Stefan Albus

 4.4 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf von Stefan Albus

Geboren 1966 in Köln, 1979 von den Eltern ins Ruhrgebiet verschleppt; die Jahre 1985 bis 1991 mit einem Chemiestudium an der Uni Bochum verbracht, anschließend Doktorarbeit am Max Planck-Institut für Kohlenforschung geschrieben (fertig 1994) und zwei Jahre lang mit Grundlagenforschung an der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden akademische Sporen verdient. Ab 1996 dann verschiedene Hospitanzen bei Zeitungs- und Radio-Redaktionen (u.a. WDR, Süddeutsche Zeitung, WAZ) und seither alle Hände voll zu tun als freier (Fach-) Journalist, Texter, Ghostwriter und Redenschreiber. Was noch? Marie-Curie-Stipendium der EU, Wissenschaftsjournalisten-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie, "Nachwuchsjournalistenpreis" von Messer Griesheim, Literaturpreis Ruhrgebiet 2001 (Förderpreis). 2009 Nase voll, Auszeit genommen, auf dem deutschen Jakobsweg nach Trier gepilgert. Das Buch darüber erscheint im März 2011. Stefan Albus lebt in Herne."

Alle Bücher von Stefan Albus

Santiago liegt gleich um die Ecke

Santiago liegt gleich um die Ecke

 (9)
Erschienen am 21.03.2011
Erste Hilfe für Weihnachts-Neurotiker

Erste Hilfe für Weihnachts-Neurotiker

 (1)
Erschienen am 01.09.2012
Jakobsweg - und dann?

Jakobsweg - und dann?

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Erschienen am 22.02.2016

Interview mit Stefan Albus

Beschreibung

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und wie kam es zur Veröffentlichung Deines ersten Buches?

Schreiben war immer mein Ding. Ich hatte Deutsch-LK im Abi und wollte sogar Germanist werden, im Ernst – dass ich dann nach der Schule Reagenzgläser statt Kulis geschwenkt und Chemie studiert habe, ist also schon eine Story für sich ;-) Tatsächlich lebe ich aber schon seit 1996 vom Texten. Ich hab‘ das mit der Chemie kombiniert: Als Ghostwriter schreibe ich zum Beispiel Reden und Artikel für Kunststoff-Fachzeitschriften und so weiter. Mit dem eigenen Buch hat‘s dann leider gedauert. An geistigem Grauschleier hat es aber nicht gelegen: Eher daran, dass sich viele Projekte gegenseitig blockiert haben. Ist ja auch nicht einfach: Krimi? Comedy? Kochbuch? Oder doch lieber den großen deutschen Mauerfall-Roman schreiben, auf den das Feuilleton ja bis heute wartet? ;-) Ich hab' 1.000 Sachen angefangen und wieder zur Seite gelegt. Dass es dann dieses Pilgerbuch geworden ist, war Zufall. Ich hatte das gar nicht vor, ich wollte mir eigentlich nur eine Auszeit nehmen. Aber nach ein paar Tagen unterwegs wurde mir plötzlich klar, dass ich hier irgendwie mitten durch eine Art persönlichen Roman stapfe, dass das Pilgern was mit mir macht, mich verändert. Das, was mir unterwegs alles passiert ist, kann man sich gar nicht ausdenken. Ich bin vor lauter Grübeln an meinem Tagesziel vorbeigelaufen und hab‘s erst fünf Kilometer später mitten im Nichts gemerkt! Ich hab‘ mit einer Art Hitzschlag wie gelähmt im Bett gelegen und gedacht, es ist vorbei, weil ich noch nicht mal an mein Handy kam. Das lag auf dem Schreibtisch, zwei Meter entfernt, das war für mich weiter weg als der Mond. Später bin ich von einem Wolkenbruch fast weggeschwemmt worden und hab' in der Eifel irgendwann angefangen, mit mir selber zu sprechen. Und sogar Heino getroffen! Da musste ich praktisch nur noch mitschreiben und das Ganze anschließend in eine Sprache bringen, die ich gerne lesen würde – und Bingo: Erstling! OK, ein bisschen Arbeit musste ich schon noch reinstecken. Dabei war die Verlagssuche erstaunlicherweise das kleinere Problem. Aber der Programmchef schlug zum Beispiel die Hände überm Kopf zusammen, als er sah, dass das Ur-Manuskript so dick war wie das Hamburger Telefonbuch ...

Welche Vorteile bietet für Dich das Internet und wie nutzt Du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de

Das Netz ist für mich in erster Linie ein großartiges Recherche-Instrument. Wenn man sich über ein neues, vielleicht sogar exotisches Thema informieren möchte, gibt es nichts besseres, als sich bei einem einschlägigen Forum anzumelden. Ich hab‘ mal eine Geschichte über einen Typen geschrieben, der auf alte amerikanische Autos steht. Früher hätte man sich da bei Hobby-Schraubern in irgendeiner Mietgarage in Bottrop-Süd erst einmal die Sporen verdienen müssen, bevor die einem erklären, was die so treiben. Heute geht zumindest die Basis-Recherche vom Sofa aus. Raus und mit den Leuten reden muss man natürlich immer noch. Um Web 2.0-Communities hab' ich früher eher einen Bogen gemacht – ich habe meinen Fernseher nicht abgeschafft, um stattdessen jeden Abend in einen anderen Bildschirm zu starren. Inzwischen find ich z.B. Facebook aber ganz witzig – mit einem einzigen „Gefällt mir“ oder einem kleinen Posting überreicht man mehr Leuten ein Lebenszeichen als man an einem ganzen Abend je per Telefon erreichen könnte. Man muss ja nicht jeden Mist schreiben, also, dass der Bus Verspätung hat oder so. Von LovelyBooks habe ich erst vor ein paar Wochen gehört und arbeite mich da gerade rein. Hab‘ aber gleich nach der Anmeldung erstmal einen kleinen Grundstock an Rezis über den Lesestoff der letzten Wochen geschrieben – wenn man sich in so eine Community reinklinkt, sollte man da auch ein wenig mitarbeiten ;-) Ich hoffe, dass ich Zeit habe, da dran zu bleiben.

Bei der Buchfrage können sich neuerdings Leser in Echtzeit über Autoren und ihre Bücher austauschen, damit ist ein weiterer Platz für Lob und Kritik geschaffen. Wie gehst Du damit um?

Habe mir gerade einen Termin für den Frage-Freitag in meinen Kalender eingetragen: 15. April! Außerdem versuchen wir gerade, dieses LB-Frage-Widget noch in das Pilger-eBook einzustricken. Ich habe eben gehört, dass es wahrscheinlich klappt … das war eine ziemlich heiße Aktion, weil ich erst kurzfristig erfahren habe, dass der Verlag überhaupt ein Bildschirm-Buch in Planung hat ;-) Ich finde die Idee, direkt mit einem Leser oder einer Leserin in Kontakt zu kommen, ungeheuer spannend. Ich schreib‘ ja Bücher, um Leute zu bewegen und nicht, um Regale zu füllen. Ich denke, dass in diesen Frageoptionen die Zukunft liegt.

Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern und wo findest bzw. suchst Du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Schwere Frage. Meine Bücherregale wiegen mindestens vier Tonnen. Da drin herrscht eine Ordnung wie im Hamburger Hauptbahnhof nachmittags um fünf. Aber ich habe früher sehr gerne Philippe Djian gelesen und in meinen (unveröffentlichten) Short-Stories sogar eine Zeit lang versucht, an seinen Stil irgendwie ranzukommen. Dabei ist das Blödsinn, denn den gibt es ja schon ;-) Ansonsten lese ich alles, was mich im Laden anlächelt und mitwill, das können Sachbücher über Mathe und Teilchenphysik ebenso sein wie Wegbrüller wie Moritz Netenjakobs „Macho Man“. Zur Not nehm' ich was von Diogenes, da hab‘ ich eigentlich noch nie danebengegriffen. In letzter Zeit vertrau‘ ich auch verstärkt dem Rat meiner Lieblings-Buchhändlerin, die hat mir schon so manchen Edelstein in die Hand gedrückt. Und organisiert jetzt ganz nebenbei eine meiner ersten Lesungen.

Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner Bücher wünschen und warum?

Ich wollt‘ ja eins von Hape Kerkeling, aber das wollte er dann nicht. Beziehungsweise seine Agentin ;-) Ansonsten: Mal abwarten, was mir überhaupt noch so einfällt. Wenn man irgendwann eins von Günther Grass bekommt, hat man es geschafft, oder?

Man wird als Schriftsteller schnell in Schubladen gesteckt. Würdest Du gerne mal das Genre wechseln und Deine Leser mit einer völlig neuen Seite überraschen – evtl. statt Sachbuch einen Krimi schreiben?

Ja! Eigenartigerweise ist mir das aber gerade andersrum passiert … ich war absolut sicher, dass mein nächstes Projekt ein Roman wird. Die Hauptfiguren hab‘ ich schon seit ein paar Jahren in Kolumnen etabliert, die ich für zwei Musik-Fachmagazine schreibe: Eine schräge Zwei-Männer-WG, jung und alt, der Eine Avantgarde-Musiker, der Andere Manager und musikalisch eher Drehleier als E-Gitarre. Aber irgendwie fand mein Verlag, dass ich noch was für die schreiben sollte. Und da die nur Sachbücher machen, hätten die mit einem Roman ein Problem ;-) Der ist aber wirklich als nächstes dran. Keep your fingers crossed!

Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration für Deine Bücher?

Bei meinem Erstling ist die Faktenlage klar: Von unterwegs. Ich habe von der Pilgerreise zwei herrlich angefledderte Notizbücher mitgebracht ;-) Für das aktuelle Projekt: Zeitungen, U-Bahn-fahren, unterwegs sein, Leuten zuhören, herumsurfen, verrückte Dinge anstoßen. Ich freu‘ mich zum Beispiel drauf, zu Ostern den Käthe-Wohlfahrt-Weihnachtsladen in Rothenburg odT zu besuchen. Nur Fernsehen gucke ich nicht mehr. Das ist mir zu blöd geworden.

Wie und wann schreibst Du normalerweise, kannst Du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest, bis Dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Oje, das mit der küssenden Muse geht bei mir immer schief. Da schreibe ich mich schnell in Rage – und merke am nächsten Tag, dass ich zwei Drittel wegschmeißen kann. Mit der Zeit wird man aber auch Profi und kann selbst dann halbwegs vorzeigbare Sachen abliefern, wenn einem das Schreiben im Moment so viel Spaß macht, dass man lieber als Leichenwäscher arbeiten würde. Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass Schreiben zum größten Teil Handwerk ist! Höchstens insofern, als Texte immer gewinnen, wenn man sie wieder und wieder überarbeitet, mit den Augen des Lesers liest und dran herumknetet, bis man Froschfinger hat. Ab Version fünf fangen meine Texte allmählich an, Spaß zu machen. Mir zumindest ;-) Trotzdem gibt es natürlich Tage oder auch mal Wochen, an denen gar nichts geht. Das ist dann eben so.

Gibt es eine lustige Anekdote aus Deinem Schriftstellerdasein, die Du uns erzählen möchtest?

Wenn man pilgert, können einem schon eine Menge absurder Dinge passieren. So bin ich auf der Hohen Straße in Köln von einem Ladendetektiv „gebeten“ worden, meinen Pilgerrucksack auszupacken. Ich durfte also meinen Stab an die Wand lehnen, meinen Hut abnehmen und meine schmutzigen Socken auf dem Boden ausbreiten, während die Leute an mir vorbeigingen und wahrscheinlich dachten „Herrgott, wenn jetzt schon Pilger klauen …“. Ursache des Problems waren aber keine zu langen Finger, sondern das kleine Netbook, das ich mithatte, um meiner Frau abends Fotos hochzuladen – da war wohl noch ein RFID-Chip oder sowas dran. Der Sheriff meinte später: „Wenn der Alarm anspringt, geht da oben ein Signal an“, und blickte dabei tatsächlich nach oben, dabei waren wir schon im obersten Stock! „Wenn ich mich da nicht sofort drum kümmere, bin ich auch meinen Job los …“ OK, das war in diesem Moment natürlich nicht wirklich lustig, aber irgendwann dann eben doch: Wenn man pilgert, setzt mit der Zeit eine gewisse Gelassenheit ein und alles kriegt einen doppelten Boden, da wird ein Detektiv dann auch mal zum Gesandten einer höheren Macht ;-) Ich hatte mich auf dieser Einkaufsmeile die ganze Zeit schon unglaublich unwohl gewühlt. Ich gehöre da als Pilger nicht hin, fand ich. Offenbar fand Köln das auch, darum hat mich die Stadt eben gepackt und ausgesondert – that's it ;-) Der Punkt ist aber ein anderer: Wer hat nicht Angst, irgendwann mal als Ladendieb verdächtigt zu werden? Wenn man anfängt, solche Dinge eher lustig statt furchteinflößend zu finden, ist man auf einem guten Weg.

Welche Wünsche hast Du im Bezug auf Dein Buch und Deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Jetzt soll bitte erst einmal das Pilgerbuch seine Leser finden, das ist mir am wichtigsten. Ich würd' mir wünschen, dass der Eine oder Andere das zum Anlass nimmt, sich selbst einen Rucksack auf den Rücken zu werfen und loszuziehen. Mich hat die Pilgerei enorm weitergebracht und es wäre schön, wenn es Anderen auch so gehen würde. Losgehen, um bei sich anzukommen! Darum geht es. Und dann? Wünsch‘ ich mir, dass ich das nächste Manuskript rechtzeitig fertig kriege. Was dann noch so kommt, warte ich einfach mal in Ruhe ab.

Neue Rezensionen zu Stefan Albus

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Rezension zu "Das Lichterketten-Massaker ... und andere Weihnachtskatastrophen" von Stefan Albus

Rezension zu "Das Lichterketten-Massaker ... und andere Weihnachtskatastrophen" von Stefan Albus
Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren

Könnte es sein, dass Stefan Albus Lichterketten massakrieren will? Oder soll der ganze Weihnachtszauber gleich mit den Lichterketten mit entsorgt werden? Der Buchtitel kling arg rabiat, aber ich kann die Leser beruhigen. Weihnachten wird in diesem Buch kein Haar gekrümmt.
Aber es wird genau hingeschaut, was es mit den liebgewordenen Traditionen, dem importierten Zubehör und den Fröhlichkeitspflichten auf sich hat. In den Wochen vor Weihnachten staplen sich die Aufgaben in jedem braven Haushalt. Stefan Albus liefert die Hintergrundinformationen dazu. Wir bekommen historische Aufklärung und je nach Fall auch konkrete Zahlen auf den Tisch. Zum Beispiel die, dass die Deutschen im Weihnachtsdusel jährlich über 70 Milliarden Euro ausgeben (ja, er hat wirklich 'Milliarden' geschrieben). Oder dass der allererste deutsche Weihnachtsbaum vermutlich 1419 in Freiburg aufgestellt wurde. Aber keiner kriegt die Zahlen dröge um die Ohren gebuttert, sondern verpackt in die vorweihnachtlichen Abenteuer eines Erzählers und seiner Freunde, wie Moni, Claudia oder Klaus, handlich verpackt in 11 Kapitel.
Die historische Aufklärung hilft ebenfalls weiter: Wer Halloween nicht mag, braucht sich nach der Lektüre nicht weiter drüber aufregen, denn eigentlich kommt aus den USA nur das wieder, was wir Europäer vor Jahrhundertenen dorthin exportiert hatten. Mit dem Krach um Christkind oder Weihnachtsmann oder Nikolaus geht es weiter. Auch hier trifft uns ein Erbe, das nur in Teilen mit einem Zeichner einer US-amerikanischen Getränkemarke zu tun hat. Luther war auch nicht ganz unschuldig an dem Dilemma.
Ich hatte, zugegeben, auf Grund des Titels eine satirische Abrechnung mit der Weichnachts- und Vorweihnachtszeit erwartet. Statt dessen habe ich viele Hintergründe zu unseren Bräuchen geliefert bekommen und die Beruhigung, dass eigentlich alles gar nicht so schlimm ist, wie das gemeinhin eingeredet wird. Wir sollten Weihnachten einfach so nehmen wie es ist und genießen. Meinetwegen auch mit Spekulatius im Oktober, wenn sie doch schmecken? Wir sehen: Traditionen gab es schon immer, aber sie waren früher schon Änderungen unterworfen. Und sie werden sich einfach weiter ändern, ganz egal, ob wir lieber Kartoffelsalat oder Gans auf den Tisch bringen.

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Mr. Rails avatar

Rezension zu "Das Lichterketten-Massaker ... und andere Weihnachtskatastrophen" von Stefan Albus

Rezension zu "Das Lichterketten-Massaker ... und andere Weihnachtskatastrophen" von Stefan Albus
Mr. Railvor 7 Jahren

Ein perfekter Gegenentwurf zur Tolkienschen Betrachtung in den "Briefen vom Weihnachtsmann" ist das „Lichterkettenmassaker“ von Stefan Albus.

Ein Buchtitel wie ein Paukenschlag, versehen mit dem Bild eines kopfüber an einer funkelnden Weihnachtsbaumbeleuchtung baumelnden und zappelnden Nikolauses. Stefan Albus – ebenjener Autor der mit seinem kontemplativ informativen Werk „Der Jakobsweg liegt gleich um die Ecke“ für Furore sorgte, ebenjener Autor, der sich während seiner Pilgerreise so intensiv mit der Motivation einer Glaubensreise auseinandersetzte – ebenjener Stefan Albus zeigt sich hier von seiner ganz anderen Seite.

Was haben wir gelacht. Weihnachten von seiner lustigen, tragikomischen, satirisch sarkastischen und doch sympathisch verschrobenen Seite. Albus lässt nichts aus.

Kein Auge bleibt trocken und in jeder der kleinen Geschichten finden wir uns schmunzelnd wieder. Wir alle wundern uns, wenn die Weihnachtsware wieder einmal schon im September die Sonnenmilch aus den Auslagen der Supermärkte verdrängt; wenn Rettungssanitäter verzweifeln, da sie pausenlos alarmiert werden um scheinbar strangulierte Menschen von Dächern und Balkonen zu retten, die sich dann als Weihnachtsdeko-Nikoläuse herausstellen; über den verschwindend geringen Alkoholgehalt der ständig überteuerten Glühweinportionen an Glühpilzbeheizten Weihnachtsmarktständen; über den Kampf der natürlichen gegen die künstlichen Plastikweihnachtsbaumlebensphilosophien; über die FernsehLEIDENschaften des mehrteilerverwöhnten Publikums, dem nur noch werbeunterbrochene Einteiler präsentiert werden, und nicht zuletzt über die Essgewohnheiten unserer Freunde, die zu Weihnachten Tiere in den Ofen schieben, die sie nichtmal im Biologiebuch ihrer Kinder wiedererkennen würden

Liebevoll unterzieht Stefan Albus das Weihnachtsfest einer pointiert zeitgemäßen Analyse und lässt uns entspannt Vergleiche zu unseren eigenen Ritualen ziehen. Er hat ja so Recht, der Herr Albus und wir lachen immer noch herzhaft, haben aber auch einiges aus diesem Buch gelernt. Zum Beispiel, warum die Nordmanntanne ihren Namen trägt und eigens für Weicheier gezüchtet wird;-)

Lachenswert… öhm lesenswert!
******
„Outtake“ zu Stefan Albus und dem Lichterkettenmassaker:

Just an jenem Tag, als ich das Fernsehmärchenmehrteilerkapitel im Lichterkettenmassaker gelesen hatte, in dem der Autor darauf hinweist, dass einzig das legendäre Fernsehmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ mit mindestens 14 Ausstrahlungsterminen zum Weihnachtsfest als Relikt unserer guten alten Mehrteiler übriggeblieben ist und ich darob lachend den Kopf schütteln musste geschah das Folgende:

Einer meiner Mitarbeiter erschien laut jubelnd im Dienst und präsentierte allen Kollegen voller Stolz die frisch erstandene Luxusedition ebenjenes Märchens mit ca. 5 DVDs und dem Aschenbrödel-Original-Schmuck. Ich legte still und heimlich meinen „Albus“ mit Lesezeichen daneben und verschwand schmunzelnd…

Der Rest ist Firmengeschichte

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simone_richters avatar

Rezension zu "Santiago liegt gleich um die Ecke" von Stefan Albus

Rezension zu "Santiago liegt gleich um die Ecke" von Stefan Albus
simone_richtervor 7 Jahren

Herrn Albus ist ein wirklich aufschlussreiches, witziges und interessantes Buch zum Pilgern in Deutschland gelungen. Ich habe das Buch aufgeschlagen und konnte kaum noch mit dem Lesen aufhören, zumal es dem anderen großen Pilgerbuch eines bekannten Herren in nichts nachsteht – nur eben dem Weg zwischen Dortmund und Trier folgt, was mittlerweile ob der Überlaufenheit des Santiagoer Weges vielleicht mehr Präsenz hat. Es ist spannend und vergnüglich zugleich zu lesen, was einem auf dem deutschen Pilgerweg wiederfahren kann und wie sich hier Leute und Landschaft zeigen. Im Anhang gibt es dann noch eine Pilgerkarte für Deutschland, dort erfährt man freudigerweise Pilgerfade hierzulande und ersieht auch (!), wo noch neue entstehen werden. Des weiteren gibt es ein Adressenverzeichnis deutscher Jakobus-Gesellschaften. Das Buch ist zudem mit viel Liebe vom Gütersloher Verlagshaus und sogar mit Fotos vom Autor gestaltet worden. Man erfährt zudem neben den Strapazen, vergnüglichen und weniger schönen Momenten viele Erleuchtungen vom Buchautor, die niemals mit erhobenen Zeigefinger , jedoch mit viel Sinn für komische Pointen, die mich nicht nur einmal zum Lachen gebracht haben, erzählt werden. Also: Ein sehr guter Führer zum deutschen Jakobsweg zum Neugierig werden und sich vielleicht auf den Weg machen und außerdem mit vielen guten Ratschlägen und schmunzelnden Anekdoten zum Pilgern versehen!

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Gespräche aus der Community

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Sehr geehrter Herr Albus, mich würde interessieren warum Sie sich dazu entschieden haben gerade einen Jakosbwegabschnitt in Deutschland zu gehen. Nur weil ihnen Spanien zu weit war kann ich mir nicht vorstellen. Gerade für sie als Journalist dürfte es doch immer von Interesse sein neue Länder kennen zu lernen und neue Kulturen. Warum gerade bleiben und pilgern Sie in dem Ihnen eigentlich bekannten Kulturkreis? Desweiteren wüsste ich gerne noch wieso Sie gerade in Richtung Eifel wanderten und Trier zu Ihrem Pilgerziel machten? Freundliche Grüße johannes
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