Stefan Brijs

 3.8 Sterne bei 48 Bewertungen
Autor von Der Engelmacher, Post für Mrs. Bromley und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Stefan Brijs

Der Engelmacher

Der Engelmacher

 (38)
Erschienen am 13.01.2009
Post für Mrs. Bromley

Post für Mrs. Bromley

 (6)
Erschienen am 11.07.2016
Taxi Curaçao

Taxi Curaçao

 (3)
Erschienen am 11.10.2016
The Angel Maker

The Angel Maker

 (1)
Erschienen am 28.07.2009

Neue Rezensionen zu Stefan Brijs

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Rezension zu "Post für Mrs. Bromley" von Stefan Brijs

Der Krieg ist der Liebe ihr Tod
Literatur-Universumvor 8 Monaten

Krieg ist eine Berührung mit dem Tod. Er hinterlässt Teufelsspuren. Sich zu widersetzen ist die Botschaft, die John und sein Studienkollege William setzen wollen. Doch wie bringt man eine Menge zur Vernunft, wenn sie von den Medien angestachelt wird? Wie beruhigt man eine Masse von Menschen, die tagtäglich Nachrichten von Todesopfern bekommen? Die den Menschen suggerieren, dass Rache die einzige Option ist, um Erlösung im Herzen zu erlangen. Der Kampf der beiden Studenten scheint noch härter zu sein als der Krieg selbst. Entschlossen spricht William immer wieder Parolen gegen den Krieg aus:
„Die Menschen sind Lemminge. Sie wollen in der Masse mitlaufen. Dort wähnen sie sich sicher. Sie brauchen nicht nachzudenken. Sich nicht zu entscheiden. In einem blinden Drang schwimmen sie im Strom mit, wohin er auch führt. Angestachelt vom Atem der anderen um sie herum. Immer weiter.“

John ist die Hauptfigur, ist 19, und es wird aus der Ich-Perspektive von ihm erzählt. Er wächst alleine mit seinem Vater auf, weil seine Mutter bei seiner Geburt gestorben war. In der Folge nimmt ihn Mrs. Bromley bei sich auf und er wird von ihr gestillt. Die Bromleys sind eine 8-köpfige Familie. Während Mrs. Bromley eine herzensgute Frau ist, ist der Vater ein Tyrann. Martin, der älteste und einzige Sohn, wird Johns bester Freund.

Die Erzählung setzt ein am 05.08.1914. Das Ultimatum an Deutschland ist abgelaufen und die Menge jubelt. Sein bester Freund Martin Bromley will sich sofort freiwillig melden. John ist zunächst nicht geschockt, weil er, wie so viele andere, glaubt, dass der Krieg sowieso bald vorbei sein wird. Er denkt nicht daran, dass er sich meldet und strebt ein Englischstudium an. Sein Vater verkauft sein wertvollstes Buch, um ihn dies zu ermöglichen. Im Studium lernt er William, einen Germanistikstudenten kennen. Ähnliche Gedankengänge verbinden sie. Krieg ist die schrecklichste Erfindung der Menschheitsgeschichte. Je länger der Krieg jedoch andauert, desto intensiver werden die Manipulationen betrieben. Soldaten werden an Universitäten geschickt, um junge Männer für den Krieg zu überzeugen. Außerdem werden junge Männer, die sich noch nicht für den Krieg gemeldet haben, von Frauen und älteren Männern auf der Straße beschimpft.

Stefan Brijs, der Autor dieses Romans, hat sich sehr intensiv mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt. Insbesondere hat er sein Augenmerk auf London geworfen. Er versucht die Zustände zu beschreiben und die Grausamkeit und die Aussichtslosigkeit zu manifestieren. Er hat bereits mit „Taxi Curacao“ einen fantastischen Roman geschrieben und entwirft mit „Post für Mrs. Bromley“ einen Kriegsroman, der die Hierarchie einer Gesellschaft deutlich zeichnet.

Mit John erleben wir die Geschichte einer Figur, die versucht gegen den Strom zu schwimmen, jedoch lässt sie sich von Trieben und Manipulationen in den Gedankengängen immer wieder stören. Sein Vater ist ein Postbote und ebenfalls gegen den Krieg. Als die Zahl der Toten zunimmt, erhält er die Aufgabe die Telegramme der Toten, direkt an die Familien auszuliefern. Diese Tätigkeit lässt ihn verrückt werden. Er sieht sich als Totenbote. Als eines Tages ein Telegramm für Mrs. Bromley ankommt, welches John findet, zögert er es ihr auszurichten.

Darf man die Hoffnung eines Menschen aufrechterhalten durch das Verschweigen einer Wahrheit? Ist der Krieg zu rechtfertigen, wenn man aus Rache handelt? Ist man unschuldig, wenn man nicht aus Eigengedanken, sondern Fremdgedanken gehandelt hat? Josh handelt vielmehr auch aus Liebe. Liebe zu den Menschen und Liebe zu Mary Bromley, der ältesten Tochter. Er versucht zu imponieren und Lösungen für das Unmögliche zu finden. Ihm bleibt jedoch nur die Option des Willens einer höheren Macht. Vielleicht sind diese Schranken tatsächlich die Bilder der Wirklichkeit. Jedoch lassen sie vermuten, dass eine Möglichkeit zum Widerstand ausgeschlossen sei. Eine sehr zweifelhafte These. John versucht Goethes jungem Werther zu gleichen. Dieser scheiterte an der Liebe und beendete sein Leben. John nutzt die Schwierigkeiten der Liebe, um Rechtfertigung für seine destruktiven Entscheidungen zu finden.
Insgesamt ist es eine großartige Geschichte mit einigen ethischen Schwächen und etwas zu vielen Versuchen, die Seiten unnötig zu füllen.

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Rezension zu "Taxi Curaçao" von Stefan Brijs

Eine große Familiengeschichte
Literatur-Universumvor 8 Monaten

Stefan Brijs ist ein 47-jähriger Autor und Lehrer, der mehrere Preise erhalten hat. Bislang sind in deutscher Sprache im btb Verlag »Taxi Curaçao«, »Der Engelmacher« und der Kriegsroman »Post für Mrs. Bromley« erschienen. Im deutschsprachigen Raum hat der Autor noch keinen großen Bekanntheitsgrad. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Umstand bald ändern wird. Selten hat eine Sprache und Konstellation einer Familiengeschichte so tiefe und langandauernde Eindrücke hinterlassen können wie der Roman »Taxi Curaçao«.

Der Roman wird aus der Ich-Perspektive eines Lehrers und Ordensbruders aus Curaçao erzählt. Seine Erzählung umfasst die Tage des 18. und 19.7.2001 und spiegelt seine Gedanken des Istzustandes. Ergriffen von den Umständen des Lebens beginnt er die Geschichte der Familie Tromp zu erzählen. Eine Familie, die zum Stück seines Lebensinhaltes geworden ist. Kapitelweise durchwühlt er die frühen Lebensphasen und arbeitet sich Stück für Stück in die Gegenwart hinein. Man wird als Leser auf eine Reise geschickt, die zu einem Erinnerungsbecken wird, in welches man immer wieder gerne zurückkehren und hineinspringen will.

Es ist eine Generationengeschichte. Sie beginnt mit dem Großvater Roy. Ein stolzer Mann, dem der Ruf seines Lebens den Lebenstakt vorgibt. Nichts ist wichtiger, als sich einen großen Namen zu machen und diesen weiter mit zahlreichen erfundenen Geschichten der Welt zu präsentieren. Im ersten Teil des Romans wird sein vogelfreies Leben reflektiert. Man durchlebt die Geschichte dieser Figur durch alle Facetten des Lebens. Sein Kerngeschäft ist das Taxifahren, von dem er so sehr überzeugt ist, dass für seinen Sohn keine andere Berufung infrage kommt. Sein Dodge, der ihn sein ganzes Vermögen und noch mehr gekostet hatte, ist dabei heiliger als seine Familie. Bis hin zum Ruhestand, ohne dass die Geschichte hierbei zur Ruhe kommen würde, denn es heftet sich nun an die Geschichte seines Sohnes Max.

Bei ihm schlägt ein Generationswechsel an. Es sind die 60er und 70er Jahre. Ende 69 kam es zu einer Ölkrise und somit auch zu einer Geldkrise. Max ist anders als sein Vater. Zielstrebiger. Klüger. Er will der Armut entfliehen und etwas aus seinem Leben machen. Hier spielt der Ich-Erzähler, der sich Daniel nennt und sein Lehrer ist, eine tragende Rolle. Er wird nicht nur ein Freund der Familie. Sondern viel mehr die Stütze, die Beraterfigur und der Erzähler einer unfassbar spannenden Geschichte. Das Schicksal von Max meint es, trotzt zahlreicher guter Absichten, nicht immer gut mit ihm. Curaçao ist die Armut in Person. Da wo Armut herrscht, steckt man tief in ihr drinnen. Hinauszukommen ist beinahe unmöglich. Max kämpft um ein besseres Leben. Versucht dem Taxigeschäft den Rücken zu kehren.

In der dritten Generation steckt nun der Sohn von Max: Sonny. Es ist die erste Generation, der es nicht mehr so sehr an Geld fehlt. Seine Eltern versuchen alles, um ihm ein Leben zu ermöglichen, welches sie niemals hatten. Trotz zahlreicher Möglichkeiten schlittert Sonny genauso wie seine männlichen Vorgänger immer zwischen Erfolg und tiefer Niederlage. Klug, jedoch scheinen die Klauen der Familientradition immer nach ihm zu greifen. Selbst das Vater-Sohn Verhältnis scheint ein Spiegelbild der männlichen Tradition zu sein. An welchem Punkt scheitert man als Vater?

Zur Jahrtausendwende durchlebt die Insel Curaçao in jener dritten Generation einen Aufschwung. Dieser manifestiert sich jedoch durch das Drogengeschäft. Curaçao liegt zwischen Venezuela und Kolumbien. Sodass Drogenbosse aus der Insel ein Transitland gemacht haben. Curaçao ist ein Land des Königreichs der Niederlande. Die Einwohner gehören zahlreichen Ethnizitäten an. Während die Amtssprache niederländisch ist.

In dieser Familiengeschichte wird Barber, ein armer Stadtteil der Insel Curaçao, belichtet. Schwarzhäutige Menschen, die um ihre Rechte kämpfen und hoffnungsvoll eine Veränderung der desolaten Zustände herbeisehnen. Stefan Brijs erzählt auf eine unfassbar filigrane Weiße von einer Welt, die man so nicht gekannt hat. Gesellschaftskritisch deutet er darauf hin, wie kleinräumig wir blicken. Wie klein unsere Probleme und Sorgen sind. Dass es Nöte gibt, die wir nie für möglich gehalten hätten. Menschen die über unsere großen Probleme und Sorgen lachen würden. Dieser Roman regt an, die Schwierigkeiten seines eigenen Lebens anders zu reflektieren.

Seine Konstruktion zwischen fiktionaler Geschichte und historischem Hintergrund eröffnet eine atemberaubende Anekdote, die auf diesem Niveau in den letzten Jahrzehnten kaum Konkurrenz findet. Sehnsucht und Trauer empfindet man nach dem Ende des Buches. Die Sprache, die einen nach dem letzten Wort verlässt, ist wie die verlorene Liebe, die man erst dann begreift, wenn sie nicht mehr da ist.

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Rezension zu "Post für Mrs. Bromley" von Stefan Brijs

Lüge vs. HOFFNUNG....
Miamouvor einem Jahr

Der eine will in den Krieg ziehen und ist zu jung, der andere ist alt genug, zieht dem Krieg aber das Literaturstudium in London vor: John ist der Milchbruder von Martin. Seine Mutter ist früh gestorben und Mrs. Bromley, Martins Mutter, nimmt John unter ihre Fittiche und ernährt ihn. Als 1914 der erste Weltkrieg beginnt und viele junge Männer aus London euphorisch an die Front wollen, meldet sich auch Martin und mit einer List landet er prompt an der Westfront. John hingegen will sich nicht freiwillig zum Kriegsdienst melden, sondern lieber an der Universität studieren. Mit Fortlauf des Krieges gerät er aber, wie andere junge Männer, die den Frontdienst verweigern, unter großen gesellschaftlichen Druck. Als auch noch sein Vater stirbt, meldet er sich schlussendlich doch. Auch in der Hoffnung irgendwo an der Westfront die Spur Martins zu finden, vor allem, weil er seine Todesnachricht schon lange vorher in der Post seines Vaters gefunden hat. So lange wie möglich möchte er für Mrs. Bromley die Hoffnung aufrecht erhalten, dass ihr Sohn noch lebt.

Stefan Brijs legt mit „Post für Mrs. Bromley“ einen sehr vielschichtigen und gut recherchierten Roman vor. Es wirft ein neues Licht auf den 1. Weltkrieg, der ja oft neben dem 2. Weltkrieg zu verblassen droht. Dabei hat man als Leser besonders im heurigen Jahr vor Augen, was sich vor 100 Jahren in Europa abgespielt hat. Zugute halten muss man dem Autor in jeder Hinsicht, dass er die Deutschen nicht als „die Bösen“ schlechthin hinstellt. Auch die Alliierten haben ihre Fehler gemacht. Zudem stellt der Autor niemals die Schuldfrage, sondern er hinterfragt den Sinn des Krieges an sich, in dem tausende von (jungen) Männer ihr Leben lassen mussten. Sehr schön beschreibt er dies mit einem Satz seines Protagonisten William: „Wenn es den Kaiser juckt, müssen sich die Völker kratzen!“.

Mit John Patterson begegnet man als Leser einem Charakter, den man selten so in einem Buch findet. Er ist überzeugter Pazifist, was ihm in seiner Zeit hoch anzurechnen ist, besonders wenn der Autor beschreibt welchen Druck Kriegsverweigerer ausgesetzt waren. Und trotzdem wiegt es für ihn dann schlussendlich mehr, dass er in den Krieg zieht, um ein Mädchen in ihn verliebt zu machen. Schon seit jeher hat er sich in Mary, Martins Schwester, verguckt und kann dem nur schwer ab, dass sie für die britischen Soldaten im höchsten Maße schwärmt. An der Front hält ihn dann auch nur die Hoffnung am Leben doch ein Liebeszeichen von ihr zu bekommen. Ohne jetzt Erwartungen wecken zu wollen…es ist keine Liebesgeschichte. Nein, tatsächlich handelt das Buch von John, der versucht in Zeiten des Krieges menschlich zu bleiben. Und ich persönlich finde, dass er seinen wirklich wahren Charakter erst zeigt als er im Krieg ist, den er nach wie vor nicht gut heißt. Im Gegenteil, er versucht sogar an der Front Frieden für seine Kameraden, seine Vorgesetzten und für diejenigen, die in London auf Nachricht ihrer Söhne warten, zu schaffen. Und dies mit einer unglaublichen Ausdauer, obwohl man annehmen muss, dass Soldaten im Schützengraben wesentlich andere Sorgen plagen müssten. Mit diesem Anstrich wird John, so denke ich zumindest, zu einem sehr persönlichen Helden eines jeden Lesers. Er hat seine Fehler, seine Schwächen, aber dieser Funken Mut, den er immer wieder zur Schau stellt, wiegen diese voll auf.

Aber nicht nur John bekommt eine besondere Tiefe, sondern auch die vielen Nebenfiguren. Sogar Martin, der nur zu Beginn und zum Ende des Buches eine Rolle bekommt. Er ist in jeder Hinsicht das komplette Gegenteil von John. Auch die Figur William hat mir sehr gut gefallen, da er sich von der Euphorie des Krieges in keinem Augenblick anstecken ließ und somit ein wenig das Gewissen einer ganzen Generation darstellte. Aber auch Brijs Frauenbilder sind sehr stark. Allen voran Mrs. Bromley, die die sorgende Mutter verkörpert, die täglich verzweifelt darauf hofft, Feldpost von den geliebten Menschen zu bekommen. Und auch die Schwestern von Martin sind sehr klar beschrieben und jede für sich stellt bestimmte Meinungen zum Weltgeschehen dar.

Die Handlung wird aus der Sicht Johns in der Ich – Form erzählt und wirkt daher sehr authentisch. Der Schreibstil des Autors lässt sich wunderschön lesen und hat an einigen Stellen fast etwas Poetisches. Andererseits ist er dann aber auch sehr bildhaft und stellt das Grauen in den Schützengräben und der Bombardierungen sehr real dar. Auch auf emotionaler Ebene kann der Autor mit seinem Stil zu hundert Prozent punkten.

Mein Fazit: Es gibt sie noch…diese schön geschrieben und sehr feinfühligen Romane, in die man ganz und gar versinken kann. „Post für Mrs. Bromley“ bekommt daher eine klare Leseempfehlung von mir!

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