Nur wenn du allein kommst

von Souad Mekhennet 
4,7 Sterne bei15 Bewertungen
Nur wenn du allein kommst
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Anke_Ackermanns avatar

Spannend wie ein Roman, dabei informativ wie ein Geschichts -und/oder Politikbuch. Sehr beeindruckend!

StefanieFreigerichts avatar

Erhellende Einblicke nicht nur zum Islamismus, auch zu falschen Gegenansätzen. Spannend geschrieben, absolute Empfehlung!

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Inhaltsangabe zu "Nur wenn du allein kommst"

Souad Mekhennet erhält den Daniel Pearl Award 2017

Souad Mekhennet erhält den Sonderpreis des Nannen Preises 2018

Souad Mekhennet erhält den Ludwig-Börne-Preis 2018

Was passiert hinter den Fronten des Jihad? Wie ticken Warlords und jugendliche Attentäter? Spannend wie in einem Krimi berichtet Souad Mekhennet von ihren teils lebensgefährlichen Recherchen in den No-go-Areas des Terrors, allein, ohne Handy, bekleidet mit einer schwarzen Abaya. Die Journalistin Souad Mekhennet verfügt über ungewöhnliche Verbindungen zu den Most Wanted des Jihad – und über ein einzigartiges investigatives Talent. Sie deckte die Entführung und Folterung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri durch die CIA auf, interviewte den Führer von al-Qaida im Maghreb, obwohl ihr die Geheimdienste auf den Fersen waren, lernte ein ägyptisches Foltergefängnis unfreiwillig von innen kennen, enttarnte den berüchtigten IS-Henker "Jihadi John" und wusste nach den Pariser Anschlägen schon vor der Polizei, wer der in Saint Denis erschossene Attentäter war. Ihre meisterhaften Nahaufnahmen lassen uns die Kämpfe und Wünsche der islamischen Welt besser verstehen und führen uns heilsam vor Augen, dass sich der Clash zwischen Islam und Westen in Wirklichkeit nur in den Köpfen abspielt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406711671
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:25.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.01.2018 bei Der Hörverlag erschienen.

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    Anchesenamuns avatar
    Anchesenamunvor 9 Monaten
    Rezension: "Nur wenn du allein kommst" (Souad Mekhennet)

    Souad Mekhennet wurde 1978 als Kind türkisch-marokkanischer Eltern in Frankfurt/Main geboren und wuchs in den ersten Jahren bei ihrer Großmutter in Marokko auf, um im Sinne des Islam erzogen zu werden. Mit drei Jahren kehrte sie nach Deutschland zu ihren Eltern und Geschwistern zurück. Sie ist Journalistin und Autorin und beschäftigt sich seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 intensiv mit dem islamistischen Terror.

    Im vorliegenden Buch erzählt sie zuerst ihre eigene Geschichte und die ihrer Eltern, einem schiitisch-sunnitischen Paar, das sich fernab der Heimat in Deutschland als Gastarbeiter kennen- und lieben gelernt hatte. Es folgen Berichte aus Mekhennets journalistischer Tätigkeit im Ausland von 2003 bis heute. Sie fuhr unter Anderem in den Irak und Libanon, nach Algerien, Jordanien, Pakistan, Ägypten, Tunesien und Bahrain, um dort vor Ort zu recherchieren und sich mit Tätern und Opfern des Terrorismus zu treffen. Sie wagt sich viele Male in das Herz von Terrorgruppen wie Al-Quaida, Taliban oder IS(IS), redet mit den selbsternannten "Gotteskriegern", um auch beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Sie möchte Mittlerin sein zwischen der arabischen und der westlichen Welt.

    Ihre Erlebnisse schildert sie eindrücklich und sehr detailliert. Viele der Treffen mit ihren Interviewpartnern sind nur möglich, weil Mekhennet selbst Muslimin ist, weil sie sich auf die arabische Gastfreundschaft und auf die Abstammung ihrer Familie mütterlicherseits vom Propheten Mohammed beruft. Oft hört sie Sätze wie "Wären Sie eine Deutsche/Amerikanerin, würden wir Sie entführen/töten." Als gebildeter Araberin jedoch wird sie meist mit Respekt behandelt, es werden ihr sogar einige Vertraulichkeiten entgegengebracht. So benennt z. B. ein Taliban-Kommandeur seine neugeborene Tochter nach der Journalistin. Doch kommt sie auch in viele bedrohliche Situationen und muss um ihr Leben und das ihrer Kollegen fürchten.

    Ich habe viele Wochen für dieses Buch gebraucht, und wenn ich ehrlich bin, wich meine anfängliche Neugier nach einiger Zeit einer gewissen Ermüdung beim Lesen. Zu viele Namen, Daten, Gruppierungen - ich habe ehrlich gesagt oft gar nicht richtig durchgeblickt, wer jetzt wer ist und wo gerade wer gegen wen kämpft, wer welche Rolle wobei spielt. Manchmal hätte ich mir irgendwelche Übersichten in Form von Tabellen oder Karten (bezüglich der erwähnten Gebiete) oder zumindest ein Glossar gewünscht.

    Zu den detaillierten Ausführungen kommen noch viele Fußnoten dazu. Ich bin ja ein Fan davon, Fußnoten, die nicht nur Literaturquellen, sondern auch Erläuterungen beinhalten, in der Fußzeile der jeweiligen Seite zu drucken und nicht in einem Anhang am Ende des Buches. Leider ist hier letzteres der Fall, und da die Autorin öfter in ihren Fußnoten Dinge erläutert und erklärt, war es ein nerviges Hin- und Herblättern, das meinen Lesefluss doch sehr beeinträchtigte.

    Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Autorin sympathisch finde oder nicht. Man erfährt zwar in den ersten Kapiteln vieles aus ihrem Leben, aber ich konnte keine Beziehung zu ihr aufbauen. Dies ist aber nicht nötig, um auf jeden Fall sagen zu können, dass sie eine kluge und mutige Frau ist, die sich ständig in die Höhle des Löwen begibt, um die Welt über den Terrorismus aufzuklären, und allein dafür muss man sie bewundern. Selbst in brenzligen Situationen behält sie einen kühlen Kopf.

    Man merkt ganz stark, dass sich die Autorin als Araberin fühlt, dass ihr Herz in der arabischen Welt und im muslimischen Glauben verankert ist. So ist es für sie selbstverständlich, dass ihr zukünftiger Mann von arabischer Herkunft sein muss. Eine andere Möglichkeit zieht sie, die weltoffene und intellektuelle Frau, scheinbar gar nicht erst in Betracht.

    Befremdlich fand ich auch ihre Schlussfolgerung, als sie erfährt, dass sie durch ihre zahlreichen engen Kontakte zu Terroristen vom US-Geheimdienst beobachtet wird. Sie konstatiert, dass dieser wohl kein Problem damit hätte, wenn sie ins Kreuzfeuer und in Lebensgefahr geriete. Denn ihr amerikanischer Kollege wurde vorher durch eine fingierte Morddrohung genötigt abzureisen, um ihn in Sicherheit zu bringen, während man abwartete, ob die Autorin ein Treffen mit einem hochrangigen Terroristen, an dem der Geheimdienst herankommen will, trotzdem durchführen würde. (Was sie zum Glück nicht tat.) Sie kommt zu dem Schluss, dass dem Westen ein muslimisches Leben (also ihres) weniger bzw. nichts wert sei, wie es ja auch die Terroristen immer propagieren. Jedoch stellt es sich für mich so dar, dass ihr amerikanischer Kollege nichtmal Arabisch spricht und Mekhennet die Interviews selbst organisiert und leitet, während ihr Kollege - auch nicht immer, falls die Interviewpartner nicht für seine Sicherheit garantieren wollen, weil er Amerikaner ist - sie nur unterstützend begleitet und dann später mit ihr die Artikel aufbereitet und veröffentlicht. Dass er da weniger in Verdacht steht als sie, ist eigentlich logisch.

    Die Autorin hat viel erlebt und viel zu erzählen, und ihre Berichte sind gleichermaßen spannend und schockierend. Sie versucht, sich eine gewisse Objektivität zu erhalten, was meist, aber nicht immer gelingt. Aber sie ist eben auch nur ein Mensch. Es ist sowieso bewundernswert, dass sie nach all diesen Erlebnissen noch immer mit der gleichen Unterschütterlichkeit ihrer Arbeit nachgeht und sich nicht abbringen lässt, auch weiterhin in Kriegsgebiete zu fahren und dort mit gefährlichen Funktionären zu reden. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie sich mit ihrer Arbeit auch einige Feinde macht.

    Emotional ist nochmal der Epilog, in dem man erfährt, dass beim Amoklauf in München 2016, als ein junger Deutsch-Iraner im Olympiazentrum gezielt mehrere Menschen mit Migrationshintergrund tötete, auch der 14jährige Cousin der Autorin sowie sein bester Freund starben. Und so schließt das Buch mit den berührenden und weisen Worten: "Wenn ich eins gelernt habe, dann dies: Die Schreie einer Mutter, die ihr getötetes Kind beweint, klingen immer gleich, egal ob sie nun schwarz, braun oder weiß, Muslimin, Jüdin, Christin, Schiitin oder Sunnitin ist. Wir werden alle in derselben Erde begraben."

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    M
    michael_lehmann-papevor 10 Monaten
    Innenblick des Terrors

    Innenblick des Terrors

    Souad Mekhennet ist bestens vernetzt. Das gilt sicherlich für jeden seriösen Journalisten, doch bei ihr reicht diese Vernetzung in eine Welt hinein, die dem „Normalsterblichen Westler“ mitsamt polizeilicher und politischer Kräfte weitgehend verschlossen ist.

    In den „Jihad“. Den heiligen Krieg. Dahin reichen die Verbindungen der Journalistin. Zu einzelnen Führungsgestalten, zu terroristischen Gruppen, hinein in Regime, bei denen Menschenrechte maximal als „Witze“ angesehen werden (und täglich unter die Räder geraten).


    Und so, aus erster Hand, kann nun der Leser (in sehr flüssig verfasster Form) sich einen zwar partiellen, dennoch aber fundierten Eindruck vom Handeln und denken der gefährlichen Protagonisten machen.

    Sei es der IS, sei es „die Hamburger Zelle“, sei es der Zustand im Irak, seien es militante Islamisten mit ihren Terroranschlägen in Algerien, Mekhennet ist vor Ort. Im Gespräch. Und erhält Einblicke, die ansonsten selten gewährt werden.

    „Alles schien ganz normal. Trotzdem war ich sicher, dass wir beobachtet wurden“.

    Alltag im Arbeitsleben der Journalistin. Misstrauisch beäugt, ja kein Fehler jetzt, keine unbedachte Bewegung, keine Reportagen mit zu großen Interna, die weitere Treffen unmöglich und das eigene Leben an jedem Ort der Welt dann in Gefahr gebracht hätten.

    Denn der „Wert eines Menschenlebens“ ist in diesen Kreisen, im Rahmen dieser Ideologie unter null, wenn es um „Gegner“ geht.

    Mit Einblicken in überaus findige Methoden der Kommunikation und einer, in jeder der Reportagen spürbaren, latenten Bedrohung für Leib und Leben. Nicht nur für die Journalistin „mittendrin“, sondern für die gesamte zivilisierte Welt. Denn immer werden Anschläge geplant, wird irgendwo gefoltert, Geiseln versteckt gehalten, Bomben vorbereitet.

    „Unser Fahrer war nervös“. Und nicht nur dieser Fahrer an diesem Ort. Schon der unbedachte Handgriff nach Ausweispapieren auf dem Rücksitz kann umgehend einen Kugelhagel auslösen.

    „Die Polizisten waren nervös. Es fehlte nicht viel, das einer von ihnen die Nerven verlor“.

    Da gibt es nicht nur einen Kollegen, er irgendwann aufgibt und sich anderen Themen zuwendet. Da genügt ein „zu bekannt werden“ oder eine unbedachte Äußerung, um auf „Todeslisten“ zu landen.

    Eine interessante, nachgerade mit überaus realen Spannungselementen verflochtene Lektüre, die einen ganz anderen Blick auf die Problemlagen, Terrorzonen und die handelnden Akteure in dieser „Welt der Gewalt“ dem Leser vor Augen führen.

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    StefanieFreigerichts avatar
    StefanieFreigerichtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Erhellende Einblicke nicht nur zum Islamismus, auch zu falschen Gegenansätzen. Spannend geschrieben, absolute Empfehlung!
    Erhellende Einblicke

    „Nur wenn du allein kommst“, diese Forderung hört die Journalistin Souad Mekhennet regelmäßig, bevor sie sich mit ihren Interviewpartnern treffen kennen. Diese sind häufig Islamisten und sie vertrauen ihr aufgrund ihrer Abstammung: Sie wurde geboren in Frankfurt am Main, als Tochter einer schiitischen Mutter mit syrischer Abstammung, aber aus der Türkei, und eines sunnitischen Vaters aus Marokko. Die kleine Souad wuchs als Muslima auf in einer toleranten Familie, bei der sich die Eltern abarbeiteten, um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. „Die Einwanderer ihrer Generation, die Putzfrauen und Köche, muckten nicht auf, wären nie auf die Idee gekommen, die Autorität der 'richtigen Deutschen‘ infrage zu stellen.“ S. 53 Einige frühe Kindheitsjahre bei der Großmutter in Marokko, dann das weitere Aufwachsen in Deutschland, Jugoslawienkrieg und Hoyerswerda, fremdenfeindliche Angriffe prägen die Heranwachsende, die sich entschließt, nach dem Vorbild aus dem Film „Die Unbestechlichen“ zum Watergate-Skandal selbst Reporterin zu werden. „Statt meine Ängste die Oberhand gewinnen zu lassen, begann ich sie als Herausforderung zu begreifen, und daran hat sich bis heute nichts geändert.“ S. 44 Durch einen immer weiteren Ausbau ihrer Kontakte und dadurch, dass sie stets bemüht ist, jede Seite zu Wort kommen zu lassen, dabei aber in alle Richtungen kritisch bleibt, schafft sie sich bald ein Renommee.

     

    Das Sachbuch ist spannend geschrieben, ich hatte schon langweiligere Krimis und sprachlich schwieriger zugängliche „Unterhaltungsliteratur“, ich bin von dem Schreibstil sehr positiv überrascht. Acht Jahre älter als die Autorin, konnte ich mich an den genannten politischen Ereignissen sehr gut entlanghangeln – wer wenig Nachrichten liest oder sieht, wird vielleicht einiges nachschlagen müssen. Ich bin sehr beeindruckt über die Tiefe der Informationen zu den verschiedenen Ländern und Regionen, Irak, Libanon, Algerien,… - anhand derer sich das Buch in verschiedene Kapitel zu den jeweiligen Jahren gliedert. Ich gestehe eine gewisse Skepsis vor Aufnahme der Lektüre: Warum tut sich das jemand an, sich derart doch immer wieder in Gefahr zu begeben? Die Autorin macht ihre Motivation glaubwürdig, berichtet auch über Ängste und Nachteile ihres Lebens – nachvollziehbar, auch wenn sie und ich definitiv unterschiedliche Anteile des „Risiko-Gens“ mitbekommen haben.

     

    Was ich befürchtet hatte: Unsachlichkeit, zu starke Vereinnahmung durch die diversen Islamisten. Was ich stattdessen erhielt: die auch für mich beschämende Erkenntnis, dass genau das die Vorbehalte waren, denen die Autorin sich ausgesetzt sah, von der Grundschule bis zum Einstieg in den Beruf, selbst später noch gegenüber diversen Diensten. Übrigens auch das häufig Ursache der Islamisierungen, die Ausgrenzung des Einwanderungslandes. Sie will verstehen, sucht die Diskussion. Stark, wie der kleine Sohn eines der Männer aus dem Gefolge ihres Interviewpartners stolz berichtet, wie er heute das Töten der Ungläubigen gespielt habe und sein Vater ihn zufrieden küsst – als sich die Journalistin später im Hotel daran erinnert, kommen ihr die Tränen. Ähnlich enden hier oft die Kapitel für mich mit einem Denkanstoß, ich mag nicht direkt weiterlesen. Wenn Kinder so aufwachsen, was kann aus ihnen nur werden? Und wie gehen wir selbst mit unseren Werten um, wenn man an den Fall el-Masri denkt, der wegen Terrorverdachts verschleppt und gefoltert wurde (von Mekhennet aufgedeckt)?

     

    Erhellend eine Diskussion mit einem schiitischen Fahrer in Bahrein, dessen mehrheitlich schiitische Bevölkerung von der sunnitischen Herrscherfamilie regiert wird. Er bemängelt, dass man für bestimmte Arbeiten Ausländer ins Land hole, statt „Bahreinis first“ zu praktizieren, gibt aber auf Nachfrage zu, eine Putzfrau aus Bangladesh zu beschäftigen, da diese Arbeiten unter der Würde seiner Frau und Kinder seien. Als die Reporterin die Tätigkeiten von ihren Eltern und ihr selbst zur Finanzierung des Studiums beschreibt, obwohl beide Eltern ihre Abstammung zum Propheten zurückverfolgen können, kratzt das reichlich am Weltbild des Fahrers. Das Weltbild der islamischen Welt wird so in Streifzügen für die jeweilige Region nachvollziehbarer.

     

    Über alle Kapitel hinweg ziehen sich Mekhennets Grundfragen nach dem „Warum“, warum kommt es zu dieser Radikalisierung. Aber auch der oft naive Umgang des Westens findet ausreichend Thematisierung. Ein starkes Buch und eine eindeutige Leseempfehlung!

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    leucoryxvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine mutige Frau lässt uns einen Blick hinter die Kulissen werfen und wirft zeitgemäßige Fragen auf.
    Eine Frau, die nicht locker lässt und nachfragt

    Die Journalistin Souad Mekhennet ist in Deutschland geboren, aber ihre Wurzeln sind marrokanisch-türkisch.  Dank ihrer Eltern weiß sie von klein auf, dass ein Zusammenleben von Schhiten und Sunniten möglich ist. Doch in der islamischen Welt prallen die verschiedenen Glaubsrichtungen imemr wieder aufeinander.  Viele Islamisten sind außerdem nicht gut auf den Westen zu sprechen. Die Journalistin wagt sich vor in diese gefährliche Welt und interviewt Warlords und Führer von al-Qaida. Dabei enthüllt sie Identitäten und geheime Machenschaften.

    Die Journalistin erzählt ihre Lebensgeschichte und somit auch über ihre Reportagen, Interviews und Arbeitsweise. Man erfährt, dass sie in Deutschland geboren wurde, aber einen gewissen Teil ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter in Marroko verbracht hat. Sie kann daher sehr gut Deutsch und Arabisch sprechen, was ihr später sehr viele Türen öffnen wird. Außderm ist sie sehr mit dem Islam vertraut. Früh ist Mekhennet klar, das sie Journalistin werden will und schaffst es shcließlich in Hamburg auf die Henri-Nannen-Schule. Ihre islamischen Wurzeln erlauben es ihr in Gebiete vorzudringen und Menschen zu interviewen, zu denen deutsche Journalisten niemals Zutritt bekämen. Sie weiß wie man sich zu verhalten hat und taucht entsprechend verschleiert zu ihren Inteviews auf. Außerdem lässt sie nicht lockert und lässt sich niemals einschüchtern. Das imponiert so einigen Anführern, so dass sie exklusive Interviews erhält.
    Ihr journalistische Reise beginnt mit dem 11. September 2001 und führt sie über den islanischen Frühling bis in die Gegenwart. Man bekommt die andere Seite zu sehen, lernt deren Beweggründe kennen. Warum schließen sich so viele, junge Männer dem Dschiad an? Was versprechen sie sich vom Kalifat? Warum hat sie der Westen enttäuscht?
    Mekhennet hat einen ganz eigenen Charakter, der sie prädestiniert für den Job als Jourlanistin. Sie hinterfragt die Dinge, sie traut sich in Krisengebiete und hört tatsächlich zu ohne zu verurteilen oder jemals nur die eine Seite zu beleuchten. Sie lässt sich auch nicht von Entführungen, Verhaftungen oder Drohungen einschüchtern. Es ist spannend sie auf ihren Reisen und Interviews zu begleiten. Mitzufiebern, wenn sie versucht geheime Identitäten und Machenschaften aufzudecken. Sie berichtet von Einzelschicksalen, bringt sie in den großen Zusammenhang und ist stets vor Ort, mittendrin in den größten Tumulten und Auseinandersetzungen.

    Gerade als Westler weiß man oft nicht allzu viel über den Islam und warum sich junge Menschen zu radikalisierten Islamisten werden. Die Journalistin vermag auf eindringliche Art und Weise eine uns fast geheime Welt zu beleuchtet, in dem sie hinter die Kulissen schaut und sich nicht abschrecken lässt. Der Mut dieser Frau lässt einen neue Einblicke gewähren, die unbedingt jedem zuteil werden sollten. Daher gebe ich eine ganz klare Leseempfehlung, denn jede Medaille hat zwei Seiten.

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    wandabluevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Muss man lesen!
    Autobiographie einer Reporterin

    Autobiographie einer Reporterin.
    Souad Mekhennet wurde 1978 als Tochter eines marokkanischen Gastarbeiters und einer türkischen Mutter in Frankfurt geboren. Ihr sunnitischer Vater und ihre schiitische Mutter lebten ihr vor, dass beide islamische Glaubensgemeinschaften durchaus friedlich miteinander leben können und vor allem in friedlicher Weise als Minderheit in einer andersgläubigen oder ungläubigen Umgebung. 1989 kam die Autorin auf das Gymnasium und erhielt damit die Schulbildung, die sie nachher befähigte, einen Platz an der bekannten „Henri-Nannen-Schule“ für Journalisten in Hamburg zu ergattern. Ihre großen Vorbilder waren die beiden Reporter der Washington Post, die den Watergate-Skandal aufdeckten und ihr die enormen Möglichkeiten des modernen Journalismus aufzeigten: Unrecht in der Welt zu bekämpfen und unabhängig von Ideologien, Glaubensüberzeugungen oder kulturellen Prädispositionen unbeirrt nach der Wahrheit hinter den Dingen und Ereignissen zu forschen.

    So erlebt sie von Anfang an den Konflikt der westlichen mit der muslimischen Welt hautnah mit und recherchiert nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11.9.2001 in der Umgebung der aus Hamburg agierenden Terroristen für die Washington Post. Ihre arabisch muslimischen Wurzeln helfen ihr dabei, sich im muslimischen Milieu richtig zu verhalten und als „Glaubensschwester“ ernst genommen zu werden und als vertrauenswürdig zu gelten. Zusammen mit ihrem Mut eröffnet ihr dies Zugang zu den Symphatisanten, ja selbst zu den gefürchtetsten Terroristen von Al Quaida und Dschihadisten des Islamischen Staates, die sie im Auftrag der New York Times oder Washington Post interviewt.

    Ihre Berichte über ihre Recherchen im Umfeld der Dschihadisten eröffnen dem Leser den Blick hinter die Kulissen des Dschihads und seine aktuelle Bedrohung für die westlichen Demokratien. Souad Mekhennet beleuchtet die Gründe, warum junge Menschen bereit werden, ihr Leben für den „heiligen Krieg“ zu opfern und wer die Drahtzieher und Ideologen sind, die diesen Kampf befeuern.

    Sie zeigt aber auch auf, welche Fehler der westlichen Politik und welche Vorurteile der sogenannten freien Welt zu dem enormen Konfliktpotential geführt haben, mit dessen unberechenbaren und tödlichen Konsequenzen wir bis zum heutigen Tag leben müssen. Ihr Buch ist ein Appell an alle Menschen, Andersdenkende und besonders andersdenkende Minderheiten nicht zu diskriminieren und herabzusetzen, sondern ihnen mit dem gebotenen Respekt zu begegnen und ihre Menschenwürde in aller Andersartigkeit dennoch wahrzunehmen und zuzugestehen.

    Ganz nebenbei erhascht der Leser einen Blick in das Leben einer modernen Journalistin, die mutig und mit Herz ihre Ziele verfolgt und als Frau sich nicht scheut, in einer von Männern dominierten Welt die vielen Risiken in Kauf zu nehmen, die ihre journalistische Arbeit von ihr fordern.

    Fazit: Ich empfehle dieses Buch jedem, der bereit ist, mehr als nur das Vordergründige und Furchteinflößende des islamistischen Terrors zu sehen, und verstehen will, wie es dazu kommen konnte, dass junge, lebenshungrige Menschen zu Selbstmordattentätern werden konnten.

    Kategorie: Sachbuch
    Verlag: C.H. Beck Verlag, München, 2017

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    KruemelGizmos avatar
    KruemelGizmovor einem Jahr
    Rezension zu Nur wenn du alleine kommst

    Souad Mekhennet berichtet in diesem Buch von ihren teils lebensgefährlichen Recherchen. Sie möchte verstehen und erzählen, was hinter den Fronten des Dschihad vorgeht, warum sich junge Menschen dazu entschließen Attentäter zu werden oder sich dem Kampf anzuschließen und was in den Köpfen der Warlords vor sich geht. Dabei deckt sie Entführung und Folterung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri durch die CIA auf. Obwohl Geheimdienste ihr versuchen zu folgen, führt Interviews mit den Führer von al-Qaida im Maghreb und bei der Recherche zu einem Buch in Ägypten lernt sie ein ägyptisches Foltergefängnis kennen. Nach intensiven Nachforschungen kann sie sogar den berüchtigten IS-Henker „Jihadi John“ enttarnen. Auch der Name des in Saint Denis erschossenen Pariser Attentäters war ihr vor der Polizei bekannt…

     

    Nur wenn du alleine kommst stammt aus der Feder von Souad Mekhennet.

     

    Das Buch beginnt mit einem packenden Prolog, bei dem die türkisch-marokkanisch und in Deutschland aufgewachsene Journalistin Souad Mekhennet sich mit einem IS-Mitglied trifft. Das Treffen konnte nur unter der Bedingung stattfinden, das sie alleine kommt, keine Ausweispapiere oder andere Dokumente bei sich führt, ein Handy oder ein Aufnahmegerät war auch untersagt, sogar die Handtasche musste sie zurücklassen, einzig ein Stift und ein Notizblock waren erlaubt. Den Mut aufzubringen zu diesem Treffen, aber auch zu vielen anderen Interviews  zu fahren ist bewundernswert.

     

    Die Autorin erzählt in diesem Buch nicht nur von ihren Interviews und Recherchen, sondern auch von ihrer Kindheit in Marokko und Deutschland. Schon in ihrer Kindheit erlebte sie Rassismus, aber auch viele Deutsche die ihr hilfreich zur Seite standen. Ihren Entschluss Journalistin zu werden verfolgte sie seit ihrer Jugend hartnäckig und zielstrebig. Als Journalistin war sie sowohl fürs Fernsehen, wie auch als freie Journalistin für die New York Times oder die Washington Post tätig, und baute sich dabei eine breites Netzwerk mit Kontaktpersonen auf, sowohl in den Medien als auch bei den verschiedenen Terrororganisationen.

     

    In all ihren Berichten versucht sie objektiv zu bleiben und den Dingen dabei wirklich auf den Grund zu gehen und sie zu verstehen. Dabei gibt sie auch Islamisten eine Stimme und versucht auch aufzuzeigen was zu ihrer Radikalisierung geführt hat, ohne ihre Taten oder Gedankengänge dabei Gutzuheißen. Sie zeigt auch die Fehler der westlichen Welt auf, die mit ihrer Einstellung und Berichterstattung, ihrem Rassismus und Handlungen dazu beitragen, das sich Menschen radikalisieren und sich der Hass auf die westliche Welt im arabischen und nordafrikanischen Raum weiter ausbreitet. Auch versucht sie aufzuzeigen, das trotz gleicher Begrifflichkeit, Demokratie im Westen anders verstanden wird als zum Beispiel im arabischen Raum.

     

    Sie beleuchtet auch den massiven Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten untereinander, die sich seit Jahrhunderte bekämpfen und sich mit einem Hass verfolgen, der mir in dem Ausmaß nicht bewusst war.

     

    Für mich ist dieses Buch ein beeindruckendes Werk, das sich oftmals so spannend liest wie ein Krimi oder Thriller, und mein Wissen über den Dschihad, die Radikalisierung von Menschen, ihr Gedankengut, den Konflikt innerhalb des Islams, der Arbeit von Journalisten und der westlichen Medien und auch die Tätigkeiten von Geheimdiensten damit mehrte.

     

    Mein Fazit:

    Ein beeindruckendes Buch, das sich spannend wie ein Krimi liest und dabei Wissen über ein sehr komplexes Thema vermittelt.

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    Tasmetus avatar
    Tasmetuvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein schweres, intensives und zutiefst aufrüttelndes Buch
    Ein schweres, intensives und zutiefst aufrüttelndes Buch

    Original Rezension auf tasmetu.de


    Wenn ich an all diese Geschichten, Fakten und Hintergründe denke, die Mekhennet in ihrem Buch zusammenfasst und schildert, bekomme ich eine Gänsehaut. Die Komplexität des Themas lässt mich genauso sprachlos zurück wie Mekhennets unfassbare Gabe, hier nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch mutig mitten ins Geschehen einzutauchen und ohne Angst zuzuhören. Sie beschreibt Einzelschicksale, lässt Stimmen laut werden die sonst überhört werden, ergreift keine Partei, begibt sich in Lebensgefahr und beweist dabei unendlich viel Mut und, was wohl noch wichtiger ist, Empathie. Sie sieht in den Köpfen des Dschihad nicht irgendwelche unmenschlichen Monster, die alles zerstören wollen. Sie sieht Menschen. Vielleicht mögen wir die Beweggründe dieser Leute nicht immer verstehen und vielleicht haben sie auch oft schlechte Gesinnungen, doch Mekhennet macht immer wieder klar, dass es nicht an ihr ist, darüber zu urteilen. Ihre Aufgabe ist es, zuzuhören, zu berichten, der Wahrheit immer auf der Spur. Und so zeigt sie uns, dass hinter Radikalisierung, Attentaten und Zerstörung, Menschen stehen, die uns gar nicht so unähnlich sind. Die Familien haben, die Wut und Trauer und auch Freude und Liebe kennen. Sie verharmlost nichts, sondern zeigt uns nur das wahre Gesicht des Terrors – denn es ist das von uns: Von Menschen.

    „Nur wenn du allein kommst“ ist kein leichtes Buch. Ich habe lange gebraucht, um es zu lesen, nicht nur wegen dem Schreibstil, sondern v.a. wegen dem Inhalt. Die Sachverhalte sind so komplex und vielschichtig und undurchsichtig, dass es – für mich – unmöglich scheint, den Überblick zu behalten. Außerdem zog es mich manchmal so runter, dass ich eine Pause brauchte. Es ist gut, dass ich dieses Buch gelesen habe, denn es ist unglaublich wichtig. Die Wahrheit ist nunmal nicht schön oder frei von Schmerz, so wie diese uns (im Westen) weder freispricht noch unberührt lässt. Das müssen wir akzeptieren und Konsequenzen daraus ziehen. Dennoch war ich immer wieder erschlagen von den Informationen, von den neuen Perspektiven, von der Grausamkeit der Menschen, von Ungerechtigkeiten, Details, der schieren Angst vor dem was da noch kommt, von der Ignoranz der westlichen Welt und vielleicht auch einfach von der Wahrheit, die Mekhennets Worten inne wohnt.

    Ich fälle kein Urteil über das, was sie schreibt. Ich bin Laie auf dem Gebiet, aber ich vertraue ihr. Denn sie macht das, was nur wenige Journalisten tun: Ihren Job. Mit Leib und Seele steht sie für die Wahrheit ein, ohne Partei zu ergreifen. Sie macht keinen Unterschied wer du bist, woher du kommst, wie du drauf bist. Sie will nur deine Geschichte hören. Sie fragt nicht nach Was oder Wer. Sondern nach dem Warum und dem Wie.
    Sie fragt nicht nur „Experten“, sondern lässt Opfer, Täter und Mitspieler gleichermaßen zu Wort kommen. Sie interessiert sich nicht für Quoten, sondern nur für die Wahrheit.
    Es ist bitter und traurig, dass ich erst mit diesem Buch von ihrer Arbeit erfahre. Denn ihre Stimme sollte noch viel lauter sein. Sie, die so unerschrocken und voller Herzblut selbst die gefährlichsten und unwirtlichsten Risiken eingeht, sollte eine Inspiration, ein Vorbild, ein Idol für alle anstrebenden und bereits tätigen Journalisten sein. Sie lehnt sich nicht zurück. Sie reproduziert keine durchgekauten Meinungen. Sie verschönigt nichts, weil es dann besser ankommt oder sich besser verkauft. Sie geht raus, hört zu und zeigt uns die Welt aus einer anderen Perspektive. Und DAS ist Journalismus.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wow, welch beeindruckende Geschichte, die uns die Autorin hier erzählt!
    Eine Reise in die uns oft unbekannte Welt der Islamisten ...

    Mit diesem Buch entführt uns die Autorin Souad Mekhennet in die (Gedanken)Welt der radikalen Islamisten.
    Die bekannte Reporterin ist wie keine zweite berufen, sich dieses Themas anzunehmen. Sie ist eine Wanderin zwischen Orient und Okzident. In Deutschland als Tochter von marokkanisch-türkischen Eltern geboren, wächst sie als gläubige Muslima und moderne Frau auf. Allerdings
    kennt sie die schiefen Blicke der anderen und das Gefühl „Nicht-dazu-gehören“. Mit Ehrgeiz und Beharrlichkeit hat sie sich ihren Platz im politischen Journalismus erkämpft.

    Was veranlasst sie nun, hinter die Kulissen des IS zu blicken?
    Souad Mekhennet will ergründen, warum sich vor allem junge Menschen dem Aufruf zum Dschihad folgen. Sie spricht mit Frauen und Männern. Dabei entdeckt sie Ähnlichkeiten mit ihrer eigenen Herkunft. Doch anders als die enttäuschten Jugendlichen, die vor allem den Westen für ihre Situation verantwortlich machen, hat Souad die ihr angebotenen Chancen genützt. Sie hat hart für ihren Erfolg gearbeitet.

    Auf ihren Reisen in die arabischen Staaten wird sie mehrmals verschleppt, mit dem Tod bedroht und kann das eine oder andere Mal nur mit viel Glück entkommen.
    Während des arabischen Frühling ist sie in Ägypten, wird verhaftet und lernt eines der berüchtigten ägyptischen Gefängnisse von innen kennen.
    Doch nicht nur den islamischen Staaten ist sie suspekt. Nein, auch die westlichen Staaten beäugen die Journalisten argwöhnisch. Ist sie gar eine von „denen“?

    Schonungslos listet sie die Fehler, die den westlichen Politikern unterlaufen sind. Schon lange vor den Anschlägen in Paris, Brüssel oder London hat die Top-Journalistin vor radikalisierten Jugendlichen gewarnt. Allein, man hat sie nicht ernst genommen.

    Doch nicht nur der Westen schlägt eine falsche Richtung ein. Auch die islamische Welt ist in sich zerstritten. Sunniten bekämpfen Schiiten, gehen für diese Kämpfe allerlei Allianzen ein, die sich dann verselbständigen.
    Für sie ist es klar, dass die Beseitigung eines Diktators à la Saddam Hussein nur ein Vakuum entstehen hat lassen, das nun von diversen Gruppen aufgefüllt wird. Die handelnden Politiker scheinen hier nicht weiter gedacht zu haben. Die Folgen spüren wir auf der ganzen Welt.

    In sachlichen Worten und mit vielen Details aus ihrem nicht ganz ungefährlichen Reisen, gibt uns Souad Mekhennet Einblick in die Gedankenwelt der radikalisierten Islamisten. Ich gebe zu, ich habe bislang nicht allzu viel darüber gewusst.

    Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag, um eine andere als die westliche Sicht zu bekommen. Allerdings fürchte ich, der Terror wird uns noch länger beschäftigen.

    Fazit:

    Ein Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!


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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Volle Leseempfehlung. Sehr beeindruckende Geschichte.
    Eine faszinierende Frau, die Mut beweist

    Souad Mekhennet, Journalistin, türkisch-marokkanischer Abstammung, in Deutschland aufgewachsen, hat sich ein gefährliches Ziel gesetzt – sie versucht Brücken zwischen dem Islam und dem Christentum zu bauen, zwischen den arabischen Ländern und dem sogenannten Westen, zwischen Personen diverser Terrororganisationen und der Öffentlichkeit. Sie hat sich somit einiges vorgenommen und ihre Geschichte in diesem Buch zeigt von vielen gefährlichen Situationen, von wunderbaren zwischenmenschlichen Begegnungen, von der Suche nach der Wahrheit, von Zufällen aber auch hartnäckigem Recherchieren – kurzum: von einem rasanten Leben.

    Das Buch beginnt mit einem Prolog, ein Treffen mit einem ISIS-Mitglied, das sie unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen hatte:
    „Ich sollte allein kommen. Ohne Ausweispapiere oder sonstige Dokumente; Handy, Aufnahmegerät, Uhr und Handtasche sollte ich in meinem Hotel in Antakya lassen. Erlaubt waren lediglich ein Notizbuch und ein Kugelschreiber.“

    Sie erzählt uns von ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland, vom Anderssein, von ihrer Beziehung zur Großmutter in Marokko und ihren Eltern, die sie gelehrt haben Gemeinsamkeiten und Einigkeit zu schaffen – egal welcher Nationalität und Konfession diese Menschen sind. Hier wurde wohl die Grundlage für ihren Beruf gelegt, in dem sie gefordert ist nicht nur Mut, sondern vor allem Empathie und Entschlossenheit an den Tag zu legen. Langsam erkämpft sie sich ihren Status als Journalistin, baut sich ein Netzwerk innerhalb bekannter Medien ebenso auf wie diverse Kontaktpersonen, die sie bei ihren Recherchetätigkeiten tatkräftig unterstützen.

    Sie hat wohl eine besondere Gabe: Sie hört den Menschen zu, verurteilt sie nicht nach ihren Taten und versucht objektiv zu berichten, auch wenn sie sich dadurch Feinde macht oder sich teilweise den Herausgebern beugen muss. Souad gibt den Islamisten die Möglichkeit, dass auch ihre Sicht der Dinge gehört wird, gibt ihnen eine Stimme – und macht sich viele zum Feind (nicht nur Dschihadisten, sondern auch westliche Regierungen und Geheimdienste). Sie erfährt in ihren Interviews welche Ursachen teilweise zur Radikalisierung dieser Menschen führte, wie diese den Westen hassen, weil sie dort keine Chance bekamen und als Menschen zweiter Klasse interagieren mussten.

    „Nicht die Religion radikalisiert den Menschen; der Mensch radikalisiert die Religion.“

    Ihr Buch liest sich spannend wie ein Thriller, sie erklärt sachlich und dann wieder emotional, als der Terror bis in ihre Familie hineingreift. Eine Mischung, die ihr Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht und  - ja, man darf auch Tränen zulassen!

    Ein sehr empfehlenswertes Buch für jedermann, der genug hat von den einseitig berichtenden Medien und die Unterschiede zwischen westlicher und arabischer Welt hinterfragen will.

    „Wenn ich eins gelernt habe, dann dies: Die Schreie einer Mutter, die ihr getötetes Kind beweint, klingen immer gleich, egal ob sie nun schwarz, braun oder weiß, Muslimin, Jüdin, Christin, Schiitin oder Sunnitin ist.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

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    Igelmanu66s avatar
    Igelmanu66vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt.
    Hut ab vor dieser großartigen Frau!

    »Ich sollte allein kommen. Ohne Ausweispapiere oder sonstige Dokumente; Handy, Aufnahmegerät, Uhr und Handtasche sollte ich in meinem Hotel in Antakya lassen. Erlaubt waren lediglich ein Notizbuch und ein Kugelschreiber.«

     

    Sommer 2014. Die Journalistin Souad Mekhennet hat eine Verabredung zu einem Interview mit einem Kommandeur des IS. Mitten in der Nacht. Und allein.

     

    Schon der Anfang des Buchs las sich wie ein Thriller. Die Gefahr, in die sich Souad Mekhennet begeben hat, wird niemand von der Hand weisen. Wie kommt eine Frau dazu, einen solchen Schritt zu wagen? Woher nimmt sie den Mut?

    Ein autobiographischer Teil, der sich anschließt, hilft, die Autorin kennenzulernen. Schon früh musste sie lernen, gegen Widerstände zu kämpfen. Eben weil sie in Deutschland geboren und aufgewachsen war, es als ihre Heimat ansah und doch wegen ihrer Wurzeln diskriminiert wurde. Im September 2001 war sie eine junge Journalistin, zutiefst schockiert und von dem Wunsch getrieben zu verstehen, was da geschehen war…

    »Was genau meint ihr mit Dschihad?«, fragte ich.
    »Dass man ein Recht auf Selbstverteidigung hat«, erklärte mir einer der Studenten.
    »Wovon redest du?«, fragte ich. »Wer hat euch denn persönlich angegriffen?«
    »Die Amerikaner.«
    »Ich wüsste nicht, dass die Amerikaner Marokko angegriffen haben.«
    »Wir denken nicht als Marokkaner«, sagte er. »Wir denken als Muslime.«
    Allmählich dämmerte es mir, dass ich eine Welt betrat, vor der mich meine Eltern immer gewarnt hatten. Als Journalistin war es mein Job, über das zu schreiben, was in den Köpfen dieser Männer vor sich ging, und es anderen zu erklären.

     

    Souad Mekhennet begriff es als ihre Aufgabe, die Beweggründe zu erfahren und sie der Welt mitzuteilen. Weshalb radikalisieren sich junge Männer und Frauen? Wo kommt all der Hass her? So reist sie um die Welt, von einem Krisengebiet ins nächste. Ob im türkisch-syrischen Grenzgebiet, im Irak oder in Jordanien – immer wieder begibt sie sich in Lebensgefahr. In Ägypten wird sie verhaftet und lernt ein berüchtigtes Foltergefängnis von innen kennen. Zeitgleich wird sie aber auch von westlichen Regierungen argwöhnisch beobachtet und fragt sich manchmal, von welcher Seite ihr mehr Gefahr droht.

    Unbeirrt bemüht sie sich um Gespräche mit Dschihadisten, interviewt Anführer von al-Qaida, radikalisierte Jugendliche und ihre Familien, Politiker und Imame. Wo nötig zieht sie zum Gespräch eine Abaya über Jeans und T-Shirt, verzichtet aber fast nie auf das Stellen unbequemer Fragen.

     

    In ihren Reportagen bemüht sie sich um Objektivität. Dafür bringt sie die besten Voraussetzungen mit, denn von klein auf ist sie gewohnt, zwischen den Welten zu leben. Als Kind marokkanisch-türkischer Eltern wächst sie in Deutschland auf, wird sowohl eine gläubige Muslimin als auch eine selbstbewusste, moderne Frau. Und stellt als Tochter eines Sunniten und einer Schiitin schockiert fest, dass diese beiden Glaubensrichtungen sich in Teilen der Welt abgrundtief hassen und bekämpfen.

    Ihre Sichtweise und die Art zu berichten hat mich wirklich beeindruckt. Offen legt sie ihre Meinung dar, verurteilt Gewalt und Hass, bemüht sich aber auch zu verstehen, wie beides entstehen kann. Und hofft darauf, dass ihre Erkenntnisse helfen können, noch mehr Hass und Morde zu verhindern.

     

    Ich für mein Teil habe viel Interessantes erfahren und gelernt. Souad Mekhennet schildert die Hintergründe so mancher Konflikte, erläutert die Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten, sie denkt über die wahre Natur des sogenannten Arabischen Frühlings nach und stellt Menschen vor, die an der Deradikalisierung junger Muslime arbeiten. Sie befasst sich mit Frauenrechten, spricht aber auch über Europäerinnen, die davon träumen, einen IS-Kämpfer zu heiraten. Sehr spannend fand ich auch die Enttarnung von „Jihadi John“ – meine Güte, die Autorin ist sowohl mutig, einfallsreich als auch intelligent!

     

    Der Stil sagte mir ebenfalls sehr zu. Obwohl reichlich Fakten geschildert werden und mir manchmal aufgrund der vielen arabischen Namen der Kopf rauchte, ist die Schilderung sehr lebhaft und gut zu lesen. Immer wieder gibt Souad Mekhennet Einblicke in ihr Gefühlsleben, man spürt, dass sie durchaus Ängste hat – und zwar nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch um die Zukunft der westlichen und der arabischen Welt.

     

    Fazit: Hut ab vor dieser großartigen Frau! Sehr lesenswerter Bericht, der informiert, nachdenklich macht und um gegenseitiges Verständnis wirbt.

     

    »Nicht die Religion radikalisiert den Menschen; der Mensch radikalisiert die Religion.«

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