Stefan Merrill Block Aufziehendes Gewitter

(6)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 5 Rezensionen
(1)
(5)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Aufziehendes Gewitter“ von Stefan Merrill Block

Boston, 1962: Frederick wacht mit einem schlimmen Kater im Irrenhaus auf. Nur langsam fällt ihm wieder ein, was passiert ist … Er wurde verhaftet, weil er ältere Damen auf offener Strasse mit seinem nackten Hinterteil erschreckt hat. Um ihm einen Prozess zu ersparen und weil seine Frau Katharine seine manischen Schübe einfach nicht mehr ertragen kann, steckt man ihn ins Mayflower Home, eine exklusive Anstalt, wo die High Society sich im Falle eines Falles kurieren lässt. Frederick glaubt eigentlich nicht, dass er krank ist – aber als er wieder gehen will, muss er feststellen, dass er darüber nicht mehr entscheiden kann. Und Katharine antwortet bald noch nicht einmal mehr auf seine Briefe. Brooklyn, 2010. Fast fünfzig Jahre später beschließt Stefan Merrill Block, seinem totgeschwiegenen Großvater eine Stimme zu geben.

Stöbern in Romane

Der Frauenchor von Chilbury

Ein sehr unterhaltsamer, warmherziger und informativer Briefroman!

takabayashi

Swing Time

Interessantes Thema schwach umgesetzt

Leseprinzessin1991

Heimkehren

Beeindruckender Roman über das Leben zweier ghanaischer Familien, die untrennbar mit der Sklaverei und ihren Folgen verbunden sind.

Xirxe

Als die Träume in den Himmel stiegen

Man vermutet zunächst ein Happy End, liest aber immer mehr die tragische Geschichte eines jungen Mädchens.

Loooora

Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso versteht es wie kein anderer Autor Genres verschmelzen zu lassen.

Almilozi

Der Sandmaler

Leider wieder viel zu aktuell.

Faltine

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • "Ich glaube, Sie verstehen mich nicht."

    Aufziehendes Gewitter
    R_Manthey

    R_Manthey

    11. July 2015 um 15:30

    Irgendwann kam die innere Welt von Frederick Frances Merrill zu Schaden. Er selbst wird nicht sagen können, wann es geschah und warum. Andere wissen noch weniger. Doch sie sehen, wie sich aus dem smarten Marineoffizier ein innerlich zerrissener, unberechenbarer Mensch entwickelt, der periodisch seine Frau betrügt und sich in Exzesse flüchtet, die seine Ohnmacht betäuben sollen. Fredericks verklausulierte Hilferufe kommen bei den Adressaten nicht an, weil sie unter seinen Zuständen leiden. Als er den Protest seiner gequälten Seele wieder einmal nach außen trägt und ältere Damen an einer Bundesstraße mit dem öffentlichen Ärgernis seiner Nacktheit schockiert, wird er verhaftet und in die Klapse abgeschoben. Das Mayflower Home for the Mentally Ill in der Nähe von Boston nimmt sich seiner an. Und damit stehen wir am Ausgangspunkt einer Familiengeschichte, die uns von Fredericks Enkel Stefan Merrill Block erzählt wird. Während man anfangs im Glauben gelassen wird, dass es sich dabei um das reflektierende Nacherzählen eines wirklichen Lebens handelt, erfährt man am Ende, dass dies nur zum Teil zutrifft. Der Autor bringt mit einem fiktiven Leidensgenossen aus Fredericks Zeit im Mayflowers Home auch seine väterliche Familie ins Spiel. Doch egal, wie viel Wahrheit und wie viel Fiktion bei dieser Geschichte mitspielen, sie zeigt wie wenig dem Leidenden tatsächlich geholfen werden konnte und wie stark seine Familie unter Fredericks Wahn und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Makel litt. Dabei hatte Frederick noch Glück. Denn er kam in eine Privatklinik, in der er zwar fast alle seine Rechte verlor und zum Versuchsobjekt von karrieregeilen und selbst nicht ganz gesunden Psychiatern wurde, aber wenigstens nicht mit den ganz harten damaligen Errungenschaften ihrer Heilslehre in Berührung kam, also keine körperlichen Qualen aushalten musste und auch nicht zum geistigen Krüppel operiert wurde. Die Geschichte kommt nur langsam und etwas schwerfällig in Bewegung. Gelegentlich auch später im Kreis gehend transportiert sie dafür immer wieder latente zermürbende Hilflosigkeit. Niemand kann wirklich dauerhaft mit der gebrochenen Seele des Frederick Merrill umgehen. Er wird zwar weggesperrt, aber nicht geheilt. Stefan Merrill Block hat seinen mütterlichen Großeltern mit diesem Buch ein literarisches Gesicht gegeben. Manchmal verlaufen Leben auf seltsamen Pfaden, und oft zwingt eines ein anderes auf einen gemeinsamen Weg, der ganz am Anfang völlig außerhalb jeglicher Vorstellung lag.

    Mehr
  • Aufziehendes Gewitter

    Aufziehendes Gewitter
    Angel10

    Angel10

    12. January 2015 um 08:39

    Der Autor erzählt die Lebensgeschichte seiner Großeltrn, Katharine und Frederick Merrill. Der exzentrische Frederick lässt sich 1962 in die Psychatrie einweisen, um einer Anklage zu entgehen. Seine Frau stimmt zu. Vorausgegangen waren exzessive Alkoholgelage, Liebschaften und letztendlich läuft er nur mit einem Regenmantel bekleidet über die Autobahn und erschreckt alte Damen. Was Frederick nicht weiß, von jetzt ab bestimmen andere, wann er die Psychatrie wieder verlassen darf. Er kommt ins Mayfower Home, eine teure, private Klinik mit berühmten Patienten, z. Bsp. dem Dichter Robert Lowell. Die erste Zeit läuft alles gut, dann aber kommt es zu einer Neubesetzung in der Anstaltsleitung. Die moderaten Behandlungsmethoden sind vorbei. Neues Personal wird eingestellt, restrikivere Überwachung findet statt. Dem bekannteste Patienten, er kann 15 verschiedene Persönlichkeiten annehmen, werden seine Verkleidungen weggenommen. Auch Frederick ergeht es nicht gut: Elektroschocks als Therapie, anschließend Einzelzelle. Währenddessen kämpft seine Frau Katharine mit ihrem Gewissen. War es richtig, der Einweisung zuzustimmen? Die Sprache ist flüssig, der Roman hat kurze Kapitel. Es gibt keinen überragenden Helden, wie im richtigen Leben. Die Geschichte spielt in Boston.

    Mehr
  • Rezension zu "Aufziehendes Gewitter" von Stefan Merrill Block

    Aufziehendes Gewitter
    Eselsohren-Werner

    Eselsohren-Werner

    17. June 2012 um 19:15

    Dieses Buch ist für mich im positiven Sinn rätselhaft: wie ist es Merrill Block nur gelungen, seine persönliche Familiengeschichte wie einen Roman zu erzählen? Obwohl er immer wieder „ich“, „meine Mutter“ usw. schreibt, hatte ich nie den Eindruck, Erfahrungsliteratur zu lesen. Und Merrill Block müsste im Nachwort nicht eigens darauf hinweisen, dass „Aufziehendes Gewitter“ ein Roman sei, „zu dem mich die Geschichte meiner Großeltern inspiriert hat. Er schildert nicht das tatsächliche Leben meiner Großeltern“ – es ist völlig klar, dass wir es hier mit Erfindungsliteratur zu tun haben. Mit Literatur, anhand derer wir uns zum Beispiel fragen könnten, wo die Grenze von „normal“ und „verrückt“ verläuft – und was wissen wir von jenen Menschen weiß, die uns nahe sind oder waren.

    Mehr
  • Rezension zu "Aufziehendes Gewitter" von Stefan Merrill Block

    Aufziehendes Gewitter
    Clari

    Clari

    03. June 2012 um 21:38

    Psychogramm einer desolaten Paarbeziehung. Der siebenjähriger Stefan Merrill Block will Lastwagenfahrer werden! Das beschließt er nach einer Fahrt und Unterhaltung mit einem Lastwagenfahrer, der die Familie zum Haus der Großmutter fährt. Was erwartet ihn dort? Das verrottete Haus der Großmutter liegt an einem See im Wald. Dort verbrennt die Großmutter gerade die Briefe ihres Mannes Frederick. So beginnt eine irrwitzige Familiengeschichte, die von einer starken Großmutter und einem ziemlich verrückten Großvater handelt. Was war passiert? Frederick hat angetrunken an einer viel befahrenen Straße exhibiert und ist dafür in eine Heilanstalt für Geisteskranke eingewiesen worden. Was er nicht weiß: weil er von der Polizei eingewiesen wurde, hat er nicht die Selbsteinweisung unterschrieben. Er kann so nur mit Einwilligung des leitenden Psychiaters entlassen werden. Dieser ist nicht gewillt, die Entlassung zu befürworten. Ähnlich wie in der Geschichte ".. Einer flog über das Kuckucksnest" wird hier von einem Fall berichtet, der durch das Labyrinth einer Institution der Psychiatrie führt. Frederick ist manisch- depressiv. Seine Frau Katharine hat früh bemerkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Doch sie hat es bisher immer verstanden, die Ausfälle ihres Mannes zu entschuldigen oder zu vertuschen. Jetzt, anlässlich eines gemeinsamen Wochenendes mit Freunden, muss sie sich der Wahrheit stellen, dass Frederick krank ist und der Hilfe bedarf. Damit beginnt der Bericht einer unglaublichen Geschichte. Still gestellt und der Willkür eines ehrgeizigen Anstaltsleiters ausgesetzt erfährt Frederick die ganzen Schrecknisse der Institution "Psychiatrie". In dieser Einrichtung wird dem Patienten die letzte Würde geraubt, und er fühlt sich der infamen Behandlung von Ärzten ausgesetzt, die zuweilen selber nicht frei sind von psychischen Störungen. Ihres Willens beraubt gehört ein hohes Maß von Intelligenz der Patienten dazu, sich in die Strukturen der Institution hineinzuversetzen, um einen Ausweg aus der Kasernierung zu finden. In großartigen Szenen stellt uns der Bericht vor die Wahl: sich auf die Seite des eitlen und ehrgeizigen Dr. Canon zu stellen oder mit Wut und Empörung auf die Zumutung der Behandlung zu reagieren. Äußerst feinsinnig und tiefenscharf werden die psycho-dynamischen Beziehungsmuster zwischen Gesunden und Kranken analysiert. Die Trennlinie zwischen beiden ist selten klar sondern eher fließend in ihrer Unergründlichkeit. Stefan Block versteht etwas von den zwischenmenschlichen Abartigkeiten und ihren Abgründen. Sein Roman ist der wahren Familiengeschichte seiner Großeltern entnommen und wirkt überzeugend und eindringlich in ihrem Wahrheitsgehalt. Intelligent, witzig und mit der nötigen Distanz vermag er Zusammenhänge aufzuzeigen, die den Leser stark anrühren. Eine Familiengeschichte wird in der Rückschau lebendig, in der es Liebe, Hass, Krankheit, menschliches Versagen und immer wieder auch Hoffnung gab. Einmal mehr zeigt ein amerikanischer Erzähler seine herausragende Fähigkeit, aus dem wahren Leben eine faszinierende Studie zu machen. Stefan Merrill Block steht mit diesem Roman in der Tradition anderer bekannter amerikanischer Autoren wie Jeffrey Eugenides, Jonathan Franzen, Richard Powers, Elizabeth Strout und noch vielen anderen. Ein gelungenes Meisterwerk von poetischer Aussagekraft mit sachlichem Hintergrundwissen ist dem Autor Stefan Merrill Block gelungen.

    Mehr
  • Rezension zu "Aufziehendes Gewitter" von Stefan Merrill Block

    Aufziehendes Gewitter
    asita

    asita

    01. May 2012 um 13:29

    in seinem neuen buch aufziehendes gewitter versucht der autor stefan merrill block die geschichte seiner grosseltern zu begreifen. was passierte in jener nacht 1962 mit seinem grossvater auf der landstrasse? dass er dann in der ‘mayflower home’ landete? das ‘mayflower home’ eine der besten psychiatrischen anstalten des landes. hier leben dichter, kriegsveteranen, professoren in einer kleinen welt. “Noch im Erinnern von Ehrfurcht und Erbitterung geleitet, haben meine Mutter und ihre Schwestern das Bild meines abwesenden Großvaters in düsteren Farben gemalt: abenteuerlustig, tragisch, brillant, eine Fallstudie über die Gefahren eines zu außergewöhnlich gelebten Lebens. Bei unseren alljährlich im Sommer stattfindenden Familienzusammenkünften erzählen meine Mutter und ihre Schwestern die Frederick-Mythen – Geschichten, die das Gegenstück unserer Familie zur Ilias zu sein scheinen, jener Urerzählung, aus der alle modernen Geschichten entstanden sind.” die geschichte beginnt 1989 mit seiner grossmutter (frühes stadium alzheimer), die die briefe des grossvaters, die er aus der anstalt geschrieben hat, verbrennen will. eine reise in die vergangenheit beginnt. stefans grossvater einer junger man, ein draufgänger, lebt ‘sein leben’: parties, saufen, andere frauen … und wenn er zu hause ist, ist er ein wrack. und seine ehefrau muss ihn wieder ‘herstellen’. es ist entstanden ein liebesroman und ein irrenhausroman. dazu fällt einem das buch ein: ‘einer flog übers kuckucksnest‘. hier scheitert alles, denn katharine glaubt so ihre ehe wieder zu retten. sie denkt, wenn ihr mann länger in der anstalt bleibt, wird alles gut! es gibt natürlich noch andere personen in dieser anstalt. der autor robert lowell oder der professor schultz. “Professor Schultz hat nicht immer die Geräusche gehört, die er nun in seinem Zimmer im Harvard Club katalogisiert, mittlerweile seine tägliche Arbeit, seine Lebensaufgabe. Als Kind hat er, wie alle Kinder, gedacht, die Sprache seiner Eltern sei die einzige, die es gebe. // Erst nach dem Tod seiner Mutter hat Schultz diese Sprache zum ersten Mal deutlich gehört, die anders ist als alle anderen: Die Geräusche, mit denen die Dinge direkt zu ihm sprechen, ohne menschliche Laute.”

    Mehr