Seit letztem Jahr lese ich vermehrt Bücher über die "weibliche Wut", weswegen ich unbedingt auch dieses lesen wollte. Soraya Chemaly spricht über ihre persönlichen Erfahrungen mit Wut und dem Frausein und wie man als wütende Frau in einer Männer dominierten Welt wahrgenommen wird. Gleichzeitig spricht sie auch über die kollektiven Erfahrungen von Frauen und wie sie ihre Wut äußern (dürfen).
Die ersten 100 Seiten fand ich unfassbar relevant und nachvollziehbar. Chemaly spricht über die Stigmatisierung und darüber, wie wir Frauen von klein auf darauf trainiert werden, möglichst "einfach" zu sein und wenig Wut zu zeigen.
Danach hat sich das Buch für mich etwas in Exkursen verloren. Die angesprochenen Themen, wie das Muttersein, fand ich unfassbar wichtig, allerdings hatte ich das Gefühl, dass vermehrt auf Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten eingegangen wurde, anstatt auf den Ausdruck des Wütendseins. Die vielen Punkte bieten auf jeden Fall Gründe, um als Frau wütend zu werden, allerdings ist für mich die Praxis vermehrt in den Hintergrund gerückt. Da ich bereits viele feministische Bücher gelesen habe, war diesbezüglich kaum Neues für mich dabei, weswegen ich schlussendlich auch 4 Sterne vergebe.
Dennoch finde ich das Buch unfassbar wichtig und nachvollziehbar und würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.



