Stefan Horlacher Männlichkeit

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Inhaltsangabe zu „Männlichkeit“ von Stefan Horlacher

Männlichkeitsbilder im Wandel. Männlichkeit ist ein Forschungsfeld, das sich in den letzten drei Jahrzehnten innerhalb der Geschlechterforschung immer stärker profiliert hat. Mittlerweile ist die Beschäftigung mit Männlichkeit auch in Medizin, Psychologie, Soziologie, Film- und Literaturwissenschaft zu einem festen Bestandteil geworden. Das Handbuch stellt einen Dialog zwischen den etablierten anglo-amerikanischen Masculinity Studies und der in Europa betriebenen Männlichkeitsforschung her, beleuchtet die wissenschaftlichen Fragestellungen und führt die wichtigsten natur-, sozial- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven in einem interdisziplinären Ansatz zusammen. Dabei wird das jeweils fachspezifisch hervorgebrachte Wissen über Männlichkeit von führenden Forschern bilanziert und weitergedacht.

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  • Umfassendes, interdisziplinäres Handbuch

    Männlichkeit
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    04. September 2016 um 12:01

    Umfassendes, interdisziplinäres HandbuchDa ist immer noch dieses polige, zerrissene Bild der Männlichkeit im Raum, trotzt aller (inzwischen breit vorliegender) Forschung auf vielen gesellschaftswissenschaftlichen Gebieten zum Mann.Der eine Teil der öffentlichen Medienbeiträge verweist ja auch durchaus sichtbar auf diese Linie. Effemisierung in Kauf nehmen, Einfluss abtreten, Werte einbüßen, neue Rollenbilder die sich entfalten und mediengerecht begleitet werden, neue, andere „weiche“ Verhaltensweisen, die durchaus in der breiten Öffentlichkeit nicht unbekannt und unbeachtet bleiben.Daneben aber ist ein starker nostalgischer Zug zu beobachten, als „Männer noch Männer waren“ (sein durften).Dabei ist der „Krisenmann“ vor allem eine mediale Spielszene, bei genauerer Betrachtung und im Zuge der Lektüre dieses fundierten, interdisziplinären Handbuches, ergibt sich ein andere, sehr differenziertes Bild von „der Männlichkeit“ auch im Wechsel der Zeiten.Hier liefern die Betrachtungslinien der Natur-, Sozial, und Geisteswissenschaften wie auch die Künste „wertvolle Informationen für die Männlichkeitsforschung, die sich in der Überkreuzung der Bereiche konstituiert“.Dabei wird zunächst deutlich herausgearbeitet, dass „Männlichkeit“ an sich bereits nicht als „Singularität“ definiert werden kann. Sondern sich einer Spezifik zuwendet, die je nach historischem, geographischem, ethnischen und soziokulturellen Kontext verschiedene „Männlichkeiten“ generieren, die, jede für sich, zu betrachten ist. Vielleicht gehen diese Beobachtungen sogar so weit, Männlichkeit und Weiblichkeit von biologischen Determinationen lösen zu müssen und als „Positionen innerhalb eines historisch und sozial wandelbaren Kontinuums“ aufgefasst werden müssen (zumindest könnten).In weltumspannender Perspektive (und immer wieder mit der Reflexion zwischen amerikanischer Masculitiny-Studien und europäischer (breit gefächerter) Arbeit zum Thema kritisch hinterfragt) stellen die vielen Autoren im Buch den „state oft the art“ der Männlichkeitsforschung dar, beziehen die verschiedenen Richtungen und Ansätze aufeinander und führen den interaktiven Dialog, der daraus fast aus sich selbst heraus entsteht im Denken jeweils weiter.Hier stellt sich vor allem der dritte Hauptteil des Buches als belebende Neuerung vor die Augen des Lesers. Die Kunst mit einzubinden, verstanden als „Erkenntnismedium“, ergänzt nicht nur die vielfachen Darlegungen von Methoden, der Arbeitsweise und den Ergebnissen der anderen (eher „wissenschaftlich orientierten“ Disziplinen, die sich dem Thema zuwenden, sondern zeigt auch ganz eigene Zugänge und Bilder von Männlichkeit durch den Lauf der Jahre und Jahrhunderte hindurch. Da in den Künsten auch jener Ort der Gesellschaft vorliegt, in der sich die Gesellschaft experimentell erprobt, sich spielerisch neu entwirft, sind diese auch in diesem Buch nicht als „Ergänzungen“ oder „Illustrationen“ gedacht, sondern stehen gleichwertig neben anderen Disziplingen wie Ethnologie, Biologie, Geschichtswissenschaft, Biomedizin, Pädagogik, Philosophie. Psychologie, Religion, Rechtswissenschaft und Soziologie.Die Kritische Hinterfragung aller Disziplinen zu einen, dann aber auch die Präsentation der je grundlegenden Ergebnisse und dies zudem in groben Linien immer wieder unterteilt auf die verschiedenen Kulturen, denen jene Forschungen dann zudem noch innerlich differenziert zugeordnet sind (Amerika, Europa, Russland, Lateinamerika u.a.) führen am Ende zu sowohl für sich hochinteressant zu lesenden Darlegungen von Einzelthemen, wie auch die Gesamtschau interessante, teils überraschende, immer aber strukturierte und fundierte Erläuterungen darstellen.Teils in sehr komplexer Sprache und ebenso teils mit hohem Abstraktionsgrad versehen, bedarf die Lektüre dieses Werkes einer konzentrierten Haltung. Die sich lohnt. Denn bis dato ist dies das einzige Werk, dass in dieser Breite und Ausführlichkeit das Thema der „Männlichkeit“ und des Status des Mannes je nach Betrachtungsweise durchaus auch sehr verschieden auf den Punkt bringt. IM Vorfeld deutlich sollte sein, dass das Handbuch kein Konglumerat aus den verschiedensten Ansätzen als Ziel bilden will, sondern, vor allem, den interdisziplinären Stand und die einzelnen Forschungslinien anschaulich untersucht und einer kritischen Bewertung zuführt.

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