Stefan Heym Der König David Bericht

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Inhaltsangabe zu „Der König David Bericht“ von Stefan Heym

Ein Klassiker der politischen Literatur.
Eine Parabel über den Konflikt zwischen Intellektuellen und Machthabern in allen Zeiten.
Salomo, jüngster Sohn und Nachfolger König Davids, beruft eine Kommission ein: Sie soll einen Bericht über Leben und Taten Davids verfassen, der die göttliche Erwähltheit Davids und damit auch die Legitimation von Salomos Herrschaft bestätigen soll. Wird sich der mit dem Bericht beauftragte Historiker Ethan aus Esrah den Riten des Personenkults beugen? Oder wird er die Wahrheit sagen, die er von Soldaten und Huren, von Davids Frauen und von Wahrsagerinnen erfahren hat?

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  • Rezension zu "Der König David Bericht" von Stefan Heym

    Der König David Bericht

    RogerSuffo

    15. March 2012 um 13:19

    Sollte man auch gelesen haben, wenn man keine historischen Romane mag - es ist nämlich keiner. In der DDR entstandene beste umschriebene künstlerische Kritik. Heym lässt seinen Helden nach den wirklichen Ereignissen forschen, ihn immer wieder entdecken, was für ein Schwein der zum Helden zu erhebende alte König doch war und wird durch die Diener der Macht auf verschiedene Wege dazu genötigt, aus Verbrechen und Feigheiten Heldentate zu machen. Da die Könige David und Salomo als die historischen Vorbild-Gestalten gelten, stellt der Jude grinsend den Gedanken daneben, dass sie das nur wegen der Art der Beschreibung ihres Lebens geworden sind. Schwer zu glauben, dass er dies auf diese Gestalten bezogen meinte. Er zielte offenbar auf die jüngere Geschichte, die immer wieder "umgedeutet" wurde - wie Stalin ehemalige Kampfgefährten aus Fotos retuschieren ließ, sobald sie in Ungnade gefallen waren, und wie heute die DDR-Geschichte zu einem Haufen Unrecht umgeschrieben wird. Wer die Macht hat, hat das sagen. Wer die Geschichte schreibt, gibt vor, wie sie gewesen sein soll. Alles im Flair einer Erzählung aus grauer Vorzeit und doch so gut als heutig erkennbar. Ein kluges Buch, das man nicht vergessen sollte.

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  • Rezension zu "Der König David Bericht" von Stefan Heym

    Der König David Bericht

    Tintenelfe

    15. January 2012 um 20:26

    Ethan, Sohn des Hoshaja, aus der Stadt Ezra, ein Historiker und Schreiber, wird zu König Salomo gerufen und damit beauftragt, den „Einen und Einzigen Wahren und Autorativen, Historisch Genauen und Amtlich Anerkannten Bericht über den Erstaunlichen Aufstieg, das Gottesfürchtige Leben, sowie die Heroischen Taten und Wunderbaren Leistungen des David ben Jesse, Königs von Juda, während Sieben und beider Juda und Israel während Dreiunddreißig Jahren, des Erwählten GOttes und Vaters von König Salomo“ zu erstellen. Schnell stellt er fest, dass dies nur ein Balanceakt zwischen historischer Genauigkeit und den Fordernissen des Königs und seiner Berater sein kann, den sein Leben liegt in deren Händen. Sorgfältig wertet er Quellen aus, befragt die letzten Überlebenden aus der Zeit König Davids und spürt Widersprüche und vor allem wenig Heldenhaftes über den verehrten Herrscher auf. Ethan muss sich entscheiden, wieweit er der Wahrheit dienen darf und inwieweit er gewillt ist, zur Legendenbildung beizutragen... Es hat eine Weile gedauert, bis ich in das Buch hinein gefunden habe, aber dann habe ich es doch mit großem Interesse gelesen. Richtig „klick“ hat es gemacht als ich die verschiedenen Personen des König-David-Berichtes in den Weiten des Internets aufspürte und in einen besseren Zusammenhang bringen konnte. Von da an hat mir das Lesen richtig Spaß gemacht und ich habe in der Bibel ab und an Stellen nachgelesen. Beeindruckend fand ich, wie Heym sich konsequent in der Sprache vergangener Zeiten ausdrückt, auch wenn es manchmal etwas sehr gestelzt und gewollt klingt. Der innere Konflikt Ethans ist sehr gut herausgearbeitet und lässt den Leser sowohl das historische Interesse, die Suche nach der Wahrheit und das damit verbundene Dilemma nachspüren. Heyms Roman wird oft als Kritik an der DDR verstanden, kann jedoch auf jede Diktatur zutreffen. Überall da, wo Menschen sich zu Herrschern emporschwingen und ihre Herrschaft auf Angst und Unterdrückung begründen, wird die Wahrheit zur Gefahr und das Verfälschen geschichtlicher Ereignisse, um den eigenen Anspruch auf die Herrschaft zu legitimieren, ein hilfreiches Mittel zur Beeinflussung der Massen.

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  • Rezension zu "Der König David Bericht" von Stefan Heym

    Der König David Bericht

    Heike110566

    20. July 2010 um 09:04

    Der Roman "Der König David Bericht" erschien 1972 zeitgleich in der DDR und der BRD und sorgte in beiden deutschen Staaten für Aufsehen. Aber dies war auch kein Wunder, war doch der deutsch-jüdische Autor, der 1913 in Chemnitz geboren wurde und 2001 in Ein Boket in Israel starb, einer der schillernsten Autoren der Literatur in der DDR. Seine Arbeit als Schriftsteller nutzte er auch immer wieder, um sich mit den Verhältnissen in der DDR kritisch auseinander zu setzen, weswegen er auch immer wieder mit Veröffentlichungsverboten belegt wurde. Seine Kritik am realen Sozialismus in der DDR war aber nicht grundsätzlich gegen die Idee des Sozialismus gerichtet, sondern eigentlich eine als beflügelnd wirkende Kritik gedacht, die erreichen wollte, dass das real existierende System reformiert wird und ein demokratischer Sozialismus daraus hervorgeht, der menschenfreundlich ist und auch von den Menschen mitgetragen wird. Deutlich wird seine grundsätzlich positive Haltung zur sozialistischen Idee auch dadurch, dass er bei der Bundestagswahl 1994 für die PDS (Partei des demokratischen Sozialismus, eine der Vorläufer-Parteien der DIE LINKE) in den Bundestag einzog und als Alterspräsident die konstituierende Sitzung des Bundestages mit einer eindrucksvollen Rede eröffnete und die Sitzung leitete. "Der König David Bericht" greift den Themenkomplex rund um den bekannten Bibel-König David sowie dessen Vorgänger Saul und dessen Nachfolger Salomo auf: Der Schreiber und Historiker Ethan aus Esra wird von König Salomo berufen, einen Geschichtsbericht zu verfassen, in dem er und seine Herrschaft legitimiert werden sollen. Also dass er der legitime Nachfolger von David ist. Die Bücher der Bibel, die sich um die Könige Israels ranken, sind im Grunde das, was dabei später als Geschichtsbuch geschrieben wurde. Allerdings von jemand anderen als Ethan, denn Ethans Bericht war nicht Salomo wohlgefällig genug. Ethan war von Angang an nicht begeistert, denn der König machte einige Vorgaben für diesen König-David-Bericht. Der Report sollte natürlich so ausfallen, dass David und Salomo als die netten, von "Gott" auserwählten und gesegneten Herrscher Israels dargestellt werden. Das Buch soll also wohlgefällig und positiv über die Herrscher berichten, sie als das Beste auf Erden erscheinen lassen. - Ethan ahnt Schreckliches für seine Zukunft. Wie soll er historisch wahrheitsgetreu berichten und dabei diese Vorgaben erfüllen?, fragt er sich. Zumal er unter ständiger Aufsicht durch eine königliche Kommission auch noch steht, die letztlich entscheidet, was in den Bericht darf und was nicht. Und Ethans Vorahnungen erfüllen sich. Immer wieder wird er aufgefordert Historisches so zurecht zu biegen, dass es passend für die gewünschten Vorgaben des König Salomos ist. Entsprechend wird zurechtgelogen, die Wahrheit gebeugt, Tatsachen nur insoweit einegebaut, solange sie in das gewünschte Geschichtsbild passen usw. - Ethans Befürchtungen, dass er am Ende auf der Strecke bleiben wird, werden immer konkreter. Aber dennoch gräbt er weiter, will selber die Wahrheit um das Sein und Da-Sein der Könige Israels wissen. Und ihm wird immer klarer, dass es ein Sumpf und Moloch ist, in dem er da reinschaut. Daher kommt es mit Ethan, wie es kommen musste: er wird vor Gericht gestellt wegen literarischen Hochverrats und Wühltätigkeit zur Untergrabung des bestehenden Herrschaftssystems. Ethan wird zur Unperson erklärt, sein Buch darf nicht erscheinen, die kleine Wahrheit, die schon bestmöglich von Ethan zurechtgeborgen wurde in dem Buch, wird nicht veröffentlicht. Ethan geht ins Exil. Der Roman ist in mehrerer Hinsicht interessant. Da ist a) die Auseinandersetzung mit der Saul-David-Salomo-Geschichte in der Bibel und was davon zu halten ist aus Sicht Heyms, b) die Auseinandersetzung mit der Frage von Macht und Machtmissbrauch in der Politik und c) die Handlung als Parabel zu den damals bestehenden Verhältnissen in der DDR, die auch durch die Erzählperspektive des Ich-Erzählers, wenn man diese mit Heym identifiziert, deutlich zu erkennen ist. Das Buch fordert den Leser. Es ist nicht in heutiger Standardsprache geschrieben, was den Lesenden zwingt genau zu lesen, um das, was der Autor sagen will, auch zu verstehen. Der König-David-Bericht des Ethan, so wie er im Laufe des Romans entsteht, ist in Bibelsprache verfasst, die Zeitdokumente, die Ethan sichtet und die Interviews, die er mit Zeitzeugen führt, sind in dem gestelzt wirkenden damaligen Sprachstil gehalten. Ethans eigene Erlebnisdarstellungen wirken am lesefreundlichsten, da er, wenn auch im damaligen Stil, umgangssprachlich da bleibt. Dennoch ist es am Ende ein Lesegnuss gewesen für mich, denn Heyms Werk ist ein von vorn bis hinten sehr durchdachtes Buch. Schließlich war er durch die herrschende Zensur in der damaligen DDR gezwungen, seinen Text so zu schreiben, dass er durch selbige abgesegnet wird und er dadurch seine Gedanken unter das DDR-Volk bringen kann. Ist "Der König David Bericht" nun auch noch aus heutiger Sicht lesenswert? - Ich denke ja, besonders wenn ich dieses Buch als Parabel auch für die heute bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse versuche zu interpretieren. Es ist verblüffend, wie topaktuell dieses Buch ist, dass Heym da vor 38 Jahren veröffentlichte.

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