Sorj Chalandon

 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Mein fremder Vater, Rückkehr nach Killybegs und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sorj Chalandon

Sorj Chalandon arbeitete als Journalist bei der Zeitung "Libération". Seine Reportagen über Nordirland und den Barbie-Prozeß wurden mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Er publizierte die Romane "Le petit Bonzi" , "Une promesse" und "Mon traître". "La légende de nos pères" ist der erste Roman, welcher ins Deutsche übersetzt wurde.

Alle Bücher von Sorj Chalandon

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Rückkehr nach Killybegs

Rückkehr nach Killybegs

 (2)
Erschienen am 01.10.2013
Die Legende unserer Väter

Die Legende unserer Väter

 (2)
Erschienen am 01.01.2012
Die vierte Wand

Die vierte Wand

 (1)
Erschienen am 24.07.2015
Am Tag davor

Am Tag davor

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Erschienen am 18.04.2019
Mein fremder Vater

Mein fremder Vater

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Erschienen am 04.08.2017
Le Quatrième mur

Le Quatrième mur

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Erschienen am 01.08.2014
Une promesse - Prix Médicis 2006

Une promesse - Prix Médicis 2006

 (0)
Erschienen am 17.08.2006

Neue Rezensionen zu Sorj Chalandon

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Rezension zu "Die vierte Wand" von Sorj Chalandon

Gewalt und Krieg zerstören Seelen (und Körper)
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Gewalt und Krieg zerstören Seelen (und Körper)

„Ich mache mir selbst Angst. Ich weiß, dass in mit noch anderes fließt als Blut und Tränenflüssigkeit. Ich trage die Wut in mir“.

So sieht es aus in den politisch Aktiven Anfang der 80er Jahre. Die in Griechenland und in Spanien gegen Diktaturen angehen, die mit nicht mehr mit Ohnmacht den endlosen Krieg im nahen Osten hinnehmen wollen.

Und Samuel Akounis ist ihr persönlicher Held. Ein abgeklärter Aktivist. Einer, der dahin gegangen ist in seiner Heimat Griechenland. Einer, der bedächtig die Heißsporne unter den jungen Leuten in Paris versucht, in wirksamere Bahnen zu lenken.

„Jetzt saß ich vor diesem Griechen und lauschte ihm andächtig. Und ich schämte mich meiner heimlichen Bilder. Beim Einschlafen fordere ich die Geschichte immer mit Fäusten heraus“.
Einer, der 1967 seinen Ausweis im Protest gegen Vietnam verbrannte, der 1969 im katholischen Belfast auf den Barrikaden stand, 1973 in die griechischen Aufstände involviert war.

Einer, der als Reporter mitten drin ist und der nun der Bitte seines verehrten Mentors entspricht.

In Beirut, an der Front, ein Theaterstück zu inszenieren, die „Antigone“ mit einem Ensemble, dass sich aus allen verfehdeten, verfeindeten, einander bekriegenden Parteien zusammensetzen soll.

„Kunst gegen Krieg“, so könnte man zu Beginn des Romans meinen und dass hier einen tränenlastige „Versöhnung“ zentrales Thema ist, die dann bei der Aufführung auch den harten Kriegsknechten die Sprache verschlägt.

Solch ausgetretenen Pfaden aber folgt Chalandon in keiner Form. Schritt für Schritt führt er den Leser in in das seelische Grauen des Krieges, die Verluste, die ständige Anspannung, den beginnenden Zynismus, in diese alte Erkenntnis, dass es eben wahr und gelogen, richtig und falsch gerade in Nahen Osten nicht gibt. Dass jede Seite ihre verständliche Haltung besitzt, dass Terror und Brutalität Ursachen haben. Und das alles die Unbeteiligten vor Ort nicht spurlos treffen wird.

Staat Happy End herrscht teils rohe Gewalt. Statt innerer Einsicht durch die Kunst des Theaters folgt Bedrängung und Bedrohung. Statt innerer Übereinstimmung mit sich durch solch „gute Taten für die „richtige“ Seite“ entwickelt sich innere Zerrissenheit und seelische Pein, die dann das private und zivile Leben genauso in Mitleidenschaft ziehen werden, wie es die Bedrohung durch Kugeln und Kampf „an der Front“ täglich vollzogen haben.

Gespiegelt an der auch inneren Arbeit der Künstler an „Antigone“ entstehen starke Metaphern, betragen durch die eindringliche und bildkräftige Sprache Chalandons, der Seite für Seite den Leser mehr darin einfängt, wie wenig klare Grenzen, ein klares schwarz-weiß, ein richtig und falsch im Zusammenleben wirklich greifen.

„Ich hatte mich zum Helden geträumt“. Und davon wird am Ende des Buches nicht viel übrig bleiben. Außer dem alles und alle gleichmachenden Tod.

Bis dahin aber ist es ein überaus lesenswerter Weg innerer Erkenntnisse und äußerer Geschehnisse, den Chalandon seinen Lesern bietet.

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Haverss avatar

Rezension zu "Rückkehr nach Killybegs" von Sorj Chalandon

Innenansichten
Haversvor 5 Jahren

Es ist schon einigermaßen verwunderlich, wenn ein französischer Autor einen politischen Roman über den Nordirland-Konflikt schreibt. Aber der ehemalige Journalist der „Libération“, Sorj Chalandon, war für seine mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichneten Reportagen sehr oft vor Ort und kennt deshalb dieses zerissene Land und die Mentalität der Menschen sehr gut.

Der Roman ist in einer sehr klaren Sprache geschrieben, wirkt sehr authentisch und gut recherchiert, was mit Sicherheit zum einen auf die häufigen Aufenthalte des Autors in Nordirland, zum anderen auf seine privaten Kontakte zu hochrangigen IRA-Mitgliedern zurückzuführen ist. Und offenbar hat auch einer dieser Kontakte als Vorbild für Tyrone Meehan gedient, den Erzähler in „Rückkehr nach Killybegs“.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive erzählt und beschränkt sich nicht nur auf die Lebensgeschichte des Protagonisten, sondern gewährt dem Leser auch Einblicke in die Struktur der Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Dabei bewertet Chalandon aber nicht, weder das Handeln seiner Hauptfigur noch die politische Situation in Nordirland

Tyrone Meehan ist in das Cottage im nordirischen Killybegs zurückgekehrt, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Mittlerweile ist er einundachtzig Jahre alt und hat ein ereignisreiches Leben gelebt. Nach dem Tod seines Vaters kommt Tyrone als Jugendlicher nach Belfast und schließt sich einer politischen Jugendorganisation an. Es herrscht Krieg, und das Leben in Nordirland ist in diesen Tagen von den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten bestimmt. Tyrone ist furchtlos, und da er keinem Kampf aus dem Wege geht, macht er sich schnell einen Namen und steigt auf. Aber als er eines Tages einen verhängnisvollen Fehler begeht, soll das sein Leben für immer verändern, denn der britische Geheimdienst hat ihn seit diesem Zeitpunkt im Visier und erpresst ihn. Kann ein Mann mit der Schuld leben, Verrat an seinen Kameraden begangen zu haben? Und wie werden diese reagieren, wenn der Verräter entlarvt wird?

Chalandon schreibt über Loyalität, Treue und politischen Kampf, aber auch über Verrat, Angst, Scham und Reue. Dabei vermeidet er kitschige Emotionalität, sondern bleibt immer klar und sachlich und schildert dennoch nachvollziehbar, wie ein einziger unbedachter Fehler dem Leben eines integeren Mannes eine komplett andere Richtung geben kann.

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hexhexs avatar

Rezension zu "Die Legende unserer Väter" von Sorj Chalandon

Rezension zu "Die Legende unserer Väter" von Sorj Chalandon
hexhexvor 6 Jahren

Zu Anfang eine kleine Rechenaufgabe:
"Er starb an seinem sechsundsechzigsten Geburtstag".
"Mein Vater war am 14. November 1907 zur Welt gekommen."
Die Beerdigung fand "am 17. November 1983 statt"

Marcel, Sohn eines Widerstandskämpfers im 2. Weltkrieg, schreibt als Ghostwriter Biografien für andere Leute. Er selbst hat von seinem Vater keine Kriegsgeschichten gehört, was er sich selbst vorwirft, "er ist wohl kein guter Sohn" gewesen. Als eine entfernte Bekannte ihn bittet, das Leben ihres Vaters (auch ein Widerstandskämpfer) aufzuschreiben und für sie lebendig zu halten, geht er mit großem Enthusiasmus ans Werk.

Die Geschichte ist leider sehr voraussehbar, aber das Buch läßt sich gut lesen und mit seinen 143 Seiten (ebook-Ausgabe) hat man es sehr schnell durch. Die Sprache und der Stil haben mir gut gefallen, aber so richtig begeistert hat mich das Buch leider nicht.

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