Stanislaw Lem

 3,9 Sterne bei 572 Bewertungen
Autor von Solaris, Eden und weiteren Büchern.
Autorenbild von Stanislaw Lem (©CC BY-SA 3.0)

Lebenslauf

Stanisław Lem wird 1921 in Lemberg geboren, das zu dieser Zeit zu Polen gehört. Der Sohn einer polnisch-jüdischen Arztfamilie eifert seinen Eltern nach und beginnt 1940 ein Studium der Medizin in dem nun sowjetisch besetzten Lemberg. Als Folge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im folgenden Jahr ist Lem gezwungen, sein Studium abzubrechen. Er verschleiert mit gefälschten Papieren seine jüdische Herkunft und kann so als Schweißer für eine deutsche Firma arbeiten. Gegen Ende des Krieges setzt er sein Studium in dem nun wieder von der Roten Armee kontrollierten Osten Polens fort. Da Lemberg aber 1946 von der Sowjetunion annektiert wird, ist Lem gezwungen, nach Krakau zu gehen, wo er sein Studium fortsetzt und als Forschungsassistent arbeitet. Zeitgleich beginnt er, erste Texte zu verfassen. Obwohl er das Medizinstudium formell abschließt, lässt ihn die Prüfungskommission durchfallen, da er sich weder der stalinistischen Ideologie unterwerfen will, noch bereit ist, als Militärarzt eingesetzt zu werden. Als Folge dessen wird er den Beruf des Arztes nicht ausüben können, so dass er sich auf die wissenschaftliche Forschung beschränken muss. Er intensiviert nun auch die schriftstellerische Arbeit und stellt 1946 seine erste Erzählung „Człowiek z Marsa“ (dt. Titel: „Der Mensch vom Mars“) fertig, die in einer kleineren Zeitschrift erscheint. Das Werk wird erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Buchform veröffentlicht. Auch seine frühe, teils autobiographische Erzählung „Szpital Przemienienia“ (dt. Titel: „Das Hospital der Verklärung“) aus dem Jahre 1948 wird wegen der Zensur erst 1955 in überarbeiteter Form und als erster Teil der Trilogie „Czas nieutracony“ (dt. Titel: „Die Irrungen des Dr. Stefan T.“) publiziert. Das Buch „Astronauci“ (dt. Titel: „Die Astronauten“, auch als „Der Planet des Todes“ erschienen) wird 1951 als seine erste Novelle herausgegeben. Das Werk handelt von einer Expedition von der Erde zur Venus, bei der die Astronauten feststellen, dass dort einst eine fortschrittliche Zivilisation gelebt hatte, die sich selbst ausgelöscht haben musste. 1953 heiratet Stanisław Lem die Radiologin Barbara Leśniak. Nach dem Ende der stalinistischen Periode in Polen 1956 konnte Stanisław Lem nun freier arbeiten als zuvor. Er veröffentlich 1957 sein erstes philosophisches Werk „Dialogi“ (dt. Titel: „Dialoge“). Bis 1968 folgen 16 weitere Bücher, unter anderem „Solaris“, „Cyberiada“(dt. Titel: „Kyberiade“), „Niezwyciężony“ (dt. Titel: „Der Unbesiegbare“) und „Głos Pana“ (dt. Titel: „Die Stimme des Herrn“). Er gewinnt zahlreiche nationale und internationale Literaturpreise. Als 1982 in Polen das Kriegsrecht verhängt wird, verlässt er das Land vorübergehend, um zunächst nach Westberlin und später nach Wien zu ziehen. Dort veröffentlicht er von 1986 bis 1987 seine letzten Romane „Pokój na ziemi“ (Dt. Titel: „Frieden auf Erden“, auch als „Der Flop“ veröffentlicht) und „Fiasko“. Er beschränkt sich nun auf publizistische Tätigkeiten und das Verfassen von Feuilleton-Beiträgen. Erst 1988 kehrt er nach Polen zurück. Am 27. März 2006 stirbt Stanisław Lem wegen eines Herzleidens im Universitätsklinikum von Krakau. Stanisław Lem gilt als einer der größten Vordenker und Schriftsteller der Nachkriegszeit, der das Genre Science-Fiction innerhalb der Literaturwelt erst wirklich salonfähig gemacht hat. Dabei gehen seine Werke über die üblichen Grenzen der reinen Science-Fiction-Literatur hinaus. Sie verbinden futuristische - aber nie utopische - technologische Visionen mit philosophischen Überlegungen über den Menschen und seine Sozialstruktur zu einer faszinierten und einfallsreichen Mengelage.

Alle Bücher von Stanislaw Lem

Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783843705806)

Solaris

(332)
Erschienen am 09.11.2012
Cover des Buches Rückkehr von den Sternen (ISBN: 9783548601465)

Rückkehr von den Sternen

(25)
Erschienen am 01.12.2001
Cover des Buches Die Jagd (ISBN: 9783518368022)

Die Jagd

(18)
Erschienen am 01.01.1976
Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783548065298)

Solaris

(10)
Erschienen am 30.08.2021
Cover des Buches Stanislaw Lem: Gast im Weltraum (ISBN: B004FW1MMO)

Stanislaw Lem: Gast im Weltraum

(4)
Erschienen am 01.01.1980
Cover des Buches Das absolute Vakuum (ISBN: B001ANT4U8)

Das absolute Vakuum

(3)
Erschienen am 01.01.1984
Cover des Buches Der Planet des Todes (ISBN: B002ZKCHS6)

Der Planet des Todes

(3)
Erschienen am 01.01.1960

Neue Rezensionen zu Stanislaw Lem

Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783843705806)
Neunis avatar

Rezension zu "Solaris" von Stanislaw Lem

Neuni
Ein Meisterwerk seines Genre

Lems Solaris ist ein Meisterwerk der Sciencefiction Literatur, das mehrfach (brillant) verfilmt und für das Theater adaptiert wurde. Obwohl der Stil des Roman sehr klar und zum Teil regelrecht wissenschaftlich ist, bleibt der Roman doch geheimnisvoll und vieldeutig. Wenn wir irgendwo da draußen im Universum einer fremden und andersartigen bewussten Lebensform, wie dem Ozean auf Solaris, begegnen, werden wir vermutlich tatsächlich nicht in der Lage sein diese Begegnung zu verstehen.

Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783548065298)
S

Rezension zu "Solaris" von Stanislaw Lem

SM1
langatmiger Sci-Fi-Klassiker

Der Roman "Solaris" von Stanislaw Lem gilt als Klassiker der Science-Fiction-Literatur. Die Handlung spielt auf einer Raumstation, welche den fiktiven Planeten Solaris umkreist. Dieser Planet ist fast vollständig von einem Ozean aus Plasma bedeckt, welcher an seiner Oberfläche verschiedene bizarre Formen bildet und wieder einstürzen lässt. Seit Jahrzehnten ist dieser Ozean Objekt wissenschaftlicher Forschung, ohne dass es befriedigende Ergebnisse zu vermelden gäbe. Die Frage, ob es sich bei dem Ozean aus Plasma um ein Lebewesen oder sogar um intelligentes Leben handelt, konnte trotz intensiver Forschung bisher nicht beantwortet werden.

Als der Psychologe Kris Kelvin auf der Raumstation ankommt, muss er feststellen, dass er dort nicht allein mit den beiden anderen anwesenden Wissenschaftlern ist. Als er nach seiner ersten Nacht auf der Raumstation erwacht, befindet er sich plötzlich in Gesellschaft seiner Freundin Harey, welche zehn Jahre zuvor Selbstmord begangen hat.

Die Idee mag interessant und spannend klingen, doch der Roman ist zäh und langatmig. Mehrmals wird über viele Seiten sehr trocken von der jahrzehntelangen Erforschung des Planeten Solaris und den verschiedenen aufgestellten und wieder verworfenen Hypothesen darüber berichtet. Die Figuren bleiben distanziert und Spannung kommt kaum auf. Die Lektüre kann nur absoluten Science-Fiction-begeisterten Lesern empfohlen werden.

Cover des Buches Solaris (ISBN: 9783843705806)
H

Rezension zu "Solaris" von Stanislaw Lem

HenrikeSchwenn
Subtiler Horror allein im All

Als der Wissenschaftler Kris Kelvin auf der Raumstation Solaris eintrifft, merkt er sofort, dass dort nichts mit rechten Dingen zugeht. Der lebende Ozean, den die Station erforschen will, übt telepathischen Einfluss auf die Besatzung aus und auch Kelvin verfällt ihm bald...

Dieses Buch hat mich von Anfang an mit seiner Atmosphäre gepackt. Man spürt die unfassbare Weite und Lebensfeindlichkeit des Weltraums und die Enge und Isolation der Raumstation. Obwohl gar nicht so viel passiert, ist das ständige Unbehagen durch die fremdartige Ozeanwelt und das gegenseitige Misstrauen greifbar. Eine gigantische Lebensform umschließt einen Planeten, bildet Strukturen, deren Sinn niemand versteht, und dringt in den Verstand der Menschen ein, die in seine Nähe kommen. Niemand weiß, ob er intelligent ist, ob er versucht, zu kommunizieren, und ob er ein Ziel verfolgt. Kelvin hat sein Leben dem Traum gewidmet, die Rätsel dieses Ozeans zu ergründen, die nun schon Generationen von Menschen beschäftigen, und muss am Ende erkennen, dass er nicht einmal sich selbst gut genug kennt. Nicht einmal ihrer eigenen Wahrnehmung können die wenigen Bewohner der Station noch trauen.

Die Idee ist großartig: Die Menschheit entdeckt eine fremde Lebensform auf einem entfernten Planeten, die sich jahrzehntelang untersuchen kann. Dennoch entzieht sie sich dem menschlichen Verständnis und übt auf unheimliche Weise macht über jeden aus, der sich zu lange in ihrer Nähe aufhält. Man fühlt sich klein, unbedeutend und hilflos angesichts der unbegreiflichen Geheimnisse des Universums. 

Gespräche aus der Community

Herzlich Willkommen in der Leserunde zu "Solaris" von Stanislaw Lem. 😊

Start der Leserunde ist am 1. März 2026.

166 Beiträge
DG_Ambronns avatar
Letzter Beitrag von  DG_Ambronn
Vielleicht so: Dafür bin ich einfach zu blöd. 🤪

Ganz schlechtes Argument. Das kaufe ich Dir nicht ab. 😁 Vielleicht hast Du einfach durchschaut, dass hinter dem Roman in Wirklichkeit eine ganz einfache Idee steckt: Lem hat eine Aufstellung gemacht, was uns Menschen auszeichnet: wir sind viele, wir kommunizieren, und zwar mittels Sprache, wir bestehen aus Molekülen usw., und dann hat er ein Wesen geschaffen, das in allem das Gegenteil ist. Details über das Wesen und seine sonderbaren Fähigkeiten? Keine. Und dann führt er uns drei Menschen (und einen Haufen Wissenschaftler) vor, die damit nicht klarkommen. Das wars im Grunde genommen doch schon. Aber halt, da ist noch das Sahnehäubchen: die Liebesgeschichte mit Harey, die ist ja wirklich sehr anrührend. Und die Idee, dass jemand unsere Gedanken lesen könnte. Das hat etwas prickelnd Unangenehmes für die meisten Menschen. Und all die langen wissenschaftlichen Erörterungen sagen eigentlich gar nichts. ---- Na gut, jetzt habe ICH Lem wahrscheinlich unrecht getan.

Zusätzliche Informationen

Stanislaw Lem wurde am 12. September 1921 in Lemberg geboren.

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