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marion_gallus

vor 4 Monaten

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Heidi Kamemba tritt ihren ersten Tag bei der Kripo in Düsseldorf an. Sie ist nicht nur die Neue, sondern sie ist DIE Neue. Denn: Sie ist farbig. Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Aber sie ist ehrgeizig, voller Tatendrang, war eine der besten in ihrer Ausbildung und sie hat nicht vor, sich wegen ihrer Hautfarbe runtermachen oder minderwertig behandeln zu lassen.

Nun denn, Heidi wird dem Team von HK Bruno Westphalen zugeteilt. Was an sich schon nicht so verlockend ist, da ihr Vorgänger sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben nahm und seine Kollegen nach wie vor trauern und der Neuen sehr skeptisch gegenübertreten.

In ihrem ersten Fall bekommt Heidi es mit einer Leiche zu tun, die in einem Waldstück total verkohlt aufgefunden wird. Hinweise oder gar Spuren gibt es so gut wie keine. Heidi hat es leider nicht leicht, denn ihre Kollegen erweisen sich nicht nur als nicht sonderlich hilfsbereit, sondern sogar als abweisend und distanziert. Da Heidi unbedingt wissen will, was mit ihrem Vorgänger geschah und warum ihre Kollegen so verschlossen und abweisend sind, ermittelt sie nicht nur in dem Mordfall. Sie versucht herauszubekommen, was damals mit Becker geschah und was die Kollegen im Team wussten oder gar damit zu tun hatten ….

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Hmmm, ist so mein erster Gedanke, wenn ich meine Meinung in Worte fassen soll. Ich bin nicht so wirklich sicher, ob mir der Krimi nun gut gefiel oder eher nicht. Ich würde mich auf „mittel“ festlegen. Stefan Keller ist kein unerfahrener Neuling, sondern hat schon einiges geschrieben und auch beruflich viel mit Schreiben und Literatur zu tun. Seine Grundidee, eine farbige Ermittlerin ins Leben zu rufen, die es auch (oder gerade wieder) in der heutigen Zeit sehr schwer hat, finde ich sehr gut. Seine Protagonistin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, das interessiert aber trotzdem erstmal nicht, als sie ihren neuen Kollegen und dem Vorgesetzten gegenübersteht. Erstmal ist sie anders, kann gar nicht gut sein, wird gemustert und blöd angeschaut.
Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meinem eigenen Berufsleben, denn wir hatten im letzten Jahr eine farbige Referendarin in unserem Betrieb. Hier geboren und aufgewachsen und lustig, lieb und sehr deutsch  Ich weiss nicht, ob es in den diversen Behördenstationen während ihrer Ausbildung Probleme hatte, sie machte nicht den Eindruck.

Die Handlung hat Keller in zwei Stränge aufgeteilt. Einmal die Mordermittlung an sich und dann Heidis Recherchen, was den Mord an ihrem Vorgänger angeht. Die Story war spannend und hat mir ganz gut gefallen, aber irgendwie wurde ich bis zum Schluss nicht so wirklich warm mit den Personen. Auch mit Heidi selbst nicht. Wenn ich jetzt schreibe, sie war mir als Protagonistin einen Hauch zu farblos, dann klingt das im Hinblick auf ihre Hautfarbe womöglich blöd. Aber so war es. Ich fand sie nett, ja. Sie ist taff, ja. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Als es an die Auflösung ging, war mir das Ende des eigentlichen Mordfalls ein bisschen zu vage und teils auch nicht so logisch und genau gelöst. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein Finale gleich einem dramatischen Polit-Thriller erschaffen werden sollte, was jedoch nicht so ganz gelungen ist. Die Lösung des zweiten roten Fadens hat bei mir noch so einige Punkte offen gelassen, die mich das Buch letztendlich ein bisschen unbefriedigt haben schliessen lassen.

Fazit: Alles in allem sicher ein guter Krimi, jedoch hoffe ich, dass der Autor im zweiten Fall von Heidi Kamemba ein bisschen draufpackt und die Handlung fesselnder und interessanter, sowie die Figuren ein bisschen tiefer und echter gestaltet.

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© Buchwelten 2017

Autor: Stefan Keller
Buch: Das Ende aller Geheimnisse
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