind Mischwesen, deren Motive in ihrer Beschränkung auf den allgemeinen Verkehr verwiesen. Bei Reyer gibt es nicht die Guten und die Bösen, vielmehr geht es um eine neurotische Struktur der Gesellschaft, um Leute, die es schaffen, zur richtigen Zeit am falschen Ort zu sein, dieselben Fehler immer wieder zu machen, sich zu binden, wo man sich lösen müsste, und sich vor der Bindung zu drücken, wo sie die Lösung wäre.

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