Stefan Melneczuk Wallenstein

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Inhaltsangabe zu „Wallenstein“ von Stefan Melneczuk

Eine unheimliche Mordserie erschüttert das Ruhrgebiet und das Bergische Land. Das Nachtgespenst hält die Polizei in Atem, tötet wahllos und weckt dunkle Erinnerungen an den Kirmesmörder Jürgen Bartsch. Der Kreis schließt sich viele Jahre später. Und er ist rot wie Blut.

Außergewöhnlicher Abschluss von Stefan Melneczuks „Heimatthriller“-Trilogie.

— Elmar Huber
Elmar Huber

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    Wallenstein
    Elmar Huber

    Elmar Huber

    08. October 2014 um 08:18

    “Wallenstein hat uns beobachtet. Die ganze Zeit. Er hat auf den richtigen Moment gewartet, als Mann in der Menge, das letzte Ziel immer vor Augen, Er hat den Feldzug niemals beendet. In Aussicht auf einen Feind, auf den es sich zu warten lohnt. “ STORY Der ehemalige Polizist Richard Wagner kehrt zurück in sein Heim in Langenberg. Zurück von einer Auszeit, die er sich nach dem Unfalltod seiner Frau Christina genommen hatte. Doch wird er das Gefühl nicht los, nicht mehr alleine im Haus zu sein. Besonders im Dachzimmer, wo die leidenschaftliche Vinylsammlerin Christina ihrem Hobby nachgegangen ist, meint er, noch immer ihre Präsenz zu spüren. Und nicht nur die Erinnerungen an seine Frau lassen Wagner nicht zur Ruhe kommen. Auch der lange zurückliegende Fall “Nachtgespenst”, holt ihn wieder ein. Ein Unbekannter hatte sich 1987 mit einem Bettlaken maskiert und in dieser Verkleidung mehrere Menschen im umliegenden Land getötet. Die Bevölkerung befand sich in Aufruhr, Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiteten unter Hochdruck und mit wachsendem Aufgebot, ohne den Mörder fassen zu können. Zwar lieferte Wagners Frau Christina – schon immer gut, was Vorahnungen anging – ihrem Mann einen entscheidenden Hinweis, doch konnte der Mörder nicht gefasst werden. Und das Nachtgespenst hat Wagner seit dem nie aus den Augen gelassen. „Haben Sie sein Gesicht gesehen?“ „Er hatte kein Gesicht.“ „Keine Gesicht?“ „Nein! Er trug immer das verdammte Laken über dem Kopf. Zwei Löcher für die Augen, ein breites für den Mund. Und diese irren Lupengläser. Sonst nichts. Ich glaube, der Kerl trug eine Spezialbrille, Sah ein bisschen aus wie der Frosch mit der Maske in diesem Edgar-Wallace-Film.“ MEINUNG Bereits mit seinem Debütroman MARTERPFAHL (Neuauflage im Blitz Verlag erhältlich) hatte sich Stefan Melneczuk in die Herzen der Horrorfans geschrieben. “Der Roman hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen, und wenn ich ehrlich bin, dann hat sich bis heute nichts daran geändert.” (aus dem Nachwort). Auch seine Kurzgeschichten, gesammelt in GEISTERGESCHICHTEN VOR HALLOWEEN und SCHATTENLAND (beide Blitz Verlag) konnten die Leserschaft überzeugen. Mit Spannung erwarteten die Fans also den neuen Roman des Autors, der nach MARTERPFAHL und RABENSTADT den Abschluss einer „Heimatthriller“-Trilogie aus dem Ruhrgebiet und dem Bergischen Land bildet. Entsprechend lohnt es sich, zumindest MARTERPFAHL vorher gelesen zu haben, denn immer wieder wird der Fall Marc Falkenheim in WALLENSTEIN erwähnt. Nach der recht konventionellen Exposition, in der Ex-Kommissar Richard Wagner nach Hause zurückkehrt, geht man zunächst davon aus, dass das „Nachtgespenst“ in der Gegenwart wieder aktiv wird und Wagner noch einmal Ermittlungsarbeit leisten muss. Stattdessen jedoch fühlt sich dieser von seiner verstorbenen Frau heimgesucht, was ihn gedanklich wieder ins Jahr 1987 und zum Fall „Nachtgespenst“ zurück bringt. Dies schildert Melneczuk als vollständig autonomen Handlungsstrang stets im Wechsel mit der Gegenwartshandlung. Auch formal wird also die enge Verwandtschaft zu MARTERPFAHL deutlich. Bei seinen Recherchen stieß der Autor außerdem immer wieder auf den Fall Jürgen Bartsch. Der sogenannte “Kirmesmörder”, der in den Jahren 1961 bis 1966 um Wuppertal herum aktiv war, sprach immer wieder Jungen auf Jahrmärkten an. Es gelang ihm, vier Jungen mit Versprechungen in sein Versteck zu locken, um sie zu töten, ein fünftes Opfer konnte entkommen, was schließlich zur Festnahme von Bartsch führte. Der Beschäftigung des Autors mit dem Fall Bartsch ist es wohl geschuldet, dass Melneczuks Nachtgespenst fast wie eine moderne Version des Kirmesmörders wirkt. Im Roman dient Bartsch dann auch als erklärtes Vorbild für den Täter, der sich sogar Bartschs damaliges Versteck, einen ehemaligen höhlenartigen Luftschutzbunker in Langenberg-Oberbonsfeld, als nahezu heiligen Ort auserkoren hat. Weiterhin versäumt es Melneczuk nicht, Mitgefühl für das Nachtgespenst/Wallenstein zu wecken, muss dieser doch auf eine Kindheit voller Demütigung zurückblicken. Wie die meisten Romane der Blitz Regional-Thriller-Reihe bietet WALLENSTEIN in Grunde einen Lokalkrimi mit phantastischer Garnitur, der sich zwar nicht in Blut badet, der aber auch seinen Thrill nicht mit Humor bricht, wie viele prominente Vertreter dieses Genres. Überhaupt umgeht Stefan Melneczuk gerne die üblichen Krimikonventionen und schafft so ein unstetes Flair, das seine Romane zu etwas Besonderem macht. Hier kann alles passieren. Zum Beispiel scheut sich der Autor auch nicht, Szenen einzubauen, die lediglich der Atmosphäre dienen und den Roman eigentlich nicht weiter bringen. Was Melneczuks Kurzgeschichten stets etwas unfertig wirken lässt, erweist sich – eingebaut in eine fortlaufende Romanhandlung – als einzigartige Stärke. So variiert das Tempo des Romans zwar deutlich, doch macht dies hier einen nicht zu unterschätzenden Reiz aus, der den meisten vergleichbaren Veröffentlichungen der Publikumsverlage abgeht. Das Coverbild und Artwork zum Roman hat wieder Blitz-Hausgrafiker Mark Freier beigesteuert. Die Atmosphäre wird sehr gut getroffen, auch wenn das Motiv nur am Rande etwas mit dem Romaninhalt zu tun hat. Wie gewohnt stimmen auch wieder Satz und Verarbeitung. Das Taschenbuch sieht auch nach der Lektüre noch aus wie neu. FAZIT Ex-Kommissar wird nach dem Tod seiner Frau erneut mit einem nie vollständig abgeschlossenen Fall konfrontiert. Außergewöhnlicher Abschluss von Stefan Melneczuks „Heimatthriller“-Trilogie.

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