Stefan Brijs Post für Mrs. Bromley

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 3 Rezensionen
(2)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Post für Mrs. Bromley“ von Stefan Brijs

Was macht Krieg mit Menschen? Wofür ist man bereit, sein Leben zu geben? August 1914. In London melden sich Tausende junger Männer, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Martin Bromley, Feuer und Flamme für den Krieg, versucht seinen Milchbruder John Patterson zu überreden, sich mit ihm zu melden, aber der will seinen Traum von einem Literaturstudium nicht aufgeben. John bleibt in einer Stadt zurück, in der der Druck auf die jungen Männer, die sich dem Krieg verweigern, immer größer wird. Als er von Martins Tod erfährt und schließlich selbst in Frankreich kämpft, tut er alles, um Mrs. Bromley den Tod ihres leiblichen Sohns zu verheimlichen. Auch um den Preis, dass mit ihm die Wahrheit sterben könnte.

Der junge John ist wohl der außergewöhnlichste und menschlichste Charakter, der mir jemals in einem Buch begegnet ist! Klare Leseempfehlung!

— Miamou

Grandios, erschütternd, nachdenklich und gleichzeitig Hoffnung machend!

— BettinaR87

Stöbern in Romane

Sonntags fehlst du am meisten

Nachdenkliche Familiengeschichte

Schnuck59

Kleine Fluchten

Wunderschön für zwischendurch

HarleyQuinnQueenofGotham

Kleiner Streuner - große Liebe

Die perfekte Mischung aus Weihnachtszauber, Liebe, Humor und Spannung - selbst für Weihnachtsmuffel und Grinsch!

TanjaJahnke

Wer hier schlief

Anspruchsvolle, Wortstark geprägte Literatur - nicht jedermanns Sache

Engelmel

Ich, Eleanor Oliphant

Ich hab es nach fünf Kapiteln angebrochen. Die Hauptfigur war mir einfach zu freakig.

Linker_Mops

Der Mann, der Verlorenes wiederfindet

Ein Kritiker:Er lässt uns nicht nur Dinge sondern auch Ideen wiederfinden. Für mich war es einfach nur Geschwurbel obwohl ich den Autor mag.

Alanda_Vera

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Lüge vs. HOFFNUNG....

    Post für Mrs. Bromley

    Miamou

    30. July 2017 um 16:17

    Der eine will in den Krieg ziehen und ist zu jung, der andere ist alt genug, zieht dem Krieg aber das Literaturstudium in London vor: John ist der Milchbruder von Martin. Seine Mutter ist früh gestorben und Mrs. Bromley, Martins Mutter, nimmt John unter ihre Fittiche und ernährt ihn. Als 1914 der erste Weltkrieg beginnt und viele junge Männer aus London euphorisch an die Front wollen, meldet sich auch Martin und mit einer List landet er prompt an der Westfront. John hingegen will sich nicht freiwillig zum Kriegsdienst melden, sondern lieber an der Universität studieren. Mit Fortlauf des Krieges gerät er aber, wie andere junge Männer, die den Frontdienst verweigern, unter großen gesellschaftlichen Druck. Als auch noch sein Vater stirbt, meldet er sich schlussendlich doch. Auch in der Hoffnung irgendwo an der Westfront die Spur Martins zu finden, vor allem, weil er seine Todesnachricht schon lange vorher in der Post seines Vaters gefunden hat. So lange wie möglich möchte er für Mrs. Bromley die Hoffnung aufrecht erhalten, dass ihr Sohn noch lebt. Stefan Brijs legt mit „Post für Mrs. Bromley“ einen sehr vielschichtigen und gut recherchierten Roman vor. Es wirft ein neues Licht auf den 1. Weltkrieg, der ja oft neben dem 2. Weltkrieg zu verblassen droht. Dabei hat man als Leser besonders im heurigen Jahr vor Augen, was sich vor 100 Jahren in Europa abgespielt hat. Zugute halten muss man dem Autor in jeder Hinsicht, dass er die Deutschen nicht als „die Bösen“ schlechthin hinstellt. Auch die Alliierten haben ihre Fehler gemacht. Zudem stellt der Autor niemals die Schuldfrage, sondern er hinterfragt den Sinn des Krieges an sich, in dem tausende von (jungen) Männer ihr Leben lassen mussten. Sehr schön beschreibt er dies mit einem Satz seines Protagonisten William: „Wenn es den Kaiser juckt, müssen sich die Völker kratzen!“.Mit John Patterson begegnet man als Leser einem Charakter, den man selten so in einem Buch findet. Er ist überzeugter Pazifist, was ihm in seiner Zeit hoch anzurechnen ist, besonders wenn der Autor beschreibt welchen Druck Kriegsverweigerer ausgesetzt waren. Und trotzdem wiegt es für ihn dann schlussendlich mehr, dass er in den Krieg zieht, um ein Mädchen in ihn verliebt zu machen. Schon seit jeher hat er sich in Mary, Martins Schwester, verguckt und kann dem nur schwer ab, dass sie für die britischen Soldaten im höchsten Maße schwärmt. An der Front hält ihn dann auch nur die Hoffnung am Leben doch ein Liebeszeichen von ihr zu bekommen. Ohne jetzt Erwartungen wecken zu wollen…es ist keine Liebesgeschichte. Nein, tatsächlich handelt das Buch von John, der versucht in Zeiten des Krieges menschlich zu bleiben. Und ich persönlich finde, dass er seinen wirklich wahren Charakter erst zeigt als er im Krieg ist, den er nach wie vor nicht gut heißt. Im Gegenteil, er versucht sogar an der Front Frieden für seine Kameraden, seine Vorgesetzten und für diejenigen, die in London auf Nachricht ihrer Söhne warten, zu schaffen. Und dies mit einer unglaublichen Ausdauer, obwohl man annehmen muss, dass Soldaten im Schützengraben wesentlich andere Sorgen plagen müssten. Mit diesem Anstrich wird John, so denke ich zumindest, zu einem sehr persönlichen Helden eines jeden Lesers. Er hat seine Fehler, seine Schwächen, aber dieser Funken Mut, den er immer wieder zur Schau stellt, wiegen diese voll auf. Aber nicht nur John bekommt eine besondere Tiefe, sondern auch die vielen Nebenfiguren. Sogar Martin, der nur zu Beginn und zum Ende des Buches eine Rolle bekommt. Er ist in jeder Hinsicht das komplette Gegenteil von John. Auch die Figur William hat mir sehr gut gefallen, da er sich von der Euphorie des Krieges in keinem Augenblick anstecken ließ und somit ein wenig das Gewissen einer ganzen Generation darstellte. Aber auch Brijs Frauenbilder sind sehr stark. Allen voran Mrs. Bromley, die die sorgende Mutter verkörpert, die täglich verzweifelt darauf hofft, Feldpost von den geliebten Menschen zu bekommen. Und auch die Schwestern von Martin sind sehr klar beschrieben und jede für sich stellt bestimmte Meinungen zum Weltgeschehen dar. Die Handlung wird aus der Sicht Johns in der Ich – Form erzählt und wirkt daher sehr authentisch. Der Schreibstil des Autors lässt sich wunderschön lesen und hat an einigen Stellen fast etwas Poetisches. Andererseits ist er dann aber auch sehr bildhaft und stellt das Grauen in den Schützengräben und der Bombardierungen sehr real dar. Auch auf emotionaler Ebene kann der Autor mit seinem Stil zu hundert Prozent punkten.Mein Fazit: Es gibt sie noch…diese schön geschrieben und sehr feinfühligen Romane, in die man ganz und gar versinken kann. „Post für Mrs. Bromley“ bekommt daher eine klare Leseempfehlung von mir!

    Mehr
    • 4
  • Es war einst der Sohn eines englischen Postboten...

    Post für Mrs. Bromley

    BettinaR87

    13. September 2016 um 18:57

    ... und sein Name war John. Er lebte mit seinem Vater im Souterrain eines Armenviertels. Die beiden werden von einer weltpolitischen Entwicklung aus ihrem Trott gerissen: Der Erste Weltkrieg überrollt beide und reißt sie in seinen gierigen Schlund. John lebt für Bücher: Doch während er sie liest, hat sein Vater eine blinde Sammelwut dafür entwickelt. Beide Männer sind traumatisiert vom zu frühen Tod der Ehefrau/ Mutter. Während sein Vater immer mehr auf sein Ende hinsiecht, hält das Leben für John eine harte Herausforderung bereit: Der Erste Weltkrieg bricht über ihn herein. Zusammen mit seinem Kumpel William versucht John, den Armee-Werbern zu entgehen und ist entsetzt über die Brutalität, die den Deutschen in England entgegen schlägt. Nach dem Anschlag auf die Lusitania werden deutsche Nachbarn überfallen, ausgeraubt und teilweise auch schlichtweg gelyncht. Seine Mitbürger reagieren immer extremer darauf, dass er ohne Uniform durch die Straßen läuft, doch John ist Pazifist und möchte sich nicht melden. Selbst seine Liebe, Mary, steckt ihm auf offener Straße eine weiße Feder in die Brust und schimpft ihn einen Feigling. Als die Deutschen dann London mit Bomben angreifen und seine Freunde und Bekannte im Krieg sterben, scheint es auch für ihn keinen Ausweg mehr zu geben... Die Kritik Es gibt eine Sache, die man dem Autor echt zu Gute halten muss: Obwohl sein Hauptcharakter aus einer bestimmten Nation stammt (England), zeichnet er ein sehr differenziertes Bild der Gesellschaft: Nicht alle Deutschen sind böse, auch die Briten haben Dreck am Stecken und die Belgier und Franzosen auch. Als deutsche Leserin bekam ich also fast ausnahmsweise mal nicht pausenlos gesag, wie schlecht mein Land war. Gleichzeitig gibt es auf allen Seiten Gutes zu entdecken, geschehen unfassbar persönliche und mitreißende Schicksale und: Die Moral von der Geschicht übersteigt die Grenzen der Nationalitäten erst recht. (Leute, das war fast ein Reim!) Der Hauptcharakter ist sehr interessant: Weder ist er super intelligent, noch stur von irgendwas überzeugt. In Liebesdingen stellt er sich sogar fürchterlich tolpatschig an, entdeckt in Sachen Weltpolitik aber seinen eigenen moralischen Pfad - in anderen Worten: Er ist ein ganz normaler Junge von 17/18 Jahren. Die Welt um ihn zerbricht in Scherben und während heutzhutage die Jungen sich fragen, welches Shirt zu ihrem neuen Pokémon-Haarschnitt passt, fragt John sich, ob er irgendwelche Deutsche töten könnte. Dass der Krieg nicht auf dem Reisbrett geführt wurde, sondern von echten Menschen auf schlammigen Feldern, das wird vom Autor absolut hervorragend illustriert. Wenn der Leser sich dann überlegt, was sich die Menschheit bisher gegenseitig angetan hat (und aus Johns Sicht noch antun wird), wird einem so richtig übel. Fazit: Ein mitreißendes, hervorragendes Buch, das definitiv die Weltsicht nochmals fokussieren oder vielleicht verändern wird. Hinterher werdet ihr so unfassbar dankbar sein für das, was ihr in eurem Leben habt.

    Mehr
  • Lesenswert, aber keine leichte Kost

    Post für Mrs. Bromley

    jaylinn

    14. August 2016 um 11:01

    Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com. Allgemeines: Stefan Brijs ist ein in den Niederlanden überaus anerkannter Autor. Mit diesem Buch erzählt er die Geschichte eines jungen Mannes, der im Krieg versucht, menschlich zu bleiben und zu handeln. Das Buch ist bereits 2014 bei btb auf Deutsch erschienen, liegt nun als Taschenbuchausgabe vor und umfasst 557 Seiten. Inhalt: August 1914. In London melden sich Tausende junger Männer, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Martin Bromley, Feuer und Flamme für den Krieg, versucht seinen Milchbruder John Patterson zu überreden, sich mit ihm zu melden, aber der will seinen Traum von einem Literaturstudium nicht aufgeben. John bleibt in einer Stadt zurück, in der der Druck auf die jungen Männer, die sich dem Krieg verweigern, immer größer wird. Als er von Martins Tod erfährt und schließlich selbst in Frankreich kämpft, tut er alles, um Mrs. Bromley den Tod ihres leiblichen Sohns zu verheimlichen. Auch um den Preis, dass mit ihm die Wahrheit sterben könnte. (Quelle: Verlagsgruppe Random House) Meine Meinung: Es gibt sie noch, die schön geschriebenen Romane! Mit Post für Mrs. Bromley ist Stefan Brijs eine feinfühlig erzählte Geschichte gelungen. Die Milchbrüder Martin (kriegsverrückt) und John (literaturbesessen) könnten nicht unterschiedlicher auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs reagieren, dennoch bleiben beide miteinander auf ewig verbunden, so wie es sich für echte Milchbrüder gehört. Beide machen ihre Erfahrungen mit dem, was Kriege nicht nur durch Kämpfe und Töten, sondern auch durch Worte und Haltungen anrichten können. Freundschaften und Familien zerbrechen, Kriegstreiber bringen die Menschen dazu, jeden Pazifisten zu hassen. Der Roman wird ausschließlich aus der Perspektive der männlichen Protagonisten erzählt. Genau das macht ihn so authentisch. Junge Männer, die hin- und hergerissen sind zwischen Stolz auf ihr Land, Ablehnung jeglicher Gewalt, bis hin zu extremstem Patriotismus. Familienväter, die krank sind vor Sorge um ihre Söhne und die Meldungen über die vielen Kriegstoten kaum ertragen. Das Besondere an diesem Roman ist, dass er die Schrecken des Krieges eindrücklich spüren lässt, ohne dass allzu grausame Schilderungen von der Front erfolgen. Im Fokus steht zum einen das tägliche Leben der Zurückgebliebenen, wie es sich verändert und die Kriegsereignisse die Gesellschaft beeinflussen und spalten. Zum anderen werden die inneren Kämpfe der jungen Männer an der Front geschildert: Sie wollen Helden sein und merken, dass das Leben anderes für sie bereithält. John wird am Ende zum tragischen Helden, soviel kann man verraten. Mein Fazit: Brijs‘ Roman ist voll von Zitaten aus der Literatur und zeigt dadurch den Weitblick so manch großen Autors in Bezug auf aufkommende Kriege und Gewaltverherrlichung. Man kann das Buch aber auch gut lesen, wenn man sich nicht für Literatur interessiert. Ich mag den unaufgeregten Erzählstil und habe das Buch wirklich sehr gerne, wenn auch mit großer innerer Betroffenheit, gelesen. Durch die aktuelle politische Weltlage erhält die Handlung eine besondere Bedeutung. Leichte Kost ist es also nicht!

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks