“Kölner Persönlichkeiten” ist ein Reiseführer von Stefan Keller. Besonders an dem Reiseführer ist seine Darstellungsweise: Stefan Keller führt uns hier u.a. an 66 seiner Kölner Lieblingsorte, wobei diese immer mit einer kölschen Persönlichkeit verknüpft sind, zu der kurzweilig eine kleine Geschichte erzählt wird (jedem Ort ist eine Doppelseite (Fotografie und Text mit Tipps gewidmet)). So trifft man während der Lektüre, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, auf das Römische Nordtor und die “Stadtgründerin” Agrippina Minor, den Dom und den Dombaumeister Gerhard von Ryle, den Weckschnapp und Katharina Henot, das Odeon-Kino und Trude Herr, den Gürzenich und Karl Marx, den Zoo und die sog. Schöne Marie sowie die Kneipe “Lommerzheim” und Hans Lommerzheim. Kurz: Ein kleiner Galopp durch die Geschichte Kölns von Antike bis Gegenwart, bei der man auf jede Menge historische wie popkulturelle Menschen trifft. Zusätzlich zu den 66 Lieblingsorten finden sich außerdem 11 sog. Veedelshistörchen, in denen ausgewählte Viertel wie z. B. das Jüdische Viertel, Kalk, Lindenthal oder Ehrenfeld vorgestellt werden. Geordnet sind die Lieblingsplätze in Form von sechs Stadtspaziergängen (“Die Altstadt”, “Am Rheinufer”, “Kölsche Straßen”, “Ostwärts”, “Den Grüngürtel entlang”, “Die Neustadt”), sodass man sie nach und nach erlaufen kann. Den Beiträgen vorangestellt sind zwei Stadtpläne, in denen die Lieblingsorte markiert sind. Die Aufmachung des Reiseführers ist sehr wertig: Die Fotografien sind hochauflösend und farbig, der Einband robust und das Papier stark. Insgesamt ist “Kölner Persönlichkeiten” ein kurzweiliger Reiseführer, mit dem man Köln schön zu Fuß entdecken kann - sowohl für Tourist*innen als auch für Kölner*innen geeignet.
Stefan Keller

Lebenslauf
Alle Bücher von Stefan Keller
Das Ende aller Geheimnisse
Papa ante Palma
Kölner Totenkarneval
Kölner Kreuzigung
Kölner Persönlichkeiten
Kölner Luden
Schabowskis Zettel
Kölner Grätsche
Neue Rezensionen zu Stefan Keller
Dieser Titel interessierte mich, weil er einen der wichtigsten Momente der deutschen Zeitgeschichte in den letzten 50 Jahren als Thema hat: Die legendäre Pressekonferenz, in der „Günter Schabowski ratlos vor einer Pressemitteilung sitzt, die er verlesen hat und dann die Worte „Das tritt nach meiner Kenntnis…. ist das sofort, unverzüglich“ ausspricht und damit die Mauer öffnet. Der Gmeiner Verlag hat mir dankenswerter Weise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Der Inhalt
November 1989: In der DDR herrscht Aufruhr, ständig finden Demonstrationen statt, die immer größeren Zulauf bekommen. Der Volkspolizist Juri lernt die Oppositionelle Nadja kennen, die gesetzeswidrig eine Wohnung in dem Haus bezieht, in dem Juri Hauswart ist. Während Juri bis dahin immer noch fest an das System geglaubt hat, beginnt seine Einstellung zu wanken, als er bei den Leipziger Demonstrationen miterlebt, wie die Demonstranten mit brutaler Gewalt auseinander getrieben werden. Dann gerät Nadja in’s Visier der Stasi und in Lebensgefahr. Juri beschließt, ihr zu helfen und versteckt sie in der Datsche seines Großvaters. Verzweifelt sucht er nach einem Weg, Nadja zur Flucht zu verhelfen und als ihn ein Mitglied des Politbüros beauftragt, eine eilige Pressemitteilung in’s Pressezentrum zu Günter Schabowski zu bringen, wittert er seine einmalige Chance…..
Meine Meinung
Natürlich hat es Charme, sich vorzustellen, daß ein einfacher Volkspolizist das große Rad der deutschen Geschichte dreht. Stefan Keller gelingt es in diesem Roman gut, die chaotische Lage der letzten Tage der DDR darzustellen. Wir sind dabei, als Nadja mit anderen Regimekritikern eine Aktion plant, erleben aber auch mit, wie eng die Überwachung der Stasi gewesen ist. Juri ist als Volkspolizist zur Wache vor dem Sitz des Zentralkommitees eingeteilt und erlebt die Hektik und Ratlosigkeit der Politiker mit, die, konfrontiert mit der Staatspleite, völlig kopflos agieren. Nadja und irgendwann auch Juri werden von der Stasi beobachtet und Nadja gelingt es nur knapp, zu entkommen. Juri hingegen muss feststellen, daß Nadja’s Verfolgung nicht nur von der Stasi organisiert wird, sondern daß jemand dahinter steckt, den er nur allzugut kennt.
Das alles liest sich spannend weg, aber leider bleibt die Handlung letztendlich relativ simpel und ist nicht wirklich gut entwickelt. Das Ende ist zwar so, wie man es als Leser*in hofft, aber im Grunde genommen ist es auch klar, daß es so ganz bestimmt nicht gewesen ist, auch wenn man in den chaotischen Zuständen dieser Novembertage viel für möglich halten könnte.
Fazit: Spannend zu lesen, atmosphärisch durchaus gelungen, aber letztendlich konnte mich dieser Thriller nicht so recht überzeugen.
„Wir gehen nicht weg. Wir bauen dieses Land um.“ (S. 88) ist das Credo der meisten Montagsdemonstranten im Herbst 1989. Zu ihnen gehört auch Nadja, die neu in Berlin ist und Journalistin werden will. Zur Zeit schreibt sie für die Untergrundzeitung „Die Brücke“. Ihr letzter Artikel handelte von den verschwiegenen Mauertoten. Klar, dass die Brücke-Gruppe Angst vor der Stasi hat. Als nach einer Demo Rene, ihr Fotograf, verschwunden ist, bittet Nadja Juri um Hilfe. Der ist Volkpolizist und wohnt in dem Haus, in dem sie gerade eine Wohnung besetzt hat. Juri sagt nein, doch dann wird Nadja beinahe überfahren ...
Stefan Keller erzählt in „Schabowskis Zettel“, wie es auch zur Öffnung der Grenze und damit zum Ende der DDR hätte kommen können.
Juri ist ein ganz normaler Volkpolizist. Seit seiner Kindheit hat er von diesem Beruf geträumt. Er sieht sich als „Freund und Helfer“ der Bürger seines Staates. Und auch wenn es in der DDR zur Zeit nicht so gut läuft und inzwischen Hunderttausende auf die Straße gehen, glaubt er doch an den Sozialismus.
Nadja wollte eigentlich Journalismus studieren und arbeitet jetzt in einem Chemiewerk. Sie träumt von einer Reise nach Paris und dass sie doch noch studieren kann. Dafür geht sie auf die Straße. Die wenigsten Demonstranten wollen das Ende der DDR, sie wollen nur mehr Freiheiten, Alternativen.
Bei einer Demo stehen sich Nadja und Juri plötzlich gegenüber.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Nadjas und Juris Sicht erzählt, dadurch ist man immer ganz nah am Geschehen, spürt ihre Sehnsüchte und Ängste. Als Nadja ins Visier der Stasi rückt erkennt Juri, dass das System so nicht mehr funktioniert und seine Ansichten ändern sich rapide. „Der Sozialismus ... ist tot. ... Die DDR ist pleite und die Bosse raffen es nicht. Der ganze Karren fährt spätestens in drei Monaten gegen die Wand.“ (S. 103)
Stefan Keller schreibt sehr spannend und erhöht systematisch das Tempo. Juris Suche nach einem Ausweg für Nadja wird zum Wettlauf gegen die Suche der Stasi nach ihr. Wer ist schneller und wird am Ende gewinnen?
Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe viele Situationen wiedererkannt. Meine Eltern haben z.B. genau wie Nadja ihre erste Wohnung nur dadurch bekommen, dass sie sie einfach besetzt haben. 1989 war ich 14 und habe Wendezeit bewusst erlebt. Die Gänsehaut von damals ist beim Lesen sofort wieder da.
Sehr spannender Wende-Roman (für mich schon ein Krimi ;-)) auch für alle, die diese Zeit damals nicht selbst miterlebt haben.
Gespräche aus der Community
Zusätzliche Informationen
Stefan Keller im Netz:
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
91 Bibliotheken
10 Merkzettel
2 Leser*innen
















