Stefan Moster Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

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Inhaltsangabe zu „Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels“ von Stefan Moster

»Eine spannende Spielart der Familienzusammenführung.« Brigitte

Ein Kreuzfahrtschiff, unterwegs nach Patagonien, an Bord: Mutter und Sohn. Almut, Ende vierzig, und Sebastian, Anfang zwanzig, sind im Streit auseinandergegangen. Sebastian entzog sich der lange schon zu engen Beziehung, als Almut mit ihm ein Stück zu vier Händen spielen wollte, das eigentlich für Liebende gedacht war. Nun befinden sich beide, ohne es zu ahnen, auf demselben Schiff – sie als Bordpsychologin, er als Barpianist. Abwechselnd erzählen Mutter und Sohn vom zurückliegenden Konflikt und dem Alltag an Bord, und allmählich wird das fein gegliederte soziale Gefüge aus Gästen und Besatzung sichtbar, in das sich beide verstricken, bis eine Begegnung unausweichlich wird ...

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  • Ein Piano geht auf Kreuzfahrt

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Daphne1962

    31. October 2016 um 15:27

    "Das Wetter? Miserabel. Hinterhältiger Wind blies kurz mal volle Kanne, dann brach er ab wie auf Kommando und sprang plötzlich wieder an wie das Gebläse einer durchgedrehten Klimaanlage, die ein Sadist auf eiskalt geschaltet hatte" (Zitat Seite 393 bei der Umrundung des Kap Hoorn.) Almut findet sich auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff wieder. Ausgerechnet sie, der der Luxus völlig abgeht. Obwohl sie aus einer intellektuellen Familie stammt, Klavier spielt und Psychologie studiert hat, musste sie sich mit ihrem Sohn die meiste Zeit alleine durchschlagen. Inzwischen 48 Jahre alt, aus Rostock stammend, kümmert sie sich jetzt die nächsten Wochen um die Psychosen von betuchten Passagieren, als Bordpsychologin. Sohn Sebastian, 21 Jahre alt, schwimmt sich von seiner Mutter frei. Im Streit sind sie vor Wochen auseinander gegangen. Er spielt mit Leidenschaft Klavier, was ihm die Mutter beibrachte. Auch er befindet sich ebenfalls auf diesem Kreuzfahrtschiff. Er wurde als Barpianist arrangiert. Gaus, ein Personalmanager und ehemaliger Führungsoffizier der Staatssicherheit hat beide auf das Schiff geholt. Auch Gaus liebt das Klavierspiel. Allerdings weiß weder Mutter noch Sohn, wo der jeweils andere sich gerade aufhält. Es kommt zeitweise die Melancholie hoch. Mutter und Sohn sind durch die Musik stark verbunden. Für Almut wird diese Reise ein Aufleben ihrer Vergangenheit. Für Sebastian ein Erwachsen werden und über sich hinaus wachsen. Es war sein Romandebüt im Jahre 2009. Der Autor Stefan Moster arbeitet als Übersetzer aus dem finnischen. Dort lebt er mit seiner Familie. Das er selbst mit dem Schreiben angefangen hatte, war eine sehr gute Idee. Denn sprachlich fulminant und lesenswert. Das ist Unterhaltung pur, die keine Seite langweilig war. Man verliert nie den Faden, wenn man das Buch beiseite legt. Die Reise geht von Europa nach Südamerika und rund um das Kap Hoorn. Je mehr Seewind aufkommt, je mehr nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Im inneren des Schiffes braut sich ebenfalls was zusammen. Das Personal zeigt, was es drauf hat. Auch der Autor hatte was drauf. Eine absolute Leseempfehlung.

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  • Musikalische Wiedervereinigung

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Bellami

    "Die Firma lebt. Sie lebt in ihren Mitarbeitern weiter. Seit fünfzehn Jahren außer Dienst, nicht mehr in Amt und sowieso noch nie in Würden, aber immer noch auf den Beinen und somit nicht aus der Welt. Sie tragen ihre Namen ohne Gänsefüßchen, und klingen harmlos wie eine heute ausgesproche Erinnerung mit ein bisschen Nostalgie. Almut ist 48 Jahre alt, in Rostock geboren und hat noch zu "DDR-Zeiten" Psychologie in Leipzig studiert. Sie liebt das Klavierspiel, am liebsten spielt sie Bach oder Schubert. Ihr Sohn Sebastian ist 21 Jahr alt und hat noch keine konkreten Vorstellungen, wie sein weiteres Leben verlaufen soll. Er ist ein begnadeter Musiker. Das Klavierspiel, das ihm seine Mutter beigebracht hat, liegt ihm im Blut. Abwechselnd erzählen Almut und Sebastian ihre Geschichte. Sie wissen nicht, dass sie sich beide auf dem selben Kreuzfahrtschiff befinden. Sie ist die Psychologin/Lebensberaterin an Bord, er der Bordpianist. Beide haben sich vor Monaten zerstritten und seit dem keinen Kontakt mehr gehabt. Auch an Bord will es der Zufall, dass sie sich monatelang nicht begegnen. Beide habe eine Verbindung zu Gaus, dem Personalmanager und ehemaligen Führungsoffizier der Staatssicherheit. Als einstiger überzeugter Sozialist arbeitet er jetzt ohne Skrupel und moralische Bedenken für den Kapitalismus. Was sagt die Figur Gaus über sich: " Mir genügt es gebraucht zu werden. Das ist die Voraussetzung für meine Überzeugung. Wenn ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden, bin ich auch von der Sache überzeugt. Und wenn ich überzeugt bin, dann bin ich loyal" Almut kommt aus einer intellektuellen Familie hat ihre eigenen Erfahrungen mit der Staatssicherheit. Sie hält Abstand zu Gaus, ist reserviert und ihm zeitweilig feindlich gegenüber eingestellt. Jedoch auch er ist fanatisch dem Klavierspiel erlegen und das einzige Klavier, das nicht in den Bars und Restaurants steht, steht im Praxiszimmer von Almut. Also kommt Gaus jeden Nachmittag zu ihr, um eine Stunde Klavier zu spielen. Gaus testet stets und akribisch Almuts Wissen über die Musik und ist versessen darauf, mit ihr Schuberts F-Moll-Fantasie zu spielen, ein vierhändiges Stück. Gerade dieses Stück war es, mit dem Almut ihren Sohn regelrecht genervt hat. Vierhändig mit ihrem Sohn spielen, war die Nähe die sie gesucht und gebraucht hat. Ihr Mann hatte sie schon vor Jahren verlassen und sein Glück in Hamburg gefunden. Wochen und Monate verbringen Passagiere und Personal auf einem Kreuzfahrtschiff, da pulsiert das Leben auf engstem Raum. Viele Themen können in einer Geschichte interessant verwoben werden und vieles wird in die Erzählungen von Almut und Sebastian eingearbeit. DDR-Vergangenheit , ein Mutter-Sohn-Konflikt, eine Hommage an die Musik, ein aktuelles Flüchlingsdrama, argentinische Politik, die Probleme der Luxuspassagiere. Die Sprache ist schön und klug, die Personen authentisch. Die Gefühle schwanken wie auf einem richtigen Schiff. Am Anfang ist es noch ruhig, dann kommen die ersten Wellen auf. " Eine alte Frau, die eben noch mit Almut Kaffee getrunken hat, sagt zu Sebastian: Sie haben Ähnlichkeit mit jemandem........ und dann .. Unverblühmt erzählte Gegenwart und wunderbar unaufdringlich erzählte Vergangenheit , ein Schwellgen in Erinnerungen, eine bewegende Geschichte. "Nostalgie ist Erinnerung, die glaubt, sie komme ohne Schmerz, Trauer, Scham, Schuldgefühle und so weiter aus. Das ist ein Irrtum, das ist Selbstbetrug. Dann tut man nur, als ob. "

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    • 4

    Daphne1962

    16. January 2014 um 13:54
  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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    • 37
  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    serendipity3012

    22. February 2012 um 16:22

    Almut ist Psychologin und arbeitet als Beraterin auf einem Kreuzfahrtschiff. Ihr Sohn Sebastian hat auf dem gleichen Schiff als Barpianist angeheuert – aber die beiden wissen nicht, wie nahe sie einander sind: Vor Monaten hatten sie sich zerstritten und seither nichts mehr voneinander gehört. Stefan Mosters Debütroman „Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels“ erzählt vom Leben auf dem Schiff, abwechselnd aus der Perspektive von Mutter und Sohn. Almut berichtet von ihren Klienten, den Sorgen und Nöten, die sie zu ihr führen, lässt den Leser dabei stets an ihren Gedanken teilhaben, an ihren „Strategien“. Gerade Almuts Sprache sprüht dabei nur so vor Originalität, es macht Spaß, bei diesen Sitzungen dabei zu sein. Sebastian wird von Moster genauso überzeugend dargestellt. Gerade Anfang 20 ist er, noch nicht ganz erwachsen, noch weiß er nicht, wo ihn das Leben hinführt und hinführen soll. Die Zeit auf See wird aufregender, als er in das Schicksal von vier blinden Passagieren verstrickt wird und sich außerdem verliebt. Bevor Almut und Sebastian sich endlich begegnen werden und eine erneute Annäherung stattfinden kann, erfährt der Leser nebenbei noch einiges über Klaviermusik und das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff, einem Kosmos mit eigenen Regeln. Zentrales Thema ist außerdem die DDR: Zwar sind seit der Wende über 15 Jahre vergangen, trotzdem holt die Vergangenheit Almut ein. Die Lektüre von Mosters Roman war ein echtes Vergnügen: Er erzählt seine Geschichte auf so unterhaltsame und doch intelligente Art und Weise, dass niemals Langeweile aufkommt. Nie geht die Leichtigkeit verloren. Seine Protagonisten wachsen einem so ans Herz, dass man sie nur ungern verlässt, wenn man den Roman beendet hat.

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  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. February 2011 um 19:21

    - Dann aber hörte ich mich. Ich war die Besucherin eines Konzertes, in dem ich selbst auftrat. Und außer uns beiden war niemand im Saal. Sobald ich mich hörte, verschwand Gaus unter den Tönen des Präludiums, in der Pause vor der Fuge störte kein Eindringling den angehaltenen Atem, den der erste Ton der Fuge dann mit zarter Hand erlöste. - Almut ist studierte Psychologin und arbeitete seit einigen Wochen auf einem Luxusliner als Lebensberaterin. Eigentlich hasst sie solche Schiffe und die gut betuchten Reisenden werden von ihr eher abwertend betrachtet. Doch das Angebot kam zu einer sehr günstigen Zeit. Beruflich war eine Neuorientierung notwendig und privat ging auch alles in die Brüche. Almut lebte einige Jahre mit ihrem Sohn alleine. Aus ihrer Sicht schien alles in Ordnung zu sein. Doch plötzlich brach Sebastian das Abitur ab und zog Hals über Kopf aus. Wo er hin wollte und was er plante, wusste seine Mutter nicht. Der Leser des Buches hat diesbezüglich mehr Informationen. Sebastian befindet sich ebenfalls auf dem Kreuzfahrtschiff und arbeitet dort als Pianist. Mutter und Sohn befinden sich also für ca 150 Tage an demselben Ort, von dem man auch nicht so leicht fliehen kann, wissen aber nichts davon. So entsteht eine wundervolle Geschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt wird. Sebastian und Almut müssen sich auf dieser Reise nicht nur mit ihren beruflichen Aufgaben beschäftigen, sondern machen sich auch Gedanken über das eigene Leben und das des jeweils Anderen. Dabei geht es nicht nur um die Vergangenheit, also die eigene persönliche Lebensgeschichte und die Handlungen, welche man in der Gegenwart eher kritisch betrachtet. Beide reflektieren auch immer wieder ihre gegenwärtige Position und ihre Gefühle. Und mit dem Fortschreiten der Handlung wird auch die Frage nach der Zukunft immer lauter. Stefan Moster hat eine wunderbare dichte und umfangreiche Geschichte geschaffen. Auf knapp 440 Seiten schafft er es Familiengeschichte, DDR-Vergangenheit, Liebe, Frustration, Zukunftsangst, Hoffnung und Mut zu verbinden. Obwohl es sich um sehr viele und sehr breite Themen handelt, hat man nie das Gefühl, dass irgendetwas zu kurz kommt oder gedrängt dargestellt wird. Jeder Aspekt nimmt ausreichend Platz ein und wird sinnvoll und stilvoll mit anderen Teilen der Geschichte in einen Zusammenhang gebracht. Auch die beiden verschiedenen Perspektiven werden über kleine Details miteinander verbunden. Manchmal handelt es sich dabei nur um einen Begriff den Almut und Sebastian benutzen. Oder sie beschreiben dieselben Personen aus ihrer jeweiligen Sicht. Letztendlich kommen auch Humor und Spannung nicht zu kurz. Gerade wenn Almut ihre eigenen Methoden kritisch betrachtet oder dem Pfarrer Tipps gibt, wird aus einem Schmunzeln ein lautes Lachen. Wenn es um die Vergangenheit geht, wird man eher nachdenklich und teilweise auch wütend. Ich habe mich mehrfach gefragt, ob das Leben der Protagonisten nicht anders verlaufen wäre, wenn Almut nicht so naiv gehandelt hätte. Fazit: Ein dicht gewebter literarischer Teppich, der mich sprachlich überzeugt hat. Endlich mal wieder ein Buch, dass auch intellektuelle Ansprüche an den Leser stellt.

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  • Frage zu "Der Klang der Zeit" von Richard Powers

    Der Klang der Zeit

    GraceKelly

    Der Klang der Zeit von R. Powers ist eine total schöne Liebeserklärung an die Musik. Welche wetieren Romane kennt ihr, bei denen Musik eine Rolle spielt? Mein Onkel ist Musiker und ich würde ihm gerne eines eurer Vorschläge schenken! Danke

    • 6
  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Birkhenne

    09. August 2010 um 20:01

    Ein intelligentes, geistreiches Buch, wie ich es lange nicht mehr gelesen habe. Man freut sich besonders über die präzise Beobachtungsgabe des Autors. Seine Vergleiche sind außergewönlich. Hier wird eine Kreuzfahrtweltreise einmal von der Seite des Personals erzählt. Abwechselnd in den einzelnen Kapiteln berichten Mutter (Bordpsychologin) und Sohn (Barpianist) von ihrem Arbeitsalltag an Bord auf einem Riesenkreuzfahrtliner, von denen es bisher nur einige wenige gibt, mit über 3000 Passagieren und 1600 Mann Besatzung. Auch eine Eislaufbahn befindet sich auf diesem Riesendampfer. Natürlich gibt es auf der Reise auch einen Riesensturm und damit verbunden etliche Seekranke. Davon bleibt auch ein Teil der Besatzung nicht verschont, die sich nicht rechtzeitig mit Tabletten versorgt haben. Auch Almut (Mutter) geht es hundsmiserabel. "Natürlich riss ich auch ständig die Badtür auf und hielt den Kopf abwechselnd über Kloschüssel und Waschbecken. Es kam aber längst nur noch Schleim heraus, begleitet von heiserem, brüllendem, irrsinnig lautem Gackern, wie beim trockenen Brechen üblich. Zusätzlich wurde mir immer klaustrophobischer zumute; Innenkabine ohne Fenster, in der Kabine das kleine Bad,in dem Bad der Abgrund der Kloschüssel und der Sog des muschelkleinen Waschbeckens, all das zusammen zog mich in einen Horrorschlund hinein, in eine perverse Mischung aus Geister-,Looping- Achter- und Müllschluckerrutschbahn. Als ich mir schon vollkommen sicher war, nie mehr aus dem Höllenschacht herauszukommen, half mir ausgerechnet ein fahrlässiger Blick in den Spiegel. Ich hatte ein paar Schleimfäden ins Waschbecken gespuckt und richtete mich auf, da sah ich mich unvermutet selbst: grünlich, mit dem Blick einer Drogensüchtigen, mit einem Gesicht wie schlecht gekneteter und wütend in die Tonne geklopfter Hefeteig. Bestückt mit Schneemannzubehör: abgelutschter Kohle und halb weggefressener, schimmliger Möhre." Ich hoffe, es ist euch jetzt nicht schlecht geworden. Auch die Liebe zur Klaviermusik spielt natürlich hier eine wesentliche Rolle, worauf uns der Titel des Buches schon hinweist aber hier in übertragenem Sinne. Dieses Buch führt einen gleichzeitig auf eine Reise in die klassische Klaviermusik von Schubert und Bach. Dies aber sehr einfühlsam und keinesfalls langweilig. Alles in allem ist es ein sehr unterhaltsamer Roman, den ich bestimmt ein zweites Mal lesen werde.

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  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Die Buchprüferin

    13. March 2010 um 17:53

    Eigentlich langweilig, oder? Mutter und Sohn auf einem Kreuzfahrtschiff, zwischen Bildungsbürgern, die sich auch mal was leisten, und richtig Reichen mit Luxusproblemen. Gähn. Nein, überhaupt nicht gähn. Denn die Bordpsychologin Almut und der Pianeur Sebastian wissen vom jeweils anderen nicht, dass er/sie ebenfalls auf dem Schiff ist. Sie sind schon davor im Streit auseinandergegangen. Während Almut sich nun mit den Überbleibseln des DDR-Regimes herumschlägt, von dem sie in Gestalt ihres Vorgesetzten belästigt wird, verstrickt sich ihr Sohn in das Schicksal von vier blinden Passagieren. Unerwartete Liebeswirren würzen die Geschichte, die sich zu Beginn des dritten Teils plötzlich zu ebenso unerwarteter Dramatik aufbäumt. Aber Stefan Moster, erfahrener Übersetzer aus dem Finnischen und Lektor, der hier mit seinem ersten Roman antritt, weiß, was er tut. So sind die Stimmen von Mutter und Sohn, die abwechselnd zu Wort kommen, mit unglaublicher Einfühlung und auffallend unterschiedlich gestaltet; und weder lassen einen die ruhigen Teile des Romans fadisiert einnicken, noch wirken die dramatischen Passagen überkandidelt und effektheischerisch. Ein tolles Buch, das man nicht in einem Tag durchlesen kann oder sollte: Genießen ist angesagt. Und auf weitere Werke aus diesem klugen und sensiblen Kopf hoffen.

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  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Gruenente

    28. December 2009 um 15:52

    Almut, Mitte 40, Psychologin mit Ausbildung in der DDR, entflieht aus ihrem tristen, einsamen Alltag und heuert als "Lebensberaterin" auf einem Luxuskreuzfarhtschiff an um in 157 Tagen auf See Abstand zu gewinnen. Sebastian, 21, ist auf dem Schiff als Barpianist angestellt. Erst nach Wochen treffen Sie sich zufällig. Sie sind Mutter und Sohn, nach einem Streit entzweit. Es geht in dem Buch um Findung, Pläne schmieden, Liebe, afrikanische Flüchtlinge, Klaviermusik, Bücher, Aufarbeitung der Vergangenheit, Beziehungen und viele andere Sachen. Es ist immer abwechselnd aus Almuts und Sebastians Sicht geschrieben. Sie fühlen sich zwar nicht in der Lage vierhändig ihr Lieblingsstück auf dem Klavier zu spielen, haben aber viele gemeinsame Gedanken und Gefühle, ohne vom anderen zu wissen. Ein sehr gekonnter Erstling. Durchgehen in zwei Stilen geschrieben und hätte für mich auch noch weiter gehen können.

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  • Rezension zu "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" von Stefan Moster

    Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. November 2009 um 09:53

    Mutter und Sohn haben sich im Streit getrennt und befinden sich jetzt beide beruflich auf einem Kreuzfahrtschiff. Keiner ahnt etwas von der Anwesenheit des anderen und jeder versucht für sich, seine Vergangenheit für sich zu verarbeiten. Doch plötzlich treffen sie aufeinander, in einem Sturm und ein Mann geht beinahe über Bord... sehr dicht geschrieben.

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