Stefan Chwin

 4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Der goldene Pelikan, Die Gouvernante und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Stefan Chwin

Der goldene Pelikan

Der goldene Pelikan

 (7)
Erschienen am 01.01.2008
Tod in Danzig

Tod in Danzig

 (4)
Erschienen am 03.05.1999
Ein deutsches Tagebuch

Ein deutsches Tagebuch

 (0)
Erschienen am 26.06.2015
Death in Danzig

Death in Danzig

 (0)
Erschienen am 02.03.2006

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Rezension zu "Der goldene Pelikan" von Stefan Chwin

Der goldene Pelikan - Rezension
TinaGervor 5 Jahren

Kannst du so tief fallen? Was Stefan Chwin mit dem „Goldenen Pelikan“ gelingt, ist das Ausloten der dunkelsten und tiefsten Schichten des Falls. Immer weiter treibt er seinen Protagonisten Jakub in den Abstieg. Moralisch, gesellschaftlich und finanziell. Bis ihm nichts mehr bleibt, als die nackte Haut auf dem Körper. Überseht mit Hämatomen und Blessuren. Jakub existiert, er mäandert durch Danzig wie ein Untoter, der nirgendwo hingehört. Immer wieder habe ich mich gefragt, wohin der Autor diese Geschichte noch erzählen will, immer auswegloser, immer dunkler wurden die verschlungenen Wege des bis auf die Knochen hoch depressiven Protagonisten. Doch dann, als nichts mehr möglich scheint, zaubert Chwin schließlich einen Strahl Sonne herbei. Ein Buch, das immer wieder fesselt, nicht nur menschlich, sondern auch durch Spannung. Faszinierende Lektüre für Leser, die den menschlichen Abgrund nicht scheuen.

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Rezension zu "Der goldene Pelikan" von Stefan Chwin

Rezension zu "Der goldene Pelikan" von Stefan Chwin
Beaglevor 8 Jahren

Jakub hat ein angenehmes Leben – er ist Professor an der Danziger Universität für Jura, hat eine Wohnung und eine kluge und hübsche Frau. Und er ist glücklich mit dem, was er hat. Tagtäglich fährt er mit der Straßenbahn zur Universität und spricht mit lauter Stimme zu seinen Studenten. Außerdem sitzt er im Prüfungsausschuss. Aber genau dies wird ihm eines Tages zum Verhängnis.

Gestresst von den Prüfungen des vergangenen Tages, bei brütender Hitze, meinte Jakub, seine Notizen zuhause vergessen zu haben. Als er hektisch danach in seiner Aktentasche kramt, tritt eine Studentin zu ihm und eröffnet, dass er ihr eine falsche Note eingetragen habe, in der gestrigen Prüfung war es noch eine Zwei. Doch er lässt sich nicht darauf ein, in der Eile lässt er ein paar Dinge fallen, sie hilft ihm beim Aufheben und redet weiterhin beschwörend auf ihn ein. Dabei fallen ihm nur ihre Füße in den hochhakigen Sandalen auf. An mehr, wird er sich später nicht erinnern können.

Nach dem zweiten Prüfungstag beschließt Jakub, die Sache, von der er dachte, er würde sie nochmals kontrollieren, zu vergessen. Ein paar Tage später kommt ihm allerdings zu Ohren, dass eine Studentin, die durch die Prüfung gefallen war, Selbstmord verübt habe. Von da an geht es mit dem Professor bergab. Verzweifelt versucht er, ihren Namen herauszufinden. Als er dies nicht schafft, begibt er sich zu einem befreundeten Polizisten, um sich die Fotos der vergangenen Selbstmorde durchzusehen, vielleicht würde er sich so an sie erinnern. Doch auch so findet er sie nicht.

Immer weiter wird er von den Schuldgefühlen geplagt. Er konsultiert einen Psychologen und redet – als religiöser Mensch – mit mehreren Priestern. Aber seine Schuld will nicht vergehen. Irgendwann trennt er sich von seiner Frau und beschließt, einfach nicht mehr aus dem Bett aufzustehen, nicht mehr zur Universität zu gehen, nichts mehr zu tun.

Stefan Chwin beschreibt hervorragend den moralischen Abstieg eines Menschen, der meint, am Tod einer jungen Frau Schuld zu tragen. Die Szenen sind gut geschildert, es ist nachvollziehbar, wie Jakub immer weiter in den Sog hineingezogen wird. Einzig und allein die vielen Markennennunen stören beim Lesen, es kommt einem so vor, als wolle der Autor sich über Schleichwerbung finanzieren.

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Rezension zu "Tod in Danzig" von Stefan Chwin

Rezension zu "Tod in Danzig" von Stefan Chwin
Thailavor 9 Jahren

Stefan Chwin erzählt in seinem Roman "Tod in Danzig" die Geschichte der Stadt Danzig. Im Mittelpunkt steht der Arzt Hannemann, der nach dem Einmarsch der Russen in Danzig bleibt. Aus der Sicht des Erzählers Piotr, einem polischen Nachbarjungen wird sein Leben erzählt. Aber auch die Lebensgeschichten derer, die Hannemann umgeben, werden dargestellt, so dass eine Art Panorama entsteht. Liebevoll und fast nostalgisch anmutend beschreibt er Danzig, als es noch eine deutsche Stadt war. Und auch die Flucht der Deutschen und ihre Leiden zeichnet der polnische Autor mit erstaunlicher Objektivität und Einfühlsamkeit. Chwin versperrt sich der propagandistisch ausgeschlachteten Deutungen der Stadt, sowohl von deutscher als auch von polnischer Seite. In seinen Roman verflechtet er die Geschichten von zahlreichen Personen, Polen und Deutschen so dass sie ein komplexes und ambivalentes Ganzes ergeben, dass vor allem zeigt, wie wenig wir eigentlich über Geschichte wissen.
Sprachlich ist Chwins Buch großartig, auch die Übersetzung scheint mir gelungen. Besonders gefallen hat mit die Detailgenauigkeit, mit denen der Autor Danzig, seine Bürger und ihre Wohnungen wieder aufleben lässt. Nicht zuletzt ist dieses Buch eine Sehschule, die einem lehren kann, die vertraute Umwelt genauer wahrzunehemen

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