Soseki Natsume

 4 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Kokoro, Sanshiros Wege und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Soseki Natsume

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Soseki NatsumeKokoro
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Kokoro
Kokoro
 (6)
Erschienen am 26.09.2016
Soseki NatsumeSanshiros Wege
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Sanshiros Wege
Sanshiros Wege
 (5)
Erschienen am 19.02.2009
Soseki NatsumeDer Tor aus Tokio
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Der Tor aus Tokio
Der Tor aus Tokio
 (1)
Erschienen am 31.05.2010
Soseki NatsumeDas Tor & Haiku
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Das Tor & Haiku
Das Tor & Haiku
 (0)
Erschienen am 10.11.2016
Soseki NatsumeSanshiro
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Sanshiro
Soseki NatsumeGrass on the Wayside
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Grass on the Wayside
Grass on the Wayside
 (0)
Erschienen am 01.03.1990
Soseki NatsumeAnd Then
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And Then
And Then
 (0)
Erschienen am 01.06.1982
Soseki NatsumeThe Three-Cornered World
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The Three-Cornered World
The Three-Cornered World
 (0)
Erschienen am 01.04.2003

Neue Rezensionen zu Soseki Natsume

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himbeerbels avatar

Rezension zu "Kokoro" von Soseki Natsume

Der innere Kampf zwischen Konventionen und individueller Freiheit
himbeerbelvor 2 Jahren


Natsume Soseki (1867–1916) begeisterte sich früh für klassische chinesische Literatur und Haiku-Dichtung. Er studierte englische Literatur, lebte zwei Jahre in London und unterrichtete schließlich an der Kaiserlichen Universität Tokio. Ab 1907 widmete er sich ganz dem Schreiben. Seine Romane gelten als die ersten modernen Werke in japanischer Sprache und der Manesse Verlag wirbt damit, dass „Kokoro“, was so viel wie Gefühl oder Herz bedeutet, Japans meistgelesener Roman ist.


Der Erzähler in den ersten beiden Teilen des Buches ist ein Student, der einen älteren Mann beim Baden am Meer kennen lernt. Der Jüngere wird auf den Älteren aufmerksam, weil dieser offenbar mühelosen Umgang mit einem Europäer pflegt, der sich ebenfalls am Strand aufhält. Er freundet sich mit dem älteren und hochgebildeten, doch offensichtlich unter einem tragischen Schulderlebnis leidenden Mann an, den er „Sensei“ nennt – in Japan eine respektvolle Anrede für einen an Alter und Erfahrung überlegenen Mann von unbezweifelbarer geistiger Autorität. Nach Tokyo zurückgekehrt, sucht der Student den Sensei, der vermögend ist und deshalb keiner Erwerbsarbeit nachgehen muss, öfter zu Hause auf. Doch dieser hält bei aller Freundlichkeit Distanz zu ihm, ähnlich behandelt er seine Frau, die anscheinend mit seinem Geheimnis zu tun hat.


„Die Erinnerung daran, dass man einst vor einem anderen niedergekniet ist, weckt später das Verlangen, den Fuß auf dessen Kopf zu setzen. Um mir diese Schande einmal zu ersparen, möchte ich auf Ihre Verehrung jetzt verzichten. Um nicht eines Tages eine noch viel bittere Einsamkeit ertragen zu müssen, will ich die augenblickliche geduldig auf mich nehmen.“


Der zweite Teil schildert den jungen Mann bei seiner Familie auf dem Land. Der Vater, der sich in seiner provinziellen und sich den Konventionen widerspruchslos fügenden Art von der des Sensei stark unterscheidet, ist schwer krank.


„Nach seiner Auffassung arbeiteten alle wirklich wertvollen Menschen in einer hohen Stellung, und er schien den Schluss zu ziehen, dass der Sensei nirgendwo tätig war, weil er zu nichts taugte.“


Als der Vater schließlich im Sterben liegt, verlässt ihn sein Sohn, weil der Sensei ihm in seinem Brief seinen bevorstehenden Freitod mitgeteilt hat.


Im dritten Teil, in ebendiesem Brief, schildert der Sensei – der im ersten Teil mit den Augen des Studenten betrachtet wurde und im zweiten, wenn auch unsichtbar, stets im Hintergrund zugegen war – dem jungen Mann seine Vergangenheit und gesteht nicht nur eine schwerwiegende Verfehlung seiner Jugend ein.


Die Vereinsamung des Menschen und sein streben nach innerem Frieden ist auch in diesem Roman Natsume Sosekis Thema. Letzteres scheint unerreichbar, weil in der allmählich einsetzenden Zeit der individuellen Entfaltung der Bruch mit den strengen Konventionen nur den familiären Ausschluss und somit die Einsamkeit des modernen Menschen zur Folge haben kann. Deutlich spürbar ist an vielen Stellen im Buch der enorme Druck, der Menschen psychisch zerstört und Suizid als einzige mögliche Lösung darstellt.


Da ich mich bislang nicht eingehend mit der japanischen Kultur beschäftigt habe, sind meine Kenntnisse eher gering und fußen auf einigen wenigen japanischen Büchern und Filmen. Dennoch wollte ich mich auf diesen Roman einlassen, um über eine andere Zeit und einen völlig anderen Kulturkreis zu lesen. Ich habe es nicht bereut – es war für mich ein besonderes Leseerlebnis. Die handelnden Personen blieben mir zwar fremd und ihr Verhalten war für mich nicht immer nachvollziehbar, aber diesen Anspruch hatte ich auch nicht. Vielmehr fühlte ich mich in der Rolle eines Beobachters, der sich in die Sitten und Gebräuche zwar nicht einfühlen, deren Problematik jedoch zu verstehen meinte.


Der Sprachstil dieses japanischen Klassikers ist leicht und flüssig zu lesen. In relativ kurzen Kapiteln wird man durch die drei Teile dieses Buches geführt. Viele japanische Eigennamen wurden beibehalten und mit Fußnoten versehen. Da ich das eBook gelesen habe, hätte ich mir gewünscht, dass mein eReader und/oder das eBook eine Möglichkeit zum bequemen hin- und herspringen zwischen Fußnote und Erläuterung bieten würde. Da dies jedoch fehlt, würde ich eher zum Buch in Papierform raten. Aber selbst wenn man nicht jeden Begriff nachschlagen möchte, mindert es nicht das Leseverständnis, sondern einzig das Vorstellungsvermögen wie ich aus Bequemlichkeit letztlich feststellen konnte.


„Kokoro“ ist zum einen ein Roman, der ein wenig in das traditionsreiche Japan mitnimmt, zum anderen aber auch den inneren Kampf des Menschen dagegen zugunsten seiner individuellen Bedürfnisse aufzeigt. Ein Buch, bei dem es den Protagonisten geholfen hätte, ein wenig mehr miteinander zu reden und das mich wertschätzen lässt, dass ich hier und heute in Deutschland lebe und nicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Japan.

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skywatchers avatar

Rezension zu "Sanshiros Wege" von Soseki Natsume

Ein ruhiges Buch über Japan und seine Kultur
skywatchervor 2 Jahren

Für Japan-Liebhaber ist dieses Buch ein Muss, besticht es doch durch die ruhige, fast schon poetische Sprache, die (für mich) perfekt die japanische Kultur widerspiegelt. In "Sanshiros Wege" beschreibt der 1867 in Tokio geborene Autor Soseki Natsume den Aufbruch von Sanshir, der für das Studium aus der japanischen Provinz nach Tokio kommt und überwältigt ist von der Hektik der Stadt und den vielen neuen Erfahrungen, die er in dieser macht. Viele (heutige) japanische Autoren beschreiben das heutige moderne, schrille und grelle Japan, so ist es umso interessanter, das Tokio um das Jahr 1900 kennenzulernen. 1900 oder 2017-die Gefühle und Eindrücke, die man empfindet, wenn man zum Studium in eine große Stadt zieht, sind wohl zeitlos. Ein stilles, ruhiges und einfach schönes Buch!

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BettinaR87s avatar

Rezension zu "Kokoro" von Soseki Natsume

Einsamkeit in Herz und Seele
BettinaR87vor 2 Jahren

Ein junger Mann in Japan trifft um die Jahrhundertwende auf einen älteren, der ihn sofort fasziniert. Im gleichen Moment beschließt er, ihn als „Sensei“ zu betrachten. Fortan folgt er ihm, versucht ihn in Gespräche zu verwickeln und ihn quasi auch offiziell zu seinem Mentor zu machen. Doch der Sensei ist ein rätselhafter Mensch, der sehr zurückgezogen lebt. Je weniger er von sich und seiner Vergangenheit mitteilt, umso gespannter ist der junge Student und lässt einfach nicht mehr locker. Wer ist dieser Mann, der keinen Beruf ausübt, aber trotzdem einem Gelehrten gleicht? Der die Liebe so verabscheut und doch eine Ehefrau hat, der er zugeneigt ist?

Die Kritik

So knapp wie die Inhaltsangabe ist, so ruhig ist das Buch. Die Ausgangssituation ist eine relativ simple und es gibt nicht viel körperliche Handlung, die das Geschehen vorantreibt. Der Fokus des gesamten Buchs liegt auf den Gedankenwelten zweier Hauptcharaktere. Vielleicht auch drei, wenn man die Frau des Sensei mit einbezieht. Der Autor nutzt einen älteren und einen jüngeren Mann, um kurz nach der Jahrhundertwende zwei Generationen einander gegenüber zu stellen. Der ältere verbringt sein Leben als Erwachsener vollkommen unglücklich: Es beginnt mit dem Tode seiner Eltern, dem Betrug innerhalb der Familie und wächst sich meiner Ansicht nach zu einer handfesten Depression aus. Diese wird dadurch befeuert, dass sein engster Freund verstirbt und der Sensei darüber starke Schuldgefühle verspürt.

Warum folgt der Jüngere ihm dann so beharrlich? Eines, was man sich von einem Sensei oder auch Mentor erwartet, ist Rat und Führung. Kurz mag man versucht sein zu sagen, dass der Sensei nichts davon bieten kann, doch dem ist nicht so. Statt dass er durch tiefschürfende Gespräche konkrete Lebensratschläge gibt oder die Weisheit in Kellen an die Öffentlichkeit verteilt, ist sein gesamtes Leben der Ratschlag, wie man es vermutlich eher nicht machen sollte. Denn er hatte im Endeffekt keine führende Instanz mehr in seinem Leben: Eltern verstorben, bester Freund verstorben, die Familie durch den Betrug entzweit. Er steht vollkommen alleine für sich und damit kommt er nicht zurecht – denn kein Mensch ist eine Insel, auch nicht in Japan.

Dann kommt der große Befreiungsschlag: Der Sensei schreibt dem jungen Mann einen extrem langen Brief, in dem er alles rund um sich und seine Eigenarten erklärt. In diesem Text wird eines überdeutlich klar - bedingt durch diese frühzeitige Einsamkeit hat er Probleme in der Kommunikation mit seinem gesellschaftlichen Umfeld. Er hätte sich viel Leid ersparen können, hätte er sich getraut, den Mund zu öffnen und von sich zu erzählen. Seien es die aufkeimenden Gefühle, seine Trauer, Angst oder das eigene Unvermögen (und auch später den fehlenden Drang), den Sinn des Lebens zu entschlüsseln – er lebt sein Leben in Einsamkeit, behält es alles für sich und verschließt sich so immer mehr. Damit nimmt er nicht nur sich selbst die Möglichkeit, sich seiner Frau und der Welt zu öffnen. Er beraubt auch seine Umwelt um den Zugang zu ihm. Der junge Mann dagegen spricht viel und ist redlich bemüht, den Sensei zu knacken. Immer wieder dringt er auf ihn ein und lässt nicht ab. Er wartet nicht auf eine Einladung des älteren Mannes, sondern erscheint einfach einige Tage nach dem letzten Gespräch wieder bei ihm.

Das passt ganz wunderbar in den historischen Kontext, wie das Nachwort es offenlegt: Die Jahrhundertwende war in etwa die zeitliche Grenze, in der Japan sich mehr der Moderne öffnete und Romane überhaupt stärker ins Zentrum der literarischen Aufmerksamkeit rückten. Diesen Wandel mit zwei Generationen und dem Thema der Kommunikation in einem Roman plus integrierten Brief zu beschreiben, trifft den Nagel absolut auf den Kopf. Den Roman dann „Kokoro“, also „Herz“ zu nennen, ist das i-Tüpfelchen.

Das Buch erschien zuerst 1914 und ist mittlerweile das meistgelesene Buch Japans. Wer von einem Vertreter der größten Weltliteratur nun unverständliche Sätze oder komplizierte Wortkonstruktionen erwartet, wird „enttäuscht“ – denn das Buch liest sich überraschend flüssig und ist leicht verständlich. Und das, obwohl der Großteil aus Gedankengängen der beiden Männer besteht – sensationell!

Äußerlich ein kleiner Hinweis für Manesse-Neueinsteiger: Das Buch kommt in einem sehr handlichen Format (etwa DIN A6), ist in Stoff gebunden und verwendet sehr hochwertiges Papier. Der Preis hierfür ist also gerechtfertigt und so eignet sich das Buch sowohl exzellent zum Verschenken als auch zum Aufbau einer eigenen, kleinen und feinen Bibliothek der Weltliteratur.

Fazit: Klare Empfehlung für alle, die gerade keine Lust auf Krimis oder Vampire haben und die Nase gerne mal in die Gedanken anderer Menschen stecken würden – auf eine literarisch ansprechende Art!

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