Stefan Hertmans

 4.4 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Der Himmel meines Großvaters, Krieg und Terpentin und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Stefan Hertmans

Stefan HertmansDer Himmel meines Großvaters
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Der Himmel meines Großvaters
Der Himmel meines Großvaters
 (4)
Erschienen am 25.08.2014
Stefan HertmansKrieg und Terpentin
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Krieg und Terpentin
Krieg und Terpentin
 (4)
Erschienen am 28.03.2018
Stefan HertmansDie Fremde
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Die Fremde
Die Fremde
 (2)
Erschienen am 20.02.2017
Stefan HertmansKarel Dierickx
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Karel Dierickx
Stefan HertmansDie Fremde
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Die Fremde
Die Fremde
 (0)
Erschienen am 20.02.2017
Stefan HertmansScardanelli
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Scardanelli
Scardanelli
 (0)
Erschienen am 01.06.2001
Stefan HertmansAmselbach
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Amselbach
Amselbach
 (1)
Erschienen am 01.11.1998
Stefan HertmansHarder dan sneeuw / druk Heruitgave
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Harder dan sneeuw / druk Heruitgave
Harder dan sneeuw / druk Heruitgave
 (0)
Erschienen am 12.03.2015

Neue Rezensionen zu Stefan Hertmans

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Krieg und Terpentin" von Stefan Hertmans

Ein Leben
Giselle74vor 7 Monaten

Es gibt sie, diese Bücher, die einen von der ersten Zeile an in Bann schlagen, die einen vergessen lassen, dass man Pläne hatte, womöglich sogar Termine, die einen mitreißen, durchrütteln, nicht los lassen, bis man die letzte Zeile gelesen hat und noch lange danach. "Krieg und Terpentin" ist so ein Buch. Allerdings ist es nicht thrillerartige Spannung, die einen festhält, sondern die Geschichte eines Lebens, des Lebens von Stefan Hertmans' Großvater.
Zwei Hefte hinterlässt er seinem Enkel, eines über seine Kinder- und Jugendjahre in Gent und eines über seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg. Hertmans beginnt zu recherchieren, zu rekonstruieren, verbindet Erinnerungen mit neu gefundenen Erkenntnissen und schreibt schlußendlich dieses Buch.
Geboren 1891, gestorben 1981. "Doch zwischen diese beiden Daten drängen sich zwei Kriege, unvorstellbare Massaker, das rücksichtsloseste Jahrhundert der Menschheitsgeschichte, Aufstieg und Verfall der modernen Kunst, die weltweite Expansion der Motorindustrie, der Kalte Krieg, Bildung und Zerfall großer Ideologien(...)"
Schon die Beschreibung der Jugendjahre ist fesselnd. Der Vater ist Kirchenmaler und gesundheitlich sehr angeschlagen, die Mutter hält die Familie zusammen, näht neben der täglichen Arbeit, um Geld dazu zu verdienen für die fünf Kinder. Schon früh muss jeder seinen Teil beitragen, um die Familie über Wasser zu halten. Mit dreizehn Jahren beginnt Urbain Martien, so der Name des Großvaters, eine Lehre in einem Eisenhüttenwerk. Narben auf seinem Rücken zeugen von Härte und Gefahren dieses Handwerks. Später wechselt er zum Militär. Und damit beginnt die prägende Zeit in seinem Leben. Er erlebt den Ersten Weltkrieg in all seinem Grauen, wird dreimal schwer verwundet und dreimal nach der Genesung zurückgeschickt in diese Hölle. Er zeichnet sich durch besondere Tapferkeit aus, erhält Medaillen ohne Zahl, aber keine Beförderung, da er als Flame in einem wallonisch geführten Heer einen schlechten Stand hat.
Diese Kriegsbeschreibungen, teilweise fast unerträglich zu lesen, sind es, die den Kern des Buches ausmachen. Die das Leben des Großvaters ausmachen. Der Versuch, das Erlebte zu verarbeiten, allein, denn Kriegstraumata-Behandlung gab es zu dem Zeitpunkt nicht, führt zu Verfolgungswahn und zeitweiliger Einweisung. Das "danach" wird still ertragen, mit erhobenem Haupt, aber zerbrochenem Rücken. Die Welt, in der er aufgewachsen ist, gibt es nicht mehr.

Stefan Hertmans ist es gelungen, einen autobiographischen Roman zu schreiben, der ein anonymes Grauen mit Gesichtern und Namen versieht und es damit einerseits erfassbar macht und andererseits die Unfassbarkeit des Geschehens verdeutlicht, und der ein Schlaglicht wirft auf einen Krieg, der immer im Schatten des nachfolgenden Krieges steht, aber doch den apokalyptischen Reitern Tür und Tor geöffnet und damit eine neue Zeit der Kriegsführung eingeläutet hat.

Ein berührendes Buch, großartig geschrieben, eine Liebeserklärung an den Großvater, dessen Eigenarten und Verhalten dem Autor erst lange nach seinem Tod erklärbar werden.

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S

Rezension zu "Der Himmel meines Großvaters" von Stefan Hertmans

Nach einer wahren Geschichte
Samtpfotevor 2 Jahren

Meine Meinung:
Das Buch wurde mir von meinem Vater empfohlen, weil er im Autoradio davon gehört hatte und sich gedacht hatte, dass dieses Buch eine geeignete Lektüre für mich wäre. Damit hatte er vollkommen recht, denn dieses Buch hat mich fasziniert, beeindruckt und berührt. In einer schönen und liebevollen Sprache erzählt der Autor von seinen Erinnerungen an den Grossvater und seinen Recherchen, die er zu den Notizbüchern des Grossvaters anstellt und die ihn ganz weit in die Vergangenheit führen. Dieses Buch erzählt Geschichten aus einer anderen Zeit, in der vieles noch ganz einfach und anderes unendlich schwierig war, von Menschen, die nichts hatten und trotzdem glücklich waren und von Orten, die kurz darauf während eines grausamen Krieges zerstört wurden. Von Kriegsehre, Stolz, Mut und einem innigen Glauben an Gott und das Menschliche und von einem Familienzusammenhalt, der neidisch macht.

Sprache und Aufbau:
Hertmans kann sich noch an viele Ereignisse aus seiner Kindheit mit dem Grossvater erinnern. Diese schildert er vor allem im ersten und letzten Teil des dreiteiligen Werkes. Während seinen Recherchen und der Arbeit mit den Notizbüchern des Grossvaters erfuhr er viele Details, die er vorher gar nicht gekannt hatte und es wurden ihm einige Zusammenhänge klarer, über die er sich noch gar keine Gedanken gemacht hatte. Sehr liebevoll, selbstkritisch und ehrlich schildert er also seine Erinnerungen und beginnt dann mit den Anfängen der Notizbücher, in denen es vor allem um die Kindheit des Grossvaters geht. So wird immer wieder der krasse Unterschied zwischen den zwei Leben, ja, zwischen zwei Welten sicht- und spürbar und trotzdem verbindet den Autor und seinen Grossvater eine innige Beziehung und eine gemeinsame Familiengeschichte, sowie die Suche nach dem persönlichen Glück, der eigenen Bestimmung und den Wurzeln in der Vergangenheit.
Im zweiten Teil des Buches werden ohne persönlichen Kommentar des Autors die Kriegstagebücher in der ich-Form wiedergegeben und die Geschichte des talentierten Malers, der während des ersten Weltkrieges plötzlich an die Front berufen wurde und seinen grossen Traum zumindest teilweise aufgeben musste schockiert und fasziniert zurgleich in ihrer erzählerischen Klarheit und den grausamen und zum Nachdenken anregenden Details. Faszinierend ist dieser zweite Teil vor allem darum, weil der Grossvater sich nach so vielen harten, tragischen, traurigen aber auch glücklichen und gesunden Jahren noch so genau an jede Kleinigkeit erinnern konnte, was uns Lesern zeigt, wie einschneidend und traumatisch diese Zeit doch war.
Im dritten Teil erzählt der Autor wieder von sich und dem Grossvater, zieht Vergleiche und zeigt Parallelen auf. Vor allem tauchen wir noch einmal ein in die Zeit nach dem Krieg, in welcher der Grossvater seine grosse Liebe gefunden und wieder verloren hat. Wir erkennen zusammen mit dem Autor die weitreichende Bedeutung einiger Bilder des Grossvaters und erfahren zudem etwas über die Handlungsorte, die Hertmans fast alle besucht oder zumindest gesucht hat.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter und doch sollte es von allen gelesen werden. In einer Zeit, in der bereits die letzten Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges aussterben, ist es nämlich um so wichtiger, sich zu erinnern und dieser Zeitzeugenbericht des ersten Weltkrieges zeigt noch einmal eine ganz andere Form der Kreigsführung und Grausamkeit auf. Er berichtet aber nicht nur von der Langeweile und Todesangst in den Schützengräber, den Gräueltaten auf dem Feld, von der Angst um die Familie und das eigene Leben und Geschichten aus einer harte Kindheit, sondern er ist auch grandios geschrieben und mit Liebe recherchiert und erzählt.

Zusätzliche Infos:
© Michiel Hendryckx Titel: Der Himmel meines Grossvaters
Originaltitel: Oorlog en terpentijn
Autor: Stefan Hertmans, geboren 1951, gilt als einer der wichtigsten niederländischsprachigen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Preis der flämischen Gemeinschaft für Prosa. Der Himmel meines Großvaters war der grosse Überraschungserfolg des Buchherbstes 2013.
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Niederländisch
Übersetzt von: Ira Wilhelm
Fester Einband mit Schutzumschlag: 320 Seiten
Verlag: Hanser
Erscheinungsdatum: 25.08.2014
ISBN: 978-3-446-24643-0

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