Stefan Ferdinand Etgeton Das Glück meines Bruders

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Inhaltsangabe zu „Das Glück meines Bruders“ von Stefan Ferdinand Etgeton

In einem beschwingten, fein ausgehörten Ton erzählt dieser Roman, angesiedelt in Belgien und Holland, Südhessen und Bochum, die paradoxe und komisch-berührende Geschichte zweier Brüder, von denen der gesündere am Ende eher der Verlorene ist, während der beschädigte sein Glück findet.
Botho und Arno van Dijk machen einen letzten Abstecher ins belgische Doel, wo ihre Großeltern lebten und sie viele Feriensommer und Weihnachtsfeste ihrer Kindheit und Jugend verbracht haben. Sie möchten das vor dem Abriss stehende Haus noch einmal erleben und Botho hofft außerdem, seine Jugendliebe Lenie wiederzusehen. Beschwingt erzählt dieser Roman die paradoxe und komisch-berührende Geschichte zweier Brüder, von denen der gesündere am Ende eher der Verlorene ist, während der beschädigte sein Glück findet. Melancholisch und unterhaltsam, furios und liebevoll – „Das Glück meines Bruders“ von Stefan Etgeton.

Interessanter Schreibstil, aber was will mir der Autor durch diese Geschichte sagen?

— Nachtschwärmer

Wortreicher Ausflug in die Vergangenheit

— Charlea

Vergangenheitsbewältigung auf verschiedene Arten

— locke61

Die Erinnerung an eine vermeintlich glücklichen Kindheit stellt die Verhältnisse in der Beziehung der Brüder auf den Kopf.

— 4Mephistopheles

Zwei ungleiche Brüder. Am Ende entpuppt sich der vermeintlich stärkere Bruder als der schwächere von beiden. Wen traf nun das Glück?

— Waschbaerin

Zwei Brüder über Familie, Glück, Lebenssinn und Liebe: eine Geschichte zum Nachdenken und Reflektieren.

— Jessy1189

Eine anspruchsvolle Geschichte über zwei Brüder, die versuchen, die Vergangenheit zu bewältigen.

— Simonai

Eine Geschichte um zwei Brüder und die Bewältigung der Vergangeheit

— Ay73

Ein gutes und anspruchvolles Buch, was mich persönlich aber leider nicht ganz erreichen konnte.

— -nicole-

Sehr spezielle Sprache und kuriose Charaktere, in die ich mich oft nicht hineinfühlen konnte. Generell aber ein solider Roman

— HarIequin

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  • Festhängen in der Vergangenheit

    Das Glück meines Bruders

    Nachtschwärmer

    01. September 2017 um 18:58

    Das erste was einem auffällt, ist der Schreibstil. Während jedem Schreibanfänger erstmal eingetrichtert wird, dass er keine ellenlangen Sätze verwenden soll, tut der Autor hier genau das. Seine Sätze ziehen sich über diverse Zeilen, allerdings sind sie in einer einfachen Sprache verfasst so dass man sie leicht lesen kann. Das ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, würde an sich den Lesefluss jedoch nicht stören. Aber... Die Geschichte wird aus der Sicht von Botho erzählt und dessen wirren Gedankengängen zu folgen ist schon eine echte Herausforderung. Anfangs schweift er oft von der Gegenwart in die Vergangenheit und gewährt dem Leser so einen Einblick in seine Kindheit. In diesem Abschnitt des Buches konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen, vor allem, da wir in etwa dasselbe Alter haben, und es kamen auch oft Erinnerungen an meine Kindheit hoch. Danach wurde es schwieriger. Arno macht seinem Bruder ein Geständnis, mit dem dieser nicht so recht klar kommt und das er zunächst verarbeiten muss. Das konnte ich noch nachvollziehen, aber danach wurde es zunehmend verwirrender. Bothos halbherzige Suche nach seiner Jugendliebe, die "voreheliche Panikattacke" von Arnos Verlobter, die ihre Auszeit ausgerechnet bei Botho verbringt (wieso eigentlich??) und ein Ausblick in Bothos Leben nach diesem Sommer. Während ich zu Beginn der Geschichte noch  mit dem Ich-Erzähler sympathisierte wurde er im Verlauf zunehmend nervig. Ständig betont er, wie egal ihm alles ist obwohl die Tatsache, dass er manches einfach nicht loslassen kann, verrät, dass ihm eben nicht alles egal ist. Er gibt sich stark und selbstbewusst, ist aber im Grunde verlorener als sein Bruder, und man möchte ihn einfach mal schütteln und ihn anbrüllen. Ihm sagen, dass er sein Leben leben soll statt ständig in der Vergangenheit festzuhängen und nur darüber nachzudenken was wäre, wenn... Am Ende des Buches saß ich ratlos da und fragte mich, was der Autor mir als Leser mit dieser Geschichte wohl sagen will. Ich habe keine Ahnung.

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  • Leserunde zu "Das Glück meines Bruders" von Stefan Ferdinand Etgeton

    Das Glück meines Bruders

    m_exclamationpoint

    Zwei Brüder auf einer Reise in die Vergangenheit Im neuesten Werk von Stefan Ferdinand Etgeton dreht sich alles um das Leben und die Beziehung zweier Brüdern und deren gemeinsamer Reise in ihre Jugend.Mit viel Charme und Witz schildert der Autor die unerheblichen und doch tiefgreifenden Kindheits-Erinnerungen der Brüder Botho und Arno van Dijk und lässt uns mit ihnen gemeinsam die schicksalhaften Begebenheiten in deren Leben miterleben.Macht mit bei unserer Leserunde zu „Das Glück meines Bruders“ und taucht ein in eine Geschichte voller Melancholie, Humor und Tragik wie sie nur das Leben selbst erzählen kann. Über das Buch:In einem beschwingten, fein ausgehörten Ton erzählt dieser Roman, angesiedelt in Belgien und Holland, Südhessen und Bochum, die paradoxe und komisch-berührende Geschichte zweier Brüder.Botho und Arno van Dijk machen einen letzten Abstecher ins belgische Doel, wo ihre Großeltern lebten und sie viele Feriensommer und Weihnachtsfeste ihrer Kindheit und Jugend verbracht haben. Sie möchten das vor dem Abriss stehende Haus noch einmal erleben und Botho hofft außerdem, seine Jugendliebe Lenie wiederzusehen. Beschwingt erzählt dieser Roman die paradoxe und komisch-berührende Geschichte zweier Brüder, von denen der gesündere am Ende eher der Verlorene ist, während der beschädigte sein Glück findet.>> Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe!Über den Autor:Der Westfale Stefan Ferdinand Etgeton wird 1988 im Bergbaustädtchen Mettingen in Westfalen geboren. Er studiert VWL in Köln, Warschau, Utrecht und Berlin. Sein Debütroman "Rucksackkometen" erscheint 2015 bei C.H.Beck und gewinnt beim MDR-Literaturwettbewerb den Jury- und den Publikumspreis. Außerdem erhält er 2016 den Preis der Wuppertaler Literatur Biennale und ist in Hamburg unter den Finalisten für den Klaus-Michael-Kühne-Preis des Hamburger Harbourfront Festivals. Er promoviert in Sozialpolitik und Arbeitsmarktökonomik in Berlin. Er selbst liest nicht viel und findet besonders ältere Literatur meist sprachlich zu anstrengend. Doch er hat schon einige Erfahrungen mit Poetry-Slams gesammelt. Er selbst hält Schriftsteller nicht für eine Berufsbezeichnung, sondern etwas, was er ohnehin schon ist.Gemeinsam mit C.H.Beck vergeben wir in unserer Leserunde 25 Exemplare von "Das Glück meines Bruders". Was ihr tun müsst, um dabei zu sein? Bewerbt euch bis einschließlich 30.07. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Wen du eine mentale Reise in die Vergangenheit antreten müsstest, an welchen Ort und in welche Zeit würde es dich ziehen? Ich bin schon gespannt auf eure Antworten und drücke euch ganz fest die Daumen. Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Leserunden.  

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  • Die ungleichen Brüder

    Das Glück meines Bruders

    Waschbaerin

    30. August 2017 um 23:55

    Der Roman, "Das Glück meines Bruders" von Stefan Ferdinand Etgeton beschreibt eine Männergeschichte, die aber auch Frauen lesen können. Doch das Buch hat von Anfang bis Ende einen starken männlichen Touch. Das spiegelt sich nicht nur in der Handlung, sondern vor allem auch in der Erzählweise, als auch im Ausdruck wider.Die beiden Brüder Botho und Arno van Dijk, als auch die zukünftige Ehefrau von Arno - Anja - verbringen einige Tage in dem kleinen Ort Doel (Belgien). Hier lebten einst die Großeltern der Brüder, bei denen sie in der Kindheit und Jugend Sommerferien als auch Weihnachten verbrachten. Doch nun, so viele Jahre später soll das Haus abgerissen werden. Es ist ein endgültiger Abschied von einer lange zurückliegenden Zeit. Außerdem hofft Botho, nach so vielen Jahren seine Jugendliebe Lenie wiederzusehen, die er einst ohne Abschiedswort verließ. Doch diese ist schon lange weggezogen, wie so viele andere Bewohner auch. Als er sie endich findet, ist es nicht die Lenie, die er zu kennen glaubte.In vielen sehr persönlichen Gesprächen  lassen die Brüder ihre Kindheit und Jugendjahre erneut aufleben und viele Verletzungen, als auch Verdrängtes kommt zur Sprache. Es ist, als hätte jeder der Brüder einen anderen Ort "Doel" und andere Menschen kennengelernt. Botho muss erfahren, dass sein von ihm so innig geliebter Großvater nicht der Mensch war, für den er ihn die ganzen Jahre hielt. Aus einfachen Verhältnissen kommend, die Eltern haben eine kleine Zoohandlung, hat sich Botho aus seinem ungeliebten Milieu befreit, ist nach Bochum gezogen, hat Abitur gemacht und studiert. Jetzt ist er Lehrer, bei seinen Schülern beliebt und stolz auf das, was er erreicht hat. Dagegen sieht Arno, eine verkrachte Existenz ohne gute Schul- und Ausbildung, in Anja den Menschen, der ihn und sein Leben heil machen kann.  Zwischen den Brüdern entspannen sich tiefsinnige Dialoge und Gedankengänge, die man zwar Botho zutrauen würde, aber Arno? Seite 120: "Du stehst zu mir, aber was ist mit den arroganten Leute, die denken, sie wären was Besseres! Einerseits schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man hinter dem Haus ein Feuer macht und Müll verbrennt, aber andererseits machen sie selber zweimal im Jahr eine Fernreise mit dem Flugzeug nach Thailand oder Israel und blasen Trillionen Kilo Co2 in die Atmosphäre, aber das ist nicht weiter schlimm, sondern notwendig, um sich kulturell weiterzuentwickeln...." Seite 121: " Was okay ist und was nicht okay ist, was bäuerlich oder erbärmlich und primitiv, ja geradezu dumm ist, bestimme nicht ich, sondern bestimmen schon seit jeher die Leute in der Zeitung oder im TV, Leute von der Uni oder solche, die Jobs haben, für man eigentlich zur Uni müsste, und ich will auch gar nicht mit denen tauschen, aber ich würde mir wünschen, sie kämen mal vorbei und würden mit mir reden, weil ich ihnen nämlich was zu erzählen hätte...."..... "Um ein guter Mensch zu sein, musst du nicht unbedingt gemischte Toiletten benutzen, das ist doch Augenwischerei. Aber vor allem darfst du nicht herabschauen auf mich...."Gesellschaftskritik von einem, der im Leben zu kurz gekommen ist. Arno spricht das aus, was viele Menschen denken. Die oben sind, brauchen den Blick auf die da unten, damit sie sich oben gut fühlen können.  Botho, der zwar seinen stärksten Wunsch, zu studieren, wahr machte, doch dann verpasst, das erreichte Ziel mit Leben zu füllen. Am Ende lebt er kraftlos in den Tag hinein, gibt in San Sebastian Deutschunterricht, schläft, wenn sich die Gelegenheit bietet mit Touristinnen und lässt sich ansonsten sein Leben durch die Finger rinnen. Seite 239: "Ich bin von der Lebensreise erschöpft und erschöpft vom Versuch, meine Vergangenheit zu entschlüsseln und mich durchzubohren zu meinem Kern, durchzubohren in fremde Kerne, erschöpft vom Ringen mit der Vorbestimmtheit, die aus meiner Herkunft und meiner Vergangenheit resultiert, und deshalb suche ich mir nun statt meiner alten keine neue Identität..."Arno heiratet Anja, gründet eine Familie, hat endlich einen festen Job der ihm Bestätigung gibt und der ihm gefällt. Er weiß, welch fragiles Gebilde sein Leben ist und setzt alles daran, seine Sache gut zu machen.    Wer von beiden Brüdern hat am Ende das Glück gefunden?

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  • Herkunft kann ein verlassener Ort sein

    Das Glück meines Bruders

    Corsicana

    25. August 2017 um 18:23

    Die beiden Brüder Arno und Botho kehren nach vielen Jahren für einen Urlaub in das kleine flämische Dorf Doel zurück. Dort wohnten die Großeltern und dort haben sie viele Sommer- und Weihnachtsferien ihrer Kindheit verbracht.Inzwischen ist Doel ein fast verlassener Ort. Denn der nahe gelegene Hafen von Antwerpen soll vergrößert werden und das Dorf wird dafür aufgegeben. Wirkt am Anfang der Geschichte noch vieles wie eine Rückkehr ins Paradies der Kindheit, so wird im Laufe der Geschichte doch immer klarer, dass die Kindheit nicht so schön und problemlos war, wie es auf den ersten Blick scheint. Das Dorf ist nicht so malerisch wie gedacht - das Atomkraftwerk ist gleich nebenan. Und in der Kindheit gab es Lieblosigkeit, zu viel Alkohol und Gewalt.. Als die Erinnerungen vehement werden, kehren die  Brüder daher eher plötzlich wieder in den Alltag zurück, den sie sich seit der Kindheit aufgebaut haben. Und es wird sichtbar, wie unterschiedlich die Beiden versucht haben, den Dämonen der Kindheit zu entgehen. Arno wirkt ein wenig kindlich-zurückgeblieben, hält es auf keiner Arbeitsstelle länger aus und war lange Alkoholabhängig. Jetzt scheint er jedoch auf einem guten Weg, er hat einen neuen Job und vor allem eine neue Freundin. Sie wirkt wie sein Fels in der Brandung, sein Anker. Und mit ihr will er eine Familie gründen. Doch kurz vor der Heirat bekommt die Freundin Bedenken. Und flüchtet sich zu Botho. Dieser hat einen ganz anderen Weg gewählt als Arno. Er ist früh aus der provinziellen Enge geflohen, hat Zivildienst gemacht, das Abitur nachgeholt und studiert und arbeitet jetzt - wie die Freundin seines Bruders - als Lehrer. So ganz angekommen in seinem Leben als "Akademiker" ist er jedoch nicht. Sowohl seine Eltern als auch Arno machen ihn immer wieder auf seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen aufmerksam. Und Botho fühlt sich wie im falschen Leben. Er hat auch kaum Freunde und keine richtigen Liebesbeziehungen. Nur seine Jugendfreundin Lenie, die aus Doel stammte, ist immer noch in seinem Kopf. Aber genau wie Doel ist Lenie Vergangenheit und nicht mehr so, wie es/sie einmal war.Auf Anraten der Freundin seines Bruders setzt sich Botho nun mit seiner Jugend auseinander. Wie wird und kann es weitergehen mit Arno, Botho und der Freundin von Arno?Dieses Buch besteht aus sehr unterschiedlichen Teilen, die m.E. nicht immer harmonieren. Im ersten Teil fällt vor allem der Schreibstil auf. Die Sätze sind sehr lang, eine Aneinanderreihung von Nebensätzen, dies steigert das Tempo der Erzählung, alles wirkt irgendwie atemlos - wie Kinder eben auch alles "schnell" erleben. In der Gegenwart ist die Schreibweise anders, ruhiger, eher philosophisch und es gibt eine Reihe von schönen und skurrilen Begebenheiten: Eine alte Frau, die stirbt und alle kommen sitzen zusammen in ihrem Wohnzimmer. Ein alter Mann, der immer noch einen Laden führt im fast verlassenen Dorf - aber kaum noch rechnen kann. Eine Familie, die immer noch in das Dorf zum Urlaub kommt, obwohl die Gegend alles andere als landschaftlich schön ist - und das Atomkraftwerk gut sichtbar neben dem Dorf aufragt. Dieser Teil war berührend und schön - wenn auch die Problematik der Kindheit immer deutlicher wurde. Als dann eine tragische Wahrheit ans Licht kommt, fahren die Brüder nach Deutschland zurück.Und es beginnt ein Teil, in dem die Brüder versuchen, sich im Leben zurecht zu finden. Was sie schon lange versuchen. Meist so, dass Botho sich um Arno kümmert. Aber ist Botho wirklich fähig, sich um einen anderen Menschen zu kümmern? Fehlt ihm nicht das Fundament im Leben?In diesem Teil wird die Problematik einer Einsamkeit aufgrund der Herkunft thematisiert. Es gab wohl wenig Liebe in der Familie. Und wenig Bildung. Und Botho hat sich durch Abitur und Studium von der Familie entfernt - was Arno und die Eltern ihm vorwerfen. Arno vergräbt sich lieber in einer Art Paranoia und fühlt sich ständig übervorteilt. Beiden fehlt ein gesundes Fundament an Selbstbewusstsein, um wirklich im Leben bestehen zu können.Im letzten  Teil wird das Geschehen m.E. eher absurd, Assoziationen zu Nihilismus und Existentialismus kamen bei mir auf. Hier fiel es mir als Leser eher schwer, die Protagonisten zu verstehen oder ihr Handeln nachzuvollziehen. Aber vielleicht ist es verständlich, wenn man bedenkt, wie einsam und labil ein Mensch auf Grund mangelnder Fundamente wird.Ein sehr anspruchsvolles Buch mit einer sehr interessanten Sprache. Das man vielleicht mehrmals lesen sollte, um es zu Verstehen.

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  • Wortreicher Ausflug in die Vergangenheit

    Das Glück meines Bruders

    Charlea

    24. August 2017 um 00:10

    Cover / Artwork / Aufbau des RomansDas Cover hat mir von Anfang an sehr gut gefallen, da ich die Mischung aus Schwarz-Weiß-Fotografie und gelb hervorgehobener Schrift optisch sehr ansprechend finde. Auch der Titel hatte mir sehr gut gefallen. Der Roman ist mit knapp 300 Seiten relativ kurz und lässt sich auch recht schnell lesen, ist jedoch teilweise durchzogen von mehrfach verschachtelten Sätzen, die das Lesen erschweren.InhaltDie Brüder Botho und Arno reisen zusammen mit Arnos Freundin Anja in die Vergangenheit - den Ort ihrer Kindheit Doel, wo ihre Großeltern gelebt haben. Das Dorf soll abgerissen werden, doch bevor das passiert, wollen die Brüder dem Ort noch einen letzten Besuch abstatten. Dort angekommen, kommt es zu einer heftigen Beichte von Arno.FazitEs fällt mir relativ schwer, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Einerseits fand ich einige Wortspiele und sogar ganze Sätze wirklich interessant und beeindruckend, andererseits haben mich die Wortwahl, die bereits angesprochene Verschachtelung von Sätzen aber auch generell der plot nicht wirklich gehabt. Zu Beginn habe ich noch gedacht, dass ich einigermaßen ins Buch gefunden habe und auch die Szene, in der Arno seinem Bruder eine Geschichte aus der gemeinsamen Vergangenheit erzählt, war sehr emotional und gut geschrieben. Doch der Verlauf der Handlung ist für meinen Geschmack irgendwie an vielen Stellen nicht nachvollziehbar. Auch die Charaktere konnte ich in vielen Passagen nicht ganz fassen und das was sie sagen, klang in meinen Ohren irgendwie seltsam, so dass ich bei vielen Sätzen ins Grübeln kam und daher oft den Lesefluss unterbrechen musste. Hinzu kommt, dass es einige Passagen gibt, in denen niederländisch bzw. flämisch gesprochen wird. Liest man das laut, kann man erahnen, was gesagt wird, aber auch das unterbricht den Lesefluss und hat mich schon irgendwie arg gestört. Das Ende hat jedoch letztendlich den Ausschlag gegeben, warum ich diesem Buch nur drei Punkte geben möchte: nach meinem Empfinden endet das Buch einfach und wird nicht zu Ende erzählt. Resignation als Ergebnis? Ich bin mir nicht sicher.

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  • Eine krasse Kehrtwende des Schicksals

    Das Glück meines Bruders

    locke61

    22. August 2017 um 23:44

    Botho und Arno beschließen noch einmal nach Doel in Belgien zu fahren bevor es endgültig platt gemacht und zu Dock5 für den angrenzenden Containerhafen umgestaltet wird.Die beiden haben sämtliche Ferien ihrer Kindheit und Jugendzeit dort verbracht. Ihre Eltern wurden da geboren, doch zogen die es vor in Deutschland eine Tierhandlung zu eröffnen. Zurück blieben die Großeltern, die den Verfall und Aufgabe ihres Heimatortes hautnah mitbekamen. Die Brüder genoßen die Ferien, stromerten mit ihren Freunden herum. Botho verliebte sich in Leni und war glücklich.Doch sie wurden älter, hatten ihre Kumpels in Deutschland, die Oma starb, der Opa wurde unangenehm und gewalttätig. Derart abgeschreckt zog Botho es vor in den Ferien in Deutschland zu bleiben und sein eigenes Ding zu machen.Jetzt ist der Großvater seit zwei Jahren tot, das Haus steht kurz vor dem Abriss, daher wollen die beiden nochmal ihre Kindheit Revue passieren lassen und mit ein paar Themen abzuschließen. Botho will unbedingt Leni wiedersehen und Arno hat da ein dunkles Geheimnis das ihn schon seit Jahren zur Alkoholsucht treibt.Ich muss ehrlich zugeben, das ich echt Probleme beim Lesen hatte. Schachtelsätze, die sich über ganze Seiten ziehen, haben mich gezwungen mehrmals zu beginnen, weil ich am Ende nicht mehr wusste was ich da genau gelesen hatte. Das mag ich nicht.Die Geschichte an für sich war gut, aber durch die ewig langen Sätze verlor ich oft die Geduld weiterzulesen. Doch ich wollte unbedingt wissen wie es ausgeht mit den Brüdern.Oft wurde flämisch gesprochen, jedoch nicht übersetzt. So konnte ich nur grob raten um was es da ging. Ich habe mich regelrecht durch das Buch gekämpft. Sehr anstrengend.

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  • Zwei Brüder auf der Sinnsuche ohne Verantwortung übernehmen zu wollen

    Das Glück meines Bruders

    4Mephistopheles

    22. August 2017 um 15:28

    Das Titelbild und der Titel "Das Glück meines Bruders" weckte bei mir Erwartungen nach einem Buch mit Tiefgang, in der das Streben nach Glück und die Suche nach dem Sinn des Lebens beleuchtet werden. Diesen Erwartungen konnte das Buch jedoch nur teilweise gerecht werden.Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Brüder Botho und Arno begeben sich zusammen mit Arnos Verlobten auf eine spontane Reise in das Dorf ihrer Kindheit, welches nun fast ausgestorben ist.Sie wollen sich an glückliche Kindheitstage erinnern und leben scheinbar sorglos in den Tag hinein. Botho fühlt sich für seinen jüngeren Bruder teilweise verantwortlich, weil dieser nach längerer Alkoholkrankheit noch nicht vollständig wiederhergestellt und noch arbeitslos ist, aber mit seiner Verlobten schon eine Hochzeit plant.Die drei leben in den Tag hinein, unternehmen spontane Ausflüge, bleiben sich selbst überlassen. Doch schnell wird klar, dass die Kindheit der beiden durch gleichgültige Eltern und einen gewalttätigen Großvater geprägt war, sodass sie nicht so unbeschwert war, wie sich zeigt. Auch die Jugendliebe Bothos bleibt zunächst unauffindbar, an deren Erinnerungen sich Botho klammert, als sei es der letzte Strohhalm.Das Ende kommt wenig überraschend, wendet sich doch das Blatt: Der scheinbar glücklose Bruder scheint als glücklicher Mensch am Ende dazustehen, während der glückliche Bruder erkennt, dass er Schatten nachjagt, woraufhin er beschließt, dass nichts mehr einen Sinn hat. Mich schreckte der Erzählstil ab: Teilweise sind die Sätze zu lang. Statt einen Punkt zu setzen, werden Haupt- und Nebensätze zu endlosen Sätzen aneinandergereit. Dabei machen diese Endlossätze keinen inhaltlich geschlossenen Sinn, sodass es atemlos wirkt, wie aus der Feder eines mit Zucker aufgeputschten 17-Jährigen. Ebenso greift der Wortschatz auf sehr viel Umgangssprache hin. Sicherlich soll und kann dies den Effekt verstärken, dass hier ein "Arbeiterkind" verstärkt, jedoch betont der Ich-Erzähler immer wieder, wie viel Arbeit es ihn gekostet hätte, sein Abitur und sein Studium zu bestreiten. Da könnte man schon einen größeren Wortschatz vermuten. Ähnlich schwierig fand ich die halbgaren Theorien über den Menschen allgemein, die von Arno und Botho geäußert werden, sobald es für sie emotional anstrengend wird. These schließt an These, es gibt kaum vernünftige Belege für Thesen allerhöchstens mal ein Beispiel. Es mutete für mich so bemüht nach Stanmtischniveau an, dass ich Mühe hatte, mich da durchzukämpfen, philosophischen Gehalt sehe ich durch die mangelnde Argumentationsstruktur darin nicht, lediglich die Fragestellungen haben Potential: Sind Menschen von Grund auf schlecht? Ist Kommunikation alles im Leben? Wie viel Gleichgültigkeit erträgt der Mensch? Und inwiefern lässt sich Glück durch Erinnerungen erlangen? Nicht nur durch den Erzählstil wirkt es für mich wie ein Adoleszenzroman, die Protagonisten spielen erneut wieder Kinder, lassen sich teilweise durch den den Tag treiben und sind Spielball ihrer Erinnerungen und Emotionen. Triebfeder der Handlungen sind die Erinnerungen: Sieht Botho sich vor der Frage, was er tun soll, erinnert er sich an die gemeinsame Kindheit mit seinem Bruder und beschließt seine Enscheidungen aus der Abgrenzung zu den Eltern. Als sich die Kindheit als weniger gelungen und das Ideal der Jugendliebe als nicht haltbar erweist, hat er  keine moralische Instanz und keine eigene Richtung mehr und lebt nihilistisch ohne dass er sich oder seinem Leben selbst Bedeutung beimisst. Dass er damit auch seinem Umfeld schadet, nimmt er dabei in Kauf. Wir finden hier also tatsächlich eine Reise in die Vergangenheit und eine scheinbare Unbeschwertheit vor. Jedoch erscheinen die Protagonisten nicht weise und die scheinbar allgemeingültigen Schlüsse die sie aus ihren Erfahrungen ziehen, muten teilweise haarsträubend an. Weder wurden mir die Protagonisten noch ihre Denkweise sympathisch. Schade.

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  • Kindheitserinnerungen

    Das Glück meines Bruders

    Jessy1189

    21. August 2017 um 11:58

    Im Roman „Das Glück meines Bruders“ von Stefan Ferdinand Etgeton geht um zwei Brüder, die noch einmal zum Haus der verstorbenen Großeltern ins belgische Doel zurückkehren, weil das Dorf einem neuen Hafen weichen soll.Botho, der jüngere Bruder hat durchwegs positive Erinnerungen an seine Schulferien in Doel, während Arno schlimme Erfahrungen der Kindheit verarbeiten muss. Arnos Verlobte Anja, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Roman spielt, steht Arno bei und versucht später auch eine Stütze für Botho zu sein, der zunehmend den Halt im Leben verliert.Der Autor hat eine zunächst ungewohnte Schreibweise, da er die Brüder in einem kindlichen Licht erscheinen lassen möchte. Das gelingt ihm auch durch lange, aber schnell lesbare Sätze und viele schöne Anekdoten, wie z.B. dem Drachensteigen oder dem Hinterherjagen eines Luftballons.Als Leser merkt man aber schnell, dass die Brüder vieles aus ihrer Kindheit aufarbeiten müssen und der Roman nichts mit einer seichten Road- Trip Story zu tun hat. Botho und Arno stehen zueinander und geben sich gegenseitigen Halt, dennoch werden hier viele innere Probleme, Zwiespalt und verpasste Chancen aufgearbeitet. Die kindlichen Bilder, die hier skizziert werden stehen in einem starken Kontrast zu teils seitenlangen Monologen der Brüder, die wiederum sehr gesellschaftskritisch und philosophisch wirken, so dass man als Leser viel nachdenken kann, wenn man denn möchte. Gibt es unterschiedliche Perspektiven der eigenen Erinnerung? Was bedeutet Glück im Leben? Wo findet sich der eigene Platz in dieser Gesellschaft?Genau aus diesem Grund gefällt mir der Roman, weil der Konsens nicht einfach um die Ecke kommt, sondern man muss ihn sich erarbeiten. Der Roman hat sicherlich seine Schwächen, z.B. schweift der Autor immer wieder vom Erzählfluss ab und lässt den Leser nicht tief genug in die Figuren eintauchen, aber hier entsteht auch genug Luft für eigene Interpretationen. Ich muss die Brüder nicht mögen oder verstehen, sondern sie müssen meine Gedanken anregen, ich möchte mich mit den Gefühlen beschäftigen, die beim Lesen aufkommen und das hat der Autor geschafft.„Unser Leben und unsere Handlungen, Umstände, Gedanken und Aktionen sind doch nur das Transportmittel. Das Ziel ist ein anderes. Das Ziel ist glücklich zu sein. Glück um jeden Preis. Und das Ziel bleibt doch immer gleich.“ (S. 220)

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  • Außergewöhnliche und anspruchsvolle Reise durch das Leben zweier Brüder

    Das Glück meines Bruders

    Simonai

    19. August 2017 um 23:10

    Zwei Brüder blicken noch einmal zurück. Sie besuchen den Ort ihrer Vergangenheit, den Ort ihrer Kindheit, ein Stück ihrer Heimat. Der eine erinnert sich an eine schreckliche und harte Zeit, der andere wirft einen verklärten Blick auf die unbeschwerten Sommer ihrer Kindheit und hebt sie in den Himmel. Doch diese Zeit, ob gut oder schlecht, ist vergangen und beide müssen damit fertig werden. Die negativen Erlebnisse müssen verarbeitet werden und die positiven müssen ebenso hinter sich gelassen werden. Denn beide müssen nun als Erwachsene Verantwortung für ihr Leben übernehmen, was dem einen gut gelingt, während der andere scheitert.Zwischen ungewöhnlichem Schreibstil, seitenlangen Sätzen und flämischen Zitaten ohne Übersetzung steckt dennoch viel Lesenswertes, das aufwühlt und zum Nachdenken anregt. Ich bin hin und her gerissen: ich habe mich teilweise durch das Buch gequält, denn der Schreibstil gerade zu Beginn ist sehr gewöhnungsbedürftig, das Flämische hätte ich gern wortgetreu verstanden anstatt mit etwas aus wenigen dem Deutschen verwandten Wörtern zusammenzureimen, und Monologe, die über Seiten hinweg "schwafeln", waren für mich eher nervig.Trotzdem oder vielleicht gerade weil am Ende ein paar Fragezeichen im Kopf zurück bleiben, habe ich noch lange über die Geschichte nachgedacht.Es ist kein einfaches Buch und keine einfache Geschichte aber keineswegs uninteressant!

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  • Das Glück meines Bruders

    Das Glück meines Bruders

    Ay73

    16. August 2017 um 13:51

    Zwei Brüder, Botho und Arno die sehr unterschiedlich sind, aber doch füreinander da sind. Sie fahren nach Belgien in das Haus der Großeltern, zusammen mit Arnos Freundin Anna. Doel, ein kleines Dörfchen neben einem AKW wird bald komplett verschwinden und alles wird abgerissen. Arno und Botho möchten noch einmal wie in ihrer Kindheit dort ihre Ferien verbringen. Sie haben schöne Ferien zu Weihnachten, Sommer und manchmal Ostern verbracht, sehr schöne Erinnerung und auch die erste Liebe von Botho ist in Doel. Botho entwickelt den Gedanken, Lenie wieder zu treffen und fängt an, ein Mädchen zu idealisieren, was nicht sein sollte. Sie lebt nicht mehr in Doel und auch der Bruder von Lenie weiß nicht genau wo sie ist. Doch je mehr Tage sie in Doel sind, desto mehr kommt in Arno hoch.. Kindheitserinnerung die verdrängt wurden und ihn zu dem machten was er ist.. kaputt, Ex-Alki aber Anna ist für ihn da und auch Botho, der ihn aus der schwersten Zeit geholfen hat. Das Buch ist relativ schnell zu lesen, aber gestört hat mich dann doch das Flämische und die fehlende Übersetzung. Das Arno ein bisschen unterbelichtet dargestellt wird, wobei ich Botho als einen Menschen empfand der überhaupt nicht fest im Leben steht, sondern eher dahingleitet und als der "gesündere" Bruder angesehen wird. Der Schluss mit Brüssel und Anna war für mich etwas überzogen dargestellt. Aber sonst ist eine interessante Lektüre. Daher von mir 3,5 Sternen.    

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  • Gut und anspruchsvoll - konnte mich aber leider nicht ganz erreichen

    Das Glück meines Bruders

    -nicole-

    15. August 2017 um 17:35

    Zwei Brüder und ihre Reise in die Vergangenheit... Im Sommer 2010 beschließen die Brüder Botho und Arno van Dijk zusammen mit Arnos Verlobte Anja eine Reise in das belgische Dorf Doel zu machen. Für die beiden Brüder ist es eine Reise in die Vergangenheit: In dem kleinen Dorf, das demnächst einem Hafenausbau weichen muss und inzwischen ein verlassener Ort ist, lebten ihre inzwischen verstorbenen Großeltern. Botho und Arno habe hier viele Sommer- und Winterferien in ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Bevor das alte, verlassene Haus nun endgültig abgerissen wird, verbringen sie nochmal ein paar Tage dort. Die Erinnerungen an damals waren aber nicht immer idyllisch - das wird den beiden inzwischen erwachsenen Männern nun bewusster, als sie zunächst dachten..."Ich liebte die baumbestandenen Straßen in einer endlosen Stadt, staunte über den vergangenen Reichtum, der sich manchmal noch in den verzierten Fabrikfassaden zeigte. Ich genoss es, mitten in der Nacht Currywurst zu essen. ich spazierte auf den alten Halden." - (Botho über seinen aktuellen Wohnort Bochum, Seite 38)Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch die Inhaltsangabe, die von zwei Brüdern erzählt, von denen am Ende der Geschichte der gesündere eher der verlorene sein wird und der beschädigte sein Glück findet. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass der Schreibstil sehr speziell ist - die Sätze sind sehr lang, in einem ganz außergewöhnlichen Ton und durch viele "und" und "oder" miteinander verbunden. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, doch es wird schnell klar, dass genau diese Schreibweise gut zum gesamten Stil des Romans passt. Und dieser hat viele Facetten: Eine Reise an einen Ort ihrer Kindheit wird für die beiden Brüder Botho und Arno eine emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle - vieles, was längst vergessen oder verdrängt war, bricht schmerzhaft wieder an die Oberfläche. Es wird mal bewegend, manchmal komisch und seltsam, aber auch berührend und melancholisch. Diese Stimmungen und die unterschiedlichen Atmosphären sind dem Autor sehr gelungen. Doch ich muss auch sagen, dass mir die Charaktere trotz allem eher fremd geblieben sind, ich konnte manche Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehen und sie wirkten auf mich oft eher wie Teenager, als wie Erwachsene. Mich konnte die Handlung daher nicht ganz erreichen, so wie es eigentlich hätte sein sollen.Was sehr gelungen und hochwertig ist, ist die Buchgestaltung. Das Cover ist schlicht und in Grautönen gehalten, was sehr gut mit der dezenten, gelben und weißen Schrift harmonisiert. Auch der Titel "Das Glück meines Bruders" passt perfekt zum Inhalt. "Da war die Schaukel. Die Schaukel, die Kindern eine Idee von Grenzenlosigkeit geben kann, auf der man versuchen kann, zu entkommen und wegzufliegen in eine andere Galaxie, in eine neue Freiheit: Ein bisschen mehr Schwung, noch ein bisschen mehr Schwung, dann schafft man es." - Seite 72Mein Fazit: Selten war ich mir bei einem Buch so unsicher, wie bei diesem. Es ist einerseits ein sehr gutes und anspruchsvolles Buch, doch mich persönlich konnte es nicht ganz erreichen. Die Charaktere und insbesondere deren Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, der Schreibstil war mir mitunter etwas zu anstrengend. Doch auch wenn es mich nur teilweise angesprochen hat, so ist es dennoch ein hochwertiger Roman, der mit Sicherheit viele andere Leser begeistern wird.

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  • Charaktere von einem andern Stern

    Das Glück meines Bruders

    HarIequin

    13. August 2017 um 20:00

    "Ich wollte für ein paar Stunden oder Tage daran erinnert werden, dass meine Jugend nicht nur ein Traum gewesen war, wollte sichergehen, dass sie wirklich stattgefunden hatte." (S. 90) Wenn ich „Das Glück meines Bruders“ mit nur einem Wort beschreiben müsste, wäre es „merkwürdig“ – merkwürdiger Schreibstil und noch merkwürdigere Charaktere. Die Sätze in diesem Buch sind ohne Punkt und Komma, gehen teilweise eine ganze Seite lang und schweifen dauernd ab, was sehr kindlich wirkt und auch atemlos und der Autor verendet auch meistens nur „und“ als Übergang, also nichts wirklich kreatives, wobei man sagen muss, dass es schon originell ist, aber halt auch anstrengend, zudem kommen viele flämische Sätze vor, die einfach nicht übersetzt werden und von denen man zwar einzelne Wörter ins Deutsche übersetzen kann, aber das wird auch irgendwann zu anstrengend und alles versteht man eh nicht und allgemein ist die Wortwahl sehr unpassend für ca. 30-Jährige Charaktere („ist doch voll turbo“ (S.31); „merci, yeah“ (31); „Serap, das war die Frau vom Schulleiter, right?“ (147), also empfehle ich tatsächlich jedem sich die erste Seite des Buches durchzulesen, bevor man es kauft/ausleiht, weil mein eigener Absatz hier ist nichts gegen 240 Seiten davon. Wobei ich zugeben muss, dass ich mich nach ca. 50 Seiten damit arrangieren konnte. Aber den „fein ausgehörten Ton“  (s. Inhaltsangabe oben) habe ich leider nicht gefunden, wobei er durchaus beschwingt war.                    Die 3 wichtigsten Charaktere (die beiden Brüder Botho und Arno und dessen Verlobte Anja) sind auch eine Marke für sich. Wüsste man nicht, dass sie 30 sein sollen, hätte ich sie auf maximal 14 geschätzt. Alle drei (aber vor allem Botho) sind dermaβen infantil und leben in ihrer eigenen Blase, abgeschottet vom Rest der Welt. Botho holt Anja mit Capri-Sonne vom Bahnhof ab, sie streiten sich im Kiosk um die Schokoladen-Sorte und am nächsten Tag gehen sie dann mit einem Jo-Jo durch die Stadt. Ihre Handlungen und Gedanken konnte ich geschätzt 9 von 10 Mal nicht nachvollziehen (ein Beispiel: Botho verliert seinen Job, weil er eine Affäre mit der Frau seines Chefs hat und ist ehrlich empört und versteht nicht, dass dieser seinen Vertrag nicht verlängert). Ich konnte wirklich leider gar nichts mit ihnen anfangen.                                                                                                      Die Handlung selbst ist auch nicht wirklich die spannendste. Die 3 verbringen ein paar Tage in Doel, die beiden Brüder arbeiten ihre Kindheit auf und später sucht Botho noch nach seiner Jugendliebe Lenie. Im Hintergrund hat man gleich das Gefühl, dass irgendwas „brodelt“ und die Grundstimmung ist oft gedrückt, was mir gut gefallen hat. Die Auflösung war zwar nicht sonderlich überraschend, aber nichtsdestotrotz schockierend. Für mich wurde das Buch vor allem von einigen Gedanken und Gesprächen getragen (Politik und Immigration, Familie und Heimat). Die Hintergründe haben mir am besten gefallen, nur die Ausarbeitung teilweise nicht.                                                                                                                  Alles in allem ist der Roman für mich solide und obwohl diese Rezension eher kritisch wirkt, finde ich ihn in Ordnung. Obwohl ich nach der 1. Seite schon verzweifelt war, wie ich das Buch beenden soll, bin ich im weiteren Verlauf doch damit klargekommen. Anfang und Ende haben mir weniger gefallen, aber der Mittel-/Hauptteil war ganz angenehm und gut. Man kann es lesen, muss es aber nicht; mein Lieblingsbuch wird es definitiv nicht. Der Titel macht nach beenden ehrlich gesagt keinen Sinn für mich, wie so vieles in diesem Buch.

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  • Ein Kurztrip in die Vergangenheit

    Das Glück meines Bruders

    Bibliomania

    13. August 2017 um 17:03

    Botho und Arno sind Brüder. Auch wenn sie nicht immer das beste Verhältnis hatten, sind sie jetzt ein Herz und eine Seele, verstehen einander und sind für den anderen da.Die beiden fahren, zusammen mit Arnos Verlobten Anja, nach Doel, wo sie ihre Kindheit und einen Teil ihrer Jugend verbracht haben. Das belgisches Dorf, wo die Großeltern wohnten, steht immer noch für eine unbeschwerte Kindheit voller schöner Erinnerungen und gerade für Botho heißt Doel Lenie. Lenie war seine erste Jugendliebe, die er nun gerne wiedertreffen möchte. Doch so toll, wie sie sich den Besuch in Doel ausgemalt hatten, wird der Trip nicht. Nach und nach kommt die Vergangenheit ans Licht und die tollen Erinnerungen stellen sich als das dar, was sie tatsächlich waren...Die Konstellation der drei Figuren war interessant und manchmal eigenartig. Obwohl Botho der Jüngere ist, spielt er sich als der Ältere auf, nur weil er denkt, sein Bruder hätte es schlimmer erwischt und wäre der "Kaputtere" von beiden. Dabei ist es Botho, der in seiner eigenen Welt verloren geht, sich nicht um sich kümmert und eine Egal-Haltung entwickelt.Anja ist ein sehr guter Pol zu beiden und obwohl sie im Laufe der Geschichte etwas eigenartige Entscheidungen trifft, ist sie mir auch sympathisch.Irgendwie ist die Geschichte aber ein wenig kurz geraten. Es gab so viel zum Aufarbeiten und dann einen Part, der mit Doel gar nichts mehr zu tun hat und irgendwie ein bisschen hinten angesetzt wirkt.Gut gewählt fand ich die Sprache. Beide Brüder sprechen gehetzt, wie Kinder, die sie irgendwie immer noch geblieben sind. Wobei auch hier Arno am Ende eine Entwicklung durchmacht, die Botho fehlt. So richtig glücklich gemacht hat mich auch das Ende nicht, es fliegt davon und stellt für mich keinen wirklichen Abschluss da.Ein kleines Manko war für mich auch das Flämische. Ich spreche es nicht und auch wenn einige verständlich waren, fehlte mir bei anderen doch der Inhalt und ich wusste gar nicht, was gesagt wurde. Das war ab und an schon hinderlich für mich.Alles in allem eine interessante Geschichte, in der viel mehr steckte, als man am Anfang vermuten könnte.

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  • Schade

    Das Glück meines Bruders

    Buecherschmaus

    13. August 2017 um 15:42

    Es hätte so ein tolles Buch für mich werden können. Es ist zwar müßig bei einem Buch zu beklagen, wie es hätte sein können – ein anderes Ende, andere Protagonisten, anderer Handlungsverlauf - müßig, und bei Rezensionen oft geradezu ärgerlich. Bei Stefan Ferdinand Etgetons zweitem Roman „Das Glück meines Bruders“, fällt es mir aber schwer, gerade das nicht zu tun. Zu gut hat mir der Anfang gefallen, zu schwach wurde es dann für mich ab einem bestimmten Punkt.Erzählt wird von einem Brüderpaar, das 2010 für ein paar Sommertage in das Haus der Großeltern in der Nähe von Antwerpen fährt. Nach deren Tod steht dies schon längere Zeit leer. Als Kinder haben der Ich-Erzähler Botho und sein älterer Bruder Arno viele Ferientage dort verbracht, schöne, erinnerungswürdige Kindertage schienen es gewesen zu sein. Doch schon bald bekommt das Bild der Vergangenheit, bekommt die vermeintliche Familienidylle heftige Risse. Schon bald merkt man, dass das Verhältnis der Brüder trotz aller spürbaren Nähe und Zuneigung nicht ganz problemlos ist. Arno scheint ein Suchtproblem gehabt zu haben, von dem er noch nicht ganz befreit ist. Schwierigkeiten in der Familie wabern als Ahnung von Anfang an mit, werden aber lange Zeit nicht ausgesprochen. Irgendwann wird aber deutlich, dass auch die Eltern dem Alkohol mehr als normal zugesprochen haben, der Großvater ebenso und dieser wohl auch sehr gewaltbereit war. Botho hat zwar mit seinem Zivildienst in Bochum und dem danach angefangenen Studium den Absprung aus der ungeliebten südhessischen Heimatstadt Zwingenberg und dem Elternhaus geschafft, aber wegen einer dummen Affäre wurde seine befristete Lehrerstelle nicht verlängert und er scheint gerade ein wenig in der Luft zu hängen. Er wirkt sozial etwas isoliert und in Sachen Beziehung läuft auch gerade nichts. Die Stimmung in der kleinen Reisegruppe, mit dabei ist die Arnos Freundin und zukünftige Ehefrau, Anja, ihre Ankunft im Ferienort der Kindheit, die Rückblenden dorthin, der leichtfüßige, leicht schnoddrige Erzählton – das ist alles sehr gut getroffen. Botho und Arno müssen beide wohl schon jenseits der Dreißig, noch nicht ganz im Erwachsenenleben angekommen zu sein. Arno versucht es mit der bevorstehenden Heirat, aber seine Labilität scheint durch. Auch Anja scheint sich des Risikos bewusst, steht ihm aber bei. Sie verhält sich geradezu heldenhaft.Das Besondere an dieser etwas verspäteten Coming-of-Age Geschichte ist aber das Setting. Der Ort, in dem das großelterliche Haus steht, ist das belgische Doel. Eine Geisterstadt am südlichen Scheldeufer, die dem Ausbau des Antwerpener Hafens weichen soll. Seit Jahren ziehen die Bewohner einer nach dem anderen fort, die Häuser stehen leer, verbarrikadiert. Nur wenige halten aus, Infrastruktur gibt es nahezu keine mehr. Die etwas irreale Atmosphäre dort ist wunderbar getroffen, und wenn man sich per Google Maps mal dorthin aufmacht, kann man sich dem gespenstischen Flair kaum entziehen. Es scheint der passende Ort für die beiden etwas ziel- und haltlosen Brüder zu sein. Botho erinnert sich an seine alte Ferienfreundin, bei der er sich irgendwann einfach nicht mehr gemeldet hat, die ihm aber jetzt als die große mögliche Liebe erscheint. Er setzt sich in den Kopf, sie zu finden, fährt dafür nach Amsterdam.Viele Dinge werden in der Rückschauerzählt, einige werden geklärt, aber auch alte Verletzungen wieder aufgerissen. Bis hierhin liest sich der Roman faszinierend in seiner Mischung aus Aufbruch und Melancholie.Leider wird die Handlung nach dem ersten Drittel zunehmend fahrig, Bothos Plauderton geschwätzig. Auch einen Missbrauchsfall hätte es nicht unbedingt gebraucht. Dass Botho schließlich völlig aus der Spur gerät, ist wenig nachvollziehbar. Am ärgerlichsten ist aber dessen plötzlich aufkommendes Selbstmitleid, die Larmoyanz, mit der Botho auf seine vermeintlich unterprivilegierte Kindheit und seine Familie schaut. Die Art, wie er dann mit der endlich gefundenen Leni umgeht, die so gar nicht seinem von ihr errichteten Traumbild entspricht, ist genauso wenig akzeptabel wie die Art wie er sich schließlich aus der Geschichte stiehlt. Und sie sind vor allem nicht plausibel.Anja bringt es an einer Stelle auf den Punkt, als sie Botho vorwirft:„Aber denkst du nicht, dass du übertreibst? Kannst du dich nicht mal lossagen von diesem ganzen Erwartungsquatsch und dein Leben genießen? Musst du alles auf die Gesellschaft schieben oder deinen Eltern die Schuld geben, solltest du nicht auch mal dich selbst befragen, ob du eine Mitverantwortung trägst? Klagst du nicht zu viel und klagst du nicht manchmal die Falschen an?“Botho verlässt sein altes Leben, das ist ein Aufbruch. Ich mag ihm als Leserin dabei aber nicht mehr folgen. Arno scheint sich dagegen mit der Heirat einen Anker geschaffen zu haben. Ganz dran glauen kann ich irgendwie auch nicht.So wird aus der wunderbar atmosphärischen Roadstory und Brüdergeschichte leider wieder nur eines dieser Bücher, in denen ein Protagonist stets nur um sich selbst kreist und die Ausfahrt nicht findet.Das Lesen lohnt sich dennoch, denn die Schilderungen aus dem verlassenen Doel sind einfach großartig. Ach, was hätte das für ein tolles Buch werden können!

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  • lesenswert

    Das Glück meines Bruders

    Book-worm

    12. August 2017 um 16:56

    Zwei Brüder die eine freudlose Kindheit hatten, möchten das Dorf und das Haus ihrer toten Großeltern nochmal besuchen. Für den Leser ist klar, der ältere Bruder hat sein Leben nicht im Griff, wegen sexueller Übergriffe durch seinen Großvater ist er völlig aus der Bahn geworfen. Sein jüngerer Bruder hat sich dagegen abgenabelt, durch Abitur, Studium und Umzug in eine andere Stadt lebt er ein ganz anderes Leben als von der Familie vorbestimmt.Aber die Brüder halten immer Kontakt, der vermeintlich schwächere (Arno) wird immer von dem jüngeren (Botho) unterstützt.Aber im Verlauf der Geschichte wird immer klarer wer der wirkliche "Verlierer" ist.Die Text ist gut zu lesen, obwohl die Sätze endlos sind und es wenige Absätze gibt, dadurch wird erforderlich die ein oder andere Seite ein zweites mal zu lesen.Fazit: Ein Buch dass zum Nachdenken anregt. Für Leser,die sich auch in Charaktere hineindenken können und wollen, die einem  vielleicht vollkommen fremd sind- ein gutes, lesenswertes Buch.

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