Stefan Bollmann Frauen, die schreiben, leben gefährlich

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Inhaltsangabe zu „Frauen, die schreiben, leben gefährlich“ von Stefan Bollmann

Ein authentisches, kreatives und vor allem freies Leben war das Ziel vieler Schriftstellerinnen. Dabei mussten die Frauen, die sich aus der Enge ihres Daseins in die Freiheit schreiben wollten – und sei es auch nur in der Fantasie –, ein hohes Maß an Geduld, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen beweisen. Denn ihre Unangepasstheit stieß auf heftigen Widerstand ... Stefan Bollmann erzählt die Geschichte schreibender Frauen vom 12. bis zum 21. Jahrhundert und stellt herausragende und charakterstarke Autorinnen vor – von Hildegard von Bingen über Jane Austen, George Sand, Virginia Woolf und Sylvia Plath bis zu Doris Lessing und Arundhati Roy.

Der kleine Überblick zu einem spannenden Thema

— ewigewelten
ewigewelten

Interessante Lektüre für jeden passionierten Leser. Unterhaltsam!

— Dupsi
Dupsi
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  • Ein Buch, das zeigt, wie es nie wieder sein darf

    Frauen, die schreiben, leben gefährlich
    mistellor

    mistellor

    Dieses Buch über Schriftstellerinnen löst in Frauen (vielleicht auch bei Männern) eine Vielzahl von Gefühlen aus. Wut, Traurigkeit, Zorn, Respekt, Verwunderung, Hochachtung und vieles mehr (ich konnte es leider nicht vermeiden, eine solche Aufzählung zu machen).Die negativen Gefühle erfährt die Leserin/ der Leser im ersten Teil des Buches, bei dem langen und gutem Vorwort von Elke Heidenreich. "Wir geistigen Frauen enden als Verliererinnen in Liebesgeschäften, schreibt die argentinische Lyrikerin Alfonsina Storni, ehe sie sich - mit 46 Jahren - ins Meer stürzt. Auch die früheste aller Dichterinnen, Sappho, soll ihr Leben durch Selbstmord im Meer beendet haben..... Sylvia Plath und Anne Sexton ......starben durch Selbstmord. Die romantische Dichterin Karolina von Günderrode....stach sich 1806 einen Dolch ins Herz....Virginia Woolf steckte sich Steine in die Jackentaschen und ertränkte sich....Die Reihe ließe sich noch lange fortführen. "Frauen schreiben nicht, und wenn sie schreiben, bringen sie sich um", zitiert die uruguayische Lyrikerin Cristina Peri Rossi ihren Onkel, sie tut das in einem Nachruf auf ihre argentinische Kollegin Marta Lynch, die sich 1985 erschossen hatte.Was geschieht hier? Warum verzweifeln gerade die klügsten, die schöpferischsten, die begabtesten Frauen so sehr am Leben, dass sie es nicht mehr aushalten Können?" (Ende Zitat) Elke Heidenreich gibt hier sehr emotional die Antwort. Es sind die Lebensumstände der Frauen. Es sind die Rollenverteilungen für Frauen. Es sind die Männer der Frauen. Es ist die Unmöglichkeit, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Es ist die Notwendigkeit auf vieles verzichten zu müssen. Es ist die mangelnde Unterstützung der Gesellschaft. Es ist die Nichtanerkennugen der Leistungen von Schriftstellerinnen und Dichterinnen. Was soll Frau, auch heute noch, alles leisten? Den Haushalt führen, berufstätig sein, die Kinder erziehen, als Frau auch geliebt sein, soziale Kontakte pflegen und vieles mehr, aber daneben brennt in ihr eine Sehnsucht zu schreiben, sich dem Schreiben hinzugeben, eins sein mit ihren Gedanken und Texten. Wie kann das gelingen? Dieses Ungleichgewicht hat viele schreibenden Frauen an den Rand der Verzweiflung oder nahe dem Freitod gebracht.Hier nochmal eine Aufzählung der absolut zu bewunderten Frauen, die dieses Schicksal erleben mussten: Else Lasker-Schüler (verstarb einsam und völlig verarmt) Irmgard Keun, Mascha Kaléko, Marlen Haushofer, Dorothy Parker, Katherine Mansfield, Nelly Sachs, und viele mehr. Der zweite Teil des Buches besteht aus einem bebilderten Lexikon mit der Darstellung ihrer wichtigsten Werke und ihrer Lebensumstände. Sehr ansprechend gemacht. Im dritten Teil des Buches greift Stefan Bollman den Text von Elke Heidenreich auf, und hinterfragt noch einmal die Umstände der Schreibtätigkeiten von Frauen in der Weltliteratur. Das geschieht sehr faktenreich, weniger emotional und gut recherchiert. Gleichzeitig vergleicht er die Lebenssituation der schreibenden männlichen Schriftsteller und Dichter (hier bekommt man als heutige Frau entsetzliche Wut), die gesellschaftliche Akzeptanz, Unterstützung durch die Ehefrau, und finanzielle Erfolge erzielen konnten. Über viele Jahrhunderte waren Männer überzeugt von der Unfähigkeit der Frauen schöpferische Leistungen erbringen zu können. Ich habe schon einmal in einer Rezension geschrieben: "Ich bin froh darüber, dass ich heute lebe." Das war ein Buch über das Mittelalter. Nach diesem Buch kann ich diesen Satz nur wiederholen.

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  • »Die Frau muss sich selbst Muse sein«

    Frauen, die schreiben, leben gefährlich
    ewigewelten

    ewigewelten

    02. February 2015 um 12:40

    Sie leisteten Widerstand, wie Sophie Scholl, oder schufen wertvolle Zeitzeugnisse, wie Anne Frank. Sie schreiben über Unterdrückung und Befreiung – überall auf der Welt und zu allen Zeiten. Heute werden sie als Wegbereiterinnen einer neuen Denkweise angesehen, ob Hildegard von Bingen im Mittelalter, Christine de Pizan in der Renaissance oder Mary Wollstonecraft und Harriet Beecher-Stowe im 18. und 19. Jahrhundert. Eine Reihe von Kurzportraits beleuchtet bedeutende Künstlerinnen, die sich den Worten verschrieben haben. Oft suchten sie vergeblich nach Freiheit in der Kreativität; viele von ihnen brachten sich um. Ihre spannenden Persönlichkeiten und familiären Hintergründe werden nur oberflächlich angerissen, aber laden zur weiteren Recherche ein. Das Vorwort von Elke Heidenreich schlägt die Brücke über die Sammlung von Namen und Gesichtern, die sich bereits im Titel ankündigt. Über die Epochen hinweg resümiert sie: »Das, was Männer beflügelt, zerstört offenbar Frauen: die Gleichzeitigkeit, eine Liebe zu leben und sich künstlerisch zu etablieren. Dazu kommt etwas ganz Einfaches, etwas ganz und gar Unerträgliches: Frauen regeln den Alltag von Männern, damit diese schreiben (oder was auch immer tun) können. Wer regelt den Alltag von Frauen? Frauen werden gern als die Musen der Männer bezeichnet. Wer und wo sind denn aber die Musen der Frauen? Die Frau muss sich selbst Muse sein.« Unerschöpflich führt Heidenreich Beispiele von Frauen an, die an ihrer Leidenschaft zerbrochen sind: Virginia Woolf, Else Lasker-Schüler, Anne Sexton, Ingeborg Bachmann, Sylvia Plath … die Liste scheint endlos! Nur unter großen Opfern gelang es einigen von ihnen, sich eine Existenz als Schriftstellerin aufzubauen. Das Nachwort von Stefan Bollman ist weniger emotional: Eine Abhandlung über die Frauenfrage und »die existentielle Bodenlosigkeit des Schreibens«. Es erklärt, weshalb Frauen lange nicht als Schafferinnen von Kunst gesehen wurden, während sie gleichzeitig ihre stärksten Konsumentinnen waren und sind. Aber unter welchen Umständen durften sie überhaupt lesen lernen und worin bestand im Einzelnen die Gefahr? Eine praktische Neuausgabe eines Werks, dass man zum Nachschlagen, zum Lernen, zur Inspiration verwenden kann – in jedem Fall eine hochinteressante Blickweise für Lesende! Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin

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